Wolfgang Thierse, Schirmherr des Förderkreises Alte Kirchen

Die eigene Welt nicht verloren geben

Anlässlich der Präsentation des Buches "Kirchen in Brandenburg und ihre Hüter" von Kara Huber hielt der Schirmherr unseres Förderkreises Wolfgang Thierse eine viel beachtete Rede, die wir an dieser Stelle wiedergeben wollen:

Vor kurzem veröffentlichte der wunderbare holländische Autor Cees Noteboom einen Beitrag in der Wochenzeitung "Die Zeit". Was nütze das Gerede vom Dialog der Kulturen, fragte er, wenn wir im Zuge der Globalisierung die eigene Kultur, sprich: die Geschichten und Bilder, die unser kulturelles Wissen, unsere Weltsicht, unser Verhalten, unsere Emotionalität geprägt haben, verlieren? Was geschieht, "wenn eine Kultur sich langsam, aber gründlich, ihrer Wurzeln entfremdet"? Ich zitiere wörtlich: "Zur selben Zeit, da wir unsere eigenen Bilder verlieren, weil wir die Geschichten, aus denen sie hervorgegangen sind, nicht mehr kennen, werden wir durch die Globalisierung mit dem überschwemmt, was der Kommerz sich für uns ausgedacht hat, und gleichzeitig, um die Verwirrung komplett zu machen, mit den Bildern und Symbolen der anderen."

Man muss nicht so elegisch sein, so richtig Notebooms Beobachtung ist – und so notwendig seine Frage.

Das Buch, das heute hier vorgestellt wird – vor allem das, wovon es handelt – liefert eine gegenläufige Beobachtung: Es handelt nämlich von Menschen, die ihre eigene Welt nicht verloren geben, die sie wiederzugewinnen, zu erhalten, neu zu verlebendigen versuchen. Die eine Erbschaft nicht ausschlagen, sondern annehmen, sie öffnen und verständlich zu machen versuchen: Kirchen in Brandenburg – ein Erbe aus vergangenen Jahrhunderten. Einst im Zentrum städtischen (oder dörflichen) Lebens, jetzt eher am Rande, für viele fremd geworden; die Sprache eines Kirchenraumes, von Altar und Kanzel und Taufbecken und Kreuzweg ist ihnen unverständlich.

Und doch gibt es ein neues Interesse, so meine ich, eine vielleicht zunächst vage, diffuse Neugier auf dieses Alte, was da unübersehbar herumsteht, auf etwas Fremdes, das doch unübersehbar das Bild der Stadt oder des Dorfes prägt.

Das ist Teil einer allgemeinen Entwicklung, so meine Beobachtung:

Wir leben in Zeiten rasanten wirtschaftlichen, technischen, wissenschaftlichen Wandels, in Zeiten politischer, sozialer, ideeller Verunsicherungen, in Zeiten kultureller und kommunikativer Beschleunigung und Entgrenzung –"Globalisierung" heißt das alles umfassende Schlagwort dafür. Das ehedem geradezu pathetisch geglaubte Modernisierungsparadigma ist in die Krise geraten, der Fortschrittsoptimismus nicht mehr ungebrochen.

Das alles mag ganz unterschiedlich intensiv, unterschiedlich bewusst erlebt werden: Aber es erzeugt doch, so jedenfalls meine Beobachtung, eine stärkere Herkunftsneugier, eine neue Beheimatungssehnsucht.

Das Verlangen nach Sicherheit meint dabei offensichtlich mehr als soziale Sicherheit. Menschen suchen nach Orten und Zeiten der Entschleunigung, nach Möglichkeiten, ihr Vergewisserungsbedürfnis beantwortet zu bekommen.

Das ist die emotionale und geistige Situation, in die die Bemühungen um die alten Kirchen ziemlich gut passen, um ihre Öffnung, ihr neues Verständlichmachen. Als historische Zeugnisse und als Kunstwerke ermöglichen sie den Zugang zu einem Text, einer Botschaft, die so vielen fremd geworden oder unbekannt ist – weil sie ein Angebot machen, wenn es gut geht, für Herkunftsneugier und Beheimatungssehnsüchte, für Entschleunigungs- und Vergewisserungsbedürfnisse.

Das kann gelingen (es gibt keine Garantie), das kann gelingen, wenn die Kirchentüren offen sind, wenn es sachkundige, sensible Kirchenführer gibt und neugierige Besucher kommen, die sich Augen und Herzen öffnen lassen – für die (im Brandenburgischen manchmal kargen) Schönheiten und ihre ideellen, religiösen und zugleich sehr menschlichen Botschaften.

Das heute vorgestellte Buch ist ein schöner, ein gelungener Wegweiser dahin. Respekt und danke dafür.

 
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Festliche Vergabe des FAK-Startkapitals 2010 in Löhme

Ehrung, Grüße, Überraschungen, Freude – ein ganzes Dorf feierte mit den Gewinnern

 
  Der
Star
des
Tages
  Der Star des Tages
 
hielt sich in seiner Ecke neben dem Altar noch etwas im Hintergrund. Der an diesem Festtag feierlich enthüllte Taufengel war gerade erst nach sorgfältiger Restaurierung nach Löhme zurückgekehrt.
Viele Jahre hatte er unbeachtet auf dem Dachboden, später in der Patronatsloge gelegen und manche "Federn gelassen". Dass wenigstens der Rest erhalten wurde, ist der 2009 gegründeten Initiative "Menschen helfen Engeln" zu danken und dem FAK-Mitglied Dr. Heinrich-Thomas Proske, der die Patenschaft übernommen hatte und die gesamte Summe von 3.100 Euro für die Restaurierung spendete.
Der Taufengel soll künftig seinen Platz auf einem Steinsockel in der Kirche erhalten.
 
 

Ausnahmezustand in Löhme (Barnim). Auf der sonst beschaulichen Dorfstraße ist Bewegung. Tabletts und Kuchenbleche werden herbeigetragen, rund ums Zelt an der Kirche duftet es nach Kaffee und Kuchen. Die alte Dorfkirche staunt: Selten hat sie in jüngerer Zeit so viele Menschen gesehen, die sich in den Bänken drängeln...

Viele Freunde und Förderer des Förderkreises Alte Kirchen hatten sich hier getroffen zur feierlichen Übergabe des FAK-Startkapitals 2010 an die Vereine in Gosen, Klein Muckrow, Lichterfelde, Niederlehme und Wegendorf. All die ehrenamtlich Tätigen in den Vereinen, die Kirchen und Kirche bewahren wollen, würdigte Pfarrerin Cordula Beier bei der Begrüßung in einem treffenden Satz. "Kirche – das sind immer und vor allem die Menschen", sagte sie und schloss damit alle ein, die sich hier versammelt hatten. FAK-Vorsitzender Dr. Uwe Otzen dankte in diesem Sinne den "umsichtigen Pfarrern und Pfarrerinnen, treuen Gemeindemitgliedern, engagierten Dorfbewohnern, liebenswerten Schlüsselbewahrern, zupackenden Handwerkern, denkmalbewussten Amtsinhabern und uneigennützigen Helfern der in Not geratenen Kirchenbauten".

Lichterfelde - Auszeichnung  
STOLZ AUF DEN SCHECK – hier Frederik van der Kooi (l.), Förderverein Lichterfelder Dorfkirche, neben Dr. Uwe Otzen und Horst Maierl (v. l.)
Fotos: Dr. Hans Krag

Die Preisvergabe war diesmal mit vielen Überraschungen verbunden. Da waren zunächst die Kurzfilme, in denen die auszuzeichnenden Vereine in Wort und Bild ihre Kirche vorstellten. Dann gab es zum symbolischen Scheck ein großes Poster: eine Luftbildaufnahme der jeweiligen Kirche – der Flugtechniker Horst Maierl hatte sie extra dafür aus dem Hubschrauber fotografiert. Und plötzlich läuteten viele Keramik-Glöckchen – für jeden Siegerverein eines. Der neu gegründete Förderverein Dorfkirche Harnekop (Märkisch Oderland), gerade mal sechs Wochen alt, grüßte so die Prämiierten – deutete er damit vielleicht schon seine Anwartschaft auf das nächste Startkapital an? Bereits vor der Vereinsgründung hat man sich dort mit zahlreichen Initiativen eine gute Ausgangsposition geschaffen.

Im Namen aller Ausgezeichneten dankte Frederik van der Kooi, Vorsitzender des Lichterfelder Fördervereins, für die Ehrungen und ließ es sich als gebürtiger Niederländer – ausgewiesen durch ein Paar bunter Original-Holzschuhe – nicht nehmen, augenzwinkernd zu demonstrieren, dass sich auch Neubürger ihrer selbstgewählten Heimat verbunden und verpflichtet wissen.

Im Festzelt waren inzwischen die Tische gedeckt, die Technik für die Musik wurde installiert, ganz Löhme feierte mit seinen Gästen ein großes Dorffest. Für die Mitglieder der Fördervereine gab es viele Möglichkeiten des Gedanken– und Erfahrungsaustauschs. So an den Bildtafeln, auf denen die Prämiierten ihre Arbeit vorstellten, oder bei der Präsentation der "Vernetzung von Kirchenfördervereinen im Internet", von Löhmer Experten erarbeitet und sicher bald zu nutzen.

Den Mitgliedern des Löhmer Fördervereins, Preisträger des Vorjahres, war es gelungen, aus diesem Tag ein ganz besonders Erlebnis zu machen. Für all die Mühe, auch bei der Vorbereitung der vorangegangenen Exkursion herzlichen Dank.

Großer Dank sei auch der Sängerin Sarah Fuhs und den Musikern der Gruppe "Sanddorn" für die originelle und einfühlsame musikalische Umrahmung gesagt.

