Die Dorfkirche von Waltersdorf (Landkreis Teltow-Fläming)

 
 
 

Es ist nicht ganz leicht, in dem zur Gemeinde Niederer Fläming gehörenden Ort Waltersdorf die Kirche zu finden. Etwas von der Straße zurückgesetzt, wirkt der turmlose Feldsteinbau ohne Anbauten wie ein normales Haus oder ein landwirtschaftlicher Nutzbau. Dabei verblüfft gerade hier der gewaltige Kontrast zwischen dem schlichten äußeren Erscheinungsbild und dem üppig ausgestatteten Innenraum.

Der einfache Feldsteinsaal entstand im 15. Jahrhundert. Zwei Portale auf der Südseite ermöglichten ursprünglich den Eingang in den Kirchenraum. Das östlichere davon, die ehemalige Priesterpforte, wurde im 18. Jahrhundert zugemauert. Durch das verbliebene Portal mit den originalen spätmittelalterlichen Beschlägen und den erhaltenen Löchern für den Wehrbalken betritt der Besucher das Gotteshaus und ist erstaunt, in Waltersdorf den wohl am reichsten ausgestatteten barocken Kirchenraum im Fläming zu finden.

Stimmungsvoll bemalte Emporen auf der West- und Nordseite schufen einst Platz für die Kirchgänger, denn die Waltersdorfer Kirche zählt zu den kleinsten der Region.

Der Altaraufsatz zeigt gemalte Darstellungen des Abendmahls, der Kreuzigung und der Auferstehung Christi inmitten eines dekorierten Säulenaufgangs. In den Feldern des polygonalen Kanzelkorbes sind Christus als salvator mundi sowie die vier Evangelisten dargestellt. Der Kanzelaufgang ist mit einem evangelischen Beichtstuhl verbunden. In der Mitte des Kirchenraumes hängt ein pausbäckiger Taufengel. In seinen weit ausgebreiteten Armen trug er vermutlich einen Lorbeerkranz zur Aufnahme der Taufschale. Auch der Prospekt der kleinen Orgel zeigt die Formen des Barock. Das pneumatische Orgelwerk jedoch schuf im 19. Jahrhundert die in Zörbig (Sachsen-Anhalt) ansässige Firma Rühlmann.

Komplettiert wird die Ausstattung des Innenraumes durch das nördlich vom Altar befindliche Patronatsgestühl, das mit dem von Engeln getragenen Wappen des damaligen Besitzers Johann Heinrich von Berger bekrönt ist. Kaiser Karl IV hatte den in Gera geborenen Juristen 1713 zum evangelischen Reichshofrat berufen und 1717 in den Adelsstand des Heiligen Römischen Reiches erhoben.

Auf Berger geht wohl ein großer Teil der Ausstattung zurück. Die Bemalung der tonnengewölbten Holzdecke jedoch erfolgte laut einer erhaltenen Inschrift erst 1754 durch den Maler Joseph Gerlach. Dargestellt sind in den Deckengemälden die Anbetung des von einem Licht- und Wolkenkranz umgebenen Lammes sowie im östlichen Teil Christus als Weltenrichter.

Gefährdet ist dieser Schatz durch schwere Bauschäden am Kirchengebäude. Im Dachbereich und vor allem in Teilen des Gesimses wurde der Echte Hausschwamm festgestellt, der bereits größere Teile der hölzernen Dachkonstruktion stark geschädigt hat. Die Dachdeckung aus einfachen Betonsteinen ist ebenfalls in einem schlechten Zustand. Damit sind die Deckengemälde auf das Höchste gefährdet. Im Mauerwerk sind Risse zu beobachten. Großflächige Putzschädigungen im Sockelbereich sowie um die Fenster komplettieren das Schadensbild.

Umfangreiche Instandsetzungsarbeiten in der nächsten Zeit wären dringend wünschenswert, um die Waltersdorfer Kirche als liebenswertes Zeugnis der Kunst- und Glaubensgeschichte des Fläming für die Nachwelt zu erhalten.

Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Illmersdorf; Illmersdorf 25; 15936 Ihlow; Tel.: (03 37 44) 6 02 16


Zum Weiterlesen:
Mitteilungsblatt Dezember 2010: Kleinodien barocker Kunst in Gefahr
Märkische Allgemeine vom 19. August 2013: Bedürftiges Schmuckkästchen
Mitteilungsblatt September 2013: Nur ein Wegweiser ...
Monumente - Magazin für Denkmalkultur Oktober 2013: Die Malereien in der Dorfkirche von Waltersdorf sind akut bedroht
Märkische Allgemeine vom 29. August 2014: Kleine Kirche besticht durch Bauernbarock
Märkische Allgemeine vom 20. Februar 2016: Wenn die Feuchtigkeit dem Gotteshaus zusetzt
Märkische Allgemeine vom 04. Januar 2017: Münzfund mit Rätseln unter der Kirche

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