Farben fürs Gotteshaus frisch kombiniert

Cöthen (MOZ) Noch können die Cöthener Gemeindemitglieder bei ihren Gottesdiensten lediglich einen sehnsüchtigen Blick auf die andere Straßenseite werfen. Hinter den vergitterten Fenstern im Keller des Pfarrhauses ragt die 1830 von Carl Friedrich von Jena gestiftete Kirche auf einem kleinen Hügel. Schon jetzt, obwohl die Arbeiten an der zweiten Bauphase noch bis Oktober oder November andauern, ist die Kirche von außen bereits wieder ein Blickfang.

 
Ulf Winfried Radtke, Pfarrer der Gemeinde Cöthen, vor der noch unsanierten Kanzel
© MOZ/Lars Weber

"Zuletzt wurden die Rundfenster eingebaut", sagt Ulf Winfried Radtke, Pfarrer der Gemeinde. Auch die Türen sind fertig. Zuvor wurde der Außenhülle bereits ein frischer Putz und die mintgrüne Farbe spendiert. "Von außen ist die Renovierung nun sichtbar abgeschlossen", sagt Radtke. Und auch innen hat sich einiges getan.

Die Gerüste sind inzwischen komplett verschwunden. Das anfangs primäre Ziel der Bauphase, die Decke wiederherzustellen, ist erreicht. Sie erstrahlt jetzt in Türkis. Die ungewöhnliche Farbe hat seinen Grund. Im Laufe der Renovierungsarbeiten entdeckten Archäologen unter zwei Farbschichten an den Kirchenwänden illusionistische Malereien aus der Schinkel-Zeit. Kein Zufall, unterlag der Bau der Kirche doch der Aufsicht des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel persönlich. Auch unrestauriert erkennt man bei den Malereien die Verweise auf griechische Tempelsäulen. "Eigentlich wollten wir eine schlichte, einfache Bemalung", sagt der Pfarrer. Doch diese Pläne sind längst gekippt.

Die Restaurierung der Malereien sei allerdings noch Zukunftsmusik. Zunächst wolle die Gemeinde einen Kostenvoranschlag in Auftrag geben. Dann können Radtke, die Gemeinde und der Förderverein "Cöthener Kirche" auf die Suche nach Spenden und Förderern gehen. "Wir alleine können uns das nicht leisten." Spenden werden auch nötig sein, um die Kanzel sowie die Empore mit der Orgel wieder in Schuss zu bringen.

Das kurzfristige Ziel ist ein anderes: "Den Weihnachtsgottesdienst möchten wir hier feiern", sagt Radtke. Dafür sieht es gut aus. Das behindertengerechte WC und die kleine Teeküche sind schon weit fortgeschritten. In der nächste Woche werden die Glastüren für die Winterkirche eingesetzt. Zudem fehlen noch die Elektrik und nicht zuletzt rund 100 Stühle für die Gemeindemitglieder. "Auch da hoffen wir auf Spenden." Für den Weihnachtsgottesdienst sei eine sporadische Lösung denkbar.

Die zweite Bauphase kostet etwa 285 000 Euro. Der Großteil dieser Summe wird durch das Förderprogramm "Leader" der Landesaktionsgruppe Oderland und Eigenmittel abgedeckt. Zudem soll das Pfarrhaus verkauft werden. Radtke hofft, dass das Gotteshaus im Frühjahr kommenden Jahres offiziell eröffnet werden kann. Dann dient es der Gemeinde auch als Veranstaltungsraum für Kultur.

Märkische Oderzeitung vom 24. August 2012

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