Die Dorfkirche von Passow (Landkreis Uckermark)

Kirche Passow 
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Märkische Oderzeitung

Gegenwärtig bietet die Dorfkirche in Passow keinen erfreulichen Anblick. Im vergangenen Jahr musste der Turmaufsatz mit achteckiger Laterne abgenommen werden, da Einsturzgefahr bestand. Doch 2008 soll ein umfangreicher erster Bauabschnitt beginnen, um das ziemlich marode Kirchengebäude wieder instand zu setzen.

Wie die meisten uckermärkischen Feldsteinkirchen entstand der einfache Rechtecksaal in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das unregelmäßige Mauerwerk des Turmes deutet auf eine spätere Bauzeit hin, er wurde wohl um 1708 angebaut und erhielt 1822 seinen Aufsatz. Ungewöhnlich ist die Fenstergliederung: Das Ostfenster ist als Rundbogenblende aus Backstein mit einer gestaffelten, ebenfalls rundbogigen Drei-Fenster-Gruppe gestaltet; an der Nordostecke blieb ein Gruppenfenster aus zwei Lanzetten und einem Kreisfenster in einer Spitzbogenblende erhalten. Zwei spitzbogige Portale auf der Nordseite des Kirchenschiffes wurden vermutlich im 18. Jahrhundert zugemauert.

Wertvollstes Ausstattungsstück ist ein spätgotischer Schnitzaltar. Entstanden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts weis er stilistische Ähnlichkeiten mit dem aus einer Lübecker Werkstatt stammenden Altar der Prenzlauer Marienkirche auf. Im Mittelschrein steht eine Mondsichelmadonna zwischen Johannes dem Täufer und einer Anna selbdritt. In den Seitenflügeln sind die zwölf Apostel angeordnet, in der Predella der heilige Georg mit elf weiblichen Heiligen. Auf den Rückseiten der Altarflügel befinden sich vier Gemälde mit Passionsszenen.

 
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orgellandschaftbrandenburg.de

Die hinter einem barocken Prospekt erhalten gebliebene Orgel stammt in ihrer heutigen Form von Friedrich Wilhelm Kaltschmidt aus Stettin, geht in ihrer Disposition jedoch auf den berühmten Orgelbauer Joachim Wagner zurück.

Bereits seit einiger Zeit ist der Sanierungsbedarf an der Kirche in Passow bekannt. Dach und Dachstuhl des Kirchenschiffes sind schwer geschädigt, die Holzkonstruktion des Turmes ist massiv vom echten Hausschwamm befallen. Für das laufende Jahr ist nun eine Finanzierung der Sanierungsarbeiten aus Mitteln des Staatskirchenvertrages möglich geworden. Dazu muss jedoch ein nicht geringer Eigenanteil aufgebracht werden. Deshalb ließ sich die Kirchengemeinde einige ungewöhnliche Aktionen einfallen.

Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) wählte die Passower Kirche als eines von dreißig Objekten für ihre Aktion "Aus 2 mach 3" aus. Für je zwei Euro an eingeworbenen Spenden legt die KiBa einen dritten Euro dazu.

In Passow begann nun das große Spendensammeln. Für 20 bzw. 50 Euro kann ein Zink- oder Kupfernagel erworben werden, der mit einer Namensgravur im Dachstuhl verbaut wird. Zu erwerben gibt es seit kurzem auch ein Passower Kirchenbier, pro Flasche kommen 50 Cent der Sanierung zugute. Im Juni soll eine DVD über die Kirche präsentiert werden, den Text spricht der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe.

Außerdem veranstaltete die Gemeinde einen gemeinsamen Osterspaziergang. Pfarrer Michael Heise drückte allen Teilnehmern einen Fünf-Euro-Schein in die Hand und bat darum, "mit dem Pfund zu wuchern" und einen möglichst höheren Betrag auf das Spendenkonto zu überweisen. Geplant sind auch mehrere Benefizkonzerte, so wird am 25. Mai der Schwedter Stadtchor in der Kirche zu Gast sein.

Am Ende des Jahres jedenfalls soll der Turmaufsatz wieder weithin sichtbar sein. Die Passower sind optimistisch, dies zu schaffen und werden kräftig dazu beitragen.

Weitere Informationen: Evang. Kirchengemeinde Passow; Pfarrer Michael Heise; Tel.: (03 33 35) 4 23 28



Zum Weiterlesen:
Märkische Oderzeitung vom 07. Mai 2008: Rettung mit Bauchgrummeln
Märkische Oderzeitung vom 16. Oktober 2008: Geköpfter Kirchtum mit neuer Spitze
Märkische Oderzeitung vom 16. Oktober 2012: Kostbarer Altar enthüllt verborgene Seite
Märkische Onlinezeitung vom 02. Dezember 2014: Apostel Paulus wieder bei Petrus und Johannes
Märkische Onlinezeitung vom 25. Juni 2016: Viel Geld für zwei Dorfkirchen

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