Wir freuen uns über eine hohe Auszeichnung

Unser Verein gehört in diesem Jahr zu den Preisträgern des "Deutschen Preises für Denkmalschutz" und wird mit der "Silbernen Halbkugel" ausgezeichnet.

Der vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz gestiftete Preis ist die höchste Auszeichnung in diesem Bereich und gilt herausragenden Leistungen zur Bewahrung des baulichen und archäologischen Erbes sowie beispielhafter Vermittlung der Anliegen und Ziele von Denkmalschutz und Denkmalpflege. Er wurde 1977 gestiftet und gilt Persönlichkeiten und Personengruppen, die sich ehrenamtlich dem Schutz, der Pflege und der dauerhaften Erhaltung des baukulturellen und archäologischen Erbes widmen. Die Leistungen sollen langfristig angelegt sein und in ihrer Bedeutung weit über sonst übliches Bürgerengagement hinausgehen.

Vorgeschlagen wurde der Förderkreis Alte Kirchen von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege.

Die Preisverleihung wird am 28. Oktober im Museum für Kommunikation in Berlin stattfinden.

 
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Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Fundierte Beiträge, Leser-Zielgruppen, Tipps, Verkaufszahlen – unser Heft „Offene Kirchen“ ist immer auf dem Prüfstand

Im kommenden Jahr 2014 wird bereits zum fünfzehnten Mal unsere Jahresbroschüre "Offene Kirchen" erscheinen. Dies ist ein kleines Jubiläum, das uns durchaus stolz macht. Als wir im Jahr 2000 (damals noch mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung) das erste Heft der Öffentlichkeit vorstellten, war diese Entwicklung nicht abzusehen und das Heft als einmalige Publikation geplant. Der Erfolg verpflichtete uns dazu, weiterzumachen. Seitdem hat sich die Anzahl der im Adressteil aufgeführten offenen Kirchen im Land von 136 auf inzwischen über 900 vervielfacht und der Umfang des redaktionellen Teils mehr als verdoppelt. Die Redaktionsarbeit und das Lektorat erfolgen ausschließlich ehrenamtlich. Autoren und Fotografen stellen uns ihre Beiträge kostenlos zur Verfügung. Herstellung und Druck des Heftes jedoch finanzieren wir ohne Zuschüsse jeweils aus den eigenen Finanzen vor.

Die Reaktionen auf unser Heft sind durchweg positiv. Auch zur aktuellen Broschüre, die mit den "Pilgerwegen" erstmals einen Themenschwerpunkt gesetzt hatten, erreichten uns viele zustimmende Rückmeldungen. Das motiviert für die Arbeit an der Ausgabe für 2014, die bald beginnen wird, und hoffentlich auch für die kommenden Jahre. Leider jedoch ist die Anzahl der verkauften Exemplare seit einigen Jahren rückläufig. Buchhandlungen, vor allem aber auch Kirchengemeinden, die die "Offenen Kirchen" in der Vergangenheit eifrig für uns vertrieben haben, wollen keine Hefte mehr abnehmen, da sich der Verkauf als Kommissionsware für sie nicht lohnt. Anderswo sind die Verkaufsziffern gesunken, ohne dass wir jeweils erfahren, woran das konkret liegt.

Wir betrachten die "Offenen Kirchen" als unser wichtigstes Medium der Öffentlichkeitsarbeit, mit dem wir nicht nur auf unsere Tätigkeit zur Erhaltung und Bewahrung der Kirchenbauten in Brandenburg hinweisen möchten, sondern eine breite Öffentlichkeit für die reiche sakrale Denkmallandschaft insgesamt sensibilisieren wollen. In den vergangenen Jahren konnten wir einen sehr großen Teil unserer neuen Mitglieder durch die Hefte "Offene Kirchen" gewinnen. Auch eine stolze Summe an Spendengeldern erreicht uns regelmäßig von Menschen, die durch die "Offenen Kirchen" auf den Förderkreis Alte Kirchen aufmerksam geworden sind. Das jährliche Erscheinen wird von uns also überhaupt nicht in Frage gestellt. Trotzdem diskutieren wir innerhalb des Vorstands des Förderkreises Alte Kirchen sowie mit den Regionalbetreuern und ehrenamtlichen Helfern immer wieder intensiv über die Ursachen des Rückgangs und über Möglichkeiten, den Inhalt der Hefte weiter zu verbessern. Zweifel an der eigenen Arbeit können ja auch produktiv sein.

Kürzlich stellten wir uns die Frage nach der "Zielgruppe", die wir mit unserer Publikation erreichen möchten und erreichen können. Dabei haben wir festgestellt, dass diese durchaus begrenzt (wenn auch natürlich ausbaufähig!) ist. Die Literatur über Brandenburg – Reiseführer, Hochglanzbroschüren der Landkreise und Tourismus-Informationen, Fachliteratur, Geschichts- und Geschichtenbücher etc. – hat in den letzten anderthalb Jahrzehnten enorm zugenommen. Wer aus der Vielzahl der vorliegenden Veröffentlichungen das Heft "Offene Kirchen" auswählt und erwirbt, muss ein spezielles Interesse an der Thematik haben. Auch ist die Bedeutung des Internets immens gewachsen. Die Fülle der Informationen, die man eben schnell mal so nebenbei "googeln" kann, macht für so manchen vielleicht den Kauf von Druckerzeugnissen überflüssig.

Fast alle Printmedien klagen über rückläufige Verkaufsziffern. Uns sind natürlich Käufer am liebsten, die unsere Broschüre nach dem Erwerb nicht nur kurz durchblättern, sondern sich motivieren lassen, unser Grundanliegen – die langfristige Bewahrung und Erhaltung einer einzigartigen Denkmallandschaft – mitzutragen.

Der Inhalt unserer "Offenen Kirchen" war von Anfang an und ist bis heute als Mischung verschiedener Themen konzipiert: Historische und kunsthistorische Beiträge, die von Fachleuten so geschrieben sind, dass sie ein möglichst breites Publikum ansprechen, stehen neben touristisch orientierten Vorschlägen und Berichten über das erfreulich grooße Engagement vor Ort zur Erhaltung der jeweiligen Kirche im Dorf. Abseits der bekannten Routen und neben den berühmten Klöstern, Domen und grooßen Stadtkirchen wollen wir auf unbekannte Schätze der Baukunst und der Ausstattung aufmerksam machen und den Leser auffordern, auch die Orte aufzusuchen, die Fontane nicht erwandert und beschrieben hat. Ob dabei jeweils alle möglichen Interessen des potentiellen Lesers abgedeckt werden können und das Spektrum der Themenfelder breit genug gefächert ist, darüber denken die Redaktionsmitglieder und der Vorstand des FAK jedes Jahr von Neuem nach und die Meinungen sind – was völlig normal ist – manchmal auch kontrovers.

Wir betrachten unsere Jahresbroschüre "Offene Kirchen" nicht in erster Linie als ein Produkt, das Gewinn abwerfen soll, auch wenn Ausgaben und Einnahmen natürlich in einem vernünftigen Verhältnis stehen müssen. Unser Ziel ist es, den zahlreich vorhandenen Freunden der brandenburgischen (Dorf-) Kirchen jährlich wiederkehrend spannende, interessante und motivierende Lektüre zu bieten und möglichst viele neue Freunde für unser schönes Thema zu finden.

Sollten Sie als unsere "Stammleser" zu Inhalt und Gestaltung des Heftes, aber auch zur Möglichkeit der Gewinnung neuer Absatzmöglichkeiten Hinweise geben können, wären wir Ihnen dafür sehr dankbar. Nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden kann.

Bernd Janowski

 
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Fünf Jahre Stiftung Brandenburgische Dorkirchen

Die Viertelmillion ist überboten

Das große Geburtstagsgeschenk kam völlig unerwartet: Am 23. Juli wurde unserer Stiftung – vermittelt durch die Stiftung KiBa – eine Zustiftung von 100.000 Euro notariell bestätigt.

Am 1. Juli 2008 hatte – nach Vorverhandlungen mit der Stiftung KiBa – der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen gegründet. Damit war ein wichtiger Schritt für die Zukunftssicherung unserer Arbeit getan. Das Startkapital betrug damals 58.500 Euro. Heute sind es 348.350 Euro. Ende dieses Jahres werden wir bereits Zinserträge von fast 20.000 Euro erwirtschaftet und zugesagt haben – für die Förderung von Kirchensanierungen in Hirschfelde, Selbelang, Ahlsdorf, Märkisch-Wilmersdorf, Dauer, Pessin und Wulfersdorf.

Dass wir in diesen ersten fünf Jahren bereits so erfreulich viel erreichen und bewirken konnten, danken wir den etwa 250 Zustiftern, die sich mit kleinen und großen Beträgen beteiligt haben. Ihnen allen möchten der Stiftungsvorstand und der Förderkreis Alte Kirchen sehr herzlich danken.

