Erste Hilfe aus der Luft

Schäden an der Butzower Kirche begutachtet / Grundlage für Sanierung

BUTZOW - Achim Krekeler klopft, prüft und tastet sich die Kirchturmwand entlang. Dann passiert es: In 20 Meter Höhe fallen dem Architekten die ersten Putzteile und Gesteinsbrocken fast von allein in die bloßen Hände. Keine Frage, am Westgiebel der 1879 errichteten Dorfkirche bröckelt es gewaltig.

Die Hebebühne fährt weiter hinauf. Die Spitze des Kirchturms ist arg lädiert. Was auch der Laie vom Erdboden aus erahnen kann, findet Dachdeckermeister Uwe Stewien bestätigt. Weil die Nägel abgerostet sind, verabschieden sich die ersten Schieferschindeln. Die Holzverkleidung an der Spitze ist schon ungeschützt, Feuchtigkeit hat freie Bahn.

Als Krekeler und Stewien wieder festen Boden unter den Füßen haben, hört sich ihr erstes Fazit nicht gut an. Natürlich haben Wind und Wetter ihre Spuren hinterlassen. Doch ursächlich sind es wohl Holzschäden, die in der Folge zu statischen Problemen am Bauwerk führen. Auf dramatische Weise wird dies am gerissenen Chorbogen im Kircheninnern sichtbar. Vermutlich hält ein maroder Deckenbalken der Last nicht mehr Stand.

Für Architekt Krekeler besteht akuter Handlungsbedarf: "Die Kirche hat fast 150 Jahre tapfer gestanden. Jetzt aber wird es höchste Zeit für eine Sanierung." Im Auftrag der Kirchengemeinde und des Butzower Fördervereins wird sein Büro in den nächsten Wochen eine umfangreiche Dokumentation über den Zustand des Gotteshauses erarbeiten. Die Befahrung der Außenhülle mit einer Hebebühne war in dieser Woche für die Fachleute wichtig, um die nächsten Schritte vorzubereiten. In das Konzept einfließen werden auch die Ergebnisse einer elektronisch gesteuerten Bohrwiderstandsmessung. Die am Computer auszuwertenden Stichproben zeigen, wie weit der Schwamm den Balkenquerschnitt bereits dezimiert hat.

Krekelers Gutachten soll die Grundlage für die Finanzierung der Sanierungsarbeiten sein. "Wir sind vor allem auf Fördermittel angewiesen. Unser Pfarrsprengel allein könnte diese Aufgabe nicht finanzieren", sagte Pfarrerin Johanna-Martina Rief dem Landkurier. Deshalb gibt es noch keinen Zeitplan für die wahrscheinlich zwei Bauabschnitte. Erfahrungen anderer Fördervereine wie in Lünow, Gortz, Radewege und Brielow sollen genutzt werden, um private und öffentliche Geldgeber zu finden.

Frühere Überlegungen, den romanisierenden Putzbau aufzugeben, sind endgültig vom Tisch. "Es gibt den gemeinsamen Willen von Kirchengemeinde und Förderverein die Kirche zu erhalten. Sie gehört zum Dorf und soll auch in Zukunft der Gemeinschaft dienen", so Pfarrerin Rief. So ist Butzow Bestandteil des Gottesdienstplans im Pfarrsprengel Päwesin. Aber auch das nächste Konzert am 18. August steht schon fest. Bis dahin wird Uwe Stewien den gerissenen Chorbogen mit einer genehmigten Holzkonstruktion gesichert haben. Die Vorbereitungen sind getroffen. Die losen Stellen am Turm versorgte der Dachdeckermeister gleich nach der Kontrolle als erste Hilfe mit frischem Mörtel. (Von Frank Bürstenbinder)

Kein Spaziergang

Frank Bürstenbinder über die Untersuchungen an der Butzower Dorfkirche

Es gibt noch zwei Sorgenkinder unter den Kirchenbauten im Pfarrsprengel Päwesin: Riewend und Butzow. Während das Gotteshaus am Riewendsee immer noch ohne Decke dasteht und es keine Lösung für eine absehbare Änderung gibt, bahnt sich in Butzow ein Durchbruch an. Ein Sanierungskonzept wurde in Auftrag gegeben. Das Architekturbüro Krekeller wird herausfinden, wie der angegriffenen Butzower Dorfkirche am besten zu helfen ist. Nur dann werden potenzielle Fördermittelgeber bereit sein, Geld in Richtung Beetzsee zu lenken, wie es in anderen Orten bereits passiert ist. Von Bedeutung ist auch der Nutzungsvertrag, den die Kirchengemeinde mit dem Förderverein abgeschlossen hat. Damit hat das Engagement der Mitglieder für den Erhalt des Gebäudes Hand und Fuß. Auch der Verein kann Spenden und Zuschüsse einwerben und beantragen. Möglich machte das der gemeinsame Wille, die Kirche zu erhalten. Wie ähnlich gelagerte Projekte in Lünow, Brielow, Gortz und Radewege zeigen, wird die Sanierung kein Spaziergang. Angesichts der mitgenommenen Bausubstanz ist ein langer Atem nötig. Erfahrungen anderer Vereine dürften wertvoll sein. So wichtig wie die Untersuchungen in dieser Woche waren, mit dem Sanierungskonzept fängt die Arbeit erst an.

Märkische Allgemeine vom 24. Mai 2012

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