Die Dorfkirche von Butzow (Landkreis Potsdam-Mittelmark)

Kirche Butzow 
Foto: Sage, BrandenburgGroßbildansicht

Das Dorf Butzow liegt nördlich des Beetzsees, am Fuße des immerhin 59 Meter hohen Hasselbergs, auf dem bei Ausgrabungen einer der größten Urnenfriedhöfe des Elb-Havelgebietes gefunden wurde, der vom 3. bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts benutzt wurde. Gräber der jungsteinzeitlichen Havelländischen Kultur weisen auf eine lange Tradition der Besiedlung des Ortes hin.

 Kirche Butzow
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Kirche Butzow
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Die Kirche von Butzow ist dagegen relativ jung. Erst 1879 entstand der neuromanische Putzbau mit dem spitzen Turmhelm und der halbrunden Apsis. Obwohl keine Abbildungen überliefert sind, gab es einen Vorgängerbau, denn bereits im Jahre 1207 wird das Dorf mit seinem Pfarrer erstmalig erwähnt. Bei einem Überfall drangen 1414 Truppen des Erzbistums Magdeburg "sogar in Friedhof und Kirche von Butzow ein, wohin die Bewohner ihre Habe geflüchtet hatten, schlugen den Leuten ihre hier geborgenen Kisten und Kasten auf und nahmen selbst die Chorröcke der Geistlichen mit fort". Über eine längere Zeit wurde Butzow zwischenzeitlich vom Pfarrer in Ketzür seelsorgerisch betreut, ab 1656 hatte die Gemeinde wieder einen eigenen Prediger. Das Patronat über die Peter und Paul geweihte Kirche hatte bis 1877 das Brandenburger Domkapitel inne. Nur zwei Jahre später finanzierten die ansässigen Bauern aus eigener Tasche den Kirchenneubau, was von Wohlstand, aber auch von einem gesunden Selbstvertrauen kündet.

Der Innenraum der Kirche ist schlicht und klar. Durch den die Apsis schmückenden Schinkelschen Sternenhimmel erhält er eine freundliche Würde. Eine von dem Potsdamer Instrumentenbauer Carl Eduard Gesell geschaffene Orgel ist trotz mangelhafter Wartung noch spielbar und wird übereinstimmend als wertvoll angesehen.

Leider geht durch den Sternenhimmel ein Riss, der sich durch das Mauerwerk bis nach außen zieht. Auch sonst weist das Bauwerk zahlreiche Bauschäden auf. Eindringende Feuchtigkeit hat die Dachkonstruktion geschädigt. Die Fundamente müssten erneuert werden und auch am Kirchturm sind Reparaturen nötig. Seit der Einweihung vor fast 130 Jahren sind keine größeren Instandsetzungsarbeiten durchgeführt worden. Ein umfangreiches Baugutachten liegt inzwischen vor. Die dort errechnete Summe für eine Gesamtsanierung ist mit 315.000 Euro angegeben und ist von der Gemeinde, die über keinerlei Eigenmittel verfügt, nicht aufzubringen.

Das Gemeindeleben ist in den letzten Jahrzehnten spürbar zurückgegangen. Noch finden regelmäßige (nicht eben gut besuchte) Gottesdienste statt. Laut Kirchenbuch fand jedoch die letzte Trauung in der Butzower Kirche 1971 statt, seit 1989 wurde hier kein Kind mehr getauft.

Vor einigen Jahren hat sich immerhin ein Förderverein für das Kirchengebäude gegründet, der auch nicht kirchlich gebundene Butzower zu seinen Mitgliedern zählt. Der ganz große Impuls aber fehlt noch.

Von seiner Struktur her ist der Raum hervorragend für Konzerte und andere Veranstaltungen geeignet. Auch von ihrer zentralen Lage her könnte sich Pfarrer Martin Gestrich vorstellen, dass die Butzower Kirche zu einem Zentrum der Gemeindearbeit in seinem Sprengel wird. Bis dahin jedoch gäbe es noch viel zu tun...

Weitere Informationen: Pfarrer Martin Gestrich; Kirchplatz 1; 14778 Päwesin; Tel.: (03 38 38) 4 02 26


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 24. Mai 2012: Schäden an der Butzower Kirche begutachtet
Märkische Allgemeine vom 24. Januar 2013: Steinmeier liest in Butzow
PreussenSpiegel vom 14. Juli 2014: Rettung in letzter Minute
Mitteilungsblatt September 2014:
Mit der Turmspitze beginnt die Sanierung der Kirche
Mitteilungsblatt Dezember 2014: Der höchste Turm trägt wieder das Kreuz
Märkische Allgemeine vom 17. Juni 2015: Bund gibt 20.000 Euro
Märkische Allgemeine vom 21. September 2016: Viele Pläne für Butzower Dorfkern
Märkische Allgemeine vom 30. Januar 2017: Förderverein hat Kirche gerettet
Märkische Onlinezeitung vom 01. April 2017: Die Zukunft ist gesichert

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