Wo Schinkel persönlich den Pinsel führte

Cöthen (MOZ) Der Förderverein Cöthener Schinkelkirche und die evangelische Kirchengemeinde befinden sich auf der Zielgeraden. Der dritte Bauabschnitt ist bald abgeschlossen, sodass das Gotteshaus am 26. Mai wiedereröffnet werden kann.

Zartes Türkis: Das Innere der Cöthener Kirche wirkt auf den ersten Blick unvollendet. Marlies Sydow, Vorsitzende des Fördervereins, hofft, dass dennoch alle Bürger den kulturellen Wert der original schinkelschen Farbgebung akzeptieren.
© Sören Tetzlaff

Glaswände schirmen den Raum unter der Empore vom eigentlichen Kirchenraum ab. Es handelt sich dabei um die Winterkirche, ein das ganze Jahr über nutzbarer Raum. Heizkörper schaffen im Winter angenehme Temperaturen, sodass dort auch in der kalten Jahreszeit Gottesdienste gehalten werden können. Die Winterkirche ersetzt den Gemeinderaum im alten Pfarrhaus, in dem Cöthens Christen seit den 1950er-Jahren Gottesdienste feiern. Für die Kirchengemeinde bedeutet der Abschluss des dritten Bauabschnitts einen großer Schritt, denn erstmals ist die Kirche ganzjährig nutzbar. Das alte Pfarrhaus wird verkauft.

265 000 Euro seien in den Innenausbau der Cöthener Kirche investiert worden, sagt Marlies Sydow, Vorsitzende des Fördervereins Cöthener Kirche, der sich 1998 gründete und die Sanierung des Gotteshauses vorantrieb. Davon seien 100 000 Euro Eigenmittel, die unter anderem durch den Kirchenkreis Barnim und durch Spenden der Gemeinde Falkenberg finanziert wurden.

Unter der Empore sind ferner eine Teeküche und eine behindertengerechte Toilette eingebaut worden. Für das WC sei ein Aufgang zum Turm geopfert worden, erläutert Marlies Sydow. Wenn Rollstuhlfahrer oder schwer Gehbehinderte den Weg in die Kirche suchen, kann eine transportable Rampe ausgeklappt werden, um die beiden Stufen zu überwinden.

Das Pfund, mit dem die Kirche nun wuchern kann, habe im Herbst 2011 eine Restauratorin zutage befördert, berichtet Marlies Sydow. Das zarte Türkis der Wände und die Illusionsmalerei an den Holzbalken weisen daraufhin, dass Karl Friedrich Schinkel selber den Pinsel geschwungen habe, schildert Marlies Sydow. Sie zeigt eine scheinbar profilierte Holzsäule. Wer sie berührt, stellt jedoch schnell fest, dass die Oberfläche glatt ist. Profilierung und Schattenwirkung sind aufgemalt.

"Wir hatten uns eigentlich schon eine Farbe für die Kirche ausgesucht", sagt die Vorsitzende des Fördervereins. Schlicht sollte der Anstrich für das Innere der Kirche sein. Doch damit ist es nun vorbei. Die Decke erstrahlt in leuchtendem Türkis und ist dem Anstrich der Wände nachempfunden. Für eine fachgerechte Sanierung der Wände mit frischer Farbe reiche nun das Geld nicht mehr. "Die Restauratorin hat mit einem kleinen Spachtel die oberen Farbschichten nach und nach entfernt", erklärt Marlies Sydow. Dies habe viel Geld gekostet. Nun erscheint das Original, wenngleich es etwas fleckig ist. Wo von der Farbe nichts mehr übrig ist, sind weiße Flächen entstanden. "Ich hoffe, dass unsere älteren Mitglieder der Kirchengemeinde diese Ansicht so akzeptieren", sagt die Vorsitzende des Fördervereins.

Carl Friedrich von Jena, Gutsherr von Cöthen, Dannenberg und Falkenberg, stiftete 1830 die Kirche. Die königliche-preußische Baudeputation unter dem Vorsitz von Karl-Friedrich Schinkel beaufsichtigte den Bau. So entstand eine typisch klassizistische Saalkirche, die unter Denkmalschutz steht. Im Krieg wurde die Kirche beschädigt und diente zu DDR-Zeiten als Lagerplatz für Baustoffe.

Der Förderverein entwickelte ein Konzept zur kirchlichen, kommunalen und kulturellen Nutzung des Gotteshauses. Er beantragte Fördermittel aus dem LEADER-Programm für ländliche Entwicklung bei der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Oderland, die dem Projekt 2011 die Zusage erteilte. Mit der Wiedereröffnung kann die Kirche genutzt werden, fertig ist sie jedoch noch nicht. Die Orgel ist ein Trümmerhaufen und auch der Turm ist im Inneren noch nicht saniert.

Den Eröffnungsgottesdienst hält am 26. Mai um 14 Uhr Pröbstin Frederike von Kirchbach, stellvertretende Landesbischöfin.

Märkische Oderzeitung vom 24. April 2013

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