Was uns bewegt — der Vorstand berichtet

Es gibt noch Wunder – aber ohne Verlass

Die Dorfkirche von Briest (westlich der Stadt Brandenburg) wurde von der Kirchengemeinde an die Kommune abgegeben, die nun einen Käufer dafür sucht. In Strehlow (Uckermark) kauft eine Agrargesellschaft die Ruine der Kirche, um sie in Eigenregie wieder aufzubauen. Bereits von der Gemeinde aufgegeben ist die Kirche von Wulkow (Ostprignitz-Ruppin). Der polygonale Fachwerkbau von 1695 wurde vom neuen Eigentümer, der Stadt Wusterhausen, saniert; ein Trägerverein bemüht sich um die künftige Nutzung.

Gemessen an der Zahl von rund 1.600 Kirchengebäuden im Land Brandenburg sind dies noch Einzelfälle, sie lassen aber doch einen Trend erkennen. Demographische Prognosen für das Land geben wenig Anlass für Optimismus: Die Abwanderung der Jugend ist noch lange nicht gestoppt, die Geburtenrate bleibt eine der geringsten im europäischen Vergleich, eine Senkung der Arbeitslosigkeit ist nicht in Sicht. Ein Vertreter des statistischen Landesamtes stand jetzt in der Kritik, als er prognostizierte, weite Teile Brandenburgs würden "veröden und verblöden".

Die in Deutschland allgegenwärtige Finanzkrise hat längst auch die Kirchen erreicht. Pfarrsprengel auf dem Lande mit fünfzehn und mehr Dörfern (und eben so vielen Predigtstätten) sind hierzulande längst keine Seltenheit mehr. In einzelnen Kirchenkreisen spricht man inzwischen offen von den weißen Flecken auf der christlichen Landkarte, die es in absehbarer Zeit in Kauf zu nehmen gelte. Der Abschied von der Volkskirche scheint längst vollzogen. Statt über Zukunftsvisionen wird über Krisenszenarien diskutiert.

Wie viele Kirchengebäude werden überhaupt noch benötigt?

Die Kirchenzeitung zitierte kürzlich den Leiter des Kirchlichen Bauamtes, Matthias Hoffmann-Tauschwitz, mit den Worten: "Wir schieben eine Bugwelle von nicht erledigter Bauunterhaltung vor uns her. Und diese Bugwelle wächst exponentiell." Weiter sagt Hoffmann-Tauschwitz: "Wir werden in Zukunft auch Gebäude haben, die baupolizeilich geschlossen werden und die einfach in sich zusammenfallen." Dieses Eingeständnis tut weh, doch dem lässt sich nicht widersprechen.

Nicht in jedem winzigen Dorf wird es möglich sein, einen Förderverein für die marode Kirche ins Leben zu rufen. Und bei aller Bewunderung für das, was diese Initiativen vielerorts geleistet haben: Eine Vereinsgründung bedeutet noch lange nicht, dass automatisch Geld für dringend notwendige Baumaßnahmen fließt.

Bisher konnten Abbrüche von Kirchengebäuden in Brandenburg verhindert werden. In der einst vom Abriss bedrohten Leopoldsburger Kirche in Milow (Havelland) residiert seit Jahren eine Filiale der Mittelbrandenburgischen Sparkasse; die Aufregung darüber hat sich inzwischen gelegt. Die Dorfkirche von Saaringen (Potsdam-Mittelmark), nach einem Abbruchantrag der Kirchengemeinde in das Eigentum eines Vereins übergegangen, ist schmuck restauriert und zum soziokulturellen Mittelpunkt des Ortes geworden; Gottesdienste finden wieder statt. Noch vor wenigen Jahren hätte wohl kaum jemand auf die Instandsetzung der Dorfkirche in Küstrinchen gewettet. Vor kurzem sind dort zwei Bronzeglocken und ein Orgelpositiv eingetroffen.

Es geschehen noch Wunder. Man kann sich jedoch nicht immer darauf verlassen.

Neben den finanziellen Mitteln kommt es vor allem auf die Menschen an, die sich vor Ort für ihr Kirchengebäude einsetzen. Eine Studie der Universität Halle über die Arbeit von Kirchbauvereinen ergab, dass die dort engagierten Menschen nicht nur kunstgeschichtliche oder historische Motive hätten, sondern sich mit ihrer Kirche identifizieren.

Am 23. September lädt der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburgschlesische Oberlausitz, Dr. Wolfgang Huber, die Kirchen-Fördervereine nach Templin ein, um sich im Rahmen eines Festgottesdienstes bei ihnen für die geleistete Arbeit zu bedanken. Wir würden uns freuen, dort auch Sie als Mitglieder oder Freunde des Förderkreises Alte Kirchen zu treffen. Die Veranstaltung soll uns Gelegenheit geben, kurz innezuhalten, Bilanz zu ziehen und uns auch am Erreichten zu freuen – und anschließend gemeinsam weiter daran zu arbeiten, die Kirche im Dorf zu lassen.

Bernd Janowski

 
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Startkapital-Gewinner sind ermittelt

Jury hatte unter 15 Bewerbern zu wählen

Die Jury hat entschieden, die Gewinner der Ausschreibung "Startkapital 2005" sind ermittelt.

Insgesamt waren 15 Bewerbungen eingegangen. Der schwierigen Aufgabe, die richtige Auswahl zu treffen, unterzogen sich diesmal die Jurymitglieder Marianne Fiedler, Vorstandsmitglied des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Branden-burg , Superintendent i. R. Klaus-Heinrich Kanstein; Christa Menz, Untere Denkmalschutzbehörde Potsdam Mittelmark, Mitglied der brandenburgischen Architektenkammer; und Architekt Johannes Penzel. Ihnen sei hier herzlicher Dank gesagt für ihre Arbeit.

Feierlich übergeben werden die Preise am 23. September in Templin anlässlich der Veranstaltung "Die Kirche dankt" mit Bischof Wolfgang Huber.


Dorfirche Carzig

Kugel und Kreuz als Signal

In Carzig steht noch heute eine der zahlreichen Kirchenruinen des Oderbruchs, wo eine der letzten und sinnlosesten Schlachten des 2. Weltkrieges stattfand. Von dem neugotischen Backsteinbau blieben der stark verkürzte Turm sowie Mauerreste des Kirchenschiffes erhalten. Nach dem Krieg schuf sich die Gemeinde einen kleinen Kirchsaal im Inneren der Ruine als Notkirche.

Mit Phantasie und Engagement möchte der Verein die Ruine sichern und langfristig die Kirche wieder aufbauen. Bestandsaufnahme und Bauplanung konnten in Auftrag gegeben und verschiedene bauvorbereitende Maßnahmen durchgeführt werden. Seit kurzem ziert das Turmdach eine neue Bekrönung aus Kugel und Kreuz – als erstes Zeichen für die großen Vorhaben.

  Initiative Dorfkirche Carzig e.V.
 
Landkreis Märkisch Oderland
 
Altes Pfarrhaus Groß Döbbern

Rettung eines wertvollen Einzeldenkmals

Das in Teilen aus dem 16. Jahrhundert stammende ehemalige Pfarrhaus in Groß Döbbern ist ein wertvolles Einzeldenkmal in der Region und vermutlich das älteste Pfarrhaus im Land Brandenburg. Durch viele Jahre der Nichtnutzung ist das Gebäude akut bedroht, Teile des Daches stürzten im vergangen Winter ein. Der Förderverein möchte das alte Pfarrhaus sichern und instand setzen. Für die langfristige Nutzung wurde ein Konzept entwickelt, das einen breiten Konsens im Dorf findet – geplant ist ein "Dorfgemeinschaftshaus" im weitesten Sinne. Um seine Ziele verwirklichen zu können, verhandelt der Verein zur Zeit mit der Kirchengemeinde um die Eigentumsübertragung des denkmalgeschützten Hauses.

  Förderverein Altes Pfarrhaus Groß Döbbern e. V.
 
Landkreis Spree-Neiße
 
Günterberg

Förderung von Kultur– und Sozialarbeit

Ein zwischen dem Verein, der Kirchengemeinde und der Kommune geschlossener Vertrag über die Nutzung des Turmuntergeschosses als weltliche Trauerhalle ermöglichte bereits die Finanzierung der Sicherung des stark gefährdeten Turmhelmes. Weitere Arbeiten zur Fertigstellung des Raumes sind im Gange.