Eva Gonda

 
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Aktion "Menschen helfen Engeln" – erste Bilanz

Manche konnten schon heimkehren

  Taufengel Kunow   Taufengel Kunow
ETWAS ERSTAUNT schaut er noch in die Runde, der Kunower Taufengel. Einen so fröhlichen Empfang in seiner Kirche hatte er nicht erwartet, als er erstmals wieder das Taufwasser darreichen durfte. Großzügige Spenden hatten seine Rückkehr möglich gemacht.
Fotos: Axel Kempert

Sehr poetisch beschreibt der Dichter Jean Paul in seinem 1796 erschienenen Roman "Leben des Quintus Fixlein" eine zeitgenössische Taufzeremonie: "Als der hölzerne Taufengel wie ein Genius niedergeflogen, seine angemalten Holzarme der Taufschüssel unterbreitete und als ich am nächsten an seinem übergoldeten Fittich stand, so zog mein Blut langsam – feierlich warm und dicht durch meinen pulsierenden Kopf und durch meine Lunge voll Seufzer..."

Vor genau einem Jahr hatten wir unter der Überschrift "Menschen helfen Engeln" um Spenden für die Sicherung und Restaurierung von Taufengeln in brandenburgischen Dorfkirchen gebeten. Aber: Sind es nicht eigentlich die Engel, die uns Menschen Hilfe geben sollen? Sicher. Doch damit dies wieder möglich wird und die vorgestellten hölzernen Himmelsboten dem Täufling die Schale mit dem Taufwasser reichen können, war oder ist bei vielen von ihnen eine Radikalkur angesagt. Generationen von Holzwürmern hatten sich an ihnen gesättigt, Körperteile oder Attribute waren abgebrochen und Farbfassungen verloren gegangen.

Unsere Aktion hatte Erfolg. Mehr als 20.000 Euro kamen an Spenden zusammen. Dafür sagen wir allen, die sich an unserem Aufruf beteiligten, herzlichen Dank.

Bereits im Mai konnte die Restaurierung des Taufengels in der Kirche von Rohrbeck (Havelland) abgeschlossen werden. Alleiniger Spender war das Ehepaar Baier aus Falkensee, das ihn als Schutzengel für die Enkelkinder verstanden wissen will.

Für den Taufengel in Löhme (Barnim) fand sich mit unserem Mitglied Heinrich-Thomas Proske ebenfalls ein Spender, der die Gesamtkosten der Instandsetzung übernahm. Im Rahmen der Festveranstaltung zur Übergabe des vom FAK ausgereichten "Startkapitals" im September wurde der Engel erstmals wieder der Öffentlichkeit präsentiert.

In Groß Breesen (Spree-Neiße) wurden am Pfingstsonntag mit Hilfe des fast fertig restaurierten Engels zwei Taufen vollzogen. Anschließend wurde er noch einmal in die Werkstatt geholt, an der Farbfassung war noch zu arbeiten. Die endgültige Einweihung fand am 12. September statt. Die Patenschaft für den Groß Breesener Engel hatte die brandenburgische Kulturministerin Dr. Martina Münch übernommen. Auch für die Engel aus Freyenstein (Prignitz), Kreblitz (Dahme-Spreewald), Kunow (Uckermark) und Schilde (Prignitz) sind größere Spenden überwiesen worden. Der Landtagsabgeordnete Sven Petke (CDU) warb Fördermittel in Höhe von jeweils 5.000 Euro für die Taufengel in Werbig und Niebendorf (beide Teltow-Fläming) ein. Für den Engel in Waltersdorf (Teltow-Fläming) ging eine größere Spende direkt an die Kirchengemeinde. Insgesamt liegt der finanzielle Gesamterfolg wesentlich höher als die oben angegebene Spendensumme auf dem Konto des FAK.

Bereits vor Beginn der Aktion konnte eine Spende unseres Mitglieds Angelika von Magnus für den Taufengel aus Wismar überwiesen werden. Mit einer Taufzeremonie wurde er im Juni wieder "in Dienst genommen". Der Engel aus Groß Fredenwalde, seit 1960 im Depot des Templiner Heimatmuseums, konnte auf Initiative und mit Unterstützung des FAK in seine Kirche zurückgeführt und konserviert werden. Am Tag des Offenen Denkmals fand ihm zu Ehren ein "Engelfest" statt.

Bilanz nach einem Jahr: Einige der vormals schwer beschädigten Engel sind gerettet und helfen – wie es sich eigentlich gehört – wieder den Menschen. Ganz im Sinne des 91. Psalms, in dem es heißt: "Er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest."

Bernd Janowski

 
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Aktion "Menschen helfen Engeln" – Ausblick auf weitere Spendenmöglichkeiten

Wer hilft anderen "auf die Flügel" ?

Taufengel Berge  
 

Retten Sie einen Engel!

Auf einem Faltblatt stellen wir Ihnen die sechs brandenburgischen Taufengel vor, die möglichst schneller Hilfe bedürfen.
Sie haben die Möglichkeit, für einen dieser Engel zu spenden oder unter dem Stichwort "Taufengel" in einen allgemeinen Restaurierungsfonds einzuzahlen. Gern stellen wir Kontakt zu den Kirchengemeinden her, sodass Sie Ihren Engel nach Möglichkeit besichtigen können.
Aber auch neben den vorgestellten gibt es etliche Taufengel, die eine Substanzsicherung oder Restaurierung dringend nötig haben. Auf Wunsch vermitteln wir Engel-Patenschaften, für die Sie aus Anlass eines Familienfestes oder eines Jubiläums Spenden sammeln können.
"Menschen helfen Engeln" ist eine gemeinsame Aktion des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V., der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege.

 

Nicht alle der freundlichen Himmelsboten konnten inzwischen "geheilt" in ihre Heimatkirchen zurückkehren und wieder ihren Dienst als Assistenten bei der Taufe übernehmen. So mancher ist noch von allerlei Blessuren gezeichnet und wartet auf eine Kur.

Mit einem Faltblatt und einer Postkartenserie stellen wir Ihnen nun sechs weitere Engel vor, die unsere Hilfe dringend nötig haben. Behutsame und sachgerechte Konservierungs- bzw. Restaurierungsmaßnahmen machen es möglich, selbst stark geschädigte und in ihrem Zustand nahezu hoffnungslos erscheinende Taufengel wieder in die Kirchenräume zu integrieren. Durch partielle Ergänzungen komplettiert oder auch nur als gesichertes Fragment können sie von ihrer einstigen Schönheit, jedoch auch von ihrem manchmal schweren Schicksal künden.

In der künstlerischen Qualität ihrer Ausführung und Gestaltung sind die einzelnen Taufengel sehr unterschiedlich. Einige von ihnen entstanden als recht schlichte, handwerklich gearbeitete Figuren in der Tischlerwerkstatt des jeweiligen Dorfes. Andere jedoch lassen sich durchaus bedeutenden Holzbildhauern der damaligen Zeit zuordnen. Sie alle jedoch sind es wert, für die Nachwelt erhalten zu bleiben.

Taufengel Ziemkendorf  
SIE WARTEN AUF HILFE: Der Taufengel von Berge (Prignitz) liegt flach, aber auch sein schwungvoller Kollege aus Ziemkendorf (Uckermark) hat sein Handikap zu tragen.
Fotos: BLDAM

Auch die vielleicht etwas gröber und naiver gearbeiteten Engelfiguren zeugen von einer tiefen Volksfrömmigkeit und von ländlicher Kultur- und Glaubensgeschichte. Zusammen mit der übrigen Ausstattung unserer Kirchengebäude bilden sie oft eine bezaubernde Einheit.

Wie alle anderen Ausstattungsstücke im Kirchenraum waren Taufengel nie wertfreie Schmuckgegenstände, sondern hatten ihre liturgische Aufgabe. Anlässlich der Taufe standen der Pfarrer, die Eltern und die Taufpaten im Kreis um das von dem Engel präsentierte Taufbecken. Im Kirchenraum schwebend erinnerte er fortan die Gottesdienstbesucher an die eigene Taufe, durch die sie zur Gemeinde gehörten.

So ist es den heute in die Kirchen zurückkehrenden Taufengeln zu wünschen, dass sie nicht nur als Museumsstücke einer vergangenen Zeit betrachtet werden, sondern hin und wieder auch ihre ursprüngliche Funktion erfüllen können, ganz im Sinne Martin Luthers, der 1531 schrieb: "Wenn der Schutz der lieben Engel nicht wäre, würde kein Kind zu vollkommenem Alter erwachsen, obwohl die Eltern allen möglichen Fleiß anwendeten."

Bernd Janowski


 
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Neues von unserer Stiftung

Selbelang nun unter dichtem Dach

 

Zum zweiten Mal in diesem Jahr konnte der FAK aus den Zinsen unseres Stiftungskapitals Geld aushändigen: Am 14. Oktober machten sich einige Interessierte mit uns auf den Weg nach Selbelang (Havelland), um dort in der alten St.-Nikolai-Kirche an den Förderverein Kirche Selbelang e.V. 2.500 Euro zu überreichen.

Das Geld wird gebraucht, um den zugesagten Eigenanteil des Vereins zu den weiteren Sanierungsarbeiten aufzubringen. Der Dachstuhl der Kirche ist inzwischen so gut wie erneuert, das Dach wieder dicht. Jetzt wendet man sich den Schäden am Kirchturm zu. Der Förderverein in Selbelang war – unter Mitwirkung des FAK – vor fünf Jahren gegründet worden. Nun ist das Ziel seiner Mühen bald erreicht. Wir freuen uns mit.

Bei diesem Anlass wurde neben der Kirchentür auch das überhaupt erste Förderschildchen angeschraubt, das der FAK für solche Ereignisse hat anfertigen lassen: "Gefördert durch den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V." Insgesamt 5000 Euro hat der FAK bisher nach Selbelang geben können.

