Die Dorfkirche von Harnekop (Märkisch-Oderland)

 
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Seit mehr als zwanzig Jahren ist die Dorfkirche in Harnekop (Landkreis Märkisch-Oderland) bauaufsichtlich gesperrt. Dem Besucher, der trotzdem einen Blick in den Kirchenraum wagt, werden die Schäden sofort bewusst, wenn er den Blick zur Deckenverkleidung des Kirchenschiffes erhebt. Nassfäule und Hausschwamm haben nicht nur die hölzerne Kirchendecke, sondern auch große Teile der Dachkonstruktion arg in Mitleidenschaft gezogen.

Der Ort "Harnekopf" wird erstmals 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. erwähnt. Damals gehörten zum Dorf fünfzig Hufen Land, davon vier Pfarrhufen. Dies lässt darauf schließen, dass das Dorf zumindest in den ersten Jahrzehnten nach der deutschen Besiedlung Sitz eines eigenen Pfarrers war. In den nach der Reformation 1542 angefertigten Visitationsberichten wird Harnekop als Tochterkirche zu Haselberg erwähnt, was bis heute so geblieben ist.

Die auf einem Hügel gelegene turmlose Kirche ist im Kern ein Feldsteinbau des 13. Jahrhunderts. Ausbesserungen mit Backsteinen und unregelmäßigen Feldsteinen deuten darauf hin, dass der Bau im Dreißigjährigen Krieg beschädigt wurde. Im Barock vielleicht im Zuge der Reparaturarbeiten wurden statt der mittelalterlichen Fenster größere Rundbogenfenster in das Mauerwerk gebrochen und das Kirchengebäude wurde verputzt. Eine prägende Umgestaltung des Kirchengebäudes erfolgte schließlich im Jahr 1831. Ein Jahr zuvor, 1830, hatte der damalige Pfarrer im Kirchenbuch folgenden resignierten Eintrag vorgenommen: "Das kirchliche Leben liegt in Harnekop fürchterlich danieder und die meisten Einwohner leben wie die Heiden." Ob die vorgenommenen Renovierungsarbeiten die Frömmigkeit der Einwohner verbesserte, ist nicht überliefert. Jedenfalls wurde damals der Westgiebel mit ansteigenden Spitzbogenblenden aus Backstein in neugotischen Formen versehen, Eingangstür und Glockenfenster wurden ebenfalls mit Backsteinen eingefasst.

Der Innenraum ist schlicht gehalten. Der einfache Kanzelaltar stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Neben floralen Motiven schmücken lediglich fünf Bibelverse die Felder des Kanzelkorbes. Die Orgel wurde 1908 von der Firma Gustav Heinze aus Sorau / Niederlausitz geschaffen. Nachdem die Prospektpfeifen bereits im ersten Weltkrieg abgeliefert werden mussten, wurden bei einer Reparatur 1953 Holzpfeifen in den Prospekt eingesetzt. Auf den ersten Blick macht das Instrument einen ziemlich desolaten Eindruck. In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts soll sie jedoch noch den Gemeindegesang während der Gottesdienste begleitet haben. Zumindest eine Bestandsaufnahme des vorhandenen Pfeifenwerkes wäre hier angebracht.

In einer inzwischen zugemauerten Gruft des Kirchengebäudes fand der einstige Besitzer des Gutes Harnekop und Kirchenpatron, Generalfeldmarschall Gottlieb von Haeseler (1836-1919), seine letzte Ruhestätte. Eine Gedenktafel neben dem Westportal erinnert an den seinerzeit populären preußischen Offizier.

Um die lange Zeit fast vergessene Kirche wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gründete sich im August 2010 der Förderverein Dorfkirche Harnekop, der bereits zahlreiche Veranstaltungen durchführte, um Geld für die Sanierung des maroden Kirchengebäudes zu sammeln. Nach der Instandsetzung soll die Kirche wieder das geistige und kulturelle Zentrum des Dorfes und Stätte der Begegnung werden. Erstes Ziel ist eine Notsicherung der Dach- und Deckenkonstruktion, damit das Kirchengebäude überhaupt erst wieder betreten werden kann. Bis jetzt fanden Konzerte, ein Kunst- und Kultur-Markt gemeinsam mit den Werkstätten der Stephanus-Stiftung in Bad Freienwalde sowie der "Advents-Event" im Freien auf dem Kirchengelände oder in einer "Baracke" neben der Kirche, dem Dorfgemeinschaftshaus, statt. Der Förderkreis Alte Kirchen hat für die weitere Arbeit des Vereins seine Unterstützung zugesagt.

Weitere Informationen: Förderverein Dorfkirche Harnekop e.V.; Peter Briesemeister; Tel.: (03 34 33) 68 22; Mail: peter.briesemeister@t-online.de



Zum Weiterlesen:
Märkische Oderzeitung vom 07. Dezember 2010: Blick ins Jahr 1831 und in die Zukunft
Märkische Oderzeitung vom 24. Januar 2011: Spende an Kirche Harnekop
Märkische Oderzeitung vom 21. November 2012: Arbeitseinsatz in Harnekoper Kirche
Märkische Oderzeitung vom 04. Dezember 2012: "Alte Dame" mit neuem Leben erfüllt
Die Kirche vom 05. Dezember 2012: Ein ganzes Dorf in Schwung
Märkische Onlinezeitung vom 16. Oktober 2015: Wie Harnekoper ihre Kirche retten


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