Arnulf Kraft


In Selbelang (Havelland) präsentiert sich die Kirche heute vollständig saniert. Der FAK stand Pate bei der Gründung des örtlichen Fördervereins und unterstützte die Sanierungsarbeiten durch ein Startkapital wie auch mit Mitteln aus unserer Stiftung.

Unsere Stiftung hat sich also schon in kurzer Zeit ausgezahlt. Wir hoffen, dass sie auch weiterhin von vielen freundlich begleitet wird.
Zustiftungen mit dem Vermerk "Zustiftung" an: Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen, Konto Nr. 300 00 55 50, Ev. Kreditgenossenschaft Kassel, BLZ 520 604 10

Als wir die ersten Zinserträge aus der Stiftung für den Wiederaufbau der ruinösen Kirche in Hirschfelde (Barnim) bereitstellten, wussten wir nicht, dass man hier einen langen Atem brauchen würde. Die Einwerbung weiterer Fördermittel, wofür wir den Grundstein gelegt hatten, zog sich in die Länge. Doch nun konnte der dortige Förderverein verkünden: Die Finanzierung steht, noch im Spätsommer beginnen die Bauarbeiten, die sicher auch viel Zeit brauchen. Wir hatten einst den Anstoß dazu gegeben.

Schnelle Hilfe war angesagt, als im August 2011 in der Kirche von Ahlsdorf (Elbe-Elster) plötzlich Dachbalken brachen und vor den Altar stürzten. Der FAK konnte neben einer spontanen Spende von 3.000 Euro noch mal 3.000 Euro aus den Erträgen der Stiftung dazugeben. Auch von anderer Seite erfahren die Ahlsdorfer Hilfe.

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen erreichten uns Grußschreiben.

"Eine weitere segensreiche Facette bürgerschaftlichen Engagements"

Im Grußwort aus dem Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg – schlesische Oberlausitz schreibt der Leiter des Kirchlichen Bauamts, Kirchenoberbaurat Matthias Hoffmann-Tauschwitz:

Sehr geehrte Damen und Herren, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, liebe Schwestern und Brüder,

es ist mir eine besondere Freude, Ihnen zum fünften Jahrestag des Bestehens der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen zu gratulieren.

Das Kirchliche Bauamt, dem ich bald dreieinhalb Jahrzehnte angehören darf, ist dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. von dessen Gründung an verbunden. In unserem gemeinsamen Bemühen um den Fortbestand des wunderbaren Schatzes, den die Dorfkirchen für unser Bekenntnis, unsere Kirche, unser Land und die Menschen unserer Region darstellen, ist der Förderkreis Alte Kirchen besonders erfolgreich bei der Motivation und Stärkung der engagierten Kräfte vor Ort. Als es dem Förderkreis Alte Kirchen vor fünf Jahren im Zusammenwirken mit der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland gelang, die "eigene", regionsbezogene "Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen" zu gründen, war schnell klar: Eine weitere segensreiche Facette der unvergleichlichen Tätigkeit aus bürgerschaftlichem Engagement kam hinzu – nämlich eine verbesserte, verlässliche und planbare Möglichkeit der Ermutigung örtlicher Fördervereine durch direkte materielle und ideelle Förderung. Wenn dabei diejenigen Kirchen, Fördervereine und Kirchengemeinden im Vordergrund stehen, die sich unter schwierigsten Bedingungen um besonders "aussichtslos" erscheinende Vorhaben bemühen und dabei nicht nur für das Kirchengebäude, sondern auch den Menschen vor Ort Perspektiven erschließen, dann ist das ein unvergleichliches Signal, das keine andere Instanz setzen kann.

Im Namen meiner Mitarbeitenden danke ich den Engagierten in der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen und im ganzen Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. im Verbund mit der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland für dieses außerordentliche Wirken und wünsche Ihnen allen für Ihr weiteres Tun den Segen unseres guten Gottes.

Nachhaltige Finanzierung von großem Nutzen

Den Wünschen für weitere erfolgreiche Fördertätigkeit auf der Grundlage der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen schließt sich Angus Fowler an. Er schreibt:

Als Ehrenmitglied des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. und im Namen des Förderkreises Alte Kirchen e.V. (Marburg), des internationalen Netzwerks "Future for Religious Heritage" (Eine Zukunft für das religiöse Erbe), des internationalen Verbandes ECOVAST (European Council for the Village and Small Town) und des Vereins DenkmalWacht Brandenburg-Berlin möchte ich die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen zu ihrem fünfjährigem Bestehen herzlich beglückwünschen. Für die Rettung, Sicherung, Renovierung und Erhaltung gefährdeter Kirchen und ihrer Ausstattung ist eine dauerhafte, nachhaltige Finanzierung wie durch die Stiftungserträge unabdingbar.

Aus den langjährigen Erfahrungen des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg war die Gründung der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen in Zusammenarbeit mit der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KIBA) eine notwendige und folgerichtige Entscheidung. Inzwischen konnten seit Gründung der Stiftung schon mehrere Beihilfen für einzelne Kirchen gewährt werden.

 
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Die Gewinner unseres Startkapitals 2013 stellen sich vor

Foto: A. Ebertus
Viele Probleme – und doch Zuversicht

Die Berger Kirche, ein verputzter Rechtecksaal, wurde 1744 auf den Grundmauern einer abgerissenen Wehrkirche erbaut. Der bis dahin hölzerne Turm ist erst nach 1775/76 durch einen massiven quadratischen Turm mit Gratkuppel und achtseitiger hölzerner Laterne ersetzt worden. Im Innenraum der Kirche stehen gleich zwei wertvolle Altäre: der 1685 durch Botho von Hake gestiftete barocke Kanzelaltar aus dem Vorgängerbau und ein 1719 erbauter Kanzelaltar aus der 1975 abgerissenen Kirche zu Tietzow. Die Schuke-Orgel war 1938 in das Gehäuse einer Turley-Orgel aus dem Jahre 1815 eingebaut worden. Nach der 1992 erfolgten Turmsanierung sollte nun das Kirchendach erneuert werden. Die Entdeckung von Schwammbefall in eingemauertem Fachwerk, Forderungen der Kommune nach einem Anliegerstraßenbau und andere zusätzliche Ausgaben erschweren die Arbeit erheblich. Dennoch ist der Förderverein zuversichtlich. Erste Benefizveranstaltungen wurden bereits organisiert, wobei man besonders bemüht ist, alle Dorfbewohner anzusprechen und einzubeziehen. Auch eine Broschüre soll demnächst erscheinen.

  Förderverein Dorfkirche Peter & Paul Berge e.V.
 
Havelland
 
Foto: W. Meyer-Rath
Eine der Ältesten mit allerlei Gebrechen

Die Feldsteinkirche Gantikow gehört zur ältesten Generation der massiven Kirchbauten in der Prignitz: Nach dendrochronologischen Untersuchungen stammen die ältesten verbauten Hölzer aus dem Jahr 1263, wären also genau 750 Jahre alt. Allerdings fällt dem Besucher bei diesem alten Bau sogleich der Dachturm auf, dessen baufällige Verbretterung mit Dachpappe notgesichert wurde. Im Innenraum sind im Sockelbereich umfangreiche Feuchtigkeitsschäden zu erkennen, die ringsherum die Wände zerstören. Nicht sofort sichtbar sind die immensen Holzschäden im Dachtragwerk und in der Turmkonstruktion. Das heißt: Eine baldige Instandsetzung tut not. Die Gesamtkosten betragen mehr als 350.00 Euro, mit dem ersten Bauabschnitt (Turm) soll begonnen werden. Engagierte Menschen im Dorf beschlossen im Mai 2012 nach einer vorbildlichen Vorbereitung die Gründung eines Kirchenfördervereins, um die Kirchengemeinde bei der Instandsetzung zu unterstützen. Das FAK-Startkapital hilft, weitere Fördermittel einzuwerben.

  Förderverein Dorfkirche Gantikow e.V.
 
Ostprignitz-Ruppin
 
Foto: Wikipedia
Devise: "Unser Dorf hat Zukunft."

Die Dorfkirche Garrey aus dem 14. Jahrhundert ist eine der schönsten im Hohen Fläming. Aber sie ist in schlechtem Zustand. Der Westgiebel droht einzustürzen, die Deckenbalken sind an ihren Auflagerungen in den Seitenwänden vermodert. Das Tragsystem der Glocke muss ausgebessert werden. Und, und, und… Das Dorf hat sich zusammengetan, einen Freundeskreis gegründet, Sponsoren aufgetan. Die Kirche ist ihnen unverzichtbarer Teil des ganzen Dorfes. "Garrey – Unser Dorf hat Zukunft" heißt das Sanierungsprojekt und wird von einem achtköpfigen Team mit einem erfahrenen Projektleiter verantwortet. Alle fassen sie mit an, ob Kirchenmitglied oder nicht. Die Finanzierung schien gesichert, ist aber durch Wegfall der ILE-Mittel 2013 schwieriger geworden. Umso größer die Freude in Garrey, einer der diesjährigen Preisträger des Startkapitals geworden zu sein. Die Planung für die Kirchenreparatur muss nun zwar zeitlich gestreckt und der kürzlich erfolgten Neustrukturierung des Kirchenkreises angepasst werden. Aber das Projekt geht voran, da ist sich ganz Garrey sicher.

