Rettung mit Bauchgrummeln

Von Thomas Berger

Jeder Dachziegel wird genau begutachtet 
Dreimal gedreht: Jeder Dachziegel wird genau begutachtet, ob er wiederverwendet werden kann. Die Kirche sucht noch private Material-Spenden.

Passow Immer kleiner wird der Kirchturm von Passow. Jetzt muss ein weiteres Teil der morschen Holzkonstruktion per Kran herabgenommen werden. Das ist Voraussetzung für die am Dienstag gestartete Rettungsaktion des Baudenkmals.

Dachsteine und Mörtel fallen herab. Aus dem Turmdach kann man ungehindert ins Freie blicken. Zimmerleute legen das Holzgeflecht des Gebäudes frei. An der Kirchhofsmauer stehen Leute und blicken zu den Arbeitern hinauf. Die Rettung der mehr als 700 Jahre alten Kirche von Passow hat begonnen. "Endlich geht es los", sagt Pfarrer Michael Heise. Denn der abgesägte Turmhelm ragt wie eine Mahnung weithin sichtbar über das Dorf hinweg. Nur die Holzstümpfe erinnern an die schlanke Schieferspitze. Sie steht direkt neben der Kirche und wird vollständig demontiert. In zwei Wochen hebt ein Riesenkran ein weiteres Stück vom Turm herunter. "Dessen Holzbasis ist total verrottet", erklärt Architektin Bettina Krassuski aus Angermünde. Zu ebener Erde lässt sich die neue Konstruktion einfacher zusammenfügen. Bis zum Herbst soll der Turm wieder drauf und der erste Bauabschnitt beendet sein.

Doch Pfarrer Heise hat Bauchgrummeln. Denn noch fehlen einige Finanzen. Dabei hat die spektakuläre Sanierungsaktion urplötzlich eine ungeahnte Unterstützung erhalten. Neben der Kirche und einer Förderung über den sogenannten Staatskirchenvertrag erhält Passow weitere Gelder aus Denkmalmitteln des Landkreises, von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, von der Oetker-Stiftung und vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg (Dorfkirche des Monats April 2008). Auch das Dorf will einen Zuschuss locker machen.

Allerdings fehlen rund 20000 Euro.

Märkische Oderzeitung vom 07. Mai 2008

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