Weniger schön: Die Kapitalentwicklung unserer Stiftung (derzeit 130.000 €) stagniert. Seit September sind uns lediglich weitere 1.500 Euro zugestiftet worden. Ob wir also das Ziel, bis zum Jahresende das Stiftungsvermögen auf 150.000 Euro zu erhöhen, erreichen werden, ist eher fraglich.

Allerdings haben wir davon erfahren, dass ein weiteres kürzlich hinterlegtes Testament auch die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen bedenkt. Das freut uns wiederum.

Arnulf Kraft

 
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Kleinodien barocker Kunst in Gefahr

 
IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

DORFKIRCHE WALTERSDORF

(Landkreis Teltow-Fläming)
 

Dorfkirche Waltersdorf  
BAROCKE PRACHT hinter schlichten Mauern – Überraschung für alle Besucher
Fotos: Dr. Hans Krag
Großbildansicht

Es ist nicht ganz leicht, in dem zur Gemeinde Niederer Fläming gehörenden Ort Waltersdorf die Kirche zu finden. Etwas von der Straße zurückgesetzt, wirkt der turmlose Feldsteinbau ohne Anbauten wie ein normales Haus oder ein landwirtschaftlicher Nutzbau. Dabei verblüfft gerade hier der gewaltige Kontrast zwischen dem schlichten äußeren Erscheinungsbild und dem üppig ausgestatteten Innenraum.

Der einfache Feldsteinsaal entstand im 15. Jahrhundert. Zwei Portale auf der Südseite ermöglichten ursprünglich den Eingang in den Kirchenraum. Das östlichere davon, die ehemalige Priesterpforte, wurde im 18. Jahrhundert zugemauert. Durch das verbliebene Portal mit den originalen spätmittelalterlichen Beschlägen und den erhaltenen Löchern für den Wehrbalken betritt der Besucher das Gotteshaus und ist erstaunt, in Waltersdorf den wohl am reichsten ausgestatteten barocken Kirchenraum im Fläming zu finden. Stimmungsvoll bemalte Emporen auf der West- und Nordseite schufen einst Platz für die Kirchgänger, denn die Waltersdorfer Kirche zählt zu den kleinsten der Region.

 

Der Altaraufsatz zeigt gemalte Darstellungen des Abendmahls, der Kreuzigung und der Auferstehung Christi inmitten eines dekorierten Säulenaufgangs. In den Feldern des polygonalen Kanzelkorbes sind Christus als Salvator mundi sowie die vier Evangelisten dargestellt. Der Kanzelaufgang ist mit einem evangelischen Beichtstuhl verbunden. In der Mitte des Kirchenraumes hängt ein pausbäckiger Taufengel. In seinen weit ausgebreiteten Armen trug er vermutlich einen Lorbeerkranz zur Aufnahme der Taufschale. Auch der Prospekt der kleinen Orgel zeigt die Formen des Barock. Das pneumatische Orgelwerk jedoch schuf im 19. Jahrhundert die in Zörbig (Sachsen-Anhalt) ansässige Firma Rühlmann.

Komplettiert wird die Ausstattung des Innenraumes durch das Patronatsgestühl, bekrönt mit dem Wappen des damaligen Besitzers Johann Heinrich von Berger. Kaiser Karl IV. hatte den in Gera geborenen Juristen 1713 zum evangelischen Reichshofrat berufen und 1717 in den Adelsstand des Heiligen Römischen Reiches erhoben. Auf Berger geht wohl ein großer Teil der Ausstattung zurück. Die Bemalung der tonnengewölbten Holzdecke jedoch erfolgte laut Inschrift erst 1754 durch den Maler Joseph Gerlach. Dargestellt sind in den Deckengemälden die Anbetung des Lammes sowie im östlichen Teil Christus als Weltenrichter.

Gefährdet ist dieser Schatz durch schwere Bauschäden am Gebäude. Im Dachbereich und vor allem in Teilen des Gesimses hat der Echte Hausschwamm bereits größere Teile der hölzernen Konstruktion stark geschädigt. Die Dachdeckung aus einfachen Betonsteinen ist ebenfalls in schlechtem Zustand. Damit sind die Deckengemälde höchst gefährdet. Risse im Mauerwerk und großflächige Putzschädigungen im Sockel sowie um die Fenster komplettieren das Schadensbild.

Umfangreiche Instandsetzungsarbeiten in der nächsten Zeit sind dringend geboten, um die Waltersdorfer Kirche als liebenswertes Zeugnis der Kunst- und Glaubensgeschichte des Fläming für die Nachwelt zu erhalten.

Bernd Janowski

Weitere Informationen:
Evangelisches Pfarramt Illmersdorf; Illmersdorf 25; 15936 Ihlow; Tel.: 033744 60216

Spendenkonto:
Förderkreis Alte Kirchen; Kto.-Nr. 51 99 76 70 05; BLZ 100 900 00 Berliner Volksbank; Kennwort: Waltersdorf

 
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Baustoffprofis mit großem Herz für die Denkmalpflege

Die Firma Beez & Jeske, Mitglied des FAK, feiert 20-jähriges Bestehen

Können 18.000 Dachziegel so einfach verschwinden? 18.000 Biberschwänze – das hat sein Gewicht, das lässt sich nicht im Rucksack davontragen.

Die Dachziegel, die von der Firma Beez & Jeske für die Sanierung der Saaringer Kirche (Brandenburg an der Havel) gespendet und auch geliefert worden waren, sind einfach verschwunden. Bis heute. Die Kirche wurde schließlich mit neu gelieferten Ziegeln denkmalgerecht gedeckt.

 
EIN GEHEIMNIS umgibt die Saaringer Kirche: Wo blieb die erste Lieferung der Biberschwänze für das Dach?
Foto: FAK

Das war in den turbulenten Zeiten unmittelbar nach der Wende, als die Firma Beez & Jeske gerade ein paar Monate alt war. Norbert Beez und Detlef Jeske hatten das Unternehmen 1990 gegründet. Beide kamen aus der Denkmalpflege, waren zuvor in leitenden Positionen im Institut für Denkmalpflege der DDR tätig gewesen. Als sie nach deren Ende den Mut hatten, sich als Baustoffhändler selbstständig zu machen, war nicht im entferntesten daran zu denken, dass daraus ein zukunftsträchtiges Unternehmen werden sollte, das inzwischen zur Spitzengruppe der Branche in Berlin und Brandenburg gehört. In sieben Filialen sind heute rund 70 Mitarbeiter tätig, die den Bauherren auch fachkompetente Beratung in Sachen Dach und Fassade von der Planung bis zur Realisierung anbieten. Dabei wird ebenso den Anforderungen Rechnung getragen, die heute das Bauwesen bestimmen – ökologisches Bauen, innovative Abdichtungssysteme wie Dachbegrünung, Nutzung der Solarenergie.

Geblieben aber ist weiterhin das Verantwortungsbewusstsein der beiden Unternehmensgründer für den Denkmalschutz, das große Herz für notleidende Baudenkmale. Schon Anfang der Neunzigerjahre war die Firma Beez & Jeske dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg beigetreten und erwies sich oft als großzügiger Förderer und Berater, wo Bürgerinitiativen angetreten waren, ihre Kirche zu retten. In der Uckermark, wo der Großhandelsbetrieb mit der Prenzlauer Filiale eine seiner größten Niederlassungen hat, gibt es heute kaum eine restaurierte Kirche noch ein anderes Baudenkmal, wo die Bauhandwerker nicht auf das reiche B&J-Sortiment zurückgegriffen oder sich von den Bauprofis hatten beraten lassen.

Saaringen ist übrigens auch nicht die einzige Kirche, für die Beez & Jeske die Dachziegel spendete. Als die vom FAK initiierte Restaurierung der ruinösen Dorfkirche im uckermärkischen Küstrinchen begann, griff man wieder einmal tief in die Tasche und spendierte die Ziegel für die Deckung des Turms.

In diesem Jahr feierte das Unternehmen nun sein zwanzigjähriges Jubiläum. Die Firmenleitung nahm das zum Anlass, ihre vielen Geschäftspartner zu verschiedenen Jubiläumsveranstaltungen einzuladen – mit einer Bitte: anstelle von Blumen und Geschenken seien Spenden zu Gunsten des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg willkommen. Dabei ging es der Geschäftsleitung auch darum, auf die Arbeit des Förderkreises im Sinne des Denkmalschutzes aufmerksam zu machen.

Wir danken für diese großzügige Geste, wünschen dem Unternehmen weiterhin viele Erfolge und dürfen gewiss sein, auch künftig von dem FAK-Mitglied Beez & Jeske bei der Bewahrung unserer Baudenkmale Unterstützung zu finden.

Eva Gonda

 

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Kirchliche Kunst bewahren und ihren Reichtum erlebbar machen

Die Stiftung kirchliches Kulturerbe nimmt ihre Arbeit auf

Das kirchliche Kulturerbe in Berlin, aber auch in Brandenburg und der Lausitz, angesichts seiner großen Gefährdung vor dem Verfall zu bewahren und es zugleich in seinem erstaunlichen Reichtum zu vergegenwärtigen, ist Aufgabe und Ziel der Stiftung kirchliches Kulturerbe, die – vor einem Jahr gegründet – nun ihre Arbeit aufnimmt.

 
Flügelaltar Bertikow (Uckermark), Detail, um 1500
Foto: Thoralf Herschel
"Ich bin die Mark durchzogen und habe sie reicher gefunden, als ich zu hoffen gewagt hatte."

Fontanes Äußerung im Vorwort der "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" klingt wie ein Leitmotiv der künftigen Arbeit der Stiftung. Drei Variationen des Fontane-Satzes umreißen die Ausgangslage und Handlungsintentionen:

"Ich bin Berlin durchzogen und habe es reicher gefunden, als ich zu hoffen gewagt hatte."

