Die Kirche in Waltersdorf muss dringend saniert werden / Politiker besuchen das Gotteshaus

Bedürftiges Schmuckkästchen

Von außen könnte die Waltersdorfer Feldsteinkirche (Dorfkirche des Monats Januar 2010) kaum schlichter sein. Doch wohl jedem Besucher, der erstmals das Innere der kleinen Dorfkirche erblickt, entfährt ein Ausdruck des Staunens.

Cornelia Behm (2.v.r.) und Andreas Rieger (3.v.r.) staunten über das Kircheninnere.
Quelle: Kathrin Burghardt

Waltersdorf. So auch der Bundestagsabgeordneten Cornelia Behm (Bündnis 90/Grüne). Beim Anblick der üppig-barocken Ausmalung der unscheinbaren Kirche brachte auch sie nur ein leises "Wow" heraus.

Auf ihrer aktuellen Kirchentour durch den Fläming machte sie erstmals Halt in Waltersdorf. "Ich möchte mich sozusagen von meinem Wahlkreis verabschieden, da ich bei der Bundestagswahl nicht mehr antrete", sagte sie. Kirchen und Denkmalschutz waren stets ihr Thema. In Waltersdorf wurde sie von Andreas Rieger (Grüne) begleitet, der zur Wahl antritt. Der Architekt war ebenfalls angetan von dem Gotteshaus. Bei den Mitgliedern des Fördervereins für die Waltersdorfer Kirche informierten sich beide über aktuelle Probleme rund um die Dorfkirche.

"Es kommen übers Jahr sehr viele Touristen zu uns, die über unsere Kirche staunen. Die wenigsten lassen dabei aber eine kleine Spende da", sagte Pfarrer Wolfgang Scholz. Die Kirche benötigt dringend eine Sanierung der wertvollen, barocken Ausmalung. "Dafür könnten wir sogar Fördermittel erhalten. Uns fehlt allerdings das Eigenkapital", so die Waltersdorfer. Ihre schmucke Kirche wurde aktuell von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz auf die Liste der bedrohten Denkmale im Landkreis Teltow-Fläming gesetzt. Die Fachzeitschrift "Monumente" der Stiftung behandelt das Thema in der September-Ausgabe.

"Die Deckenmalereien sind sehr bedroht. Wir haben sowohl den Holzbock als auch Holzwürmer in der Substanz, die sich aktuell durchs Holz fressen und die Gemälde beschädigen. Auch die Betondachziegel sind für das hölzerne Tonnengewölbe viel zu schwer", so Scholz. Insgesamt werden die Kosten der Sanierungsmaßnahmen auf rund 200000 Euro geschätzt. "Diese Summe geht auf ein zehnjähriges Gutachten zurück. Inzwischen dürfte viel mehr Geld nötig sein", sagte er.

Cornelia Behm versprach bei ihrem Besuch, einen Kontakt mit dem Landesdenkmalpflegeamt herzustellen. "Ich setze mich seit einiger Zeit für die Schaffung eines Denkmalpflegefonds in Brandenburg ein. Ich hoffe, für die Kirche kann bald eine Möglichkeit gefunden werden, um das Gebäude zu sanieren und noch lange zu erhalten", sagte sie. Kirchen sollten viel mehr auch von Nichtchristen als historisches Erbe wahrgenommen werden und als Kulturstätten für die Dorfgemeinschaften erhalten bleiben, wünschte sie sich.

Von Kathrin Burghardt

HISTORISCHES

Waltersdorf wird 1183 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort war ursprünglich eine slawische Siedlung und wurde von den Flamen neu besiedelt.
Die Grenzlage führte zu häufig wechselnden Zugehörigkeiten: 1342 war Waltersdorf im Pfandbesitz der Gebrüder Krull von Schlieben, 1441 fiel die Herrschaft an Baruth, 1529 wird Waltersdorf als Vorwerk von Niebendorf erwähnt.
Die Gutsherren aus Niebendorf ließen die schlichte Feldsteinkirche aus dem 12. Jahrhundert analog zur Niebendorfer Kirche ausgestalten.
Beide Kirchen gelten als Zwillingskirchen: Die barocken Deckengemälde tragen die Handschrift desselben (unbekannten) Künstlers.
Spenden für die Sanierung nimmt der Förderverein entgegen, unter Tel. 03 37 44/70 53 55 . kab

Märkische Allgemeine vom 19. August 2013

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