Hoffen auf den Domino-Effekt

Felchow (MOZ) Die hellen Holzmasten sind ein Fremdkörper in der Felchower Kirche (Dorfkirche des Monats November 2006). Sie stehen mitten zwischen den Kirchenbänken. Doch die nachträglich eingezogenen Stützen erfüllen eine wichtige Aufgabe. Denn niemand weiß genau, wie tief der Hausschwamm in die historischen Holzbalken an der Decke eingedrungen ist.

 
Hausschwamm: Pfarrer Gunter Ehrlich betrachtet die historischen Holzbalken der Kirche mit Sorge. Zur Sicherheit wird die Decke derzeit abgestützt.
Foto: MOZ/Alexander Kempf © MOZ/Alexander Kempf

Gunter Ehrlich hofft, dass sich die Sicherung der Decke bald erübrigt hat. Seit zwei Jahren stehen die Holzmasten bereits in der Kirche. Nun hofft der Pfarrer, dass endlich die Sanierung des Gotteshauses beginnt. Die Chancen stehen so gut wie nie. Das kirchliche Bauamt habe ihm mitgeteilt, dass die Felchower Kirche in der Prioritätenliste dieses Jahr einen der vorderen Plätze belegt.

Denn die gut 100 Gemeindemitglieder können den Erhalt der Kirche alleine nicht stemmen. "Wir brauchen etwa 600000 Euro, um die Kirche zu sanieren", sagt Gunter Ehrlich. Für so viel Geld müssen selbstverständlich mehrere Fördertöpfe angezapft werden. Und genau das war in der Vergangenheit das Problem. Von einzelnen Einrichtungen lagen bereits Förderbescheide vor. Sie konnten aber nicht genutzt werden, da der Hauptbetrag fehlte.

Landeskirche, Denkmalschutzbehörde und Land - viele Akteure müssen überzeugt werden, damit eine so teure Sanierung gelingt. Fehlt nur ein Förderbescheid ist das Puzzle nicht vollständig und das ganze Projekt droht zu scheitern.

130000 Euro soll das Land Brandenburg in diesem Jahr in die Kirche investieren. Wird dieser Betrag bewilligt, könnte noch in diesem Jahr mit dem ersten von drei Bauabschnitten begonnen werden. Fließt erst einmal Geld, ist es in der Folge auch leichter, Restbeträge zu organisieren, weiß der Pfarrer aus anderen Projekten. Er nennt das den "Domino-Effekt".

Erhaltenswert ist das Baudenkmal in jedem Fall. Es beherbergt einen seltenen Schatz. In der Kirche steht die weltweit kleinste erhaltene Wagner-Orgel, die noch bespielbar ist. Auch dem Instrument würde eine Generalüberholung guttun. "Daran brauchen wir aber nichts zu machen, wenn das Drumherum nicht stimmt", sagt der Pfarrer. In den 600 000 Euro für die Kirchensanierung sei die Orgel noch gar nicht berücksichtigt.

Alle 14 Tage finden in Felchow Gottesdienste statt, hin und wieder werden Taufen und Beerdigungen gefeiert und im Sommer gibt es eine Konzertreihe. Zweifelsohne stehen die Kosten der Sanierung in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung. Doch das älteste Gebäude im Ort ist eben mehr als ein Haus. Es dient als Wahrzeichen und lockt dank seiner Barockausstattung und einem geschnitzten Taufengel regelmäßig Touristen an.

Das alles spricht für eine Finanzspritze, weiß Gunter Ehrlich. "Nullachtfünfzehn wird schlecht gefördert. Man muss auch etwas Besonderes vorzeigen können." Tatsächlich ist an dem Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert schon in der jüngeren Vergangenheit immer wieder viel gemacht worden. Der Turm wurde saniert, das Dach ausgebessert und die Fenster erneuert. In Felchow setzen sich viele für das Denkmal ein, erzählt der Pfarrer.

Ein Einsturz des Daches wäre verheerend, sagt Gunter Ehrlich. Er hofft stattdessen auf den Domino-Effekt. Die Entscheidung darüber fällt in den nächsten Wochen.

Märkische Oderzeitung vom 24. Februar 2012

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