Kerstin Unger

Sicheres Dach für den Barockengel

Felchow (MOZ) Für die wertvolle Barockausstattung der Felchower Kirche ist Rettung in Sicht. Seit Jahren verhindern Holzstützen das Herabfallen von Deckenteilen. Das Land einen Zuschuss von 180 000 Euro bewilligt. Die Arbeiten gehen im Frühjahr los.

Pfarrer Gunter Ehrlich zeigt den einzigartigen Barockengel in der Felchower Kirche.
© MOZ/Kerstin Unger

"Es ist uns gelungen, auf die Liste des Leader-Plus-Programmes zu kommen", sagt Pfarrer Gunter Ehrlich. "Die 180 000 Euro reichen zwar nicht aus, aber wir hoffen auf weitere Förderung, unter anderem durch die Deutsche Stiftung Denkmalsschutz." Die benötigte Summe für die ersten Maßnahmen liege bei 210 000 bis 220 000 Euro.

Im Frühjahr 2017 soll der erste von drei Bauabschnitten beginnen. Zuerst muss der durchgefaulte Dachstuhl saniert werden. Hier ist der Hausschwamm drin, der wertvolle Teile der Barockausstattung bedroht. Schon seit rund zehn Jahren stützen Balken die Decke ab. Die 800 Jahre alte Feldsteinkirche ist nur teilweise nutzbar.

Als erstes wird die wertvolle Wagnerorgel ausgebaut und bei der Firma eingelagert, die sie später restaurieren soll. Die historische Orgel habe in den letzten Jahrzehnten viele Veränderungen erfahren, berichtet Gunter Ehrlich. Sie soll in ihren Ursprungszustand zurückversetzt werden. Zu 60 Prozent ist sie im Original erhalten. 40 Prozent wurden ergänzt.

Für den Erhalt der Orgel wird schon seit Jahren Geld durch Spenden und Konzerte gesammelt. Darum hat sich die Interessengemeinschaft Wagnerorgel unter Leitung von Dietrich Pavel verdient gemacht, die schon einiges auf die Kante gelegt hat. "Die Interessengemeinschaft wurde in den Dorfverein überführt, der als Förderverein fungiert und das Ziel der Orgelrestauration in seine Satzung aufgenommen hat", erklärt der Dorfvereinsvorsitzende Günter Berger. Die Kirche, sagt Pfarrer Ehrlich, ist das älteste Gebäude eines Ortes. "Und egal ob man Kirchgänger ist oder nicht, sie hat auch mit der Familiengeschichte der Leute zu tun. Wir sind froh, dass wir mit dem Dorfverein Unterstützung gefunden haben."

Am Tag des offenen Denkmals, dem 11. September, wollen alle gemeinsam auf den bevorstehenden Sanierungsbeginn und auf die Bedeutung für die ländliche Infrastruktur und den Tourismus aufmerksam machen. An diesem Tag wird die Kirche von 10 bis 15 Uhr geöffnet sein. Sehenswert wird nicht nur das Innenleben mit dem einzigartigen Taufengel sein, der in vielen anderen Kirchen längst verloren gegangen ist. An der Außenfassade wird es eine Ausstellung geben, in der man mehr über die Besonderheit der Feldsteinbauweise und die Herkunft des Materials erfahren kann. Außerdem wurde der gemischte Berliner Chor "Canto ergo sum" gewonnen, der am 11. September um 17 Uhr ein spätsommerliches Konzert unter dem Titel "Ich möcht' als Spielmann reisen ..." mit Werken aus fünf Jahrhunderten gibt. "Eine der Sängerinnen stammt aus der Uckermark", verrät Gunter Ehrlich.

Nach dem Dachstuhl soll der Turm erneuert werden. Historische Fotos zeigen, dass er einmal höher war und eine Holzlaterne hatte. Die Gesamtkosten für die Kirchensanierung liegt bei rund 600 000 Euro. Hinzu kommen noch einmal 100 000 Euro für die Orgelsanierung. Ein weiter Weg für die Kirchengemeinde und die Felchower, die hinter dem ältesten und markantesten Gebäude ihres Ortes stehen, wie Günter Berger bestätigt. Der Kirchturm ist in den 90er-Jahren schon einmal saniert worden. "Bei der Krönung war das ganze Dorf dabei", erinnert sich Richard Golchert vom Gemeindekirchenrat. "Aber die Uhr steht schon wieder. Ein Teil ist kaputt. Die Leute fragen oft, wann sie endlich wieder geht."

Märkische Onlinezeitung vom 04. September 2016

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