Die Stiftung kirchliches Kulturerbe trägt Verantwortung für den Erhalt und die Erschließung der Kunstsammlung St. Marien Berlin, die als kunst- und kulturgeschichtliches Kleinod Berlins noch zu entdecken ist.

Die Kunstsammlung St. Marien ist eine vergessene Sammlung. Sie umfasst 250 Kunstwerke des 15. bis 19. Jahrhunderts aus der St.-Marien-, der St.-Nikolai- und der Franziskanerklosterkirche, dazu eine wertvolle Propsteibibliothek. Von 2004 bis 2008 konnte erstmals seit 1945 eine Erfassung dieses verstreuten Bestandes vorgenommen werden. Viele Kunstwerke erlitten dramatische Schäden, nur ein Teil konnte in den vergangenen Jahren restauriert werden. Weitere Anstrengungen sind hier vonnöten.

"Ich bin die Mark durchzogen und habe die kirchliche Kunst bedrohter gefunden, als ich gefürchtet hatte."

Die Stiftung kirchliches Kulturerbe will helfen, gemeinsam mit anderen Kirchengemeinden durch eine Inventarisierung und durch Ausstellungs- wie Restaurierungsprojekte das Engagement für den Erhalt der kirchlichen Kunst der Mark Brandenburg und der Lausitz zu wecken.

Fußend auf den Erfahrungen, die bei der Inventarisierung der Berliner Kunstsammlung St. Marien gemacht wurden, beauftragte im Sommer 2010 die Landeskirche die Stiftung, mit der Erfassung des Kunstgutes im gesamten Bereich der EKBO zu beginnen. Der Schutz der geschätzten 10 000 kirchlichen Kunstgüter in den 2000 Kirchen der EKBO ist eines der gegenwärtig drängendsten konservatorischen Problemfelder, besonders in den ländlichen Regionen: Im Umfeld einer fortschreitenden Entkirchlichung verlieren neben Kirchenbauten viele Ausstattungsstücke ihre ursprüngliche Nutzung und Funktion. Dementsprechend stark sind sie durch Verfall gefährdet. Ein grundlegendes Eingreifen ist hier dringend geboten.

In Kooperation mit dem Studiengang Museumskunde/Inventarisierung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin wird nun im Herbst eine auf Jahre angelegte datenbankgestützte Erfassung beginnen – mit der Gotthardtkirche in Brandenburg/Havel als einem ersten Projekt.

Darüber hinaus ist, gemeinsam mit dem Brandenburger und Berliner Denkmalamt, der Aufbau einer "Notfallliste" für akut gefährdete Kunstgüter im Aufbau begriffen, die ein schnelles Eingreifen nach Prioritäten ermöglichen wird.

"Ich bin die Mark durchzogen und habe sie reicher und weiser an Überlieferungen gefunden, als ich zu hoffen gewagt hatte."

Zum Erhalt kirchlicher Kunst trägt die Stiftung kirchliches Kulturerbe bei, indem sie die kirchliche Kunst, ihrem schlimmen Zustand nur zu oft zum Trotz, in ihrer Bedeutungsfülle zum Strahlen bringt.

Schon für Fontane bezog sich der Reichtum nicht nur auf die Bauwerke selbst, sondern auch auf die mit ihnen verbundenen Überlieferungen, die Tradition des Ortes.

Für die Stiftungsarbeit wird das von zentraler Bedeutung sein: das Ernstnehmen solcher Überlieferungen um ihrer selbst willen. Mit Ausstellungen und interdisziplinären Projekten zur Kunst-, Theologie- und Regionalgeschichte in der Berliner Parochialkirche als der "Heimatstätte" der Stiftung wird es darum gehen, dem breiten Spektrum des kirchlichen Kulturerbes gerecht zu werden.

Roland Stolte

Wünschen Sie weitere Informationen oder wissen Sie um ein vom Verfall akut bedrohtes Kunstwerk, das ein unverzügliches Eingreifen erfordert? Dann wenden Sie sich bitte an uns.

Sie erreichen uns: info@stiftung-kirchliches-kulturerbe.de; Tel./Fax: 030 24759528

 

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Von Lust und Frust eines Regionalbetreuers

Immer mit "Marschgepäck" unterwegs

 
DABEI SEIN ist wichtig: FAK-Stand bei der 750-Jahr-Feier in Blumberg (Barnim). – unten: Brandenburger Dorffest 2010 in Jänickendorf (Teltow-Fläming)

Seit zwei Jahren sind in den verschiedenen Gebieten Brandenburgs FAK-Regionalbetreuer tätig. Sie bemühen sich um intensiven Kontakt mit Dorfgemeinden und –gemeinschaften, mit Pfarrern und Pfarrerinnen, Fördervereinen und lokalen Behörden. So lernt man sich gegenseitig besser kennen, die Sorgen und Probleme in den Dörfern werden verständlicher – aber auch die begrenzten Möglichkeiten des FAK.

Das "Arbeitsjahr" des Regionalbetreuers beginnt in der Osterzeit mit der Auslieferung von "Offene Kirchen" zu Pfarrämtern, Buchläden und Verkehrsämtern. Lieferscheine, Remittenden aus dem Vorjahr, Abrechnung, mal ein kurzes Gespräch über die Vermarktungsstrategie, Gewinnung neuer Abnehmer, dann und wann ein persönlicher Austausch – ein intensives Programm.

Der nächste Fixpunkt ist die Bewerbung um das "Startkapital" für neue Fördervereine. Der Abgabezeitpunkt naht. Muss man bei Bewerbern aus der eigenen Region noch einmal nachfragen, die Vollständigkeit der Unterlagen prüfen, bei Formulierungen helfen? Dann vielleicht etwas Sympathiewerbung im Vorstand des FAK betreiben? Die Jury urteilt ja unabhängig.

Der Sommer ist die Zeit der Dorffeste und Aktivitäten rund um die Kirche. Dabei tritt der FAK ab und zu mit einem Informationsstand auf, der manchmal improvisiert werden muss. Aufwand und Resonanz stehen jedoch meistens in einem ungünstigen Verhältnis: Es kommt selten zu einem guten Gespräch über die Arbeit des FAK, über die Situation der Dorfkirchen. Meist ziehen die Massen Eis leckend oder Bratwurst kauend am Stand vorbei, einige blättern mit Fettfingern in der Zeitschrift – "Is unsere Kirche auch drin?" – oder gehen mit der Bemerkung "Ach, hier ist die Kirche" weiter. Vom Fest selbst bekommt der FAK-Vertreter nichts mit. Bei Benefizkonzerten ist das schon anders. Da kommen mehr spezifisch Interessierte, und hinterher hat der Förderverein oft noch Kaffee und Kuchen aufgetischt. Es kam aber auch vor, dass man ein Benefizkonzert arrangiert hat, und der Pfarrer hat vergessen, das Konzert bekannt zu machen.

Anders manchmal der Frust auf Dorfversammlungen zur Gründung eines Fördervereins. Natürlich wollen alle, die gekommen sind (und das sind nicht viele), dass ihre Kirche wieder hergestellt wird. Sie sehen durchaus die Vorteile eines Fördervereins ein. Aber selbst Gründungsmitglied werden? Zur Gründung benötigt man sieben Personen – 20 sehen einen stumm an. Man vertagt sich "zum Nachdenken", und alle sind froh, dass es sie nicht "erwischt" hat. Anderswo kann es ganz anders sein. Da rennt man offene Türen ein; alle, vom Ortsvorsteher bis zum Schlüsselbewahrer, machen sofort mit.

Erfreuliche Erlebnisse sind immer die kleinen Festveranstaltungen nach erfolgreichem Abschluss von Arbeiten am Dach, an den Fenstern, am Glockenstuhl, am Altar oder sogar bei der Restaurierung des Taufengels. Meist konnte der FAK aus seinen Spendenerträgen einen Zuschuss geben und erfährt nun eine Würdigung, die er gern an seine Spender weitergibt. Die Begegnungen am Rand solcher Veranstaltungen sind eigentlich das Salz in der Suppe.

Zwischendurch immer wieder Besuche zu Baubesprechungen vor Ort oder im Kirchlichen Bauamt, man klettert wackelige Leitern hoch und kriecht unter verstaubten Dachstühlen zur Besichtigung von Schäden, begutachtet feuchte Wände, Schwammbefall und Mauerrisse und kann zum Schluss doch nur Hoffnung auf die Zukunft machen. Zurück zu Hause geht dann das Sinnieren darüber wieder los, wofür die öffentliche Hand Geld verschwendet, während hier Kulturgüter verkommen. Wen könnte man ansprechen? Wer hat "Beziehungen"? Was könnte man selbst an Geldmitteln zusätzlich einwerben und wo? Telefonate, Bettelbriefe, Absagen. Und dann doch wieder: Hurra, irgendwo kann endlich mit dem Bau begonnen werden!

Zur Weihnachtszeit erlebt man einige stimmungsvolle Andachten; danach wird Bilanz gezogen. Hat sich der Einsatz gelohnt? War es ein erfolgreiches Jahr?

Im Januar, Februar dann der Besuch von Mitgliederversammlungen örtlicher Vereine und das Telefonieren mit allen in "Offene Kirchen" eingetragenen Gemeinden der Region: Stimmen die Daten noch, können wir sie für die nächste Ausgabe übernehmen? Was ändert sich? Bald ist wieder Ostern…

Bei diesem Wechselbad der Stimmungen ist die Fähigkeit zur Selbstmotivation gefragt. Die erhält man, wenn man von seiner Sache überzeugt ist. Der Regionalbetreuer braucht für seine Arbeit Idealismus, Durchhaltevermögen, Optimismus und sollte kontaktfreudig sein. Davon könnte der FAK noch einige gebrauchen – haben Sie Lust?

