Die Dorfkirche von Mellnsdorf (Landkreis Teltow-Fläming)

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Fotos: Bernd Janowski

Der 27. Oktober war ein grauer, regnerischer Tag; trotzdem war das ganze Dorf zum Richtfest an der Mellnsdorfer Kirche gekommen. Da im Innenraum noch Gerüste stehen, wurde unter freiem Himmel gefeiert. Und nach den Einweihungsreden herrschte großes Gedränge im Festzelt, wo die Möglichkeit bestand, sich mit einem Teller heißer Suppe wieder etwas aufzuwärmen.

Der Feldsteinbau, bestehend aus Langhaussaal, eingezogenem Chor und halbkreisförmiger Apsis, entstand zur Zeit der deutschen Kolonisation der Region im frühen 13. Jahrhundert. Ihre heutige Gestalt mit den von Backsteinen gerahmten großen Rundbogenfenstern erhielt die Kirche bei einem Umbau im Jahr 1892, angeregt von dem damals im Nachbarort Blönsdorf wirkenden Pfarrer Ferdinand August Scheele.

Damals wurde über dem Westteil des Schiffes auch ein Dachturm aus verbrettertem Fachwerk errichtet. In einem erst vor wenigen Jahren erschienenen Denkmal-Inventar des Landkreises findet sich der Satz: "Die markante Turmspitze bestimmt die Silhouette des Dorfes." Nach einem kräftigen Herbststurm jedoch mussten 2002 Glockengeschoss und Turmspitze wegen akuter Einsturzgefahr abgenommen und auf dem Kirchhof abgestellt werden. Nun fehlte dem Dorf der wesentliche Teil seiner Silhouette, fehlte ihm die Mitte. Das Dach des Kirchenschiffes war mit den unterschiedlichsten Materialien immer wieder ausgebessert worden und erinnerte an einen Flickenteppich.

Trübselig mutete auch der Blick in den Innenraum an. Eine einfache Stützkonstruktion aus Kanthölzern und Brettern verhinderte den Einsturz der mit inzwischen abblätternden Medaillons bemalten Decke. Trotzdem ließ der Raum noch viel von seiner ursprünglichen Schönheit ahnen. Bei der Renovierung 1891/92 hatte man sich dazu entschlossen, die aus der Bauzeit der Kirche stammende Altarmensa mit mittelalterlichen Ritzzeichnungen in den neuen Altar einzubeziehen. Die schöne Terrakotta-Taufe im Stil der Neurenaissance schuf eine Firma aus Berlin-Charlottenburg, die Kanzel ein Tischlermeister Unger aus dem nahen Städtchen Zahna. Abgebaut und im Nachbarort Blönsdorf eingelagert wurde die Orgel, um sie vor weiteren Schäden zu schützen.

Nun wollten sich die Bewohner des gerade einmal achtzig Einwohner zählenden Dorfes nicht mehr mit dem Verfall ihrer Kirche abfinden. Es folgten zahlreiche Gespräche mit den Denkmalschutzbehörden, mit Baufachleuten, Architekten und potentiellen Fördermittelgebern. Im Sommer 2005 gründeten die Mellnsdorfer einen Förderverein. Dieses Engagement überzeugte schließlich auch Kirchengemeinde und Kirchenkreis, die dem teuren Sanierungskonzept in dem kleinen Dorf anfangs etwas skeptisch begegnet waren.

Bereits 2006 konnte mit Mitteln der Kirchenprovinz Sachsen, des Förderkreises Alte Kirchen (Startkapital 2006 + Finanzhilfe im 1. und 2. Bauabschnitt, insgesamt 9.250 Euro) und der Mittelbrandenburgischen Sparkasse der erste Bauabschnitt verwirklicht werden. Die Dächer der Apsis und des Chores wurden saniert. Wo es irgend ging, legten Mitglieder des Vereins und Einwohner selbst mit Hand an.

Nachdem auch noch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als Förderer gewonnen werden konnte, war es bereits im folgenden Jahr möglich, die Arbeiten fortzuführen. Der Dachstuhl des Kirchenschiffes wurde instandgesetzt und eine neue Deckung aufgebracht. Auch der Turmaufsatz und die Bekrönung sind wiederhergestellt. Zuvor war man beim Öffnen der Turmkugel noch auf eine Schatulle gestoßen, die interessante Dokumente zur Geschichte des Dorfes enthielt.

Pastor Scheele zählte in einem am 5. Juni 1891 an die Nachwelt gerichteten Brief jedes Gehöft und dessen Besitzer auf. Mellnsdorf hatte damals 129 Einwohner, darunter 30 Schulkinder, von denen die meisten täglich zu Fuß die Schule im fünf Kilometer entfernten Blönsdorf besuchten. Heute gibt es hier noch ganze vier Kinder im schulpflichtigen Alter, was den Besucher natürlich nachdenklich stimmt.

Beigelegt waren den Dokumenten in der Turmkugel auch zehn Lose für die 1. Klasse der 110. Runde der "Herzoglichen Landeslotterie-Direction". Ob aus dem Erlös dieser Lose die damaligen Reparaturarbeiten bezahlt wurden, ist leider nicht überliefert. Einen Hinweis gab es jedoch auf den vermutlichen Grund der nötig gewordenen Instandsetzung: Der Pastor berichtet in seinen Aufzeichnungen, dass ausgerechnet beim Läuten in der Weihnachtsnacht 1886 die kleine Glocke vom Kirchturm stürzte und zersprang. Gott sei Dank kam dabei niemand zu Schaden.

Beim Richtfest Ende Oktober 2007 wurden wiederum Zeitdokumente in der Kugel unter dem Kreuz hinterlegt. Sie erzählen auch vom Bemühen der Mellnsdorfer, ihre Kirche im Dorf zu lassen. Von Anfang an ging es nicht nur darum, die äußere Hülle wieder herzustellen; in die alten Mauern sollte auch wieder Leben einziehen. Und so gab es bereits auf der Baustelle Gottesdienste und Benefizveranstaltungen. Mehrfach war das renommierte "Theater 89" zu Gast und gestaltete musikalisch-literarische Programme, die in dem improvisierten Raum eine besondere Wirkung zeigten und so manchen Euro in die Spendenkassen des Vereins brachten. Doch nicht nur professionelle Künstler treten in der Mellnsdorfer Kirche auf, auch Schüler der Thomas Müntzer-Grundschule im benachbarten Blönsdorf zeigen hier regelmäßig ihre künstlerischen Fähigkeiten und unterstützen damit die Bemühungen um die endgültige Wiederherstellung des Kirchengebäudes.

Die Silhouette des Dorfes ist wieder hergestellt, doch noch gibt es viel zu tun, um die Kirche wieder zu dem Schmuckstück werden zu lassen, dass sie einmal war.

In alten Kirchenbüchern ist nachzulesen, dass bereits 1583, als ein Giebel der Kirche einzustürzen drohte, die Gemeinde zu arm für eine Ausbesserung war. Auch heute noch kann die kleine Kirchengemeinde die große Aufgabe der Erhaltung ihres Ortsmittelpunktes nicht allein bewältigen. In ihrer sympathischen und mitreißenden Art haben sie sich jedoch viele Freunde geschaffen. Auch der Förderkreis Alte Kirchen bietet weiterhin seine Unterstützung an.

Weitere Informationen über: Förderverein Dorfkirche Mellnsdorf; Willi Höhne; Tel.: (03 37 43) 5 00 79



Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 08. Dezember 2014: Baer-Orgel klingt wieder
Märkische Allgemeine vom 27. August 2016: Kirchen-Förderverein hat viel erreicht

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