"Alte Dame" mit neuem Leben erfüllt

Harnekop (bg) Es war ein bewegender Augenblick: Erstmals seit einem Vierteljahrhundert fand in Harnekops Dorfkirche am Wochenende wieder ein Gottesdienst statt. Der feierlichen Wiederinbetriebnahme nach der Notsicherung als Höhepunkt schloss sich der Adventsmarkt des Fördervereins an.

 
Sichtbarer Neuanfang: Auch für Pfarrer Christian Kohler (l.) ist es ein besonderer Augenblick - handelt es sich nach inzwischen 23 Jahren im Pfarrsprengel doch auch für ihn um den ersten Gottesdienst, den er in der Harnekoper Dorfkirche leiten darf. © Thomas Berger

Auch Christian Kohler war anzumerken, dass dies kein alltäglicher Termin war. Seit 23 Jahren sei er jetzt im Pfarrsprengel tätig, doch noch nie zuvor habe er in dieser Kirche gepredigt, so der für den Ort zuständige Pfarrer aus dem benachbarten Haselberg. Das "Herzlich willkommen" an die Gottesdienstbesucher in den zu zwei Dritteln besetzten Bankreihen hatte damit noch einen ganz besonderen Klang. Und Kohler erinnerte daran, dass - nachdem Mitte der 1990er-Jahre noch die Baracke nebenan dafür genutzt wurde - die Gottesdienste im Dorf später sang- und klanglos wegfielen, ohne dass sich vernehmbarer Protest gerührt hätte.

Die nunmehrige Zusammenkunft, von den Glocken eingeläutet, markiere somit den Neuanfang, der durch den Förderverein auf den Weg gebracht wurde. Ausdrücklich dankte Kohler dessen Vorsitzendem Peter Briesemeister, Stellvertreterin Anette Hirseland und den übrigen Mitgliedern für ihr Engagement. Eine Würdigung, der sich namens der Spitzen des Kirchenkreises auch noch der stellvertretende Superintendent, Letschins Pfarrer Frank Schneider, in seinem Grußwort anschloss. "Ich freue mich, hier wieder in eine richtige Kirche zu kommen - bei mir im Oderbruch haben wir ja zumeist Ruinen", sagte er. Gemeinsam hätten in Harnekop Christen und Nicht-Christen, Einwohner und Auswärtige die "alte Dame" zu neuem Leben erweckt.

Lebendig ging es denn auch beim Gottesdienst zu, als in einem kleinen Szenenspiel der Advent Einlass begehrte, von einer ins Putzen vertieften Frau, einem gestressten Geschäftsmann und einem über Lateinvokabeln brütenden Schüler aber abgewiesen wurde. Lediglich ein kleines Mädchen nahm den Advent am Ende mit nach Hause.

Die Adventszeit bedeute Innehalten, Besinnung, Sehnsucht, betonte Kohler in seiner Predigt. "Es hat nichts mit Gefühlsduselei zu tun, wenn wir uns mit Ungerechtigkeit, Gewalt, Verlust und der Zerrissenheit unserer Welt nicht einfach abfinden." Zur Sehnsucht gehörten Geduld und Hoffnung, und der Mensch müsse lernen, seine Grenzen zu akzeptieren: "Wir können nicht das Himmelreich auf Erden schaffen."

Das von Anette Hirseland zum Ausklang angestimmte "Ave Maria", das von der Empore raumgreifend das ganze Gotteshaus erfüllte, leitete über zum zweiten Teil des Nachmittags. Denn rund um die Kirche hatten der Förderverein und etliche Mitstreiter abermals einen stimmungsvollen kleinen Adventsmarkt vorbereitet. Wer es zuvor eine Stunde lang auf den Kirchenbänken in der Kühle ausgehalten hatte, der freute sich zunächst über heißen Kaffee und Kuchen im großen Raum der Gemeindebaracke, wo den Besuchern zudem ein kulturelles Programm geboten wurde. Der achtjährige Florian Blickmann brachte zum Beispiel auf der Geige einige Weihnachtslieder wie "Vom Himmel hoch" und "Kling, Glöckchen" zu Gehör, während der "Knie-Tanz" einiger Erwachsener eine eher satirische Einlage war.

Das Kinderland-Team hatte derweil wenige Meter weiter seine Bastelstube eingerichtet, wo die ganze Zeit über tüchtig Betrieb herrschte. Auch ein ganz besonderer Gast stellte sich dort etwas später noch ein - der Weihnachtsmann ließ sich in Begleitung zweier helfender Elfen nieder, um die Jüngsten unter den Adventsmarktbesuchern schon drei Wochen vor dem Fest mit einem kleinen Geschenk zu erfreuen.

Wer von den Eltern und Großeltern derweil noch auf der Suche nach Ideen zum Beschenken seiner Lieben war, der wurde draußen vielleicht am Stand des Fördervereins fündig. Und saisonbedingt in ein Rentier hatte sich mit ein wenig Schmuck das Pony von "Mellis kleine Farm" verwandelt.

Märkische Oderzeitung vom 04. Dezember 2012

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