Text und Fotos: Dr. Hans Krag

 

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Wo ist mein Geld nur geblieben? – Wir fragten diesmal nach in Briesen (Spreewald)

Mitglieder unseres Förderkreises und Spender hatten in der Jahreshauptversammlung um mehr Informationen darüber gebeten, wie ihre Beiträge und Spenden notleidenden Kirchen zugute kommen. "Alte Kirchen" antwortet darauf mit der Serie "Wo ist mein Geld nur geblieben...?". Diesmal recherchierten wir in dem kleinen Ort Briesen.

Ihre Spenden retteten außergewöhnliche Wandmalereien

 Dorfkirche Briesen
 Großbildansicht
 
Dorfkirche Briesen - Innen
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Vor rund fünf Jahren: Unser erster Besuch der Dorfkirche Briesen (Dorfkirche des Monats Dezember 2010) – ein Wechselbad der Gefühle.

Durch das Dörfchen am Rande des Spreewalds nahe Cottbus führt keine Hauptstraße. Briesen muss man suchen, und hat man es gefunden, ist man erst einmal enttäuscht. Die hochgelobte Dorfkirche liegt hinter Bäumen geduckt klein und bescheiden auf dem Anger des sauberen Dorfes. Was soll hier schon so wichtig sein? Ein Gang rund um die Kirche zeigt aber bereits, dass hier Besonderes zu sehen sein muss.

Briesen ist seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Kirchdorf. Die heutige Backsteinkirche stammt jedoch aus dem 15. Jahrhundert. Ein reicher Staffelgiebel mit gedrehten Stäben aus Formstein und Blendnischen schließt die östliche Wand ab, in die mit dunkleren Steinen ein Rautenmuster eingelassen ist, wie man es von den Ordensbauten in Ostpreußen kennt.

Wenn man die Kirche betritt, fällt zwar sofort der mächtige, aber elegante Kanzelaltar von 1701 auf. Das Auge wird aber sofort von den Fresken abgelenkt, die alle Wände des gesamten Kirchenraumes schmücken. Sie stammen von 1486 und sind in der Region einmalig. Nicht alle Motive sind inzwischen ausgedeutet, auch weiß man nicht, wer die Malereien in Auftrag gegeben hat. Zwei kürzlich als "Stifterbilder" identifizierte Darstellungen konnten bisher noch keinen historischen Personen zugeordnet werden.

Die Wandmalereien folgen einem bestimmten Programm in drei Ebenen: Unten befinden sich Wandnischen mit Brustbildern von Männern und Frauen des 15. Jahrhunderts, auch als "Ständebilder" bezeichnet, obwohl bisher nicht erforscht. Darüber folgt ein breites Band mit Szenen der Passionsgeschichte bis zur Himmelfahrt. Noch darüber werden Heilige und Märtyrer dargestellt.

Wir waren tief beeindruckt von diesen Zeugnissen jahrhundertealter Kunst und Volksfrömmigkeit – aber auch enttäuscht. Damals, vor fünf Jahren, drohte den gotischen Malereien durch auftretende Feuchtigkeit höchste Gefahr. Regenwasser trat durch undichte Fenster ein und lief über die Bilder die Wände hinunter; von unten stieg salzhaltiges Grundwasser auf – hier musste etwas geschehen.

Der Förderkreis Alte Kirchen stellte aus seinen Spendeneinnahmen 10.000 Euro bereit, andere Geldgeber, vor allem die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, folgten. Damit konnten der Sockel des Gebäudes trocken gelegt, die Fenster erneuert und verdichtet sowie der Regenwasserablauf von Dach und Mauerwerk gesteuert werden.

"Ein erneutes Eindringen von Feuchtigkeit ist nun verhindert – die wertvollen Malereien sind gerettet", sagt die dankbare Pfarrerin Luttenberger. "Trotz des allgemeinen Werteverfalls gibt es immer noch Menschen, die ihre Kulturgüter schützen, und das ist tröstlich."

Nun untersuchen Restauratoren die Substanz der Fresken. Es ist erstaunlich, wie viele zusätzliche Details den zum Teil verblassten Malereien mit einer Infrarotlampe entlockt werden können. Das hilft bei Ergänzungsarbeiten. Als Referenz für alle anderen Fresken soll eine Bildzeile restauriert werden, nachdem der zugrunde liegenden Kalkschicht das Salz entzogen worden ist. Diese Arbeiten finden zur Zeit statt.

Ein schönes und wertvolles Stück Brandenburg kann nun besichtigt werden: von April bis Oktober jeweils mittwochs von 10-11 Uhr oder auf Anfrage bei

Familie Hotzkow; (Tel: 035606 259)
oder Pfarrerin Luttenberger; (Tel: 035606 40334), wobei um Verständnis dafür gebeten wird, dass sie nicht immer verfügbar ist.

Dr. Hans Krag

 

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POTSDAM-GOLM

Dem Himmel ein Stück näher

Mit der Dachsanierung wurde begonnen

 
SIGNIERSTUNDE – Alt und Jung lässt es sich nicht nehmen, den eigenen Namen auf einem Ziegel fürs Kirchendach zu verewigen.
Foto: Marcus Wewer

In Golm kommt man dem Himmel ein Stück näher. Wegweiser zu diesem verheißungsvollen Ort im Westen Potsdams ist das golden glänzende Kreuz auf der Spitze des restaurierten Kirchturms. Zu seinen Füßen informiert ein großes Bauschild über die umfassende Dachrenovierung; die roten und grünen Ziegel können zu ebener Erde schon einmal beäugt werden, bevor sie sich später auf dem Dach zu dem einst so schönen alten Ziermuster formieren. Sie werden aber auch Namen und Widmungen mit hinauf nehmen. Wer einen Ziegel kauft, kann ihn selbst signieren und seinem Namen damit ein Plätzchen hoch über dem Kirchenschiff sichern. Dem Himmel ein Stück näher...

Gäste aus nah und fern hatten sich zur Enthüllung des Bauschildes und damit zum Beginn der Dachsanierung eingefunden. Unter ihnen Georg Friedrich Prinz von Preußen, Urururenkel des Monarchen, der einst den Bau des Gotteshauses förderte. Ihm zu Ehren erhielt die Kirche damals den Namen Kaiser Friedrichs – und so wird sie heute wieder genannt. Sein Nachfahre nimmt nun auch Anteil an der Erhaltung und Restaurierung des Baus.

Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Kaiser Friedrich III., hatte die Golmer unterstützt, als die jahrelang für die Genehmigung eines Neubaus kämpften, weil ihre alte Kirche baufällig geworden war. 1883 konnte schließlich der Grundstein gelegt werden, drei Jahre später wurde die Kirche geweiht.

Die neue Kirche ist ein Backsteinbau in neugotischen Formen. Grün glasierte Mauer– und Formziegel lockern das rote Mauerwerk auf, den Dachflächen gaben einst farbige Pfannenziegel ein schlichtes Muster. Jahrzehntelang prägte das goldene Kreuz des spitzen Turm-Dachreiters das Dorfbild. In den letzten Kriegstagen aber geriet auch Golm unter Artilleriebeschuss: Der Turm erhielt viele Treffer, die schönen Dachziegel wurden zum großen Teil beschädigt, Schäden gab es auch im Innenraum. Die Kirchengemeinde bemühte sich in den folgenden Jahren, mit den wenigen Mitteln, die in DDR-Zeiten zur Verfügung standen, Löcher zu flicken und die Kirche zu sichern. Der Dachreiter aber musste 1971 als Gefahrenquelle entfernt werden.

Dass das Kreuz heute über den Dächern des Dorfes von einem Neubeginn kündet, ist dem gemeinsamen Bemühen des 2002 gegründeten Kirchbauvereins, der rührigen Kirchengemeinde und eines aktiven Ortsbeirates wie auch vielen Spendern zu verdanken. Nach dem ersten großen Erfolg– der obere Turmbereich ist restauriert, Uhrwerk und Zifferblätter sind wiederhergestellt und der zehn Meter hohe Dachreiter ist erneuert – ist die Dachsanierung nun das nächste große Bauvorhaben. Für das Projekt mit einem Kostenumfang von 256.000 Euro konnten bereits öffentliche, kirchliche und private Geldgeber gewonnen werden. Noch fehlen aber 10.000 Euro, die der Kirchbauverein selbst aufbringen will. Die Idee: Dachziegel-Patenschaften. Mit 25 Euro kann man Pate eines roten Dachziegels, mit 50 Euro eines grünen Zierziegels werden. Zertifikat und Spendenbescheinigung sind selbstverständlich.

Dass die Kirche hier eine Zukunft hat, ist gewiss. Golm ist längst kein unscheinbares Bauerndorf mehr. Seit 2003 ein Ortsteil Potsdams, wurde hier der größte Wissenschaftsstandort Brandenburgs mit den Max-Planck- und Fraunhofer-Instituten sowie dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig der Universität Potsdam begründet. Neben den Gottesdiensten will sich die Kirche auch als konfessions-unabhängiges geistig-kulturelles Zentrum öffnen. Für Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter aus aller Welt finden heute schon Gottesdienste in englischer Sprache statt.

Viel bescheidener ist es dagegen um die alte Kirche von Golm bestellt. Klein und schlicht steht sie direkt neben der neuen, mit deren Bau eigentlich ihr Ende besiegelt sein sollte: im Ursprung aus dem 13. Jahrhundert, mehrfach umgebaut, schon im 18. Jahrhundert baufällig, wegen der Verzögerungen des Neubaus aber immer wieder repariert, schließlich zur Friedhofskapelle degradiert und 2006 vom Kirchenkreis sogar zum Verkauf angeboten. Letzteres brachte die Golmer allerdings sofort auf die Barrikaden. Sie wollen das kleine Gotteshaus bewahren und später wieder nutzen, immerhin ist es die älteste Kirche der Stadt Potsdam. Schon bei seiner Gründung hatte sich der Kirchbauverein für die Erhaltung beider Denkmäler ausgesprochen. Sobald die neue Kirche durch die Dachsanierung vor weiteren Schäden gesichert ist, kann für die weitere Zukunft der kleinen "Schwester" geplant werden.