Der Verein, der sich neben der Dorfkirche auch um die mittelalterliche Burgruine im Ort bemüht, begreift seine Arbeit in der Denkmalpflege auch als Kultur- und Sozialarbeit in einer strukturschwachen Region. Unter seiner Regie finden Konzerte, Theateraufführungen und Diskussionsrunden zu aktuellen gesellschaftlichen Themen statt. Durch eine "offene Kirche" sollen Identität vermittelt und Dorfgemeinschaft bewahrt werden.

  Verein Denkmalpflege Günterberg e. V.
 
Landkreis Uckermark
 
Kirche zu Kroppen

Fundament gesichert

Die Kroppener Dorfkirche ist einer der wenigen Kirchenneubauten des 18. Jahrhunderts im Süden des heutigen Landes Brandenburg. Das Bauwerk wurde auf einem Eichenrost errichtet, der durch Verrottung zu Setzungen führte. Durch umfangreiche Baumaßnahmen konnten vorerst das Fundament stabilisiert und die Kirche gesichert werden.

Unterstützt wurden die Baumaßnahmen vom örtlichen Kirchbauverein, der aus einer starken Kirchengemeinde heraus entstand. Vereinsmitglieder beteiligten sich an Arbeitseinsätzen und organisierten Benefizkonzerte. Spenden wurden akquiriert und ein Kirchenkalender herausgegeben.

  Kirchbauverein der Kirche zu Kroppen e. V.
 
Landkreis Oberspreewald-Lausitz
 
Kirche Stüdenitz

Erste Erfolge gemeinsamer Bemühungen

Mit 55 Metern Höhe steht in Stüdenitz der höchste Kirchturm einer Dorfkirche in der Prignitz. Gebaut wurde die Kirche 1856 im neugotischen Stil. Sie zeugt vom Wohlstand der damaligen Bewohner, aber auch von ihrem Stolz und ihrem Glauben.

Die Sanierung und Instandhaltung des riesigen Gebäudes ist für die kleine Gemeinde heute weit schwieriger zu bewerkstelligen und nur mit dem Engagement vieler zu schaffen.

Der Stüdenitzer Verein kann nach dem ersten Jahr seiner Tätigkeit bereits Erfolge aufweisen: So wurde durch eine Spendenaktion die Reparatur der defekten Glocke möglich. Ein Nutzungskonzept wurde erarbeitet; dabei ist die Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde, Kommune und Verein als sehr gut zu bewerten. Veranstaltungen finden im Ort große Resonanz.

  Förderverein Kirche Stüdenitz e. V.
 
Landkreis Ostprignitz-Ruppin
 
Kirche Wulkow

Ein Kleinod in der Dorfmitte bewahrt

Die Wulkower Kirche ist ein reizvoller polygonaler, oval wirkender Fachwerkbau mit sichtbarer Ziegelausfachung und einem zentralen Dachreiter mit offener Laterne. Als die Kirche wegen akuter Einsturzgefahr nicht mehr genutzt werden konnte, wurde sie von kirchlicher Seite aufgegeben und von der Kommune Wusterhausen / Dosse in Trägerschaft übernommen.

Die Kommune sorgte auch für die umfangreiche Sanierung in den vergangenen Jahren. Der Förderverein gründete sich, um eine dauerhafte zukünftige Nutzung des Kirchengebäudes gewährleisten zu können. Erste Konzerte wurden veranstaltet, deren Erlös der Restaurierung der Ausstattung sowie dem Einbau einer Heizung dienen soll.

Die Nutzung der Kirche in dem winzigen Ort wird bescheiden bleiben. Das wichtigste Ziel jedoch ist erreicht: Der historische Mittelpunkt des Dorfes bleibt gewahrt und es sind Menschen da, die sich um seine Pflege und Erhaltung bemühen.

  Kunst– und Kulturkirche Wulkow e. V.
 
Landkreis Ostprignitz-Ruppin
 
 
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Junge Kunst in einer alten Kirche

Schüler gestalten ein Fenster für "St. Marien" in Boitzenburg

 Boitzenburg Modell
PRÜFUNG BESTANDEN - Das Modell fand bei der Vorstellung durch Kristina Heimann und Pfarrer Martin Zobel große Anerkennung
Foto: Jürgen Kontze

"Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth ..." - Lukas 1,39 und folgende. Die Erzählung von Marias Besuch bei der schwangeren Elisabeth – was hat das mit der ehemaligen Patronatskirche im uckermärkischen Boitzenburg zu tun? Tatsächlich mehr als sich zunächst vermuten lässt. Genau diese Geschichte war die Grundlage für ein Schülerprojekt mit Lychener Gymnasiasten unter Leitung des Annenwalder Künstlers Werner Kothe und der Kunsterzieherin Kristina Heimann, das am 11. September 2005 - zum Tag des offenen Denkmals - seinen würdigen Abschluss finden wird.

Zeitweilig waren es bis zu 90 Schüler, die sich fächerübergreifend in Geschichte, LER, Musik und Kunst dem Thema näherten und erste Entwürfe für die Neugestaltung eines Fensters in der "Winterkirche", dem nördlichen Anbau von "St. Marien auf dem Berge", erarbeiteten. Das von den Schülern in Fusing-Technik in der Annenwalder Glashütte fertiggestellte, nahezu drei Meter hohe Doppelfenster hat diese Begegnung ins Bild gesetzt und so wird neben der Namenspatronin künftig auch Elisabeth auf dem Kirchberg in der Dorfmitte sichtbar sein.

Dieses Projekt, großzügig von der Vodafone Stiftung Deutschland und etlichen Sponsoren unterstützt, zeugt neben dem Engagement aller Beteiligten nicht zuletzt vom kreativen Ansatz von Kirchgemeinde und Förderverein, die sich seit Jahren um die Sanierung des Bauwerkes bemühen, dessen Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen. Aus einem schlichten, turmlosen Feldsteinbau hervorgegangen, wurde die bis zur Säkularisierung unter dem Patronat des Zisterzienser-Nonnenklosters Boitzenburg stehende Kirche in den folgenden Jahrhunderten bis auf die heutige, ungewöhnliche Größe erweitert. Neben diesen Erweiterungen hatte sie in vielen Teilen innen wie außen auch immer wieder Sanierung und Erneuerung erfahren. Doch in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts hatte die Bausubstanz so gelitten, dass die weitere Nutzung aus Sicherheitsgründen in Frage gestellt werden musste.

In dieser Situation war 1999 der Förderverein "St. Marien auf dem Berge" gegründet worden. Gestützt auf rührige Mitglieder wie den Wuppertaler Prof. Klaus Goebel, der die von ihm neu herausgegebenen Briefe Heinrich Wolfgang Seidels aus dem Boitzenburger Vikariat* ganz in den Dienst der Rettung der "Seidel"-Kirche stellte und mit immer neuen Aktionen das Spendenkonto erhöhen hilft, konnte in kurzer Zeit viel erreicht werden. Als im Oktober 2000 die Baumaßnahmen begannen und die Turmhaube abgenommen wurde, kamen auch etliche Sachspenden hinzu. So stiftete das Sägewerk Bohm den Kaiserstiel, Adolf-Heinrich Graf von Arnim Boitzenburg sorgte mit einer Holzspende dafür, dass das hölzerne Obergeschoss des Turmes erneuert werden konnte, und sammelte bei einer Geburtstagsfeier für die Wiederherstellung der Wappenfenster im Kirchenchor. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Dr. Oetker-Stiftung, der Landkreis und die Volksbank Uckermark, die Kirchen- und die politische Gemeinde und zahllose weitere Spender unterstützten das Vorhaben großzügig. So konnte die Turmsanierung schon 2002 abgeschlossen werden. Bauleistungen in Höhe von 1,3 Millionen DM waren erbracht worden. Ersten Arbeiten im Dachstuhl zur Eindämmung des Holzwurmfraßes folgte dann 2004 der erste Bauabschnitt zur Neueindeckung des Kirchendaches. In mehreren Bauabschnitten werden die grauen Betonziegel durch rote Biberschwänze ersetzt und nötige Ausbesserungsarbeiten im Dachstuhl vorgenommen. Neben immer wieder neu auftauchenden Schäden, die erst im Zuge der Bauausführung sichtbar werden und die Sanierungskosten weiter erhöhen, gibt es aber auch manche Entdeckung. So sind im vergangenen Jahr im Bereich des Nord- und Südanbaues die Sockel einstiger Ziertürmchen gefunden worden. Wieder aufgemauert und hell verputzt, lockern sie jetzt wirkungsvoll das Rot des steilen Daches auf.