  Freundeskreis der Garreyer Kirche
 
Potsdam-Mittelmark
 
Foto: Wikipedia
Sehenswerte Schätze unterm gefährdeten Turm

Das Dorf Rüdnitz liegt etwas im Schatten des übermächtig erscheinenden Bernau. An der Dorfkirche, abseits der viel befahrenen Landstraße nach Eberswalde gelegen, rauscht der moderne Mensch schnell vorbei, ohne einen Blick auf den um 1230 erbauten frühgotischen Feldsteinbau geworfen zu haben.

Während des Dreißigjährigen Krieges teilweise zerstört, war die Kirche später neu aufgebaut worden. Im Innern ist die aus dem 19. Jahrhundert stammende Orgel des Orgelbaumeisters Lütkemüller zu bewundern.

Das hölzerne Altarretabel macht mit seiner ungewöhnlichen Ikonographie die Veränderungen durch die Reformation deutlich. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert, die ältesten Figuren aus dem Jahre 1430. Sorge bereitet der hölzerne Turmaufsatz, der dringend saniert werden muss.

Der Förderverein gründete sich 2011. Sein Ziel ist der Erhalt und die Instandhaltung der Dorfkirche sowie ihrer ortsbildenden Umgebung im Sinne des Brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes. Die Kirche soll neben der gottesdienstlichen Nutzung in Absprache mit dem Gemeindekirchenrat der Kirchengemeinde auch kulturellen Zwecken dienen. Der Verein will das Interesse von Bürgern, Institutionen, Behörden und der Wirtschaft für sein Vorhaben wecken, um finanzielle und tätige Hilfe werben und diese sinnvoll einsetzen.

  Förderverein Dorfkirche Rüdnitz e.V.
 
Barnim
 
Foto: W. Meyer-Rath
Für einen würdigen, einladenden Raum

Die Backstein-Kirche in Dranse wurde 1861 anstelle eines baufälligen Fachwerkbaus im neuromanischem Stil der Schüler-Schule errichtet. Sie hat eine halbrunde, innen ausgemalte Apsis und eine hölzerne Schrägdecke mit Zierhölzern und Schablonenmalerei. Nach 1945 waren immer größere Schäden an Turm und Kirchenschiff entstanden, aber erst nach der Wende konnten Dächer und Fenster mithilfe von Fördermitteln instand gesetzt werden. Obwohl die Kirche zunehmend auch für außerkirchliche Veranstaltungen genutzt wurde, war der bauliche Zustand des Innenraumes inzwischen nicht mehr akzeptabel. Für eine Instandsetzung aber stehen von offizieller Seite keine Mittel zur Verfügung. Im Juni 2012 gründeten engagierte Dorfbewohner einen Förderverein, der inzwischen auf mehr als zwanzig Mitglieder angewachsen ist. Nun wird ein reichhaltiges kulturelles Programm die Kirche und die notwendigen Baumaßnahmen noch mehr in das Bewusstsein der Dorfbewohner bringen, und auch das halbe Startkapital des FAK wird dabei gewiss etwas helfen können.

  Förderverein der Dranser Kirche e.V.
 
Ostprignitz-Ruppin
 
Foto: A. Kraft
Sisyphus und gleich zwei große Ziele

In der Regel gilt das Bemühen eines Kirchen-Fördervereins einem einzigen markanten Bau, der örtlichen Kirche. Da sieht sich der 2011 gegründete Förderverein Kirche und Pfarrhaus Friesack e.V. vor einer viel größeren Herausforderung. Er will nicht allein die Innensanierung der großen Stadtkirche ermöglichen, in der u. a. der gesamte Fußboden angehoben und neu verlegt werden muss; der Verein will auch das benachbarte schwer geschädigte Pfarr- und Gemeindehaus als Versammlungsort für Kirchen- und Stadtgemeinde erhalten und entwickeln. Denn solchen Raum gibt es im Ort sonst nicht.

Für die doppelte Aufgabe und das dafür notierte Konzept wurde bereits 2012 beim FAK ein Startkapital beantragt. Da hat sich unsere Jury vermutlich nicht recht vorstellen können, dass das Sisyphusprojekt je sehr weit kommen würde, und dem Antrag nicht zustimmen mögen. Das sieht inzwischen ganz anders aus: In der Kirche ist mit sehr viel Eigenarbeit bereits Beachtliches geschehen. Durch ein erfolgreiches Kultur- und Filmprogramm lenkt der engagierte Verein immer mehr Aufmerksamkeit auf das wertvolle Ensemble von Kirche, Pfarrhaus und Kantorenhaus. Es ist mehr als angemessen, dass solches Bemühen nun auch durch ein Startkapital des FAK gefördert wird.

  Förderverein Kirche und Pfarrhaus Friesack e.V.
 
Havelland
 
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Erfolge und Probleme

Mit Cornelia Behm (MdB) auf Kirchentour

Seit Jahren unterstützt die Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm, Mitglied unseres Förderkreises, die Bemühungen um die Bewahrung brandenburgischer Kirchen. Jetzt informierte sie sich auf einer Rundreise durch die Landkreise Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald über bisher Erreichtes und anstehende Probleme.

In der schönen, aber dringend sanierungsbedürftigen Flämingkirche Waltersdorf war man sich mit allen engagierten Förderern vor Ort einig, dass die Mehrwertsteuer für denkmalpflegerische Arbeiten gesenkt werden sollte. Begrüßt wurde das geplante "Kulturdreieck" Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf – Kirche Waltersdorf – Kirche Niebendorf.

Für die Rettung der großen Sebastianskirche in Baruth hatte sich Cornelia Behm schon seit langem engagiert; jetzt konnte sie sich darüber freuen, dass die Sanierung fast abgeschlossen ist.

Deprimierend dagegen der Besuch der Kirche von Halbe. Sie zeigt noch immer Spuren der verheerenden Kesselschlacht und späterer Vernachlässigung: herab fallender Putz, Wasserflecken an der Tonnendecke, lädierte Orgel. Vertreter des örtlichen Förderkreises sind enttäuscht, dass auch eine Sanierung zur Hundert-Jahr-Feier 2014 nicht möglich ist. Die Kirche ist im Zusammenhang mit den letzten Kriegsereignissen und dem Friedhof mit mehr als 25.000 Toten zu sehen. Ihr sollte als eine Gedenkstätte wieder Würde gegeben werden.

Cornelia Behm gibt jetzt ihr Bundestagsmandat auf, will sich aber als FAK-Mitglied weiterhin für die Anliegen unsers Förderkreises einsetzen.

Hans Krag

 
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Erinnern Sie sich ?

...fragten wir im Mai unsere Leser. Es ging um jene Brandenburger Dorfkirchen, die in DDR-Zeiten unter oft ganz schwierigen Bedingungen gerettet, wieder hergerichtet oder gar neu gebaut wurden. Wir baten um Erlebnisberichte oder Hinweise auf solche Kirchen und erhielten viel Echo. Hier das Beispiel Liedekahle.

LIEDEKAHLE (Teltow-Fläming)

Not macht erfinderisch

Wie ein Turm wieder auf die Beine kam

 
Alfred Wolf, der "rettende Engel" der Dorfkirche, mit dem Liedekahler Taufengel

Renovierung der Dorfkirchen in DDR-Zeiten – da fällt den Liedekahlern sofort Alfred Wolf ein. Ohne ihn wäre ganz sicher die kleine Kirche aus dem 14. Jahrhundert nicht so gut erhalten, der Westgiebel nicht repariert. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz wäre der freistehende holzverschalte Glockenturm längst zusammengekracht, die Kirchhofmauer noch immer ein verfallener Steinhaufen.

Alfred Wolf ist schon vor einigen Jahren gestorben. Aber im Gespräch mit seiner Frau Anneliese, seinem jüngsten Sohn Andreas und Gemeindekirchenrat Rudi Hausmann wird er ganz gegenwärtig. Und damit die Erinnerungen an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, Kampf gegen überhöhte Abgabennormen, sechs Jahre Bautzen, wirtschaftliche und soziale Not, die Gründungszeit der DDR, Zwangskollektivierung, die Jahre bis zur Wende. Die persönlichen Schilderungen, alte Bilderalben, Dorfchronik und Archivmaterial lassen das Leben von Alfred Wolf überaus anschaulich werden.

