Rettungsversuch für Wagners Orgel

Von Olav Schröder

Pfarrer Gunter Ehrlich (l.), Dietrich Pavel von der Interessengemeinschaft Wagner-Orgel und Architektin Bettina Krassuski 
Purer Optimismus: Pfarrer Gunter Ehrlich (l.), Dietrich Pavel von der Interessengemeinschaft Wagner-Orgel und Architektin Bettina Krassuski hoffen auf eine baldige Sanierung der Dorfkirche in Felchow.

Felchow. Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass kleine Kirchgemeinden mit dem Erhalt ihrer historischen Bauwerke vollkommen überfordert sind. Den schwindenden Mitgliederzahlen stehen enorme Sanierungskosten gegenüber. Jetzt startet in der Uckermark ein neues Modellprojekt zur Bewahrung jahrhundertealter Kunst. Die Gemeinde Schöneberg stellte einen Förderantrag zur Rettung ihrer Dorfkirche in Felchow mit der wertvollen Wagner-Orgel.

Der Fall ist bisher einmalig. Normalerweise sind Kirchengemeinde oder ein Förderverein die eigentlichen Auftraggeber zur Rettung des ältesten Bauwerks im Dorf. In Felchow stellt sich jetzt die Kommune hinter den Erhalt ihres architektonischen Mittelpunkts. Das liegt hauptsächlich an einem der wichtigsten Kunstschätze, der sich unvermutet hinter den dicken Feldsteinmauern verbirgt. Denn in dem rund 700 Jahre alten Gotteshaus hinterließ der bekannte Orgelbauer und Silbermann-Schüler Joachim Wagner ein bedeutendes Instrument.

Doch offenbar war die Finanzlage von Gutsherrschaft und Kirche vor 250 Jahren deutlich besser als heute. Denn auch im Barock kostete der Einbau eines solchen Inventarstücks eine gehörige Portion Geld. Inzwischen lacht Pfarrer Gunter Ehrlich nur, wenn er daran denkt, die Restaurierungskosten für Bauwerk und Instrument aufbringen zu müssen. Die kleine Kirchgemeinde könnte die geschätzten 530 000 Euro höchstens durch einen Lottogewinn hinblättern. Der ist allerdings unrealistisch.

Realistischer stellt sich dagegen der Versuch dar, das gesamtgesellschaftliche Engagement für die Rettung des dringend instandsetzungsbedürftigen Bauwerks samt seiner Orgel zu aktivieren. Denn nicht nur der Förderverein, der sich für die Restaurierung der historischen Wagner-Orgel einsetzt, hat ein großes Interesse an einer kulturellen Nutzung der Kirche. Auch die Gemeinde sieht das Baudenkmal als Bestandteil eines zu erhaltenden Denkmalensembles mit dem daneben befindlichen Schloss, dem Gutspark und dem ebenso sanierungsbedürftigen Verwalterhaus. Eine Dorferneuerungsplanung bestätigt dieses Entwicklungsziel, in dem die Kirche nur einen Baustein darstellt.

Unterstützung erhält das Modellprojekt nicht nur vom Förderverein und der Kommune. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hat seine Finanzierungszusage von weiteren Fördermitteln abhängig gemacht. Evangelische Landeskirche und Kirchenkreis Uckermark werden ihren Anteil nicht verweigern. Sogar die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sitzt mit im Boot. Nicht zuletzt zeigt sich das überregionale Engagement an privaten Spenden, die Dietrich Pavel und seine Mitstreiter von Interessengemeinschaft Wagner-Orgel in den vergangenen Jahren zusammentrugen.

Märkische Oderzeitung vom 15. Januar 2007

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