Noch gibt es jedoch viel zu tun. Neben dem Dach sind noch die Außenhülle und schließlich das Kircheninnere sowie Teile der Ausstattung zu sanieren. Den inzwischen 63 Vereinsmitgliedern um Vereinsvorsitzende Silvia Grimmecke ist dabei nur allzu bewusst, dass in Zeiten knapper werdender Mittel noch mehr Kreativität gefragt ist, um die dafür nötigen Mittel einzuwerben. Da ist jeder Beitrag wertvoll. Die stetig steigenden Besucherzahlen im Rahmen der offenen Kirche, bei Benefizveranstaltungen, bei Konzerten, Vorträgen, Lesungen oder Ausstellungen - nicht zuletzt auch bei den Gottesdiensten, bestärken indes den Förderverein, hier auf dem richtigen Weg zu sein.

Bernhardt Rengert

* H.W.Seidel: Drei Stunden hinter Berlin - Briefe aus dem Vikariat, Insel-TB, 2158, Berlin 1998.

 
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WO DER FÖRDERKREIS HELFEN KONNTE:

Prenzlau: Turmsicherung gegen ungebetene Gäste

Für Sicherungsmaßnahmen an der Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters in Prenzlau (Landkreis Uckermark) hat der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg 500 Euro zur Verfügung gestellt. Das Gebäude gehört heute der zahlenmäßig verschwindend kleinen französisch-reformierten Gemeinde. Mit dem Geld sollen Öffnungen im Turmaufsatz verschlossen werden, durch die bisher unzählige Tauben in den Dachstuhl eingedrungen sind.

Der Sakralbau aus der Mitte des 13. Jahrhunderts ist vermutlich die älteste Kirche des Franziskanerordens nördlich der Alpen und wurde auf ähnlichem Grundriss wie die Kirche des heiligen Franziskus in Assisi gebaut. Im 19. Jahrhundert ist der Innenraum umgestaltet worden, was jedoch den großartigen Raumeindruck keinesfalls schmälert. In Prenzlau steht die Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters leider in der öffentlichen Wahrnehmung im Schatten von St. Marien und St. Nikolai.

Vor einigen Jahren hatte der Förderkreis Alte Kirchen geholfen, einen Förderverein für die Franziskanerkirche ins Leben zu rufen, dem leider inzwischen etwas der Elan abhanden gekommen ist.

Petznick: Nothilfe zur Beseitigung von Sturmschäden

Anlässlich der Eröffnung des diesjährigen "Dorfkirchensommers" im uckermärkischen Klosterwalde übergab Antje Leschonski einen Scheck über 500 Euro für die Sanierung der Dorfkirche im benachbarten Petznick. Der Förderkreis Alte Kirchen konnte im Rahmen der Veranstaltung ebenfalls 500 Euro für diesen Zweck überreichen.

Im vergangenen Sommer hatte ein bei Sturm umgestürzter Baum das Dach der Petznicker Kirche stark beschädigt; die Versicherung war für den Schaden nicht aufgekommen. Der Hauptraum der kleinen Kapelle ist seitdem nicht mehr benutzbar. Putz bröckelt von den Wänden, an denen der Regen seine tiefen Spuren hinterlassen hat.

Insgesamt konnten im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung Spenden von mehr als 3.000 Euro für die Petznicker Kirche eingeworben werden.

Königsberg: Spenden für akut gefährdete Feldsteinkirche

Seit Ostern 2004 ist die Feldsteinkirche von Königsberg (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) wegen akuter statischer Probleme bauaufsichtlich gesperrt. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Förderkreis Alte Kirchen 1.500 Euro für die Notsicherung zur Verfügung gestellt.

In unserer Broschüre "Offene Kirchen 2005" riefen wir noch einmal zur Unterstützung der Sicherungsarbeiten auf - mit Erfolg: Noch einmal 4.000 Euro kamen für die Königsberger Kirche zusammen.

Für die Übergabe der Spende bot sich ein besonderer Rahmen:

In einer Benefizveranstaltung in Königsberg lasen der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Dr. Wolfgang Huber, und seine Gattin Kara aus dem Briefwechsel von Dietrich Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer. Bei dieser Gelegenheit überreichte Kara Huber, die seit Jahren Mitglied des Förderkreises Alte Kirchen ist, den Spendenscheck des FAK.

 
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Jahrelanges Engagement braucht dringend Unterstützung

 
IN AKUTER NOT
 
Diesmal bitten wir um
 
Ihre Spende für die Kirche von
Wassersuppe
 
Es geht um eine sichere Gründung des Bauwerks, das in seiner Substanz stark gefährdet ist.
Dorfkirche Wassersuppe 
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Das Dorf Wassersuppe, am Nordufer des Hohennauener Sees gelegen, gehörte ehemals zum Ländchen Rhinow und wurde 1441 als Besitz der Familie von der Hagen erstmals urkundlich erwähnt. Lange Zeit existierten hier zwei Rittergüter, die sich die spärlichen Einnahmen aus dem kleinen Ort teilen mussten und auf denen verschiedene Zweige der aus Anhalt stammenden Familie von Wuthenow saßen.

Nach dem Hubertusburger Frieden 1763 kam schließlich der aus einer bürgerlichen Hugenottenfamilie stammende Obrist Karl Theophil Guichard in den Besitz des wieder vereinigten Gutes. Unter dem wohlklingenden Namen Quintus Icilius war der königliche Günstling zuvor von Friedrich dem Großen in den Adelsstand erhoben worden. An diesen Vorgang knüpft sich eine Anekdote, die mit dem doch recht ungewöhnlichen Ortsnamen spielt. So heißt es in einer alten Quelle: "Im Siebenjährigen Kriege plünderte der Oberst 1761 das sächsische Schloß Hubertusburg in sehr roher Weise. Nachdem er auf des Königs Befehl von dem erlös 100.000 Taler an die Lazarettkasse abgeführt hatte, blieb ihm noch soviel, daß er sich dafür eine "Wassersuppe" kaufen konnte."

Nach weiteren Besitzwechseln, der Enteignung von 1945 und einer Nutzung durch die örtliche LPG wurde 1999/2000 der barocke Teil des Herrenhauses abgebrochen. In letzter Minute konnte eine Relieftafel mit dem Allianzwappen von der Hagen / von Wartensleben aus dem Jahre 1775 geborgen werden, die heute in der Dorfkirche aufbewahrt wird.

Die Dorfkirche von Wassersuppe selbst ist ein schlichter Fachwerksaal von 1756, der auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus errichtet wurde. Turm und Westgiebel blieben erhalten, vor die Fachwerkwände des Kirchenschiffes wurde zu Ende des 19. Jahrhunderts Ziegelmauerwerk vorgeblendet.

Glanzstück des Innenraumes ist ein barocker Kanzelaltar, der 1703 von Johann Christof Richter aus dem Dorf Cammer bei Lehnin geschaffen wurde. Pausbäckige Barockengel blasen zwischen Akanthuswangen Posaune, während in die Kanzelfeldern Schnitzfiguren der vier Evangelisten eingefügt wurden, die aus einem vorreformatorischen Altar des frühen 15. Jahrhundert stammen dürften. Ein hölzernes Epitaph mit Akanthusrahmen erinnert an den 1705 im Alter von drei Jahren verstorbenen Christoph von Wuthenow.

Seit einigen Jahren veranstaltet ein Freundeskreis der Dorfkirche Wassersuppe, ins Leben gerufen von Karin Baronin von Heyking und der Ortsbürgermeisterin Antje Bölke, regelmäßig Sommerkonzerte, deren Erlös für die Erhaltung der Kirche bestimmt ist. Die Einnahmen aus den Konzerten dürften jedoch zur dringend notwendigen Instandsetzung des Kirchengebäudes nicht ausreichen.

Schäden im Fundament bedrohen die Kirche in Wassersuppe

Bei Grabungen an der Außengiebelwand der Kirche wurden Schäden am Fundament festgestellt, die auf eine akute Einsturzgefahr hinweisen. Die vorgesetzten Backsteinwände wurden damals nur auf ein geschüttetes Fundament aus Ziegelschutt gesetzt, das durch die Einwirkungen von Frost und Regen kaum noch vorhanden ist.

Das Bauaufsichtsamt und die Untere Denkmalschutzbehörde wurden verständigt. Eine genaue Schadensanalyse ist dringend notwendig, um langfristig eine sichere Gründung für die bedrohte Kirche von Wassersuppe herstellen zu können.

