Wie Harnekoper ihre Kirche retten

Mandy Timm

Harnekop (MOZ) Die Notsicherung ist geschafft. Jetzt sammelt der Förderverein der Dorfkirche weiteres Eigenkapital, um das Gotteshaus zu retten. Gefeiert wird zwischendurch aber auch. So wie gerade erst der fünfte Geburtstag des Vereins. Am 24. Oktober gibt's einen Tag der offenen Tür.

© Thomas Berger

Als Anette Hirseland 1986 heiratete, da konnte sie noch in ihrer kleinen Dorfkirche vor den Altar treten. Zwei Jahre später wurde ihr Sohn getauft, ein Dorf weiter in Haselberg. Anette Hirselands Kirche war da schon so stark beschädigt und einsturzgefährdet, dass der Eintritt in das Harnekoper Gotteshaus ab 1988 verboten war. Für Jahrzehnte. Dass die Schließung 25 Jahre lang dauern würde, damit hatten wohl die wenigsten gerechnet.

Das kleine Kirchlein aus Feldstein, ohne Turm und 1459 zum ersten Mal im Brandenburger Stiftsmatrikel erwähnt, hatte trotzdem Glück. Denn es gab Leute im Ort, denen sein Schicksal nicht egal war. Die Christen gründeten einen Förderverein und reichten unermüdlich die Klingelbüchse herum. Sie organisierten Konzerte, Kunst- und Krimskramsmärkte, um an Geld zu kommen. Sie erhielten Spenden, unter anderem aus der PS-Lotterie. Fünf Jahre ist es her, dass der Förderverein Dorfkirche Harnekop ins Leben gerufen worden ist. Mit einem Fest haben die Akteure den Geburtstag gerade gefeiert. Jobst Liebig, der Ortschronist, hat extra einen Text dafür verfasst. Es ging da unter anderem auch um die gute Nachricht, dass das Haus jetzt wieder betretbar ist. Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass die Notsanierung den weiteren Verfall zunächst hinauszögerte. Seitdem öffnet sich die Pforte wieder für Christen und Gäste gleichermaßen. Mit Fördermitteln vom Förderkreis "Alte Kirchen" und Spenden konnten die Stützbalken damals aufgestellt werden.

Anette Hirseland macht einen zufriedenen Eindruck, wenn sie vom Förderverein erzählt. Sie ist die Vorsitzende, hat Peter Briesemeister, ohne den es die Harnekoper Kirchenretter vielleicht nicht gegeben hätte, nach seinem Tod vor zwei Jahren abgelöst. "Unser Dank zum fünfjährigen Bestehen galt allen", sagt Anette Hirseland. "Den Mitgliedern, aber auch Helfern, die uns seit fünf Jahren unterstützen." 40 Mitglieder hat der Förderverein zurzeit. Die kommen nicht nur aus dem Dorf. Sogar aus Ostfriesland sind Unterstützer dabei und aus Sachsen. Der Älteste ist Karl Vogt, 97 Jahre alt und in Winsen/Luhe zu Hause, der Jüngste, Herrmann Winter, ist gerade volljährig geworden.

Es wird noch Jahre dauern, bis die Kirche in Harnekop so hergerichtet ist, wie sie sich die Förderverein-Mitglieder vorstellen. "Keine Ahnung", sagt Anette Hirseland, "ob wir das nötige Eigenkapital für den nächsten Bauabschnitt in drei, vier Jahren zusammen haben." Die Dachkonstruktion muss komplett erneuert werden. Das sei das nächste Projekt. Der Verein hofft auf Fördertöpfe, die sich öffnen.

Ein vorübergehendes Domizil haben die Harnekoper inzwischen gefunden. Ein Zimmer im Gemeindehaus steht ihnen zur Verfügung. Dort wird anlässlich des Tages der offenen Tür, zu dem der Förderverein am 24. Oktober einlädt, zum ersten Mal eine Gottlieb von Haeseler-Ausstellung zu sehen sein. Der Generalfeldmarschall wurde im Oktober 1919 in Harnekop beigesetzt. Die Schau ist sozusagen das Erbe von Peter Briesemeister für den Verein. Alte Postkarten von Harnekop werden auch ausgestellt, eine alte Bibel, Bilder des früheren Schlosses im Ort. Um 11 Uhr gibt es eine Lesung aus der Ortschronik, um 14 Uhr einen Vortrag über die Geschichte der Kirche und um 17 Uhr erwartet die Gäste eine Laser- und Lichtershow auf dem Kirchenareal.

Am 5. Dezember ab 11 Uhr laden Anette Hirseland und ihre Mitstreiter erneut in die Kirche ein. Diesmal zum Adventszauber, der schon im vergangenen Jahr begangen worden ist. Es gibt eine Andacht und ein kleines Schauspiel von Leuten aus dem Dorf. Anette Hirseland freut sich schon besonders darauf. "Weil da so viele von uns über sich hinaus wachsen und sich einbringen", sagt sie. Und das alles für einen guten Zweck - für die Rettung ihrer Kirche.

Weitere Infos im Internet unter www.dorfkirche-harnekop.de; Spendenkonto: Förderverein Dorfkirche Harnekop e.V.; IBAN DE61170540403000681026; BIC WELADED1MOL Sparkasse Märkisch-Oderland

Märkische Onlinezeitung vom 16. Oktober 2015

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