Die Dorfkirche von Felchow (Landkreis Uckermark)

Dorfkirche Felchow 
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Auf den ersten Blick scheint die Dorfkirche in dem nahe Angermünde gelegenen Ort Felchow nichts besonderes zu sein. Gegenüber dem imposanten und teilweise restaurierten Gutshaus steht ein einfacher Feldsteinbau des 13. Jahrhunderts, wie es Dutzende in der Uckermark gibt. Der Turmaufsatz stammt aus dem späten 18. Jahrhundert. Bis auf die mittelalterliche Dreifenstergruppe im Ostgiebel wurden die übrigen Fensteröffnungen im Barock rundbogig vergrößert.

 Dorfkirche Felchow - Innenraum
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Dorfkirche Felchow - Taufengel
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Dorfkirche Felchow - Orgel
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Erst beim Betreten des Innenraumes ist man wirklich überrascht vom reichhaltigen und qualitätvollen Inventar. Der gemauerte Altarblock ist noch mittelalterlichen Ursprungs, der dreiflüglige Schnitzaltar ein Stilmix verschiedener Epochen: Das Abendmahlsrelief in der Predella, und die Darstellungen von Geburt und Taufe Christi entstanden 1595; zwei Schnitzfiguren, Propheten darstellend, stammen vermutlich noch aus vorreformatorischer Zeit und das Kruzifixus im Zentrum des Altars ist eine moderne Arbeit des 20. Jahrhunderts. Bekrönt wird das Retabel von zwei geschnitzten Vögeln: einem Pelikan, der die aufopferungsvolle Liebe Christi verkörpert und dem sprichwörtlichen Phönix aus der Asche als Symbol der Auferstehung. Die ursprünglich von einer Mosesfigur getragene Kanzel (1630) zeigt das typische Dekor der Renaissancezeit.

Die beiden wertvollsten Ausstattungsstücke erhielt die Kirche jedoch mehr als einhundert Jahre später unter der Patronatsherrschaft der Familie von Stotz; laut Kirchenbuch (1734) lebten damals in Felchow nur 96 Einwohner.

Bernhard Heinrich Hattenkerell, Bildschnitzer aus dem neumärkischen Mohrin, schuf 1732 den prachtvollen Taufengel. Die Aufhängung an der Kirchendecke kommt aus einer geschnitzten Gloriole mit dem Symbol der Dreifaltigkeit. Das kunstvoll geschnitzte, wie im Flug flatternde, weiße Gewand ist mit Goldfarbe abgesetzt. In der linken Hand trägt der Engel eine muschelförmige Taufschale, während die rechte ein Spruchband hält: "Ein offenen Born Wider die Sünde und Unreinigkeit..."

Glanzstück der Felchower Kirche jedoch ist die Orgel, geschaffen 1745 vom Großmeister des märkischen Orgelbaus, Joachim Wagner. Der im Original erhaltene barocke Prospekt des Instruments wurde laut Inschrift von "...Minder aus Schwedt staffiret". Zwei Putten mit Trompeten heben bei Betätigung des Zimbelstern-Registers ihre Instrumente an den Mund, der Zimbelstern setzt seinen mit Glöckchen versehenen Strahlenkranz in Rotation. Zwar wurde die Felchower Orgel mehrfach verändert und ergänzt, doch ein großer Teil des Pfeifenbestandes stammt noch aus der Werkstatt Joachim Wagners.

Die Interessengemeinschaft Wagner-Orgel Felchow möchte das wertvolle Instrument umfangreich restaurieren lassen und spätere Zusätze rückbauen. Seit Jahren finden Konzerte und Führungen statt, um dafür Spenden einzuwerben.

Zuvor jedoch ist eine grundlegende Sanierung des Kirchengebäudes notwendig. Unter anderem hat sich im Dachstuhl Hausschwamm gebildet, die Dachkonstruktion ist stark gefährdet. Ein Sanierungsgutachten liegt vor. Förderanträge sind gestellt. Wenn es nach den Plänen der Kirchengemeinde ginge, könnten die Instandsetzungsarbeiten im nächsten Jahr beginnen.

Am 2. Oktober veranstaltete der Förderkreis Alte Kirchen in Felchow ein Benefizkonzert mit dem Barockensemble "Uccellini". Ein Vorstandsmitglied unseres Vereins hatte für seine Geburtstagsgäste eine Busfahrt durch die Uckermark mit Besuch des Felchower Konzerts organisiert. 1.500 Euro konnten an diesem Tage für die Sanierung der Kirche gesammelt werden. Darüber hinaus sagte der Förderkreis Alte Kirchen für 2007 weitere 5.000 Euro zu, sollte es zu einer Gesamtfinanzierung des Bauvorhabens kommen.


Zum Weiterlesen:
Märkische Oderzeitung vom 15. Januar 2007: Rettungsversuch für Wagners Orgel
Märkische Oderzeitung vom 31. Juli 2009: Klassiker retten Wagner-Orgel vor Verfall
Märkische Oderzeitung vom 24. Februar 2012: Hoffen auf den Domino-Effekt
Märkische Oderzeitung vom 30. Juli 2013: Zehn Jahre Anträge schreiben
Märkische Onlinezeitung vom 04. September 2016: Sicheres Dach für den Barockengel

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