Die Golmer wissen, dass sie mit dem einmaligen Ensemble der beiden Gotteshäuser im alten Ortskern ein ganz besonderes Kleinod besitzen. Und dann überhaupt: Gleich zwei Kirchen in einem Dorf – da ist man dem Himmel auf jeden Fall ein Stück näher.

Eva Gonda

Kontakt:
Kirchbauverein Golm e. V.; Marcus Wewer, Am Golmer Weinberg 3; 14476 Potsdam, Tel.: 0331 2373957; www.kirchbauverein-golm.de

 

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"Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah …"

Impressionen von der Exkursion des Förderkreises in den Kreis Oberhavel

 
GRAZILER DURCHBLICK: Liebenberg, Schlosshof mit Kirche

Erst im letzten Moment ließ sich Schloss Hoppenrade zwischen den noch dicht belaubten Lindenkronen ausmachen. Die 1723 errichtete frühklassizistische Anlage verbirgt ihre Kapelle in einem ihrer Flügel. Willi Kujat berichtete von den prominenten Besuchern vergangener und heutiger Zeiten und den Bemühungen der Gemeinde, die elegante Kirche zu pflegen. Besonders der imposante Kanzelaltar von 1724 braucht Hilfe; seine Notsicherung aus den Fünfzigerjahren kann die Schäden kaum noch verbergen. Das reich geschmückte Werk ist mit seinem höfischen Charakter, den Säulen, die das üppige Gebälk mit spielenden Putten tragen, dem stark gebauchten Kanzelkorb und davor den drei allegorischen Figuren Liebe, Hoffnung und Demut eine Besonderheit, die allgemeines Erstaunen hervorrief. Fontane mutete es gar "katholisch, im zopfigsten Jesuitenstil" an. Unübersehbar prangt auf der Kanzel das Bredowsche Wappen, man führt den Enterhaken im Schild. Heute ist das Schloss in Privatbesitz und kann zu allerlei Anlässen gemietet werden.

Die Meseberger Dorfkirche mit ihrem neobarocken Turm und der für Brandenburg unüblichen Zwiebelhaube empfing uns lichtdurchflutet mit Orgelklang. "Großer Gott wir loben dich…" wurde vor Frau Mühlenbecks Führung gesungen. Auf dem alten Gröbenschen Besitz war 1737 als Konkurrenz zu Rheinsberg ein prächtiges Schloss errichtet worden. Dessen Besitzer, Prinz Heinrich, schenkte es einem seiner Günstlinge, dem sich in "endlos wiederholenden Geldverlegenheiten" befindlichen Christian Ludwig von Kaphengst. Natürlich erregte der "tolle Kaphengst" Fontanes Interesse, der dessen Eskapaden genüsslich festhielt. Das "Zauberschloss", wie er es nannte, kam im 19. Jahrhundert an die Familie des Dichters Gotthold Ephraim Lessing. Nach dem Krieg enteignet, nach der Wende leerstehend, verfiel das Schloss, bis die Messerschmitt Stiftung das baufällige Anwesen restaurierte und der Bundesregierung übergab. Die Kirche birgt prachtvolle Epitaphien der Familie v. Gröben und ein riesiges, einem Cranach-Schüler zugeschriebenes Votivbild von 1588. Es zeigt L. v. Gröben mit Frau und 17 Kindern, die Jungen links, die Mädchen rechts kniend. Genau gegenüber liegt die elegante Herrschaftsempore mit direktem Blick auf die hölzerne Kanzelwand. Über dem Altar erhebt sich der schlicht gerundete Korb, darauf – wie in Hoppenrade – eine aufwändig geschmiedete Sanduhr.

Vom Mittagessen im Dorfkrug gestärkt, ging die Reise nach Badingen. Das trutzige Ensemble beeindruckte mit dem nahezu unveränderten Charakter eines Adelssitzes des 16. Jahrhunderts. Frau Siewert, die Kirchen-älteste, und Frau Liedtke öffneten Türen und beantworteten Fragen. Einst im Besitz der Bredows, ging es an die Familie v. Trott. Ein prächtiger Totenschild des letzten Badinger Trotts prangt im eingezogenen Chor der Kirche. Der schlichte Kanzelaltar konnte Ende der 90er Jahre ebenso wie die Lütkemüller-Orgel durch die Gemeinde restauriert werden. Nun steht die Empore des 18. Jahrhunderts an, denn unter dem Anstrich verbergen sich prächtige Malereien. Von Johannes Penzel auf die architektonische Vielschichtigkeit der Anlage hingewiesen, verblüfften das fein gearbeitete Renaissanceportal und die großartigen Räume im Haus, die jetzt als Dorfgaststätte genutzt werden. Solch ein Lokal, das über Sterngewölbe und Geheimgänge verfügt, gibt es nicht oft in Brandenburg!

Viele Teilnehmer nutzten die kurze Strecke zu Glogers Wüstung zu einem Herbstspaziergang. Vor den derben Feldsteinmauern der großen Scheune, in der gedeckte Tische mit Kaffee und Kuchen warteten, hingen die intensiven Aquarelle und Grafiken Gotthold Glogers. An vielen malerischen Stellen fanden sich Grüppchen zum Plaudern auf dem weitläufigen sonnenüberfluteten Gelände zusammen.

Die Schlosskirche Liebenberg, neogotisch auf den Grundmauern der mittelalterlichen Kirche errichtet, überraschte mit klarer und großzügiger Gliederung. Ein Konzert des Kantors bereitete besonderen Genuss und ließ Raum, das Altarbild von Hans Lietzmann (1909) eingehend zu betrachten. Pfarrer Vanselow übernahm es, die komplexe Geschichte Liebenbergs von den Bredowschen Ursprüngen, den Pionierleistungen zu Zeiten des Großen Kurfürsten, den engen Verbindungen zum letzten Kaiser über die NS-Zeit zum Kriegsende zu vermitteln. Auch die DDR-Zeit mit dem Stachel dieser Kirche inmitten der LPG, den Schikanen für die Kirchgänger und nach der Wende die Bemühungen, die Anlage mit dem Lennépark sinnvoll zu nutzen, wurden erwähnt. Erst der Deutschen Kreditbank gelang das und, nunmehr exquisit restauriert, wird die Liebenberger Schlosskirche heute besonders gern zu Hochzeitsfeiern genutzt.

Mit dem Segen verabschiedet, endete ein herrlicher Herbsttag im Ruppiner Land – nicht wenigen kam das Gedicht Friedrich Hebbels in den Sinn: "Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah..."

Susanne Gloger
Foto: Wolfram Friedrich

 

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Steinhöfel (Oder-Spree): Ein Schülerprojekt will Schule machen

Entdeckungen vor der Haustür

Steinhöfel wurde 1401 erstmals urkundlich als kleines Anwesen erwähnt. Heute besteht das Dorf aus zwölf Ortsteilen mit ebenso vielen Kirchen. Die Kinder fahren mit Bussen in verschiedene Schulen, die Arbeitsstätten der Eltern liegen oft noch viel weiter verstreut und die meisten Heranwachsenden werden später für Ausbildung und Beruf den Ort verlassen. Welche Erinnerungen an die Stätte ihrer Kindheit werden sie mitnehmen? Wie weit werden sie sich noch identifizieren mit ihrem Heimatdorf und seiner Geschichte?

Ein interessantes Schüler– und Jugendprojekt will jetzt junge Menschen gewinnen, sich mit der Geschichte ihrer Heimat zu beschäftigen, die eigenen Wurzeln zu begreifen und festzumachen. Die Idee wurde im Förderkreis Dorfkirche Steinhöfel geboren, der sich vor allem intensiv um die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes und die Rettung der wertvollen Ausstattung mit kunsthistorisch bedeutenden Malereien bemüht.

"Schüler erzählen die Geschichte ihrer Heimat", heißt das Projekt, und begonnen wird mit den zumeist ältesten Bauten der Orte: mit den Dorfkirchen, die vom spirituellen, kulturellen und sozialen Leben über Jahrhunderte erzählen. "Dafür wollen wir in jedem Ortsteil zwei Schüler oder Jugendliche motivieren", sagt Eberhard Hoppe, Vorstandsmitglied des Kirchenfördervereins. Und für die jungen Menschen gibt es ganz spannende Aufgaben. So kann zum Beispiel ein Kalender entstehen, dessen Monatsblätter jeweils eine der zwölf Kirchen in Wort und Bild vorstellen. Und damit jeder weiß, was wann in der Nachbarschaft los ist, werden außerdem die Termine der traditionellen Dorffeste vermerkt. Auf jedem Blatt stellen sich schließlich die jugendlichen Autoren mit ihren Fotos vor.

Das Ganze ist noch ausbaufähig: Im Zuge der Forschungsarbeiten sollen Faltblätter für jede Kirche entstehen, ebenso transportable Schautafeln, die als Wanderausstellungen in Nachbargemeinden oder auf zentraler Ebene in öffentlichen Einrichtungen gezeigt werden. Und vielleicht kommen auch hübsche Ansichtskarten dabei heraus, die Steinhöfel über seine Grenzen hinaus bekannt machen.

Natürlich werden die jungen Menschen, für die diese Aufgabe vielfach völliges Neuland ist, erfahrene Berater an der Seite haben. Neben dem Kirchenförderkreis sind das die Mitglieder des Gemeindekirchenrates und der aktiven Heimatvereine, die Ortschronisten, Mitarbeiter aus den Fachbereichen der Gemeindeverwaltung Steinhöfel und ein Berufsfotograf. Inzwischen gibt es auch erste erfolgversprechende Überlegungen, wie Sponsoren für das Projekt gewonnen werden können

Übergreifendes Ziel des gesamten Vorhabens ist es, das bisher nicht sehr reiche kulturelle Angebot im ländlichen Siedlungsgebiet der Gemeinde Steinhöfel auszubauen. Dabei wird auch darüber nachzudenken sein, wie sich die Dorfkirchen neben den Gottesdiensten dafür öffnen und als öffentliche Räume ein eigenes kulturelles Profil entwickeln können.

