Apostel Paulus wieder bei Petrus und Johannes

Kerstin Unger

Passow (MOZ) Klein und unscheinbar neben Johannes und Petrus führte Apostel Paulus bisher ein Schattendasein. Ebenso wie diese beiden musste die hölzerne Altarfigur in der Passower Dorfkirche lange auf eine Wiedererweckung warten. Die Farben der aus dem Mittelalter stammenden Figuren waren verblasst oder deutlich nachgedunkelt, das Holz brüchig geworden. Im Herbst war es soweit: Restauratorin Katharina Hummitzsch löste die Figur aus dem Trio und übernahm die fachgerechte Aufarbeitung der Figur.

Dokumentation im Arbeitsprozess: Die Farben erschienen beim Original (l.) wenig strahlend. Vor allem schadhafte Stellen wurden ausgebessert und die Lackschichten aufgearbeitet.
© Christina Schmidt

Pünktlich zum Weihnachtsmarkt am Sonntag ist der Altar mit seinen 30 Figuren wieder komplett. "Wir sind sehr dankbar, denn die Restauration war nur möglich, weil die Berthold-Leibinger-Stiftung sie finanziell unterstützt hat", erklärt Silvio Moritz, Vorsitzender des Fördervereins zur Erhaltung der Passower Dorfkirche. Dass die Stiftung einer Maschinenbau-Firma aus Baden-Württemberg überhaupt auf die Passower und ihr Anliegen aufmerksam wurden, gleicht einem kleinen Wunder. Man kann es aber auch als Lohn unermüdlichen Bemühens um die vollständige Wiederherstellung des Passowers Altars bezeichnen, dem sich Förderverein, Kirchengemeinde und der gesamte Ort verpflichtet fühlen. Eine deutschlandweite Briefaktion an Unternehmen sowie Kunst- und Denkmalförderer, bei der der Verein sein Projekt vorstellte, ermöglichte die mehr als 4000 Euro teure Restaurierung.

Der Apostel Paulus ist nicht die erste Figur, die wieder in vollem Glanz erstrahlt. Insgesamt sechs Figuren erhielten von den Fachleuten ihr ursprüngliches Aussehen zurück. Erst vor zwei Jahren war die Kreuzigungsgruppe restauriert worden. Doch das es nun in diesem Rhythmus weitergeht mit der kompletten Erneuerung des Altars, damit rechnet Silvio Moritz nicht. "Schön wär's, aber damit ist bei geschätzten Kosten von rund 140 000 Euro nicht unbedingt zu rechnen. Uns macht insbesondere die Stützkonstruktion Sorgen, die Vorrang haben müsste", sagt er. Katharina Hummitzsch würde sicher auch für diese Aufgabe zu begeistern sein, schließlich hat die Restauratorin vor über 20 Jahren für ihre Diplomarbeit den Altar untersucht und die Mariafigur mit dem beiden Engel, die zentrale Figur des rund 500 Jahre alten Altars, restauriert.

Der Paulus hätte im Vergleich dazu weniger Aufwand erfordert. 100 Arbeitsstunden hat die Aufarbeitung der vergleichbar kleinen Figur erfordert, berichtet sie. Stück für Stück hätte sie Farbschichten abgetragen und das goldene Gewand der Figur wieder zum Vorschein gebracht. Der Zustand sei erstaunlich gut gewesen, wenn auch besondere Vorsicht geboten war. So mancher Farbton könnte trotz aller Bemühungen nicht so strahlend wiederhergestellt werden, wie das im Mittelalter möglich war.

Während in der Kirche der Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Altarfigur gefeiert wurde, nutzten Hunderte Besucher den ersten Advent zum Schlendern auf dem Passower Weihnachtsmarkt. Dicht gedrängt lauschten die Gäste den Vorführungen der Passower Kinder, bummelten entlang der Stände, genossen Glühwein und andere Köstlichkeiten.

Märkische Onlinezeitung vom 02. Dezember 2014

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