Das Waltersdorfer Gotteshaus wird von Kennern und Touristen geschätzt

Kleine Kirche besticht durch Bauernbarock

Sie ist von außen aus einfachem Feldstein gebaut. Im Inneren zeigen sich seltene Malereien. Die Schönheit der Dorfkirche von Waltersdorf ist kein Geheimtipp mehr. „Wir haben hier öfter Besucher, die sogar aus Berlin herkommen“, berichtet Hans-Dieter Hannemann, der Kirchenälteste des Dorfes.

 
Wolfgang Scholz (r.) und Hans-Dieter Hannemann.
Quelle: MAZ

Waltersdorf. Zu dem unverhofften Ruhm verhalf dem alten Steinbau das Magazin „Monumente“, das sich mit Denkmalschutz beschäftigt und 2013 einen Artikel über die Kirche veröffentlichte.

Benefizkonzert für Sanierung

Wann die Kirche erbaut wurde, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Der Bau dauerte fünf bis sechs Jahre.
Auftraggeber war der Adelige Johann Heinrich Berger, der auch die Schwesterkirche in Niebendorf errichten ließ.
Die Malereien im Innenraum wurden laut einem Zettel, der hinter der Orgel gefunden wurde, im Jahr 1754 fertig gestellt.
Die Orgel wurde 1923 erneuert.
Am Sonntag, dem 7. September, findet in der Kirche ein Benefizkonzert für die Sanierung statt.

Tatsächlich gibt es viel Bemerkenswertes über eine der kleinsten Flämingkirchen zu berichten. Dazu gehört schon die alte Holztür am Eingang. Sie stammt aus gotischen Zeiten und ist noch immer im Original erhalten. Ebenso wie fast das komplette Innenleben der Kirche, deren Turm nicht auf dem Gebäude sondern ein paar Meter abseits steht. Schon viele Besucher aus nah und fern staunten nicht schlecht, als sich ihre Augen an das finstere Licht gewöhnt hatten. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wird die Schönheit des Innenraums von einem ansässigen Lehrer wie folgt beschrieben: „Geheimnisvolles Dunkel umgibt uns zunächst. Allmählich erst erkennt das Auge die Farbenpracht.“ Inzwischen ist – trotz der unansehnlichen Baugerüste an den Außenwänden der Kirche – sogar das Fernsehen auf das Glanzstück aufmerksam geworden. Gestern war der RBB in der Dorfkirche zu Gast und drehte einen Beitrag für die Sendung Heimatjournal.

Feinste Malereiein und Schnitzereien

An der Decke, an Wänden ebenso wie Holzbänken und am Altar, der Kanzel und dem Beichtstuhl sind feinste Malereien und Schnitzereien im Holz zu sehen. „Das ist der Glanz dieser Kirche“, sagt Pfarrer Wolfgang Scholz über die seit 1754 original verbliebenen Elemente. Vor einigen Jahrzehnten waren sie sehr dezent restauriert und ansonsten bisher nur gereinigt worden.

Bauernbarock nennt sich der Stil, der moderne Ansätze erkennen lässt. „Die Kirche ist ganzheitlich gestaltet“, erklärt Pfarrer Scholz einen davon. Das Abbild Gottes, welches sonst im Altar zu finden ist und zur Trinität aus Vater, Sohn und Heiligem Geist gehört, ist in Waltersdorf an die Kirchendecke gemalt worden.

Gebäude ist sanierungsbedürftig

Nach mehr als 250 Jahren ist das Gebäude natürlich sanierungsbedürftig. Dem Kirchenkreis fehlt dafür allerdings ebenso das Geld wie dem kleinen Ort selbst. 2011 gründete sich daher ein Förderverein. Über zwei Jahre hat es gedauert bis dank Spenden die ersten Bauabschnitte in Angriff genommen werden konnten. In drei Wochen sollen die Arbeiten am Dach beginnen. „Wir haben im Holz des Dachstuhls den Hausbock, einen Käfer, drin und auch Schwamm, der im Moment zum Glück nicht aktiv ist“, sagt Wolfgang Scholz. Mit Fördermitteln soll 2015 dann der zweite Bauabschnitt folgen. Erst danach könne man sich um den Innenraum kümmern; die alten Fenster und die Orgel sanieren lassen.

Von Victoria Barnack

Märkische Allgemeine vom 29. August 2014

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