Blick ins Jahr 1831 und in die Zukunft

Harnekop (moz) Fast seit einem Vierteljahrhundert ist die kleine Dorfkirche des Prötzeler Ortsteils gesperrt. Der dieses Jahr gegründete Förderverein setzt sich für eine baldige Sanierung ein. Mit dem Advents-Event wurde Kultur geboten und für das Anliegen geworben.

 
© Thomas Berger

Bitterkalt war es am Sonnabend, zumindest die gefühlte Temperatur lag deutlich im zweistelligen Bereich unter dem Gefrierpunkt. Doch die zahlreichen Aktivisten um Peter Briesemeister und Annette Hirseland hatten vorgesorgt. Baumfackeln brannten, in den Schalen wurde ebenfalls immer wieder Holz nachgelegt, damit sich die Besucher wärmen könnten. Wer auch von innen nachhelfen wollte, konnte sich an Kaffee, Tee und Glühwein halten.

Zwar hatte der Verein schon beim Erntefest mit einem Infostand Flagge gezeigt. Dies jedoch sollte nun die erste völlig eigene Aktion sein, um auf das Grundanliegen aufmerksam zu machen. Denn das Fernziel, die Kirche neben den reinen Gottesdiensten künftig mit angemessenen kulturellen Angeboten in Absprache mit Pfarrer und Gemeindekirchenrat zusätzlich zu beleben, kann erst mit einer Sanierung umgesetzt werden.

Noch ist völlig unklar, wann es losgehen könnte, aber zumindest ein umfassendes Gutachten, um eine realistische Kostenplanung zu erstellen, ist in greifbare Nähe gerückt. Erste Fachleute, die sich umgeschaut haben, hatten bereits Zahlen deutlich im sechsstelligen Bereich genannt, so Pfarrer Christian Kohler, der mit seiner Frau natürlich auch vorbeischaute. Die Kirchengemeinde ist und bleibt Eigentümer, der Verein unterstützt lediglich bei dem Vorhaben, das aus eigenen Kräften nicht zu stemmen wäre.

Dass nun insgesamt etwas in Gang kommt, war am Wochenende unverkennbar. Diverse Stände lockten rund um das turmlose Gotteshaus sowie an der Gemeindebaracke. Besucher konnten Keramik und anderes als Geschenkideen für ihren Freundes- und Verwandtenkreis erwerben oder sich mit einem Los die Aussicht auf einen der Gewinne bei der Tombola sichern. Drinnen in der Baracke war mit Hilfe des Kinderland-Teams eine Bastelstube für die jüngeren Besucher eingerichtet ein weiterer Beweis dafür, wie viele Bürger Harnekops, aber teilweise auch aus Sternebeck sich engagieren, ob nun Vereinsmitglied oder (noch) nicht.

Adventslieder der etwas anderen Art sowie den Vortrag der Weihnachtsgeschichte, mit Bildern untermalt, hatten die Christenlehrekinder von Anette Forbrig mitgebracht. Andächtig hörten alle zu, vergaßen dabei sogar das Bibbern. Zuvor hatte Ortschronist Hans Jobst Liebich die Anwesenden in die Zeit um 1831 entführt jenes Jahr, in dem die Kirche ihre heutige Form erhielt.

Wie schon der Kreistagsabgeordnete und Leiter des Oderlandmuseums Reinhard Schmook angemerkt hatte, verwies auch der Ortschronist auf die Bescheidenheit dieses Kirchenbaus. 24 mal zwölf Meter misst sie, hat ein massives Ziegeldach, aber keinen Turm. Seit der neue Friedhof 1850 an der Sternebecker Straße entstand, wurden die Toten dort bestattet. Letzte Beisetzung auf dem Kirchhof war ein zehnjähriger Junge. Bestattet wurde dort aber auch der 1803 gestorbene Ernst Jacob Freiherr von Eckardstein, Ahnherr der regional bedeutsamen Landadelsfamilie. Liebich schlug zudem den Bogen zum Dorf in jener Zeit, sprach über Ziegelei, alte Schule, die Schmiede und manches mehr.

Märkische Oderzeitung vom 07. Dezember 2010

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