Insgesamt ein vielversprechendes Projekt, das auch anderenorts Schule machen sollte.

Eva Gonda

 

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Wir begrüßen neue Mitglieder

Seit November 2009 konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg als neue Mitglieder begrüßen:

18 persönliche Mitglieder:
Dr. Konrad Ader, Kleinmachnow; Martin Ammon, Hannover; Jürgen Gaedt, Berlin; Eveline Guligowski, Berlin; Ute Handschuhmacher, Berlin; Peter Hlousek, Coburg; Eberhard Hoppe, Fürstenwalde; Renate Jaeschke, Berlin; Ingeborg Jahnke, Ingeleben; Rüdiger Jahnke, Ingeleben; Andreas Keller, Guben; Broder Laß, Berlin; Gisela Lickteig, Berlin; Michael Mildenberger, Berlin; Steffen Richter, Roßdorf; Eva-Maria Sima-Meyer, Berlin; Rudolf Herbert Tamm, Hannover; Ulrike D. Thomas, Baltimore (USA); Stefanie Winckler, Berlin.

10 Mitgliedsvereine:
Denkmalwacht Brandenburg und Berlin e.V.; Förderverein Dorfkirche Birkholz e.V. (Barnim); Förderverein Wallfahrtskirche zu Buckow e.V. (Havelland); Förderverein Kirche auf dem Berge zu Döllen e.V. (Prignitz); Verein zur Förderung des evangelischen Klosters Stift zum Heiligengrabe (Prignitz); Förderverein Dorfkirche Klein Muckrow (Oder-Spree); Förderverein zur Erhaltung der Krangener Dorfkirche (Ostprignitz-Ruppin); Förderverein Rehfelder Kirchberg e.V. (Ostprignitz-Ruppin); Förderkreis Kirchensanierung Rohrbeck (Havelland); Förderverein Autobahnkirche Zeestow (Havelland).

1 Kirchengemeinde:
Ev. Kirchspiel Lebusa-Körba (Elbe-Elster).

Damit zählt der Förderkreis zum gegenwärtigen Zeitpunkt 491 eingetragene Mitglieder, davon 368 persönliche Mitglieder, 103 Vereine, 13 Kirchengemeinden und Kirchenkreise sowie 7 Firmen.

 

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Was Leser meinen und woanders nachzulesen ist

Auch die Unscheinbaren am Wege nicht links liegen lassen

Alexander Kraemer aus Berlin ist seit Jahren Förderer des FAK und aufmerksamer Leser unseres Mitteilungsblattes. Er schreibt uns:

Auf vielen Fahrten durch Brandenburg besichtigen die Mitglieder und Förderer des Förderkreises Alte Kirchen künstlerisch und baugeschichtlich interessante Kirchen, die oft schon seit Jahrhunderten das Ortsbild prägen. An vielen anderen Kirchen aber fahren wir einfach vorbei. Sie sind äußerlich völlig unscheinbar und manchmal noch nicht einmal besonders schön. Oft sind es nur einfache graue Putzbauten. Wie sie innen aussehen, ist unbekannt, sie sind – wie immer noch viele Kirchen in Brandenburg – verschlossen. Grosse Schätze bergen sie wohl nicht und scheinen als "Offene Kirche" nicht zu taugen.

Wenn man sich die Gebäude genauer ansieht, stellt man manchmal Gemeinsamkeiten fest. Und wer sich nach dem Baujahr erkundigt, ist zumeist verblüfft: Sie wurden zwischen 1950 und 1990, also zu DDR-Zeiten, erbaut.

Unwillkürlich muss ich dann darüber nachdenken, mit welchen Schwierigkeiten diese Kirchen oft erbaut wurden, gegen wie viel Widerstand von kommunaler, bezirklicher oder gar staatlicher Seite sich die Gemeindeglieder mutig durchgesetzt haben. Und die Mitarbeit beim Bau dieser Kirchen war oft auch mit persönlichen Nachteilen verbunden. Wie viele Entbehrungen und Spenden der Gemeindeglieder waren notwendig, wie viel "Organisationstalent" war gefragt, damit diese Gotteshäuser erbaut werden konnten!

Auch wenn sie künstlerisch und bauhistorisch meist nicht besonders wertvoll sein mögen – sie sind es wert, beachtet zu werden. Und wer glaubt, dass es ja nur "eine Handvoll" Kirchen sein können, die in Brandenburg zu DDR-Zeiten gebaut wurden, der irrt gewaltig. Ich habe auf meinen Touren durch Brandenburg schon fast 30 Kirchen gesehen, die in DDR-Zeiten entstanden, und das sind keinesfalls alle. Dazu kommen die vielen, die im Zweiten Weltkrieg mehr oder weniger stark zerstört und ebenfalls zu DDR-Zeiten repariert, ausgebessert oder wieder aufgebaut wurden. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass in der atheistischen DDR so viele Kirchen gebaut wurden. Und immerhin haben es einige dieser Kirchen sogar geschafft, in den "Dehio" (Baudenkmale in Brandenburg) aufgenommen zu werden; so die katholische Sanetissima-Eucharista-Kirche in Teltow oder die evangelische Johann-Sebastian-Bach-Kirche in Forst (Lausitz).

Wir sollten auch vor diesen Kirchen einmal anhalten in Erinnerung an die großen persönlichen Opfer der Erbauer – und daran denken, dass auch diese Kirchen erhaltenswert sind.

Mit Vermittlung und gutem Rat geholfen

Die Vorsitzende des Fördervereins Siethener Dorfkirche schreibt u. a.:

Wir möchten dem FAK herzlichst Dank sagen für die bisherige Unterstützung. Wir konnten jetzt mit der Sanierung des Kirchturms beginnen. Der FAK hat guten Anteil daran, dass dies so schnell gelungen ist, z. B. durch die Vermittlung des Engagements vom Lions-Club, der unsere erste Rechnung beglich, oder durch die Veröffentlichung über unsere Kirche im Heft "Offene Kirchen", der uns auch in der Ferne bekannt macht. Dankbar sind wir auch für die Vermittlung des Auftritts der Organistin Melanie Noske-Herzog, durch deren Benefizkonzert sich unser Spendenkonto erhöhte.

Die Gespräche mit Herrn Dr. Krag waren überdies immer eine Bereicherung und haben den Blick für manches Detail – sei es historisch, kunstgeschichtlich oder auch ganz praktischer Natur – geschärft. Seine Hinweise waren uns eine nachhaltige Hilfe bei unseren Vorhaben.

Identität bewahren

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 5. September erschien ein dreiseitiger Artikel "Die unvollendete Einheit". Nachfolgend ein Auszug.

Das kann man in vielen Dörfern Brandenburgs beobachten: Die Läden und auch die Kneipen machten Pleite, doch die Kirchen profitierten. [...] "Die Proteste bei der angekündigten Aufgabe von Kirchen sind größer als bei der Schließung der letzten Dorfkneipe", sagt Bernd Janowski, der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Und warum diese Anhänglichkeit einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft? "Die wollen den optischen Mittelpunkt des Dorfes erhalten", weiß er. [...]

In über 250 Gemeinden Brandenburgs haben sich inzwischen Fördervereine gebildet, die Kirchen retten wollen. Und jedes Jahr kommen etwa 20 Vereine hinzu. Zwei Drittel der Mitglieder gehören keiner Kirche an. Der Abbau Ost, der in vielen Dörfern zu beobachten ist, macht daher zumindest vor den Kirchen halt. Selbst in Dörfern, in denen nur noch 50 Einwohner leben und nur alle vier Wochen ein paar Gläubige zum Gottesdienst erscheinen, gibt es renovierte und tagsüber offene Kirchen. Dass die Bürger diese Gebäude erhalten wollen, mag auch damit zusammenhängen, dass sie jahrhundertelang der Mittelpunkt des spirituellen, kulturellen und sozialen Lebens waren. Heute werden die Kirchen anders genutzt, sie sind zu Kultur-Kirchen geworden. Viele der ursprünglich als Kirchbau-Vereine gegründeten Initiativen sind inzwischen Organisationen, die die kulturelle Ödnis zu füllen suchen.

 

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KURZ NOTIERT

Gedankenaustausch zu hochaktuellen Fragen

Um den kreativen Umgang mit Kirchengebäuden ging es in einer Tagung, zu der die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt nach Froburg eingeladen hatte. Vertreter von Kirchenfördervereinen aus Mitteldeutschland, der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM), des Evangelischen Zentrums Ländlicher Raum sowie des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg waren der Einladung gefolgt.

Die Tagung begann mit einer umfassenden Situationsbeschreibung der Dorfkirchen in Mitteldeutschland aus Sicht der EKM. Fortgesetzt wurde sie mit einer Zustandsbeschreibung aus gemeindlicher Sicht und mit Arbeitsgruppen zu den Fragen der baulichen Anpassung der Kirchen an kleiner werdende Gemeinden. Zu den Themen "Umbauen, abreißen oder einfach stehen lassen" und "Welche Nutzungen sind vertretbar?" wurde lebhaft diskutiert. Der FAK konnte dazu aus langjährigen Erfahrungen hier und da Empfehlungen anbieten. Insgesamt war die Tagung eine lebhafte Plattform für den Gedankenaustausch aus der Sicht sowohl "etablierter" als auch noch in der Gründungsphase begriffener Vereine. Wichtige Themen waren: Wie können gute Ideen und Konzepte bekannt gemacht werden? Wie laufen Ideenfindungsprozesse ab? Wer sind potentielle Partner? Welche Finanzierungsmodelle sind nutzbar? Wie kommuniziert man Nutzungsänderungen in der Gemeinde und wo gibt es Widerstände?