Weitere Informationen über: Karin Baronin von Heyking, Tel.: (03 38 72) 7 06 25

 

Der Förderkreis Alte Kirchen bittet um Spenden für die weitere Instandsetzung der Dorfkirche von Wassersuppe.

Spenden-Konto: 51 99 76 70 05 bei der Berliner Volksbank; BLZ 100 900 00

Kennwort: Wassersuppe

Sie erhalten selbstverständlich eine Spendenquittung; bitte geben Sie dafür auf dem Überweisungsträger Ihre Anschrift an.

 
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Wappentafeln kehren zurück nach Gollmitz

Wappentafel 
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Wappentafel
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Als 1995 das erste Benefizkonzert für die Gollmitzer Kirche (Uckermark) stattfand, mussten die Musiker immer näher an das Publikum heranrücken, da der Regen durch das Dach tropfte. Dieses Konzert war die Geburtsstunde des Freundeskreises Gollmitzer Wehrkirche.

Das Dach ist inzwischen repariert und die Instandsetzung der Kirche weitgehend abgeschlossen, was vor allem dem Verein und seinem Vorsitzenden Jürgen von Chamier zu verdanken ist. Nun will man auch den Innenraum neu gestalten. Die barocke Ausstattung war noch zu Beginn der 70er Jahre ausgeräumt und weitgehend vernichtet worden. Der Glaskünstler Werner Kothe gestaltete neue Chorfenster; auch Altar und Taufe sollen aus Glas gefertigt werden.

Zum 10-jährigen Jubiläum des Freundeskreises konnte der FAK, der die Sanierungsarbeiten seit langem begleitet, ein besonderes Geschenk mitbringen: Er vermittelte die Rückgabe zweier Wappentafeln der Familie von Oertzen aus der ehemaligen Empore, die als verschollen galten. Ein ungenannt bleiben wollender Herr hatte sie vor der Vernichtung bewahrt und dreißig Jahre privat aufbewahrt. Die Rückkehr der historischen Ausstattungsstücke ist auch eine Würdigung der Arbeit des Freundeskreises Gollmitzer Wehrkirche und sollte als Anlass genutzt werden, ein Gesamtkonzept für die Gestaltung des Innenraumes zu erarbeiten. Der FAK bietet gern seine Mithilfe an.

 
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Weil aus einem Euro sieben werden

Uckermark: Erfreuliche Kehrtwende in der Förderpolitik

Im Landkreis Uckermark ist die Botschaft der Kirchenfördervereine angekommen. Nach jahrelanger Diskussion und entgegen dem Landestrend setzte eine Kehrtwende in der Förderpolitik für Denkmale ein. Damit hat Landrat Klemens Schmitz Wort gehalten und die versprochene Aufstockung der Investitionsmittel unterstützt.

In diesem Haushaltsjahr stehen 400 000 € als Zuschüsse zur Verfügung. Geholfen hat vor allem das Argument der hohen Wirtschaftlichkeit. Jeder Euro aus kreislichen Fördermitteln – so rechnete die Untere Denkmalbehörde vor – wird durch weitere Spenden, Sponsoren und Kofinanzierungen mehr als versiebenfacht. Damit starten in diesem Jahr Gesamtinvestitionen von rund drei Millionen Euro.

Ihr Wort gehalten hat die Kreisverwaltung Uckermark in zweifacher Hinsicht: Nicht nur die Gesamtsumme stieg zur Freude der Denkmaleigentümer, sondern auch die Verteilung der Mittel setzte neue Maßstäbe. Davon profitieren in erster Linie die zahlreichen Kirchenbauten im Landkreis. Viele der meist jahrhundertealten Gebäude, die in jedem noch so winzigen Flecken der Uckermark das Ortsbild prägen, harren seit Jahrzehnten ihrer Rettung. Von den 44 vorliegenden Anträgen auf Zuschüsse konnten in diesem Jahr 23 berücksichtigt werden. Das macht eine Gesamtsumme von 258 000 € aus. Damit erhielten die Kirchen und Kirchenfördervereine rund 65 Prozent aller Denkmalmittel. Die flächendeckend verteilten Zuschüsse erreichen im Einzelfall Summen bis maximal 20 000 € zur Sanierung von Dächern, Fassaden, Türmen und für Sicherungsarbeiten, um weiteren Verfall aufzuhalten.

Ausschlaggebend für diese Trendwende waren die Überlegungen, so viele Gelder wie möglich in die Region zu holen. Der hohe Anteil an Finanzen durch die Landeskirche und aus dem Kirchenstaatsvertrag beeinflusste die Vergabeentscheidung. Hinzu kamen in Aussicht gestellte Stiftungsmittel. In der durch hohe Arbeitslosigkeit gezeichneten Uckermark spielte das Argument der Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. 85 Prozent der Investitionen bleiben im Landkreis und sind eine wesentliche Unterstützung der Bau- und Handwerksbetriebe.

Nach Berechnungen des Landes und des Landkreises können mit der 2005 ausgereichten Summe 346 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert werden, die meisten im unmittelbaren Umfeld. Studien besagen, dass 5000 € Fördermittel je einen Job der Bauwirtschaft retten.

Diese Botschaft diskutierten Mitglieder der mehr als dreißig uckermärkischen Kirchenfördervereine auf mehreren Jahrestreffen. Die Vergabe der Fördermittel sei auch eine "Würdigung des hohen gesellschaftlichen Engagements" und des Ehrenamts, erklärte Landrat Schmitz.

Nach Angaben der Unteren Denkmalbehörde erfolgte der Zuschlag ausschließlich nach der Bedürftigkeit. Spätere Nutzung trat dabei in den Hintergrund. "Denkmalschutz heißt Denkmale zu schützen, ungeachtet der Wirtschaftlichkeit", sagte die zuständige Amtsleiterin Carla Teschke. Auch in dieser Hinsicht folgte die Kreisverwaltung der Argumentation vieler Kirchenfördervereine, die seit Jahren der Diskussion ausgesetzt sind, welchen Sinn ein Erhalt der zum Teil stark einsturzgefährdeten Bauwerke für die mitgliederschwachen Kirchgemeinden hat. Für die Denkmalschützer zählt in erster Linie der ortsbildprägende Charakter der Gebäude, die meist zu den ältesten gehören. Allein die Zahl der Feldsteinkirchen in der Uckermark wird auf etwa 200 beziffert.

Zuschüsse aus der Denkmalförderung 2005 erhalten: St.-Marien-Kirche Angermünde (11.000 €), Dorfkirche Blindow (3.000 €), St. Marien auf dem Berge in Boitzenburg (10.000 €), Dorfkirche Carmzow (8.000 €), Criewen (10.000 €), Kirche in Ellingen (4.000 €), Dorfkirche Fergitz (20.000 €), Göritz (20.000 €), Günterberg (10.000 €), Hohengüstow (5.000 €), Holzendorf (8.000 €), Kaak-stedt (8.000 €), Küstrinchen (10.000 €), Melzow (10.000 €), Milmersdorf (10.000 €), Mürow (10.000 €), St.-Nikolai-Kirche Prenzlau (2.000 €), Dorfkirche Röpersdorf (17.000 €), Rosow (20.000 €), Schmargendorf (20.000 €), Strehlow (17.000 €), Wartin (10.000 €) und Woddow (15.000 €).

Oliver Schwers

 
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Mit Mut und "Spitzfindigkeiten"

Eindrücke von der Frühjahrsexkursion in die Prignitz

Kirche Gadow

Das war von weitem zu erkennen: In Gadow tut sich was. Die Teilnehmer der FAK-Frühjahrsexkursion in die Prignitz trafen auf ihrer ersten Station in der großen Backsteinkirche auf emsiges Treiben. Eine Bühne wurde aufgebaut, Scheinwerfer installiert. Abends sollte hier Theater gespielt werden. Seit es in Gadow einen Förderverein gibt, ist wieder Leben in die jahrelang wegen Bauschäden ungenutzte Kirche gekommen. In Etappen geht man daran, den riesigen Bau wieder instand zu setzen, bemüht sich ideenreich um die Finanzierung auch durch kulturelle Nutzung. Dass dennoch die Würde des Gotteshauses gewahrt bleibt, zeigte der blumen– und kerzengeschmückte Altar in der inzwischen wieder weitgehend hergerichteten Apsis.

Wo Kirchengebäude als Räume sozialen Miteinanders wieder in den Mittelpunkt des Ortsgeschehens rücken, da werden Kräfte frei, die - wie in Gadow - Erstaunliches vollbringen.

