Zehn Jahre Anträge schreiben

Felchow (MOZ) Die Uckermark ist berühmt für ihre schönen alten Dorfkirchen. Doch leider reicht nicht für alle das Geld. Während sich im Nachbarort Flemsdorf ein Riss durch die Kirche zieht, droht in Felchow sogar der Einsturz. Stützbalken halten die Kirche zusammen. Und die Hoffnung, dass einer der Anträge auf Geld irgendwann positiv beantwortet wird.

Gotteshaus in Felchow: Die Kirche aus dem 13. Jahrhundert hat eine hübsche Wagner-Orgel, vor der ein riesiger schöner Taufengel schwebt. Sie ist völlig vom Hausschwamm zerfressen und muss schon mit Balken abgestützt werden.
© Cornelia Hendrich

Die Kirchentür in Felchow steht weit offen. Wie so oft. An der hübschen alten Tür, die so jedermann jederzeit zum Eintreten einlädt, hängt ein Zettel mit Telefonnummer: Führungen übernehme immer gerne der um die Ecke wohnende Dietrich Pavel. Aber man kann sich auch ganz allein in der verwunschenen Kirche aus dem 13. Jahrhundert umsehen. Die Luft ist schwer, der Raum dunkel, durch die Kirchenfenster fällt ein silbriger Lichtstrahl, die uralten Balken verströmen regelrecht Geschichte. Auf dem Boden sitzt ein Salamander und genießt den kalten Steinfußboden.

Es gibt viele schöne alte Kirchen in der Uckermark, allein acht von ihnen betreut Pfarrer Gunter Ehrlich. Ein spektakulär aussehender Riss zieht sich zum Beispiel durch die Flemsdorfer Kirche hinunter als würde sie auseinanderbrechen. Doch in Flemsdorf fehlt die starke Gemeinde, die um die Kirche kämpft. "Der Schwerpunkt liegt deshalb auf Felchow", so der Pfarrer. Denn er weiß, für das Kümmern um alle Kirchen, die es nötig hätten, fehlt das Geld. Etwas Besonderes muss die Kirche haben, um auf Fördermittel hoffen zu dürfen und dahinter muss eine aktive Gemeinschaft stehen, die die Kirche auch später mit Leben füllt.

Das alles hat Felchow. Die hübsche Orgel, die etwa 1742 gebaut wurde, ist eine der kleinsten bekannten Wagner-Orgeln. Und seit Jahren kümmert sich ein lebendiger Verein mit Dietrich Pavel um den Erhalt der Kirche und vor allem der Wagner-Orgel. "Denn es muss ja auch außer dem Pfarrer immer noch jemanden geben, der sich für die Kirche interessiert", sagt Gunter Ehrlich. Die Kirche Felchow ist stark vom Hausschwamm befallen. Er zerfrisst alles, gnadenlos. Er frisst sich ins Holz und in die Wände. Die wertvolle Orgel ist auch bedroht. Vor etwa drei Jahren musste das Kirchenschiff innen mit Balken abgestützt werden, um einen Zusammenfall zu verhindern.

Jahr um Jahr schreibt die Gemeinde Anträge auf Fördermittel. "Bestimmt schon seit zehn Jahren", sagt der Pfarrer. Und tatsächlich: Im vergangenen Jahr sah es endlich gut aus, in der Prioritätenliste lag die Felchower Kirche mit ganz vorne. Doch es wurde wieder nichts. Die Gründe kennt auch Pfarrer Gunter Ehrlich nicht genau. Aber natürlich gibt es in der Uckermark viele Objekte, die dringend Unterstützung brauchen. Dort ein verfallenes Schloss, da ein schöner Lenné-Park. "Die Enttäuschung war groß", erzählt er. Denn die rund 100 Gemeindemitglieder in Felchow sind hoch engagiert. "Aber nach all den Jahren geht jetzt auch etwas der Enthusiasmus verloren", sagt der Pfarrer.

Immer wieder wurde für die Kirche Geld gesammelt, Sponsoren angebettelt, sodass eine größere Summe zusammen kam. Doch es ging nicht vorwärts. Das Projekt ist bis ins letzte Detail fertig geplant. Es soll drei Bauabschnitte geben, jeder kostet etwa 200 000 Euro. Auf etwa drei Jahre würde man die Sanierung verteilen. 80 000 Euro von Kirchenkreis, Landeskirche und Denkmalbehörde waren bewilligt. Doch es fehlten für den ersten Bauabschnitt noch immer die 120 000 Euro vom Land. "Aus lauter Verzweiflung habe ich schon beim Strukturförderprogramm Anträge für die Kirche gestellt", erzählt Ehrlich. Das soll eigentlich die Infrastruktur der Region unterstützen, aber der Pfarrer meint eine Feldsteinkirche mit so berühmter Orgel sei nun einmal auch für die touristische Infrastruktur wichtig. Einen Versuch ist es wert. "Uns wird nichts weiter übrig bleiben", sagt der Pfarrer, "als jedes Jahr weiter brav und treu Anträge zu stellen."

Märkische Oderzeitung vom 30. Juli 2013

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