Waltersdorf

Münzfund mit Rätseln unter der Kirche

Ganz so alt wie die Waltersdorfer Kirche (Dorfkirche des Monats Januar 2010) selbst sind die neuen Fundstücke der Archäologen zwar nicht. Mit ihrem Ursprung (17. Jahrhundert) sind sie für die kleine Feldsteinkirche, die wegen ihrer Verzierungen im Kircheninnenraum bekannt ist, aber dennoch außergewöhnlich. Nun versuchen die Archäologen die Geschichte der Münzen zu rekonstruieren.

Die Kirche in Waltersdorf befindet sich in einem beklagenswerten Zustand.
Quelle: Uwe Klemens
 
Eine der gefundenen Münzen.
Quelle: Kreis TF
 
Blick ins Kirchenschiff, das dringend eine Restaurierung braucht..
Quelle: Uwe Klemens

Waltersdorf. Schimmelbefall im Dachstuhl, Schäden an der Feldsteinfassade und Feuchtigkeit im Fußboden – gut geht es der Kirche in Waltersdorf, die aus dem 12. Jahrhundert stammt, derzeit wirklich nicht. Einen unerwarteten Geldsegen wünschen sich die engagierten Kirchenfreunde im Ort und der Kirchengemeinde deshalb insgeheim schon lange. Nun hat sich der Wunsch überraschenderweise tatsächlich erfüllt. Viel wert sind die gefundenen Münzen allerdings wohl nicht. Noch lagern sie im Archäologischen Landesmuseum in Wünsdorf und warten dort auf eine genaue Untersuchung.

34 Münzen aus Kupfer und Silber

Drei kleine Stapel mit jeweils fünf bis sechs Geldstücken und einer größeren Münze – insgesamt 34 Stück – haben die Archäologen in der Kirche gefunden. Die meisten von ihnen bestehen aus einer Kupferlegierung. „Nur das große Geldstück mit vier Zentimetern Durchmesser und einem Gewicht von 25 Gramm ist aus Silber gefertigt“, erläutert Kreisarchäologe Stefan Pratsch.

Dabei hatten die Archäologen einen besonderen Fund in dieser Kirche eigentlich schon ausgeschlossen. Denn nennenswerte Entdeckungen werden in alten Fläming-Dorfkirchen der Erfahrung nach hauptsächlich im Erdboden unter dem Mittelgang im Kirchenschiff gemacht. Oft genug handelt es sich dabei lediglich um alte Stecknadeln, die einst die Flämingtrachten der Damen zurecht hielten. Auch in Waltersdorf hatte man das Glück an dieser Stelle im Kirchenschiff versucht und das entnommene Sediment durchsiebt – jedoch ohne Erfolg.

Münzen aus dem 17. Jahrhundert

Deshalb gingen die Arbeiten an dem von Feuchtigkeit geplagten Fußboden des Gotteshauses zunächst wie geplant weiter. „Erst unter der Kanzel wurden die Archäologen fündig“, berichtet Stefan Pratsch. Nahe des Mittelganges konzentrierten sich dann die Geldstücke.

Der Kreisarchäologe Pratsch kann das Alter der großen Münze dank ihrer Prägung bereits heute bestimmen. „Dabei handelt es sich um einen Drittel Taler, der unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm geprägt wurde“, sagt Pratsch. 1640 bis 1688 war die Regierungszeit des Brandenburgischen Herrschers.

Stefan Pratsch ist nun auf der Suche nach Antworten auf weitere Fragen, die der Fund in der Waltersdorfer Kirche aufwirft. Kleine Gewebereste von Textil waren bereits mit bloßem Auge an den Geldstücken zu erkennen. „Das deutet darauf hin, dass sich die Münzen ursprünglich in einem Stoffbeutel befanden“, erläutert der Fachmann.

Der Archäologe vermutet nun, dass die Münzen während eines Krieges im 17. Jahrhundert versteckt wurden. Den Stoffbeutel könnte der Besitzer ganz in der Nähe ebenfalls im Fußboden des Gotteshauses versteckt haben. „Das war in Kriegszeiten durchaus so üblich“, berichtet Pratsch, „ganz einfach, weil man nicht wollte, dass die Wertgegenstände geraubt wurden.“



Die Waltersdorfer Kirche

Das Alter der Waltersdorfer Kirche wird auf 600 Jahre geschätzt. Im 18. Jahrhundert soll es einen Umbau gegeben haben.
Das Gotteshaus ist vor allem für seine prächtigen Malereien im Innenraum und für einen 300 Jahre alten Taufengel bekannt.
Momentan trägt die Kirche ein Notdach. Zudem muss im Außenbereich der alte Feldsteinputz geflickt werden. Auch die Orgel ist defekt.


Weitere Erkenntnisse, beispielsweise darüber, wann der Geldbeutel vergraben wurde oder ob das Versteck tatsächlich wegen eines Krieges gewählt wurde und vielleicht sogar darüber, wer der Besitzer der Münzen gewesen sein könnte, soll es schon bald geben. Denn im Archäologischen Landesmuseum werden die Münzen nun restauriert und anschließend numismatisch bestimmt.

Von Victoria Barnack

Märkische Allgemeine vom 04. Januar 2017

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