  Goldbecker Kirche

Das Kirchlein von Goldbeck steht nicht im Mittelpunkt des Dorfes, und auch nicht im Zentrum des Bewusstseins vieler Einwohner. Abseits auf einem Hügelchen gelegen, wurde der schlichte barocke Fachwerkbau 1995 zwar teilsaniert, aber neues Leben zog nicht in seine Mauern. Es sei denn das Treiben jener, die mit purem Vandalismus die Bemühungen eines allein gelassenen Förderkreises immer wieder zunichte machen. Da fällt es dann auch schwer, eine sinnvolle Nutzungskonzeption zu entwickeln.

In Wernikow bildet die Kirche mit dem Pfarrhaus und der Schule noch ein einheitliches Ensemble. Der mittelalterliche Feldsteinbau mit seiner Apsis aus dem 13. Jahrhundert birgt eine wertvolle Ausstattung: die Kanzel vom Beginn des 17. Jahrhunderts, ein barocker Altaraufsatz, eine noch spielbare Lütgemüller-Orgel und in den Fenstern vier Wappenscheiben von 1693. Dringende Bauprobleme sieht Pfarrer Behnken zur Zeit nicht, auch wenn der teilweise abgetragene Turm noch immer ein Notdach trägt.

Blieb bei den Besuchern ein Eindruck von leichter Mutlosigkeit im Pfarramt Wernikow angesichts schwindender Einwohnerzahlen zurück? In diesem Falle sei hier noch einmal auf den Mut und den Elan der Gadower verwiesen.

Über eine interessante Ausstattung verfügt auch die barocke Kirche von Biesen, ursprünglich ein Fachwerkbau, mehrfach umgestaltet. Ungewöhnlich ist die hölzerne bemalte Decke. Sie ist allerdings gefährdet durch das undichte Dach. Für die Reparatur erhofft man sich im nächsten Jahr Geldmittel aus der Landeskirche, was aber nicht hindern sollte, Eigeninitiativen zu entwickeln.

  Glienicker "Spitzfindigkeiten"

"Spitzfindig" ist man in Glienicke. Dort hat die Sanierung der achteckigen Schinkel-Kirche begonnen, und die Glienicker wollen dabei auch gleich den Spitzhelm des Glockenturms rekonstruieren lassen. Mit dem Verlust des Turmes im vorigen Jahrhundert waren die Proportionen des Baus bis zur Unkenntlichkeit zerstört worden. 20.000 Euro an Eigenmitteln hat der Förderverein Dorfkirche Glienicke für das Bauvorhaben aufgebracht, Kommune und Land beteiligen sich ebenfalls an den Kosten. Bis zum Jahresende haben zudem acht jugendliche ABM-Kräfte die Möglichkeit, sich zu qualifizieren..

Gutskapelle Horst - außen   Gutskapelle Horst - innen  

Etwas ratlos sahen sich die Exkursionsteilnehmer schließlich in der Gutskapelle von Horst um, deren Wiederherstellung auch bei großer Phantasie kaum vorstellbar ist. Wer dann jedoch die ausgelagerte wunderschöne hölzerne Innenausstattung besichtigte, plädiert bestimmt für eine Restaurierung. Dann könnte auch der steinerne Taufengel zurückkehren. Er steht jetzt in der Dorfkirche von Dahlhausen, die die letzte Station der Exkursion war.

Eva Gonda, Fotos: Ingrid Nörenberg

 
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Brandenburg in Bremen und Osnabrück

FAK-Ausstellung auf großen Reisen

  FAK-Ausstellung auf großen Reisen

Die Ratskirche "Unser Lieben Frauen" am Marktplatz zu Bremen ist die älteste Bürgerkirche der Stadt. Sie stammt aus dem 12. und 13. Jahrhundert, also aus der Zeit, in der auch viele brandenburgische Feldsteinkirchen entstanden. Nach Beseitigung der Kriegsschäden wurde die Kirche 1964 bis 1979 von Francois Lorin aus Chartres mit Glasfenstern nach Entwürfen des französischen Malers Alfred Manessier ausgestattet, die jetzt ein Hauptanziehungspunkt der Kirche sind.

Der Förderkreis Alte Kirchen hatte im Winter 2004 in Bremen zu einem Vortrag über brandenburgische Dorfkirchen eingeladen, der von der Liebfrauengemeinde sehr freundlich aufgenommen wurde. So war eine Ausstellung eigentlich die logische Folge, und das Bauherrenkollegium der Kirche stimmte dem Vorschlag auch bereitwillig zu (nach bremischer Tradition werden die Geschicke des Kirchengebäudes nicht von Pfarrer und einem Kirchenvorstand, sondern nur von Laien, den Bauherren, geleitet).

Die Ausstellung des FAK "Gefährdete Schönheit – Dorfkirchen in Brandenburg" hatte damit einen würdigen Rahmen gefunden. Am 30. Juni fand die Eröffnung mit einem Vortrag über Brandenburgs Kirchenlandschaft statt, und mit einem Vortrag über den Kampf lokaler Fördervereine für ihre Kirche wurde die Ausstellung am 28. Juli geschlossen.

Zwei Tage später wurde die Ausstellung in der St.-Marien-Kirche zu Osnabrück eröffnet. Wie die Liebfrauenkirche in Bremen ist auch die gotische Marienkirche die Bürgerkirche der Stadt, die das weltliche Zentrum (neben dem geistlichen Zentrum: Dom und Bischofspalais) nahe dem gotischen Rathaus markiert.

Die Ausstellung ist nun im Chorumgang sehr gut präsentiert. Im Anschluss an die Gottesdienste fanden bereits drei Vorträge mit Führungen statt, die so gut aufgenommen wurden, dass noch um eine Zusatzveranstaltung zum Abschluss am 3. September gebeten wurde. Die Organistin stimmte die Gottesdienstbesucher immer mit Auszügen aus den "Brandenburgischen Konzerten" auf die Führungen ein – überhaupt gaben sich alle Beteiligten aus Osnabrück und Bremen sichtlich Mühe, der Ausstellung zum Erfolg zu verhelfen.

Der FAK dankt der Liebfrauengemeinde und dem Bauherrenkollegium in Bremen sowie der Mariengemeinde in Osnabrück und ihrem Kirchenvorstand für die Unterstützung und wünscht sich nun viele Gäste aus beiden Städten, die die Schönheiten unserer Dorfkirchen vor Ort erkunden.

Hans Krag

 
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Mit Sicherheit spenden

Angebot mit Mehrfachnutzen

Ab und zu wird in Reklameveröffentlichungen darauf hingewiesen, dass das werbende Unternehmen beim Verkauf seiner Produkte einen bestimmten Betrag für einen gemeinnützigen Zweck spendet.

Auch der Förderkreis Alte Kirchen hat eine Möglichkeit auf diesem Gebiet aufgetan: Wir (und die Besucher unserer Veranstaltungen, falls sie Mitglieder sind) sind bei der "Nürnberger Versicherungen" versichert, einer großen Gruppe, die alle Versicherungsarten anbietet.

Falls Sie im Raum Berlin/Barnim beheimatet sind und eine Versicherung suchen, sprechen Sie doch einmal mit unserem Agenten, Burg-Team Berlin, Dieter Erdmann, Tel./Fax: (0 30) 9 32 47 68, Mobiltel.: 0171-4038777 und berufen Sie sich auf den FAK. Herr Erdmann wird seine Abschlussprovision dem FAK spenden.

 
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Tipps für die Steuererklärung

Ein Hinweis für unsere Mitglieder in Sachen Steuererklärung:

Da der Förderkreis Alte Kirchen vom Finanzamt für Körperschaften wegen der Förderung besonders förderungswürdiger, das heißt "kultureller Zwecke" anerkannt ist, können sowohl Spenden als auch Mitgliedsbeiträge an den Förderkreis steuerlich voll abgesetzt werden. Im Unterschied zu Spenden für andere steuerbegünstigte Zwecke (vor allem solche für "kirchliche, religiöse und mildtätige Zwecke") können Zuwendungen für kulturelle Zwecke wie an den Förderkreis Alte Kirchen sogar bis zu einer Höhe von 10 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte geltend gemacht werden.

Tragen Sie also in Ihrer Steuererklärung Spenden und Mitgliedsbeiträge an den FAK (in einem Betrag!) nicht in die Zeile 89, sondern in die Zeile 88 ein. Natürlich müssen Sie Ihrem Finanzamt dann auch die von uns im Januar ausgestellte Spendenbescheinigung mit einreichen. Sollte Ihr Finanzamt dennoch Schwierigkeiten machen, wären wir für einen Hinweis dankbar.