Der Bauernsohn und Erbe wächst in dem kleinen Dorf Liedekahle, "Ort im trügerischen Sumpf", im Niederen Fläming auf und wird sein gesamtes Leben dort verbringen. Er ist mit ganzem Herzen Bauer – und Christ. Zuversicht und Gottvertrauen helfen ihm, mit jahrelanger Haft, der "Strafe" für kritische Worte zum überhöhten Abgabesoll, ohne dauerhafte Verbitterung zurechtzukommen. Er kümmert sich nicht nur um seinen Hof. Als langjähriger Vorsitzender des Gemeindekirchenrates erreicht er mit Beharrlichkeit und liebenswürdiger Bestimmtheit, dass das ganze Dorf, egal ob Kirchenmitglied oder nicht, bei der Restaurierung von Kirche und Glockenturm Hand anlegt.

Besonders dramatisch ist die Situation des Turms. Die Fundamente sind verfault, der Turm droht einzustürzen. Geeignetes Material zur Rettung ist nicht da, an eine Baufirma gar nicht zu denken. Jedenfalls nicht für einen Kirchturm.

Noch heute erinnert sich Anneliese Wolf mit Schaudern an die Rettungsaktion: Der Turm wird mit Seilen an die nahe stehende Linde gebunden, mit Winden angehoben und zur Seite gekippt. Unter dem schwankenden Turm graben die Männer das Fundament aus, schneiden die Befestigungsbolzen weg, mauern einen neuen Betongrund und kippen den Turm zurück in seine alte Lage. Geschafft!

Ohne sich etwa anzubiedern, gelingt es Alfred Wolf, konstruktiv und geschickt zum Nutzen der Dorfbewohner und der Gemeinde mit den staatlichen Stellen umzugehen. Es ist der für das Dorf zuständige Pfarrer Kahlbaum, der angesichts der desolaten wirtschaftlichen und personellen Lage der Höfe 1957 zur Gründung einer LPG rät. Vom Gemeindekirchenrat wird so beschlossen und Wolf zum 1. Vorsitzenden der LPG Typ I (gemeinsames Bewirtschaften der Äcker, aber Erhaltung des Grundbesitzes und getrennte Viehwirtschaft) gewählt. Als man ihn aber zur Werbung für die Zwangskollektivierung Anfang der Sechzigerjahre heranziehen will, sagt er nein.

Wolf konnte Leute ansprechen, Kontakte pflegen. Wusste, wo man Dinge bekommen oder tauschen kann. Pflegte enge Beziehungen zur Partnergemeinde in Westdeutschland, die mit vielerlei Praktischem aushalf. Und wenn es mal gar nicht klappte, gab er vom Eigenen. So wurden für die Neudeckung des Kirchendaches Schindeln von seinem eigenen Stall genommen. Und der bekam dann nur Well-Eternit als Ersatz.

Alfred Wolf – allseits geschätzt und respektiert; in den Stasi-Akten heißt es: "Er ist gut in der LPG. Aber er ist Christ und läßt nicht davon ab." Das hat ihn gefreut, sagt seine Familie, wenn er sich auch schwer damit getan hat, Denunzianten in seinem Dorf erleben zu müssen.

Theda von Wedel

 
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KÖNIGSHORST (Ostprignitz-Ruppin)

Fachwerk, Kletterrosen und viele Ideen

In ein altes Pfarrhaus und seinen Garten kehrte neues Leben ein

DAS PFARRHAUS (1737), die Dorfkirche (1737) und der Dorfkrug (1734) erinnern noch an die Zeit der Kolonisation. Das Havelländische Luch war einst eine Sumpf- und Wasserlandschaft, aus der sich einzelne sandige Inseln erhoben – die Horste. Anfang des 18. Jahrhunderts begann unter König Friedrich Wilhelm I. nach Plänen des Oberjägermeisters von Hertefeld die Trockenlegung, die 1724 im Wesentlichen abgeschlossen war. Neben Königshorst entstanden auch die Vorwerke Lobeofsund (1736), Mangelshorst (1747/48), Nordhof (1732), Sandhorst (1737/38) und Seelenhorst (1721). In vielen Dörfern des Luchs wurde Milchwirtschaft nach holländischem Vorbild betrieben. In Nordhof gab es die "Königliche Butterakademie", in der Bauerntöchter in der Kunst des Butterns und des Käsemachens unterrichtet wurden.

Weit über 250 Jahre hatte das friderizianische Fachwerkhaus aus der Kolonistenzeit in Königshorst im Havelländischen Luch als Pfarrhaus gedient. 1992 ging dann der letzte in Königshorst ansässige Pfarrer Martin Minke nach fast vierzigjähriger Dienstzeit in Ruhestand. Damit endete für das Pfarrhaus die kirchliche Nutzung; später wurde es aufgegeben, stand jahrelang leer und verfiel zunehmend. Das symmetrisch gegliederte Fachwerkhaus mit Krüppelwalmdach und drei Fledermaus-Gauben war zwar weitgehend original erhalten, der Zustand des Hauses aber absolut desolat. Martina Brömme und Waldemar Cada ist es zu verdanken, dass es nicht nur erhalten und saniert, sondern nun auch in geeigneter Weise wieder der Öffentlichkeit zugängig gemacht wird.

Auf Anhieb hatte sich das Berliner Ehepaar für dieses Haus entschieden, hatte alles Ersparte und zusätzliche Kredite in dieses Projekt gesteckt. Seit mehreren Jahren verbringen beide alle Sommer vor Ort, zunächst im Wohnwagen, inzwischen auch in den ersten fertig gestellten Zimmern. Für eine ganzjährige Nutzung fehlt noch die Heizung. Ohne jeden öffentlichen Zuschuss haben sie das Haus Zug um Zug wieder bewohnbar gemacht und dabei die Struktur des alten Gebäudes weitestgehend erhalten. Für Statik, Installation, Elektrik, Anlage einer Grube für die Kanalisation etc. wurden natürlich Fachleute geholt. Ansonsten aber packen sie tatkräftig selber zu. Familie und Freunde helfen. Und Arbeit genug ist noch auf Jahre vorhanden.

Gerade wird der ehemalige Gemeindesaal hergerichtet: mit Lehm die inneren Fachungen ausgefüllt, der alte Energie fressende Ofen ausgetauscht, Licht hereingebracht. Hier soll Platz geschaffen werden für kulturelle Zwecke, für Lesungen, Filmvorführung, Workshops etc. Damit hat Monika Brömme bereits begonnen. Im Sommer bietet sie Kunstkurse an und bezieht dabei ihre langjährige Erfahrungen als Lehrerin mit Schwerpunkt Kunst ein.

Aber nicht nur das Haus und die zahlreichen Nebengelasse, auch der "Garten" muss hergerichtet werden. Aus der Wildnis schält sich langsam so etwas wie ein wirklicher Garten heraus. Auf drei Seiten vom Friedhofsgelände umgeben, gibt es hier Raum für vielerlei Nutzung. Da liegen besonders geformte Steine, eine Leidenschaft der Hausfrau. Ein Weg schlängelt sich hindurch zwischen Efeu, Kletterrosen, Rhododendron, Giersch und Hortensien. Daneben Skulpturen aus eigener Werkstatt, kleine Plätze, einladende Sitzgelegenheiten.

2013 haben die beiden zum ersten Mal Haus und Garten für den "Tag der offenen Gärten" geöffnet. Und sie waren überrascht, wie viele Interessenten kamen. Vor allem die Lage des Gartens zwischen ehemaligem Pfarrhaus, der Kirche und dem altem Schulhaus fasziniert die Besucher. Mit tatkräftiger Hilfe von Küster Dralles wurde die im Jahr 1912 völlig abgebrannte, aber in ihrer ursprünglichen Form wieder aufgebaute Kirche zu diesem Ereignis den Besuchern geöffnet. Auf seine Unterstützung kann sich das Ehepaar auch sonst dankbar verlassen. Ebenso sind Superintendent Tutschke und Ortsvorsteher Seeger dem Anliegen wohlgesonnen. Für die Zukunft hat Martina Brömme interessante Ideen, zum Beispiel einen Markt für die vielen Künstler aus der Umgebung, Kunsthandwerk anbieten, mit den Nachbarn kooperieren und Nutzungsideen für das Gesamtensemble entwickeln. Nicht nur die Großstädter, vor allem die Menschen vor Ort möchte sie einbeziehen.

Aber sie bleibt auf dem Teppich. So ein Projekt braucht Zeit – und Geduld. Und die hat Martina Brömme als langjährige Frauenvertreterin in der Berliner Schulverwaltung wahrlich gelernt.

Text und Foto: Theda von Wedel

 

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Mit dem FAK unterwegs zu den Templern und Johannitern

Herrenmeister, Ritterschlag und verlorene Wappentafeln

Komtureikirche LietzenGroßbildansicht

Um die Tempelritter ranken sich bis heute allerlei Legenden, Geheimnisse, gar Verschwörungstheorien; von Alchemie und verborgenen Schätzen des Ordens wird gemunkelt. Die Teilnehmer der FAK-Exkursion ins Land Lebus und in die Neumark waren beiderseits der Oder anderen Schätzen auf der Spur: Die Templer und Johanniter als deren spätere Nachfahren hinterließen auch in Brandenburg bemerkenswerte Bauwerke.

