"Wehrkirche" von Gollmitz (Landkreis Uckermark)

Dorfkirche von Gollmitz

Die Dorfkirche von Gollmitz steht in etwa diagonal zur vorbeiführenden Dorfstraße. Dabei fällt als erstes das in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Erbbegräbnis ins Auge, das an der Nordseite des Kirchenschiffes Reste der älteren Sakristei mit einbezieht. Die eigentliche Größe des Feldsteinsaals nimmt man erst beim Betreten wahr. Auf den ersten Blick folgt erst einmal Enttäuschung: Der mächtige, durch den eingezogenen Chor zweigeteilte Raum ist fast leer und völlig ohne Schmuckelemente. Altar, Kanzel und Taufe sind aus rohen Ziegeln gemauert, einfache Stühle laden nach anfänglichem Zögern zum Sitzen ein.

Die ursprünglich durchaus reiche barocke Innenausstattung der Gollmitzer Kirche wurde erst zu Beginn der siebziger Jahre herausgerissen und zum größten Teil vernichtet.

Seit 1995 bemüht sich ein "Freundeskreis Gollmitzer Wehrkirche e.V." unter seinem Vorsitzenden Jürgen von Chamier, das auch baulich schwer geschädigte Gotteshaus instand zu setzen und mit neuem Leben zu erfüllen. Als erstes wurde damals für 160.000 DM das Dach repariert, doch dann folgte eine lange Pause. Förderanträge wurden immer wieder abgelehnt. Im vergangenen Jahr fehlten nur wenige Tausend Mark, um den notwendigen Eigenanteil für eine bereits zugesagte ABM aufzubringen.

Mit einem Jahr Verspätung konnte die Maßnahme nun doch durchgeführt werden. Unter der fachlichen Anleitung der Denkmalpflege GmbH Prenzlau arbeiteten drei Langzeitarbeitslose in einer Vergabe-ABM an der Fassadengestaltung. Für das kommende Jahr 2002 hofft Jürgen von Chamier auf Finanzmittel, um die Sakristei baulich zu sichern. Damit wäre die Gesamtsubstanz erst einmal gesichert.

Schon jetzt hat es der Freundeskreis geschafft, wieder Leben in die ehemals "vergessene Kirche" zu bringen. Gottesdienste werden wieder gefeiert. Regelmäßig finden Konzerte statt, so in diesem Jahr auch im Rahmen des Uckermärkischen Musiksommers.

Im November 2000 wagte der Freundeskreis Gollmitzer Wehrkirche einen Blick über die eigene Kirchturmspitze hinaus und lud über zwanzig Kirchen-Fördervereine des Landkreises zu einer gemeinsamen Veranstaltung in ihr Kirchengebäude ein. Auf dem regional stark beachteten Treffen wurde eine Petition an den Kreistag verabschiedet, die ein höheres finanzielles Engagement auf dem Gebiet der Denkmalpflege anmahnte.

Parallel zur baulichen Sicherung der Gollmitzer Wehrkirche macht sich der Verein seit längerem auch Gedanken darüber, wie der misshandelte Innenraum wieder ein Gesicht bekommen kann. Am Donnerstag, dem 25. Oktober 2001 erhielt das alte Gotteshaus drei modern gestaltete farbige Chorfenster, entworfen und hergestellt von dem Annenwalder Künstler Werner Kothe und finanziert aus Spendenmitteln des Freundeskreises.

Entwürfe liegen bereits für eine Neugestaltung der Prinzipalstücke vor. Altar, Kanzel und Taufbecken sollen ebenfalls aus farbigem Glas gefertigt werden die Diskussion darüber ist in der Gemeinde noch im vollen Gange.

Im Mai 2001 besuchte der Förderkreis Alte Kirchen bei einer Exkursion auch Gollmitz. Wir waren beeindruckt von einem Verein, der einfach nicht aufgibt, sich nicht damit abfindet, daß seine Kirche schon so oft vergessen wurde und der Hilfe braucht. Sie können davon in unserem Bericht über den Besuch bei Fördervereinen für uckermärkische Kirchen lesen.


Zum Weiterlesen:
Nordkurier/ Templiner Zeitung vom 18. Juni 2002: Fenster wirken weit über das Gotteshaus hinaus
Mitteilungsblatt vom Juli 2002: Fenster vom Blick ins Weltall inspiriert
Mitteilungsblatt November 2003: Was Grüfte zu erzählen haben
Mitteilungsblatt August 2005: Wappentafeln kehren zurück nach Gollmitz
Mitteilungsblatt März 2011: Wo ist unser Geld geblieben? Wir fragten diesmal nach in Gollmitz (Uckermark)
Märkische Oderzeitung vom 08. September 2012: Neuer Altar in der Wehrkirche Gollmitz eingeweiht
Nordkurier vom 10. Oktober 2012: "Ich bin Teil dieses Gotteshauses"

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