Arnulf Kraft

PS: Wir erstellen und versenden die Bescheinigungen für im Jahr 2005 geleistete Spenden und Beiträge (allerdings erst ab 40 Euro) im Januar 2006. Wer auch für Spenden (und Beiträge) bis 40 Euro eine Bescheinigung benötigt, der melde sich kurz bei uns, Telefon: (0 30) 375 22 44.

 
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Totenkronen — vergessene Denkmäler der Liebe

Eine sehenswerte Ausstellung reist durch die Mark

TOTENKONEN in der Dorfkirche Groß-Kienitz 
TOTENKONEN in der Dorfkirche Groß-Kienitz, Landkreis Teltow-Flämig. Die Aufnahme entstand um 1941Großbildansicht

Totenkronen bestimmten noch im 19. Jahrhundert die Atmosphäre vieler märkischer Gotteshäuser. Zahlreich wurden sie an Wänden, Emporen und Pfeilern präsentiert. Fontane hat sie in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" mit poetischen Worten beschrieben und als den "besten Schmuck" der Kirchen bezeichnet. Mit ihrer massenhaften Entfernung ging das Wissen um ihre Bedeutung verloren.

Heute ist kaum noch bekannt, dass es über Jahrhunderte im gesamten deutschsprachigen Raum üblich war, ledig Verstorbenen als Lohn für die bewahrte Jungfräulichkeit und als Ersatz für die entbehrte Brautkrone Totenkronen zu widmen und so am Grabe die Hochzeit nachzuvollziehen. In der Mark Brandenburg ist der Brauch vom 17. bis ins 20. Jahrhundert nachweisbar. Hier war es Sitte, die gern mit zahlreichen farbenfrohen Seidenbändern geschmückten Totenkronen in den Kirchen zum Gedächtnis auszustellen. Oft fertigte man dafür Kronenepitaphien, verglaste Kästen oder Rahmen, an.

Die auch vom FAK unterstützte Ausstellung "Vergessene Denkmäler der Liebe - Zeugnisse des Totenkronenbrauchs in der Mark Brandenburg" stellt erstmals die Ergebnisse der langjährigen privaten Forschungen der Ausstellungsmacherin Dr. Sylvia Müller zu diesem längst vergessenen Brauch und seinen nahezu unbekannten Denkmälern vor. Sie findet im Herbst 2005 in Potsdam in Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalschutzbehörde statt. Anschließend wird die Ausstellung durch die Mark Brandenburg reisen, um eine möglichst breite Öffentlichkeit auf die meist in ihrem Erhalt bedrohten letzten Denkmäler des Brauchs als bewahrenswerte Zeugnisse der volkstümlichen Sepulkralkultur aufmerksam zu machen.

Museumshaus "Im Güldenen Arm", Hermann-Elflein-Straße 3, 14467 Potsdam.
Termin: 14. Oktober bis 4. Dezember täglich 10-18 Uhr. Eintritt frei.
Sonderführungen mit Dr. Sylvia Müller am 20. November

 
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In der aktuellen Ausgabe des Mitteilungsblattes der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KIBA) erschien eine Kolumne der brandenburgischen Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Frau Prof. Dr. Johanna Wanka, in der sie sich auch über die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg äußert.

Mit der Stiftung KIBA verbindet den Förderkreis Alte Kirchen seit langem eine gute Zusammenarbeit. Gemeinsam haben wir uns u.a. für die Instandsetzung der Dorfkirchen von Groß Fredenwalde, Küstrinchen (beide Landkreis Uckermark) und Zernikow (Landkreis Oberhavel) engagiert.

Die interessanten Ausführungen der Ministerin, die auch im Zusammenhang mit dem diesjährigen Kulturland-Thema "1000 Jahre Christentum in Brandenburg" stehen, möchten wir hier wiedergeben:

Kirchen: Die Anker unserer Kulturlandschaften

Prof. Dr. Johanna Wanka

Sakralbauten stellen einen unersetzlichen Reichtum unserer Kulturlandschaften dar, bilden Identifikationsorte, Anker unseres kulturellen baulichen Erbes. Wir müssen sie erhalten.

Seit der Wende wurden vom Land Brandenburg große Anstrengungen unternommen, diese Art von Denkmalen finanziell zu unterstützen und die schlimmsten Schäden zu beheben. Mehr als 80 Prozent der Denkmalfördermittel wurden für kirchliche Baudenkmale ausgegeben, als Kofinanzierung von Bundes- oder neuerdings auch von EU-Mitteln. 2004 konnten 41 gefährdete Dorfkirchen in ihrer baulichen Hülle wiederhergestellt und gesichert werden. Verschiedene Landesministerien, einige Landkreise und die Kirchengemeinden sowie private Spender konnten in einer gemeinsamen Förderstruktur über 5,4 Mio. Euro für Sakralbauten im ländlichen Raum einsetzen. Das war ein großer Erfolg, nachdem im Vorjahr das Bundesprogramm "Dach und Fach" ersatzlos gestrichen worden war.

Für einen derartigen Erfolg bedarf es vieler Mitstreiter. Zu ihnen gehört seit Anbeginn meiner Amtszeit auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., der mit großem Engagement und geringen Mitteln Unglaubliches leistet.

Doch ist Erhaltung nur schwer möglich ohne adäquate Nutzung. Bibliothek und Museum in der Mönchenkirche in Jüterbog, das neue Brandenburgische archäologische Landesmuseum in der Ruine des Pauliklosters in Brandenburg an der Havel – all dies sind Glücksfälle für eine alternative und angemessene Nutzung. Bei ehemals kirchlichen Gebäuden, wie Bethäusern oder Diakonaten, sind alternative Nutzungen häufig schwer zu finden.

Im Kulturland Brandenburg stehen in diesem Jahr Kirchen in besonderer Weise im Mittelpunkt. Unser Themenjahr "Der Himmel auf Erden – 1000 Jahre Christentum in Brandenburg" bietet Anlass, sich an vielen Orten im Land von einem reichen Erbe christlich geprägter Kultur zu überzeugen und die Identifikation mit diesem Erbe zu befördern.

Und dies ist auch eine gute Gelegenheit, neue Förderer und Helfer zu gewinnen, denn ein Bündnis engagierter regionaler und überregionaler Partner ist wesentliche Grundlage einer langfristig erfolgreichen Strategie. Die Stiftung KIBA ist solch ein unverzichtbarer Partner, der seine Aktivitäten für die Erhaltung und Pflege kirchlich genutzter Sakralbauten konzentriert. Mit den verabredeten Schritten zur Bündelung und Vernetzung der Förderaktivitäten zwischen der Stiftung KIBA, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Land Brandenburg steigt die Chance auf ein gedeihliches Zusammenwirken im Interesse der Sakralbauten und unserer Kulturlandschaften.

Ich wünsche der Stiftung KIBA, dass ihr Werben für den Stiftungszweck bei möglichst vielen Förderern Gehör findet, und ich freue mich auf eine engagierte und zukunftsweisende Zusammenarbeit.

 
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Auf den Spuren der Réfugiés

Erster Hugenottentag in der Mark

 "Berlischky-Pavillon"
FÜR DIE HUGENOTTEN ließ Friedrich Heinrich Prinz von Preußen 1776 bis 1779 in Schwedt von Baumeister Georg Wilhelm Berlischky ein eigenes Gotteshaus errichten. Der heutige "Berlischky-Pavillon" dient jetzt vorwiegend als Konzertstätte.
Foto: B. Janowski

Im Mai fand in Schwedt der 44. Deutsche Hugenottentag statt. Die Deutsche Hugenotten-Gesellschaft (DHG), als "Deut-scher Hugenotten-Verein" 1885 gegründet, veranstaltete ihn zusammen mit den Uckermärkischen Bühnen Schwedt, dem Förderverein Europäischer Hugenottenpark, der heute etwa 200 Seelen zählenden Französisch-reformierten Gemeinde Schwedt und der Stadt Schwedt.

Dieser Hugenottentag war der erste seiner Art, der im Land Brandenburg tagte. Und das obwohl die Region Brandenburg nach dem Edikt von Potsdam 1685 zu jenen Gebieten Deutschlands gehört, in denen sich die in Frankreich verfolgten Protestanten bevorzugt angesiedelt hatten.

Initiiert hatte solche Begegnungen ursprünglich Henri Tollin (1833-1902), Pfarrer der Französisch-reformierten Gemeinde zu Magdeburg. 1971 hatte in Berlin-West ein Hugenottentag stattgefunden.