Zum Beispiel das Denkmalensemble der Komturei Lietzen mit Kirche, Herrenhaus, Speicher und Wirtschaftshof, das letzte noch erhaltene Rittergut des Templerordens in Brandenburg mit seinen Ursprüngen aus dem 13./14. Jahrhundert. Bis zur Säkularisierung 1810 wirkten hier die Johanniter, danach war die Komturei 130 Jahre lang im Besitz derer von Hardenberg. Wegen ihrer Beteiligung am Attentat auf Hitler im Juli 1944 enteignet, konnte die Familie nach der Wende den Besitz zurück erhalten und umfangreiche Rückbau-, Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten in Angriff nehmen. Zu DDR-Zeiten war hier eine Schweinezucht betrieben worden.

Gebhard Graf von Hardenberg ließ für die Besucher die bewegte Vergangenheit der Komturei lebendig werden, ablesbar auch an den baugeschichtlichen Spuren in der alten Kirche. In allen Wirren der Zeit blieben wie durch ein Wunder drei Glocken aus dem Jahr 1698 erhalten. Ein Förderverein bemüht sich um die notwendige Restaurierung dieses besonderen Schatzes. An der Finanzierung wird sich auch der FAK beteiligen.

Imposant die Fassade der Kirche in Quartschen (oben); Ordenskirche der Johanniter und restaurierte Wappenfenster in Sonnenburg (unten und rechts)
 

Quartschen – der erste Eindruck ist überwältigend: Auf einer Wiese ragt eine archaische Kirche in den Himmel, ein gotischer Backsteinbau, in den die Granitsteinbasis und die Fassade einer älteren romanischen Kapelle integriert wurden. In ihrer heutigen Gestalt steht diese Kirche unverändert seit dem Ende des 13. Jahrhunderts.

Quartschen war damals das bedeutendste Anwesen der Templer im Osten Europas. Im Jahre 1318 ging die Komturei in den Besitz der Johanniter über, die das imposante Gotteshaus errichteten. Aus dieser Zeit stammen auch die sehenswerten Fresken Nach 1945 weiß überstrichen, dann wieder freigelegt, warten sie nun auf ihre endgültige Restaurierung.

Großbildansicht

Nur wenig jünger ist die spätgotische Johanniter-Kirche zu Sonnenburg, dem einstigen Zentrum des Ordens in Brandenburg. Seit 1508 fand in dieser Kirche der feierliche Ritterschlag der Johanniter statt. Entsprechend prachtvoll wurde sie ausgestattet. Rankenbemalung schmückt das Gewölbe, unterbrochen durch die Wappen aller 24 Herrenmeister seit 1305. Verloren gingen in den Wirren der Nachkriegszeit die rund 800 Wappentafeln, einst der besondere Schatz von Sonnenburg. Umso erfreulicher, dass die einzigartigen Wappenfenster erhalten und durch viele Spenden restauriert werden konnten. Acht der zehn Fenster waren um 1930 mit den Familienwappen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Johanniter aus Brandenburg geschmückt worden. Die Namen der Geehrten sind unter den 92 Familienwappen verewigt.

Nur noch eine Ruine ist das Ordensschloss. Bis 1945 war es im Besitz der Johanniter; 1976 brannte es aus. Geblieben ist eine imposante Fassade, die vom einstigen Glanz des Ordens kündet.

Über fünf Jahrhunderte sakraler Musik spannte sich dann auch der Bogen eines eindrucksvollen Konzertes, das die jungen Künstler des Vokalquintetts Berlin in der besonderen Atmosphäre der Sonnenburger Kirche boten. Die fünf Sängerinnen und Sänger aus Deutschland, Österreich und Israel verstehen sich als Brückenbauer zwischen den Völkern, zwischen Tradition und Gegenwart. Kann es einen besseren Ausklang dieser Reise in die Geschichte geben?

Text und Fotos: Eva Gonda

 

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Mit dem FAK unterwegs zu Kirchen von Georg Büttner

Auf Spurensuche zwischen Historismus und Moderne

VEREINFACHT wieder aufgebaut – die Büttner-Kirche in Sachsenhausen
 
KIRCHENFENSTER in Hohen Neuendorf
Fotos: Janowski

Das beginnende 20. Jahrhundert brachte im Kirchenbau mit der Reformbewegung des "Heimatschutzes" eine bewusste Abwendung vom damals noch vorherrschenden Historismus und eine Rückbesinnung auf regional typische Bauweisen und Materialien. Vor allem der Architekt Georg Büttner, Landeskonservator der Provinz Brandenburg und erster Leiter des Kirchlichen Bauamtes, entwarf bis zu seinem frühen Tod im Ersten Weltkrieg 1914 zahlreiche Kirchenbauten, die einerseits bewusst auf Traditionelles verwiesen, zugleich jedoch als Vorgriff auf eine moderne Architektursprache zu betrachten sind. Nachdem der FAK vor zwei Jahren im Rahmen einer Exkursion Büttner-Kirchen in den südöstlichen Vororten Berlins besucht hatte, setzte er die Spurensuche nun nördlich der Hauptstadt fort.

In Hohen Neuendorf hatte der ortsansässige Landwirt Hornemann der Gemeinde bereits 1898 ein Grundstück geschenkt mit der Maßgabe, dass hier innerhalb von zehn Jahren ein Kirchenbau entstehen solle. Am 1. August 1907 begannen die Bauarbeiten und die feierliche Einweihung fand an 21. Februar 1909 statt. Als architektonisches Stilelement hatte Büttner "ein freies Barock in einfachen Putzformen" gewählt. Für den Innenraum schuf der Architekt zwar einen Apsisraum in eher romanisierender Form, die Ausmalung des hölzernen Tonnengewölbes und des gesamten Innenraumes orientiert sich jedoch wieder am Barock, der – zuvor lange Zeit verpönt – durch die Heimatschutzbewegung und speziell durch Georg Büttner eine Rehabilitierung fand.

Anders als in Hohen Neuendorf ging von der Kirche in Sachsenhausen durch einen Kirchenbrand im Jahr 1961 viel an Originalsubstanz verloren. Bei der Wiederherstellung wurde nicht nur der Turm des erstaunlich modern anmutenden Kirchengebäudes stark vereinfacht wieder aufgebaut, auch die ursprüngliche Gestaltung des Innenraums ging leider verloren. Das Kirchenschiff ist nun in weiß, die Apsis in ziegelrot gehalten.

Erst kurz vor unserem Besuch hatte die Kirche auch einen neuen Außenanstrich erhalten. Gegen den von der Denkmalpflege vorgeschlagenen originalen dunkelbraunen Farbton setzte sich die Kirchengemeinde zur Wehr; als Kompromiss einigte man sich – so Pfarrer Krause – auf einen "Senfton", der sich jedoch recht gut in die umgebende Landschaft einpasst.

Ziegelsichtig wiederum präsentiert sich die Dorfkirche von Sophienstädt, einem rechteckigen Backsteinbau mit halbrunder Apsis, beidseitig angefügten Funktionsräumen und einem gedrungen Turm. Die Sophienstädter Kirche, die sich in ihrer bescheidenen Schlichtheit sehr gut in das Ortsbild des Barnimdorfes einfügt, wurde am 30. August 1914 – als letzter der von ihm geschaffenen Kirchenbauten – noch in Anwesenheit des Architekten Georg Büttner eingeweiht. Die auch hier barockisierende Ausmalung mit zumeist floralen Motiven blieb in Sophienstädt erhalten, ist jedoch in recht schlechtem Zustand. Eine Restaurierung des Innenraumes wäre schon im Hinblick auf das einhundertjährige Kirchweihjubiläum im kommenden Jahr wünschenswert.

Letzte Station unserer Reise war die Dorfkirche in Werbellin, seit 2001 auch als gut besuchte Autobahnkirche an der A 11 genutzt. Bereits 1978 begann die Kirchengemeinde in bewundernswerter Eigeninitiative mit der Instandsetzung des Kirchleins, das sich denn auch dem Besucher einladend und stimmungsvoll präsentiert.

Neben seiner planenden und baubetreuenden Arbeit war Georg Büttner auch als Theoretiker des von ihm vertretenen Heimatstils tätig. In der Zeitschrift "Die Dorfkirche" beschrieb er 1907 seine Vorstellungen vom ländlichen Kirchenbau wie folgt: "Die Dorfkirche soll wieder die künstlerische Auffassung des Volkes zum Ausdruck bringen ohne Rücksicht auf Stilgelehrsamkeit, aber in echter Bodenwüchsigkeit. … Kein Schein, kein Vorspiegeln nie gekannten Reichtums und falscher Bildung, sondern schlichtes, frommes Empfinden in unmittelbarer Anpassung an Land und Leute kommt in der Dorfkirche zu beredtem Ausdruck."

Ein herzlicher Dank geht an Christian Ritter, der diese Exkursion als Kenner der Kirchenbauten Georg Büttners vorbereitet hatte und uns begleitete.

