Steinmeier liest in Butzow

SPD-Politiker besichtigte marode Dorfkirche und will helfen

BUTZOW - Das sieht gefährlich aus, aber der Bundestagsfraktionsvorsitzende der SPD vertraute dem von Handwerksmeister Uwe Stewien gezimmerten Gestell. Ohne die Holzkonstruktion jedoch könnte der Schlussstein im Triumphbogen der Apsis jeden Moment zu Boden stürzen. Frank-Walter Steinmeier informierte sich gestern über den besorgniserregenden Zustand der Butzower Dorfkirche. Zwar gab es erste Sicherungsmaßnahmen, doch für eine vollständige Sanierung des 1879 errichteten Gotteshauses werden über 300 000 Euro gebraucht.

Bis dahin ist es ein weiter Weg. Auch Steinmeier war ohne Geldkoffer gekommen, zückte keinen Scheck und versprach nichts außer Sympathie. Das eine oder andere Wort könne er gern bei staatlichen und kirchlichen Stellen für Butzow einlegen, meinte Steinmeier nach dem Rundgang bei Kaffee und Zupfkuchen. Er riet dem Förderverein zu kleinen Bauabschnitten, um Sponsoren nicht zu verschrecken. "Wer nur von der Gesamtsumme hört, wittert ein Fass ohne Boden", meinte der SPD-Politiker, der in seinem Wahlkreis-Wohnsitz Saaringen selbst einem Kirchenförderverein angehört. Dennoch wolle er einen persönlichen Beitrag zur Sanierung leisten und nicht nur Türöffner sein. So erklärte sich Steinmeier spontan zu einer sommerlichen Lesung in der Butzower Kirche bereit.

Bernhard Weise, Vorsitzender des Fördervereins, kann sich vorstellen, den ersten Bauabschnitt aus Kostengründen in zwei Teilen zu realisieren. Zuerst steht der Turm, der Wasser durchlässt, auf der Wunschliste. "Das sollte uns 2014 mit Eigenmitteln, Spenden und Zuwendungen der Kirche gelingen", meinte Weise. Reicht das Geld nicht, kommt der Westgiebel eben erst danach an die Reihe.

Arnd Mannzen vom Gemeindekirchenrat erinnerte daran, dass Butzow neben Riewend die letzte unsanierte Kirche im gesamten Pfarrsprengel Päwesin sei. Er könne sich wegen des nahen Beetzsee-Radwanderweges vorstellen, dass die Butzower Kirche zur Buga 2015 die Rolle einer "Radfahrerkirche" übernehmen könnte. Eine Idee, mit der sich auch Steinmeier anfreundete.

Denn den Förderern des bedrohten Bauwerkes ist klar: Nur mit den alle paar Wochen stattfindenden Gottesdiensten ist die Kirche in dem 280-Seelen-Dorf nicht haltbar. Für den Förderverein gehört eine kulturelle Nutzung zum Konzept. "Und zwar mit eigenem Profil und ohne den benachbarten Konzertorten neue Konkurrenz zu machen", so Vereinschef Weise. (Von Frank Bürstenbinder)

Märkische Allgemeine vom 24. Januar 2013

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