Es musste zuvor die Mauer fallen, um erstmals im Jahre 1998 einen "gesamt-deutschen" Hugenottentag in Dresden durchführen zu können. Als der 41. Deutsche Hugenottentag im Jahre 2001 in Neuisenburg stattfand, wurde der Gedanke geboren, dem Hugenottentag in Emden 2003 einen nächsten im uckermärkischen Schwedt folgen zu lassen.

In den drei Tagen in Schwedt trafen sich viele Hugenottennachkommen, Geschichtsinteressierte und Gäste aus dem In- und Ausland – beseelt vom Gedanken, möglichst viel Neues über die hugenottischen Ansiedlungen und deren Leistungen in der Uckermark zu erfahren. Ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Zur Eröffnung des Treffens erhielt der einstige Schwedter Schlosspark den Namen "Europäischer Hugenottenpark". Das Parkgelände zwischen den Uckermärkischen Bühnen und der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße, wo bis 1945 das einstige Markgrafenschloss stand, soll in den kommenden Jahren zu einem Ort der bildenden und darstellenden Künste, der Geschichtsvermittlung und der Naherholung werden.

Vorträge und Foren gaben Auskunft über die Ansiedlungen der Réfugiés und über genealogische Forschungsergebnisse zu den Hugenotten in der Uckermark. Exkursionen vermittelten lebendigen Anschauungsunterricht: so nach Schmargendorf mit Dorfkirche und altem Schulhaus, nach Groß Ziethen mit Dorfkirche, Pfarrhaus und ältestem Hugenottenhaus am Dorfanger, nach Strasburg, wo 1691 eine starke Kolonie mit 244 Personen entstand (Dauerausstellung im Heimatmuseum), und nach Vierraden mit seinem Tabakmuseum. In Schwedt selbst machten sich die Teilnehmer beim Stadtrundgang mit einigen weiteren hugenottischen Stätten bekannt: dem Berlischky-Pavillon, dem ehemaligen Friedhof und dem Gemeindehaus der Französisch-reformierten Gemeinde. Verschwunden ist seit Jahresbeginn die Tabakmanufaktur Am Flinkenberg, die um 1890 von den Gebrüdern Jacob Abraham und Jacob Harlan errichtet wurde. An die 300 Arbeiter produzierten hier Rauch- und Schnupftabak und im 19. Jahrhundert war es das größte Tabaklager der Uckermark. Bleibt zu wünschen, dass die Ausstellung über die Geschichte der Hugenotten in der Uckermark im Stadtmuseum Schwedt (Eröffnung am 28. August) darauf besonders hinweist.

Außer einem historischen Handwerkermarkt fand auch das Theaterstück "Wie Gott in Frankreich. Das Leben der Hugenotten in Szenen und Liedern", dargeboten von den Uckermärkischen Bühnen, großen Anklang. Mit einem Festgottesdienst im Freien endete der 44. Deutsche Hugenottentag in der Erwartung und mit der Hoffnung, dass von ihm neue Zeichen der Toleranz ausgehen mögen.

Kleiner Geschichtsexkurs

Es waren mehr als 2 000 Réfugiés, die nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Uckermark auf vielen Gebieten zum Wiederaufbau beigetragen haben. Allein die Kolonieliste von 1699 weist 2068 zivile Réfugiés aus (Liselott Enders), berücksichtigt also nicht die hugenottischen Militärs zum Beispiel in Prenzlau.

Um 1700 kamen etwa 1000 sogenannte "Schweizer" und "Pfälzer" in die Uckermark, die zuvor auch aus Frankreich als Protestanten nach Bern, Schaffhausen usw. geflohen waren. Man kann davon ausgehen, dass die Uckermark mit etwa 4000 Réfugiés nach der Residenzstadt Berlin (ca. 6000 Réfugiés) das zweitwichtigste Ansiedlungsgebiet der Hugenotten in Berlin-Brande-burg war. Hier befanden sich bedeutende städtische Kolonien, so in Prenzlau, Strasburg und Schwedt, und zugleich nicht minder wichtige ländliche Kolonien der Hugenotten, so in Battin, Bergholz, Gramzow. Doch nicht nur in der Uckermark siedelten Hugenotten im ländlichen Raum. Davon zeugen neben Hugenottenhäusern in Hammelspring Kirchenbauten im ganzen Land Brandenburg.

 
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Glockenschlag und Schlaglöcher

Küstrinchens neues Geläut rollte über die Dorfstraße

 Kuestrinchen Glockenankunft.jpg
Foto: Hans Krag

Die am Samstagvormittag vor der Dorfkirche im uckermärkischen Küstrinchen zahlreich Wartenden wurden langsam ungeduldig. Sollte sich der LKW verfahren haben? Immerhin war er seit 20 Minuten überfällig. Plötzlich jedoch war Glockengeläut zu vernehmen, das langsam durch den Wald näher kam. Kurz vor dem Ort hatte der Fahrer die Befestigung der Klöppel gelöst und man konnte jedes Schlagloch der Dorfstraße hören.

Der Transporter hatte drei Bronzeglocken geladen, die eine lange Fahrt aus dem Rheinland hinter sich hatten. Bis vor etwa einem Jahr hingen sie im evangelischen Tersteegenhaus in Düsseldorf-Hubbelrath. Das Gemeindezentrum musste jedoch aus Kostengründen aufgegeben werden. Und so fragte Siegfried Scholz, Presbyter der Gemeinde, beim Förderkreis Alte Kirchen an, ob nicht ein "Bedarfsfall" in Brandenburg bekannt sei. Nach gründlicher Prüfung der statischen Voraussetzungen konnte der FAK zwei der 1953 von der Gießerei Rincker in Hessen hergestellten Glocken nach Küstrinchen vermitteln; die dritte und mit 315 Kilogramm Gewicht größte wird bald im uckermärkischen Groß Fredenwalde läuten.

Pfarrer Gerhard Stechbart begrüßte gemeinsam mit vielen Gästen das neue Geläut und verlas einen Brief seines Amtskollegen aus Hubbelrath, in dem es u. a. heißt: "So traurig wir sind, dass sie bei uns verstummen mussten, so froh sind wir, dass ihr Klang in Zukunft Menschen in der Uckermark erfreuen und unter Gottes Wort rufen soll. Gottes Segen möge sie auf ihrem Weg begleiten und in der neuen Heimat die Liebe finden lassen, mit der sie bei uns gehört wurden."

Sozusagen als Zugabe schickten die Rheinländer ein kleines Orgelpositiv für die Kirche von Küstrinchen mit. Auch wenn sich während des Transports einige Pfeifen gelockert hatten, reichte sein Klang aus, um gleich nach dem Abladen die musikalische Begleitung für den Choral "Geh aus mein Herz und suche Freud" zu intonieren.

Für die endgültige Aufstellung der Orgel muss nun die Empore instandgesetzt werden. Noch in diesem Jahr wird mit Fördermitteln des Landkreises das Gesims aufgemauert.

Küstrinchen und kein Ende....

 
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LESERFORUM

Alte Bräuche - neue Nutzungen

Anregungen, die zum Weiterdiskutieren einladen wollen

Die Aussprache auf der diesjährigen Mitgliederversammlung hatte viele Themen angerissen, die auch an dieser Stelle weiter diskutiert werden sollten. Renate und Jürgen Riebesel, Berlin, seit etlichen Jahren Mitglieder des FAK, machten sich, ausgehend von der Beratung, Gedanken über die Nutzung von Kirchen. Aus der Fülle ihrer Anregungen können wir hier nur einige darlegen. Vielleicht sind sie Anstoß zum Abtausch von Pro und Contra. Schreiben Sie uns, sagen Sie Ihre Meinung.

Uns bewegte das Geleitwort von Wolfgang Thierse zu "Offene Kirchen 2005", in dem er u. a. sagt: "Kirchen sind mehr als Gebetshäuser: Sie sind sichtbare Orientierungspunkte, architektonische Solitäre, die das Gesicht eines Ortes prägen. Und sie sind Identifikationspunkte, Räume sozialen Miteinanders und Zeugen des kulturellen Selbstverständnisses einer Gemeinschaft." Eine Diskussion darüber reift heran: Was soll mit renovierten Dorfkirchen geschehen? Wie können sie genutzt werden? In diese Diskussion sind auch die Dorfbewohner mit einzubeziehen. Die Ostdeutschen wurden gezwungen, geschichtslos zu leben. Damit sollte endlich Schluss sein. Es wäre zu fragen, ob aus den Nutzungen, die einst von Anfang her bestanden, nicht neue Nutzungen gewonnen werden könnten. Hier einige wenige Ideen:

Vielleicht lassen sich Experimente noch anderer Art ausdenken und ausführen.