Bernd Janowski

 

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Mit dem FAK unterwegs zu Kirchen im Land Beeskow-Storkow

Lohnende Ziele in einer stillen Landschaft "ohne Lobby"

"Die Vorzüge der hier zu beschreibenden Gegend bestehen vor allem in dem, was ihr fehlt. Sie hat weder eine nennenswerte Industrie noch fruchtbare Äcker, weder allgemein als sehenswert geltende landschaftliche Reize noch berühmte historische Denkmäler oder Denkwürdigkeiten, und auch in Flora und Fauna kommen Besonderheiten nicht häufiger als anderswo vor. Massentourismus findet in ihr also nur wenige lohnende Ziele…"

Mit diesen schönen, aber auf den ersten Blick etwas desillusionierenden Worten beschreibt der Schriftsteller Günter de Bruyn die Landschaft rund um Beeskow, in der er selbst seit Jahrzehnten ein Zuhause hat. Der Förderkreis Alte Kirchen ließ sich von dieser ungewöhnlichen "Liebeserklärung an eine Landschaft" nicht abschrecken und besuchte die Region im Rahmen einer Exkursion. Anlass dafür bot die dankbare Erinnerung an unseren im Dezember vergangenen Jahres verstorbenen Freund und Vorstandskollegen Günter Schöne, der hier etliche Jahre als Regionalbetreuer unseres Vereins tätig war.

Den Auftakt bildete die nach schweren Kriegszerstörungen wieder aufgebaute St.-Marien-Kirche in Beeskow. Über den beeindruckenden Prozess der Sanierung berichtete spannend und kenntnisreich Dr. Hans-Jürgen Rach, der als langjähriger Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises an der Planung und Bauausführung maßgeblich beteiligt war.


Der dankbaren Erinnerung an Günter Schöne

war der Besuch in Ahrensdorf gewidmet. In dieser schlichten Dorfkirche hatte er jahrelang als Pfarrer gewirkt. Ihm ist es auch zu verdanken, dass sich das aus dem Mittelalter stammende Gotteshaus heute in gutem baulichem Zustand präsentiert. Für die umfassende Sanierung hatte sich Günter Schöne in den Neuzigerjahren engagiert eingesetzt.
Foto. Janowski

Nächste Station war Ahrensdorf, wo Günter Schöne seine letzte Pfarrstelle hatte und im idyllischen Pfarrhaus seinen Ruhestand verbrachte. Seine Frau Marianne bot den Gästen eine ausführliche Führung durch den mittelalterlichen Kirchenbau, der im 19. Jahrhundert zur Quersaalkirche umgestaltet worden war. Sie wies darauf hin, dass es ihrem verstorbenen Mann, der die umfassende Instandsetzung der Ahrensdorfer Kirche in den Neunzigerjahren leitete, ganz wichtig war, dass es in dem Gotteshaus keinen elektrischen Anschluss gibt. "Und das ist so gewollt. Wir zünden noch echte Kerzen an!" Angus Fowler, langjähriger Vorsitzender des FAK, erinnerte sich an eine Baubesprechung in Ahrensdorf, auf der er Günter Schöne als Mitglied des Förderkreises gewinnen konnte.

Die Dorfkirche in Kossenblatt stand seit 1736 unter dem Patronat des preußischen Königshauses, nachdem Friedrich Wilhelm I. das hiesige Schloss als Alterssitz erworben hatte. Eberhard Paschke wies auf die Spuren des Königshauses im Kirchengebäude hin und erzählte viele Anekdoten aus der wechselvollen Geschichte des Ortes.

Den Abschluss der Reise bildete ein Besuch in Wulfersdorf, wo ein Förderverein sich seit Jahren darum bemüht, die malerisch auf einem Hügel gelegene Dorfkirche mit ihrer wunderschönen geschlossenen barocken Ausstattung instand zu setzen. Aus Anlass der Beisetzung Günter Schönes hatte seine Familie um Zuwendungen für Wulfersdorf gebeten und so konnten anlässlich unseres Besuches 2.500 Euro an Spenden übergeben werden. Dazu kommt ein Zuschuss aus den Erträgen unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen, der bereits beschlossen ist.

Neben einem symbolischen Scheck hatte der Förderkreis an diesem Tag ein weiteres Geschenk für die Wulfersdorfer mitgebracht: Im Rahmen eines Benefizkonzertes musizierten Katharina Glös (Blockflöten) und Marianne Henriksson (Cembalo) für den Erhalt der Kirche. Zeitlich harmonierten die barocken Klänge wunderbar mit dem Interieur des Kirchenraumes.

Überraschend und freudig begrüßt erschien als Ehrengast des Konzertes auch Günter de Bruyn, aus dessen zahlreichen Büchern im Rahmen der Exkursion an mehreren Stellen ausführlich zitiert worden war. Ein vom Wulfersdorfer Förderverein unter der Regie von Gisela Werner angerichtetes reichhaltiges Kuchenbüfett auf dem Kirchhof krönte den ereignisreichen Tag.

Bernd Janowski

 

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Regionalbetreuer des Förderkreises Alte Kirchen berichten

WALTERSDORF (Teltow-Fläming)

Nur ein Wegweiser ...

Großbildansicht

Es ist schon entmutigend, wenn einem offiziell mitgeteilt wird, dass die EKBO kein Geld zur Erhaltung der Kirche zur Verfügung stellen kann, da die Gemeinde zu klein ist. Das widerfuhr der Dorfgemeinschaft in Waltersdorf vor kurzem.

Aber der Förderverein zur Sanierung der Kirche gibt nicht auf. "Dann machen wir es eben allein!" ist die trotzige Einstellung, und nun werden Pläne zur Geldbeschaffung geschmiedet. Die Umsetzung wird lange dauern, hoffentlich nicht zu lange für die Rettung der großartig bemalten Holzdecke.

Zunächst einmal will man mehr Besucher heranführen. Da das Dorf an einer Nebenstraße ohne Durchgang liegt, kommen kaum Fremde hierher. Der FAK schlug deshalb das Aufstellen eines touristischen Wegweisers an der zwei Kilometer entfernten Hauptstraße (B102) vor und half dem Verein, das Projekt zu realisieren.

Auch für den FAK war das Neuland. Man musste zunächst die Behörden des Landkreises überzeugen, dass die Kirche wirklich von außerordentlicher kunsthistorischer Bedeutung ist und somit ein Schatz für die Region – die Behörde fürchtet einen Wald von Hinweisschildern an den Straßen und genehmigt nur ausnahmsweise weitere Schilder. Polizei und Straßenverkehrsamt müssen zustimmen, damit die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt wird. Anträge, Ortstermine, Gutachten... Und dann noch das "dicke Ende": Der Antragsteller muss alles bezahlen. Nach vier Monaten war es geschafft. Zum ersten Male konnte der FAK einen Wegweiser initiieren. Nun kommt noch ein Schaukasten mit Kirchen- und Schlüsselinformationen an die Kirche, und die Besucher können kommen. Mit ihren Spenden helfen sie bei der Rettung der Kirche. Ein erster Schritt auf einem langen Weg....

Text und Fotos: Hans Krag

WEGENDORF (Märkisch-Oderland)

Die Sanierungsarbeiten gehen weiter

Pfarrer, Bürgermeister und Fördervereinsvorsitzender gaben am 20. Juni den Startschuss für die weiteren Sanierungsarbeiten an der Kirche in Wegendorf. Mit einer Förderung aus dem Leader-Programm der EU und weiteren Finanzmitteln von Kirchenkreis, Kirchengemeinde, KiBa und Bundesland waren die mehr als 300.000 Euro zusammengekommen, um die dringend notwendige Sanierung des Kirchendaches und weitere Arbeiten am ehemaligen Küsterhaus in Angriff nehmen zu können.

Bei einem Gottesdienst unter freiem Himmel ging Pfarrer Johannes Menard auf die Geschichte der Kirche ein, die Bedeutung, die sie im Verlaufe der Jahrhunderte für die Menschen im Dorf hatte und auch heute hat. Er wünschte den Arbeiten einen guten Verlauf und Gottes Segen.

Der Förderverein unter der Leitung von Enrico Konkel hatte mit Brötchen und Gegrilltem auch an das leibliche Wohl an diesem festlichen Nachmittag gedacht. Nun hoffen die Wegendorfer, dass die Arbeiten, wie vorgesehen, bis zum Advent abgeschlossen sind. Dann wird auch wieder der jetzt verhüllte Innenraum mit dem schönen Renaissancealtar-Retabel zu besichtigen sein.

Uwe Donath

KLAUSDORF (Potsdam-Mittelmark)

Glocken kehrten zurück

Für Gustav Lipsdorf, mit 90 Jahren der älteste Klausdorfer, hat sich ein Herzenswunsch erfüllt. Die Glocken hängen endlich wieder im sanierten Turm der Dorfkirche. Und wenn die Arbeiten am Turm abgeschlossen sind, wird wieder geläutet. Zwar nicht so wie in seiner Jugend, als er selber jeden Tag früh um acht und um zwölf Uhr die Zeit einläutete. Aber das würde die Bronzeglocke wohl auch nicht mehr aushalten.