All diese hochaktuellen Fragen an Kirche, Gesellschaft, Politik und Ehrenamt wurden allerdings von nur 20 Teilnehmern mit geringer Wirkungsbreite diskutiert. Die Einladung hätte ein größeres Echo verdient.

Dr. Uwe Otzen

Regionalbetreuung Prignitz vakant

Wolf-Dietrich Meyer-Rath wird seine Tätigkeit als Regionalbetreuer der Prignitz zum Ende des Jahres 2010 beenden. Der Vorstand dankt ihm für seine ehrenamtliche Tätigkeit.

Wer sich von Ihnen als Betreuer für die kulturell und landschaftlich interessante Region der Landkreise Prignitz/Ostprignitz interessiert, möge sich bei der Geschäftsleitung oder im Büro des Förderkreises melden. Zu den ehrenamtlichen Tätigkeiten gehören denkmalpflegerische und organisatorische Beratung, Ansprechpartner für lokale Kirchenfördervereine und -gemeinden zu sein, die Organisation lokaler und regionaler Veranstaltungen, Berichterstattung und Vermittlung von Fördervorhaben sowie Unterstützung bei der Verteilung und dem Vertrieb des Fachblattes "Offene Kirchen". Wir würden uns freuen, wenn wir Ihnen Näheres über die ehrenvolle Tätigkeit im Förderkreis Alte Kirchen in einem persönlichen Gespräch mitteilen könnten.

Neue Schilder "Offene Kirchen"

Wer über Land fährt, kennt sie bestimmt – unsere zum Erkennungszeichen der Aktion "Offene Kirchen" avancierten Hinweisschilder. Heute nehmen etwa 900 Gemeinden oder Vereine an dieser Aktion teil – es werden immer mehr und die Nachfrage nach den Schildern lässt nicht nach. Diese Größenordnung hatten wir uns nicht träumen lassen. Nun haben wir wieder 100 Schilder anfertigen lassen, die zum Preis von 15,- € pro Stück in unserer Geschäftsstelle oder direkt bei den Regionalbetreuern bestellt werden können. An dieser Stelle ein Dank an alle, die durch Ihren Einsatz vor Ort zum Gelingen dieser Aktion beitragen.

Brandenburgischer Denkmalpflegepreis ging nach Groß Döbbern

Der Förderverein "Altes Pfarrhaus Groß Döbbern" (Spree-Neiße) wurde in diesem Jahr für die Rettung des alten Pfarrhauses mit einem der Brandenburgischen Denkmalpflegepreise geehrt. Das Gebäude gehört mit der Kirche und der Schule zu den ältesten Bauten im Dorf.

Der zweigeschossige barocke Bau mit Krüppelwalmdach war von August Heinrich Graf von Pückler, Großvater des bekannten Gartenbaukünstlers Hermann Fürst von Pückler, im Geburtsjahr seines Enkels 1785 erbaut worden. Unter den rund 140 denkmalgeschützten ländlichen Pfarrhäusern in Brandenburg ist es von seiner baulichen Gestalt eines der interessantesten. Ungewöhnlich ist die Gliederung in ein aus Feldstein ausgebildetes Souterrain auf Erdgeschosshöhe und ein darüber liegendes, aus Ziegeln aufgemauertes Hauptgeschoss.

Nach jahrelanger Nichtnutzung drohte das Gebäude unerwartet einzustürzen. Der örtliche Verein war damals mutig genug, das Haus aus Kirchenbesitz in sein Eigentum zu übernehmen. Von Anbeginn an unterstützten das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege, die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises und der Förderkreis Alte Kirchen den jungen Verein intensiv. So hatte der FAK bereits bei der Erstellung eines Gutachtens finanziell geholfen und die Gründung des Vereins intensiv begleitet. 2005 gehörten die Groß Döbberner zu den Preisträgern des vom FAK ausgeschriebenen "Startkapitals" – das war die erste größere Geldsumme in der Vereinskasse.

Das Nutzungskonzept für das gerettete Baudenkmal sieht das Alte Pfarrhaus als eine Begegnungsstätte für die gesamte Dorfbevölkerung.

 

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BÜCHERSEITE

Zweiter Band: Kirchen und ihre Hüter

"Ich hoffe, wir renovieren unsere Kirche nicht als ein Denkmal, sondern für die nächsten Generationen", sagt Carola Hildebrandt aus Bredereiche. Sie gehört zu den Schlüsselbewahrern, die Kara Huber in ihrem Band "Kirchen in Brandenburg und ihre Hüter" zu Wort kommen lässt und die sich für "ihre" Kirche auf besondere Weise verantwortlich wissen.

Mit diesem Band setzt die Herausgeberin dankenswerterweise ein Projekt fort, das mit dem 2008 veröffentlichten Buch "Brandenburgische Dorfkirchen und ihre Hüter" begann und viel Anerkennung fand. Unter den hier vorgestellten zwanzig Kirchen, die nach der Wende durch vielfaches gesellschaftliches Engagement vor dem Ruin bewahrt werden konnten, sind diesmal auch einige Stadtkirchen. Dabei geht es nicht allein um die Restaurierung der jahrhundertealten Baudenkmale, sondern auch und vor allem darum, wie die altehrwürdigen Gebäude heute mit neuem Leben erfüllt, wie gerade auch Kinder und Jugendliche mit diesem bedeutenden Erbe ihrer Vorväter vertraut gemacht werden. Auf sie kommt später die Verantwortung als Hüter zu. Die vor zehn Jahren vom Förderkreis Alte Kirchen initiierte Aktion "Offene Kirchen" hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich inzwischen viele Kirchenpforten auch für ein reiches Kulturleben öffneten.

Es sind wieder prominente Autoren, die von ihren persönlichen Beziehungen zu den jeweiligen Kirchengebäuden erzählen, darunter Günter de Bruyn, Wolfgang Huber, Otto Graf Lambsdorff, Matthias Platzeck und Richard von Weizsäcker.

Vortrefflich wie im ersten Band sind die Fotografien von Wolfgang Reiher und Leo Seidel. Sie spiegeln die Würde gewaltiger gotischer Hallenkirchen ebenso wider wie die Schlichtheit kleiner Fachwerkkirchen; sie rücken manches interessante Detail in den Vordergrund und zeigen in atemberaubenden Aufnahmen die Schönheit der märkischen Landschaft.

Im Anhang des Buches finden die Leser wieder die Kurzbiographien der Autoren und Fotografen, eine Landkarte, in der die hier ausgewählten Orte verzeichnet sind, sowie die Anschriften und Telefonverbindungen der jeweiligen Ansprechpartner.

Viele Kenner des ersten Bandes hatten sich schon auf die Fortsetzung gefreut – sie sind nicht enttäuscht worden.

Eva Gonda

Kara Huber (Hrsg.): Kirchen in Brandenburg und ihre Hüter.
Prestel Verlag München 2010. 176 Seiten, 100 Abbildungen; ISBN 978-3-7913-5044-8; 29,95 €

Mittelalterliche Wandmalereien

Die Kirchen der Niederlausitz bergen einen großen Bestand mittelalterlicher Wandmalerei. Dazu gehören einige Befunde aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, in überwiegendem Maße sind jedoch Raumausmalungen des 14. und 15. Jahrhunderts erhalten geblieben. Die Palette der Bildprogramme reicht von phantasievoller abstrakter Ornamentik und floraler Dekoration über die Darstellung einzelner Heiliger bis hin zu umfangreichen narrativen Bildzyklen.

Jetzt erschien der erste Band eines Projektes des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums zur Inventarisierung der mittelalterlichen Wandmalereien im gesamten Land Brandenburg. Im einleitenden Textteil werden in Aufsätzen zu Themen der Architektur- und der Kunstgeschichte, zum Bestand der Wandmalereien und den Bezügen zu anderen Kunstgattungen Aspekte von Kirchenbau und Kirchenausstattung in der Region der Niederlausitz vorgestellt.

Mittelalterliche Wandmalerei in Brandenburg. Bd 1: Der Südosten - die Brandenburgische Lausitz – Forschungen und Beiträge zur Denkmalpflege im Land Brandenburg Band 11.
Hg. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Prof. Dr. Detlef Karg
Worms 2010; ISBN 978-3-88462-302-2; 48,- €

Märkische Engel kommen ins Haus

Zum fünften Male erschien nun im Wichern-Verlag der Kalender "Märkische Engel". Zwölf himmlische Boten präsentieren sich wieder in Fotografien bester Qualität: elegant oder pausbäckig bieder; schwungvoll herabschwebend oder in würdiger Pose das Taufwasser darreichend; farbenfroh gekleidet oder im schlichten Gewand.

Diesmal haben sich die Engel aus den märkischen Dorfkirchen Verstärkung aus der Hauptstadt mitgebracht – drei stammen aus Kirchen Berlins, das in seiner Geschichte ja auch immer eine märkische Stadt war. Sie alle kommen aus gottesdienstlichen Räumen, aus Räumen der Stille und der Andacht und bringen ein wenig von ihrem besonderen Flair in unser Zuhause. Vielleicht machen sie auch neugierig und ermuntern den einen oder anderen, sie in ihrer Heimatkirche zu besuchen.

Schließlich findet der Betrachter auch einen Hinweis auf die vom Förderkreis Alte Kirchen initiierte Aktion "Menschen helfen Engeln" mit einem Hinweis auf die Möglichkeit, dafür zu spenden.

Eva Gonda

Märkische Engel, Kalender für 2011; herausgegeben von Antje Leschonski
Wichern-Verlag Berlin; ISBN 978-3-88981-293-3; 12,95 €

 

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