Der Förderverein zur Erhaltung der Klausdorfer Kirche und die Kirchengemeinde haben mit einer musikalischen Andacht und einem bunten Festprogramm Anfang August den Erfolg des ersten Bauabschnittes gefeiert. Kirchtürme sind Orientierung, geben Halt, sagte Prädikant Andreas Bruns. Und für Kerstin Schäfer, Schriftführerin, Kassenwartin und eigentlicher Motor des Projektes, hat sich wieder einmal gezeigt, dass man nicht den Mut verlieren darf, dass es sich lohnt, für seine Ziele zu kämpfen. Und Mut werden die Klausdorfer auch brauchen für die Bauabschnitte, die noch vor ihnen liegen.

Theda von Wedel

 

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IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

DORFKIRCHE LOSSOW
Frankfurt (Oder)

Die Mauerkrone der Ruine soll gesichert werden
 

Sie war einmal die Schönste...

 

Die Kirche des heute zum Stadtgebiet von Frankfurt (Oder) gehörenden Dorfes Lossow gehörte einst zu den "qualitätvollsten Kirchenbauten des 18. Jahrhunderts in der Mark Brandenburg". Das bestätigt ihr sogar der erst im vergangenen Jahr neu erschienene "Dehio", in dem das Gebäude zugleich jedoch – seinem heutigen Zustand entsprechend – lapidar als "Ruine auf dem Anger" bezeichnet wird.

Bereits im Lebuser Stiftsregister von 1405 wird erstmalig eine Kirche in Lossow erwähnt, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts jedoch baufällig geworden war. Der damalige Rittergutsbesitzer und Patron des Ortes Adolf Friedrich von Beerfelde und seine Ehefrau Hedwig Emilia, geb. von Sydow, veranlassten einen Kirchenneubau, der 1746 eingeweiht wurde. Entstanden ist damals ein Zentralbau aus Backstein auf kreuzförmigem Grundriss, an dessen Westseite sich ein quadratischer Turm mit barocker Haube anschloss.

Während des Siebenjährigen Krieges plünderten 1759 russische Soldaten Kirche und Pfarrhaus und verbrannten die Kirchenbücher. Am 13. Juli 1885 schlug ein Blitz in den Kirchturm ein und zerstörte den Glockenstuhl und die Glocken. Und nur eine Generation später wurde die Kirche wegen schwerer Bauschäden baupolizeilich gesperrt; zur Sicherung des Dachstuhls mussten Stützen eingezogen werden.

All diese Katastrophen jedoch überstand das Gotteshaus. Sogar drei neue Glocken konnten 1924 wieder angeschafft werden. Im April 1945 aber rollte nach dem Überschreiten der Oder durch sowjetische Truppen die Kriegsfront über Lossow hinweg. Zahlreiche Wohn- und Wirtschaftsgebäude brannten aus; ebenso die Kirche. Die barocke Innenausstattung ging vollständig verloren und vom Kirchengebäude selbst blieben lediglich die Umfassungsmauern des Schiffes und der untere Teil des Turmes erhalten.

Bereits in den Fünfzigerjahren konnte der Turm gesichert und mit einem Notdach versehen werden. Lossower Bauern spendeten dafür das Bauholz. 1995 gelang es, das notdürftige Turmdach und einen geringen Teil des Mauerwerkes zu sanieren. Dann jedoch war vorerst Schluss mit den Sicherungsmaßnahmen. Weitere Gelder waren nicht aufzutreiben.

2001 gründete sich ein Förderverein, der seitdem zusammen mit der Kirchengemeinde zahlreiche Veranstaltungen unter freiem Himmel im Kirchenschiff organisiert und bereits 2003 ein FAK-Startkapital erhielt. Osterfeuer, Sommerfeste und Weihnachtsfeiern finden ebenso statt wie Festgottesdienste, Taufen und Hochzeiten. Noch immer jedoch blieb die Mauerkrone des Kirchenschiffes ungesichert. Herabstürzende Ziegel schädigten das denkmalgeschützte Bauwerk weiter, Menschen waren gefährdet. 2005 wurde ein grünes Sicherheitsnetz angebracht.

Auch in diesem Jahr fand Ende Juli ein Sommerfest in der Lossower Kirchenruine statt. Bei schönstem Wetter wurden Stühle und Tische für die Gäste der Kaffeetafel in den Innenraum gestellt. Die Stimmung der Besucher des Festes wurde durch die Nachricht gehoben, dass Kirchengemeinde und Förderverein nun endlich das Geld zusammen haben, um mit der Sanierung der kompletten Mauerkrone beginnen zu können.

Insgesamt belaufen sich die Kosten auf etwa 70.000 Euro. Eine Restsumme von 4.000 Euro ist noch offen. Die Lossower sind sicher, diesen Betrag auch noch aufbringen zu können. Vielleicht können Sie ja dabei helfen?

Text und Fotos: Bernd Janowski

Weitere Informationen: Förderverein Kirche Lossow, Vorsitzender: Wilfried Mann; An den Teichen 6; 15236 Lossow; Tel.: 0335 523812
Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen, Kto. 795810, BLZ 210 602 37, Ev. Darlehnsgenossenschaft, Kennwort: Lossow

 

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SCHÖNEICHE (Oder-Spree)

"...starben beide in einer Nacht"

Ein Totenkronenbrett erzählt eine traurige Geschichte

DIE ALTE DORFKIRCHE von Schöneiche, ein Feldsteinbau aus dem 15./16. Jahrhundert, steht mitten im Ort. Das Gebäude lässt viele Spuren der Vorfahren erkennen und ist heute Zentrum einer sehr lebendigen Gemeinde.

Totenkronen, wie wir sie heute noch in manchen brandenburgischen Dorfkirchen finden, haben immer etwas Anrührendes, bekunden sie doch zumeist den allzu frühen Tod geliebter Menschen. Ledig Verstorbene wurden einst mit ihnen geschmückt – stellvertretend für die Brautkrone, die ihnen im Leben verwehrt geblieben war. So sind es oft Kinder und Jugendliche, die mit liebevoll gestalteten Kränzen, Diademen oder Kronen aufgebahrt wurden. Bildliche Darstellungen bezeugen diesen Brauch in unserer Region schon im 16./17. Jahrhundert.

Nach der Trauerfeier, die oft so aufwändig wie eine Hochzeit begangen wurde, trug man die Totenkronen auf einem Kissen der Prozession zum Friedhof voran, um sie anschließend in der Kirche zur Erinnerung an den Verstorbenen und zur Anteilnahme der gesamten Gemeinde auszustellen: auf offenen Konsolbrettern, in Vitrinen oder in verglasten Rahmen. In späteren Zeiten verschwanden viele aus den Kirchen, landeten auf Dachböden oder wurden einfach "entsorgt".

Das Konsolbrett in der alten Dorfkirche von Schöneiche hängt dort erst wieder seit kurzer Zeit. Es erzählt eine besonders traurige Geschichte. Und es hat auch eine eigene Geschichte:

 Dem unvergesslichen theuren Andenken meiner geliebten Frau, Henr. Wilh. Schulz, 48 Jahr 11 Mon. und meiner lieben Tochter, Car. Ernestine Schulz, 17 Jahr 11 M. alt, starben beide in einer Nacht, vom 25. bis 26. März, 1838.

Der Friedensengel führte sanft und milde,
vereint die Lieben in ein bessres Sein,
dort schwebt ihr Geist in himmlische Gefilde,
wo sie sich jetzt der Seligkeit erfreun.

Doch einst, Geliebte, nach dem bittern Scheiden,
wenn lebensmüde unser Auge bricht,
vereint uns Gott zu seinen Himmelsfreuden,
dies tröstet uns in frommer Zuversicht.

Pfarrerin Lütke hatte auf dem Dachboden des Pfarrhauses nach Dekorationsstücken für ein Laienspiel der Jungen Gemeinde gesucht. Die schwere Holztafel, die schon seit Jahrzehnten im Wege stand, wäre sicher weiter unbeachtet geblieben, hätte Kerstin Lütke nicht kurz zuvor ein Büchlein über den Totenkronenbrauch in der Mark Brandenburg gelesen. Sie erkannte sofort den Wert ihres Fundes, sorgte für die Restaurierung und die Rückkehr des Konsolbrettes in die Dorfkirche.

Blieben aber auch noch Fragen offen, die der Text der Tafel aufgab. Er berichtet vom tragischen Schicksal der alteingesessenen Familie Schulz(e), die in einer einzigen Nacht die Mutter mehrerer Kinder und zugleich eine Tochter, die siebzehnjährige Ernestine, verlor. Welch furchtbares Geschick suchte die Familie heim?

Kerstin Lütke begann, die Schöneicher Kirchenbücher zu wälzen. Und sie wurde fündig. Sie fand unter dem Datum 26. März 1883 die Einträge über den Tod der 48jährigen Henriette Wilhelmine Schulze, Ehefrau des Kossäten und einstigen Werkmeisters der Schöneicher Wachsbleiche Johann Friedrich Schulze, und der Tochter Caroline Ernestine Schulze. (Mit der korrekten Schreibweise des Namens auf der Tafel nahm man es offensichtlich nicht so genau.) Auch über die Todesursache geben die Kirchenbücher Auskunft. Beide starben an Hirnhautentzündung, einer Krankheit, die in jener Zeit zu 90 Prozent zum Tode führte. Diese besondere Tragik der Familie erklärt wohl, dass auch der Ehefrau und Mutter eine Totenkrone zugestanden worden war, die man sonst nur Ledigen mit auf den letzten Weg gab.

Ein gutes Stück Orts– und Kulturgeschichte ist in der Schöneicher Dorfkirche nun wieder ablesbar.

Eva Gonda

 

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ZOLLCHOW (Uckermark)

Wieder "im Dienst"

Festliches Willkommen für einen restaurierten Taufengel

Kirchen sind Orte, an denen Menschen Ruhe finden können. In uckermärkischen Kirchen lädt oft schon der Altar zur Meditation ein. Eine Orgel, die erklingt, öffnet die Herzen der Zuhörer und ein Engel, der für Taufen von der Decke schwebt, ist ein seltenes Kleinod.

Nicht immer sind die drei Komponenten Altar mit Kanzel, Orgel und Taufengel gegeben. Eine der Kirchen, die sich glücklich schätzen kann, nicht nur eine restaurierte Orgel zu besitzen, sondern auch wieder einen Taufengel, ist die Dorfkirche in Zollchow. Das Feldsteingebäude aus dem 13. Jahr-hundert ist seit dem 2. Juni um eine solche Rarität reicher. FAK-Geschäftsführer Bernd Janowski und Pfarrer Thomas Krispin waren sich anlässlich der Übergabe an die Gemeinde einig: Ein Taufengel ist kein Museumsstück, sondern soll Wasser zur Taufe reichen und zu Taufen motivieren.

Die Aktion "Menschen helfen Engeln" hat erneut einem himmlischen Geschöpf den Weg in die Öffent-lichkeit ermöglicht. Es begann mit einem Anruf von Heidemarie Heckel aus Stuttgart bei Bernd Janowski. Sie hatte von der Aktion gehört und wollte sie unterstützen. Ihr gefielen die Engel von Johann Christian Beuteler besonders gut und einen solchen unterstütze sie gerne, sagte sie am Telefon. Und siehe da, im Museum in Prenzlau schlummerte ein solches Exemplar vor sich hin, das vielleicht sogar aus Zollchow stammt.

Bernd Janowski gelang es, diesen Engel dem Museum Prenzlau als Dauerleihgabe zu entlocken. In der Res-taurationswerkstatt von Thoralf Herschel und Matthias Schmerbach wurde er wieder hergerichtet. Hier erhielt der stark lädierte Engel wieder Glanz, wurde zu neuem Leben erweckt. Während der Engel leicht und erhaben von der Decke schwebte, spielte Hannes Ludwig, Kreiskantor und Orga-nist des Kirchenkreises Uckermark, den Choral "Nun danket alle Gott".

Ute von Buch
Foto: Dietrich von Buch

Im Anschluss an die Übergabe des Taufengels stellte Hannes Ludwig gemeinsam mit Martin Rost, Organist und Kantor aus Stralsund, eine neue CD-Box vor, auf der 25 uckermärkische Orgeln erklingen. Zu beziehen sind die drei CD mit Booklet "Orgellandschaft Uckermark – 25 klingende Schätze aus Barock, Romantik und Moderne" – Organisten: Hannes Ludwig und Martin Rost – für 19 Euro über die Uckermärkische Kulturagentur, Tel.: 03984 8339.

 

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BÜCHER

270 Kirchen in Wort und Bild

Informativer Führer durch die Prignitz

Nach dem so genannten Wendenkreuzzug im Sommer 1147 und der damit verbundenen Eroberung der von slawischen Stämmen besiedelten Gebiete nordöstlich der Elbe und der Altmark begann eine planmäßige Besiedlung der Region. Dörfer und Städte wurden angelegt, erste Kirchbauten errichtet, Wälder gerodet und bisher unfruchtbare Landstriche urbar gemacht. Vom Havelberger Dom als Sitz des Missionsbistums ausgehend, entstand schnell ein flächendeckendes Netz von Pfarrgemeinden. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts bereits lösten in zahlreichen Orten repräsentative Feldsteinbauten die ersten einfachen Holzkirchen der unmittelbaren Kolonisationszeit ab.

In der Regel haben sich diese steinernen Zeugen des mittelalterlichen Landesausbaus bis heute erhalten. Die "KirchenKulturlandlandschaft" der Prignitz wird jedoch auch von späteren Bauten geprägt: von schlichten Fachwerkkirchen des 16. und 17. Jahrhunderts, von zahlreichen historisierenden Backsteinbauten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und sogar von einigen Gotteshäusern im Heimatstil des frühen 20. Jahrhunderts.

Ebenso facettenreich wie die Kirchenbauten selbst ist die bis heute erhaltene Ausstattung der Kirchenräume. Mittelalterliche Schnitzaltäre und Wandmalereien überstanden an etlichen Orten unbeschadet die Reformation, und Kanzelaltäre, Taufengel und Patronatslogen fanden im Barock ihren Einzug in die Kirchenräume. Glocken und Orgeln aus den unterschiedlichsten Epochen erklingen bis heute zum Lobe Gottes und zur Freude der Menschen.

Erstmals liegt jetzt für den interessierten Besucher ein handlicher, gut gestalteter und informativer Führer zu sämtlichen 270 Kirchengebäuden der historischen Landschaft Prignitz (sowie zusätzlich der Region um die Stadt Wusterhausen/Dosse) vor. Konzeption, Kirchentexte und Fotos stammen von Wolf-Dietrich Meyer-Rath, der diese Region seit einigen Jahren für den Förderkreis Alte Kirchen betreut. Die Texte zu den einzelnen Kirchen sind bewusst knapp gehalten, um den Umfang des Buches nicht zu sprengen. Dafür gibt es zu jedem Sakralbau ein aktuelles Foto und die Anschrift mit Telefonnummer des Schlüsselbewahrers. Übersichtliche Karten sorgen – unterteilt in sieben Regionen – für eine leichte Orientierung. Kurze Beiträge zur Geschichte der Landschaft, zum Kirchenbau und seiner (mittelalterlichen) Ausstattung sowie zur Orgellandschaft, verfasst von Fachautoren, komplettieren den neuen Kirchenführer.

Eine eigenständige, erstaunlich reichhaltige "KirchenKulturlandschaft" gilt es zu entdecken – auch abseits der bereits vorhandenen touristischen Wege. Das hier vorgestellte Buch gehört dabei (natürlich neben der jeweils aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift "Offene Kirchen") unbedingt in die Satteltaschen des Fahrrads oder ins Handschuhfach des Autos!

Wolf-Dietrich Meyer-Rath: KirchenKulturlandschaft Prignitz, Verbum Berlin 2013; ISBN 978-3-00-040260-9; 180 Seiten DIN A 5, Ausklappkarte Radwegenetz, Ringbindung; Preis: 8,00 EUR.
Das Buch kann bestellt werden beim Evangelischen Kirchenkreis Perleberg-Wittenberge, Kirchplatz 6, 19348 Perleberg; Tel.: 03876 612635

Erweiterte Neuauflage

Die Dorfkirche in Klosterfelde im Niederbarnim

Die stimmungsvollen Bilder alter Kirchen, vom Berliner Zeichner und Schriftsteller Franz Ehmke in farbigen Pastellen gestaltet, haben viele Freunde. Die ersten drei Bände "Märkische Dorfkirchen", "Kirchen der Neumark" und "Kirchen der Altmark" fanden reichen Absatz und bewogen den Verlag zu einer erweiterten Neuauflage "Märkische Dorfkirchen" – Kirchen im heutigen Land Brandenburg. Nach dem ersten der geplanten drei Bände (Prignitz, Ruppiner Land und Uckermark) erschien jetzt der zweite: Barnim, Oderbruch, Beeskow und Storkow. Auch diesmal sind viele neue Abbildungen dazugekommen. Die kurzen, informativen Texte erzählen von der bewegten Geschichte der Kirchen aus schlichtem Fachwerk, aus wuchtigen Feldsteinen oder Ziegeln. Und sie bezeugen auch die Mühen und Anstrengungen der Menschen, die diese Zeugnisse unserer Vergangenheit bewahren.

Eva Gonda

Franz Ehmke: Märkische Dorfkirchen - Barnim, Oderbruch, Beeskow, Storkow
Verlag Bock & Kübler; 96 Seiten, 74 Pastelle; 19,90 €; ISBN 978-3-86155-123-2

 

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