 
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BÜCHER / DOKUMENTATIONEN

Ein Reiseführer zu den Hugenotten

Werner Gahrig: Hugenotten in Berlin und Brandenburg. Historische Spaziergänge.

Im Jahre 1999 erhielt der Ortsteil von Berlin-Pankow im Nordosten Berlins seinen historischen Namen "Französisch Buchholz" zurück, den das ehemals selbständige Dorf bis 1913 trug. Damals waren es wohl falsch verstandene patriotische Gefühle, die zu einer Streichung des Namenszusatzes "französisch" führten.

Die Hugenotten, die seit 1687 hier siedelten, kamen aus der Champagne und der Normandie, aus der Dauphiné und dem Languedoc. Sie prägten das Gesicht des Ortes bis auf den heutigen Tag.

Bereits 1689 wurde den reformierten Glaubensflüchtlingen die Mitnutzung der lutherischen Kirche gestattet. In der betreffenden Verfügung heißt es u.a.: "... haben wir gnädigst verordnet, daß sie in der Lutherischen Kirche daselbst das alternativum exercitium Religionis haben sollen, Ihr habt demnach die Verfügung zu thun, und dem Lutherischen Prediger anzubefehlen, daß er wegen der Zeit und Stunden sich mit Ihnen vergleichen und ihr Erfordern, zu übung ihrer devotion die Kirche allemahl willig und ungeweigert öffnen lassen soll." – Solche Simultan-Nutzungen waren damals nicht selten.

Überall in Berlin und Brandenburg stoßen wir noch heute auf Spuren der Hugenotten, die seit 1685 zur "Peuplierung" des nach dem 30-jährigen Krieg weitgehend entvölkerten Landes angesiedelt wurden.

Dr. Werner Gahrig, seit einigen Jahren auch Mitglied des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, hat sich auf die Suche nach sichtbaren Zeugnissen der französischen Einwanderer begeben und dabei vieles bisher Unbekannte gefunden. Die Ergebnisse seiner Forschungen sind nachvollziehbar nach Regionen geordnet und können durchaus als Reiseführer für eigene Entdeckungsfahrten genutzt werden.

Verlag Das Neue Berlin,
Berlin 2005, 480 S., 19,80 €;


Die Wilsnackfahrt

Hartmut Kühne / Anne-Katrin Ziesak (Hg.): Wunder – Wallfahrt – Widersacher. Die Wilsnackfahrt.

Das "Heilige Blut von Wilsnack" – drei Hostien, die nach einem Kirchenbrand 1383 blutig erschienen und vermeintlich Wunder wirkten – war Ziel einer der größten Wallfahrtsbewegungen des Spätmittelalters. Ob fromme Könige, reiselustige Adlige, um ihr Seelenheil besorgte Bürger oder zur Wallfahrt verurteilte Mörder - sie alle pilgerten in die Mark Brandenburg, um dort das berühmte Kultobjekt zu verehren. Für Theologen wie Jan Hus oder Martin Luther hingegen wurde Wilsnack zum Symbol für leichtfertigen Wunderglauben und seine finanzielle Ausbeutung. Das Buch bietet die erste, reich bebilderte Gesamtschau der Wilsnack-Fahrt.

Verlag Friedrich Pustet,
Regensburg 2005, 224 S.,
32 Farb-Bildseiten und 40 Textabb.,
24,90 €; ISBN 3-7917-1969-6


Norddeutsche Orgelbauer

Von der Reihe "Norddeutsche Orgelbauer und ihre Werke" gab es bislang nur zwei Bände: Friedrich Hermann Lütkemüller und Peter Tappe - Martin Haspelmath. Jetzt ist Band 3 erschienen: Die Orgelbauerfamilie Papenius und ihre Schüler. Hierbei geht es um Georg Benedikt Papenius, Johann Georg Papenius, Johann Adolarius Papenius, Johann Christoph Wiedemann, Johann Michael Schlesier und Christoph Jesse d. J. Vor allem Adolarius Papenius war in vielen Landesteilen tätig. Bekannt ist die Orgel in Belzig, die früher in Hordorf stand, aber auch die Orte Klein Quenstedt, Roklum und Werlaburgdorf sind unter anderem mit diesem Namen verbunden.

Das Buch enthält Werkverzeichnisse aller sechs Meister sowie 13 Abbildungen der wichtigsten Instrumente.

220 Seiten, Format A4
29,- € zzgl. 1,80 € Versandkosten.
Bestellung unter: E-Mail pape@cs.tu-berlin


Ausgrabungen in Horno dokumentiert

Im September 2003 fand in der Kirche von Horno (Landkreis Spree-Neiße) der letzte Gottesdienst statt. Im November 2004 wurde das denkmalgeschützte Kirchengebäude, das zwei Weltkriege überdauert hatte, gesprengt. Nur Turmhaube und Glocken wurden für das neue Gemeindehaus in Neu Horno gerettet. – Das Dorf musste dem Braunkohlenbergbau weichen.

Zwischen diesen beiden Daten fanden umfangreiche archäologische Ausgrabungen in der Kirche und auf dem Friedhof statt. Dabei konnten u. a. zwei hölzerne Vorgängerbauten der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Steinkirche ergraben und dokumentiert werden. Unter den zahlreichen Fundstücken ist das bemerkenswerteste eine nur acht Zentimeter große bronzene Christusfigur aus der Zeit der Romanik, die vermutlich zu einem verloren gegangenen Prozessionskreuz gehörte.

Erste Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen sind jetzt mit hervorragender Bebilderung in der Broschüre "Ausgrabungen im Niederlausitzer Braunkohlenrevier 2004" dokumentiert, die beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Außenstelle Calau, Referat Braunkohlenarchäologie bestellt werden kann:

Tel.: (0 35 41) 87 07 73; Fax: (0 35 41) 87 07 74; E-Mail: info.calau@bldam-brandenburg.de

 
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Informationen

"Idea" sammelte für Alt Krüssow

Anlässlich einer Exkursion sammelte "Idea" (Initiative im Denkmalschutz engagierter Ärzte und Apotheker) aus Lahnau Spenden in Höhe von 1.100 Euro für die Instandsetzung der ehemaligen Wallfahrtskirche Alt Krüssow (Ostprignitz-Ruppin). Seit 2003 ist dieser Verein Mitglied im FAK und überwies bereits mehrfach Spenden für bedürftige Sakralbauten in Brandenburg. Nun hatte der Gründer und Vorsitzende der Initiative, Dr. Focko Weberling, den Mitgliedern einen Spendenaufruf für Alt Krüssow geschickt.

s. auch Gießener Anzeiger vom 23. Juli 2005: "Idea" setzt sich für alte Sakralbauten ein.

Klaus Goebel mit viel Einsatz für Boitzenburg

Vor Jahren betreute Prof. Dr. Klaus Goebel aus Wuppertal die Neuauflage des Buches von Heinrich Wolfgang Seidel "Drei Stunden hinter Berlin" (s. auch Beitrag Junge Kunst in einer alten Kirche). Daraus erwuchs bei Klaus Goebel eine tiefe Zuneigung zu Boitzenburg und seiner Kirche "St. Marien auf dem Berge". Für seine Unterstützung zur Instandsetzung der Kirche wurde er Ehrenbürger von Boitzenburg. Auch dem FAK ist Prof. Goebel seit langem verbunden. Nach zahlreichen Spenden in der Vergangenheit erreichten uns im Juni 400 Euro - der Erlös eines literarisch-musikalischen Programms, das Klaus Goebel gemeinsam mit Freunden in Wuppertal aufführte.

Ansporn und Bestätigung

Aus Königsberg (Ostprignitz) erreichten uns Dankesworte für die FAK-Spende von 4.000 Euro. In dem Brief heißt es u. a.:

"Für uns ist dies Ansporn und Bestätigung, in unseren Bemühungen um die Sicherung und Wiederherstellung der Königsberger Kirche nicht nachzulassen. Dieser Tage kam der Baugenehmigungsbescheid für Notsicherungsmaßnahmen im Dachstuhl. So hoffen wir, dass es in absehbarer Zeit zu sichtbaren Fortschritten in unseren Bemühungen um die Erhaltung unserer Kirche kommt."

Dank für Beratung

Von der Freude über die Zuerkennung eines "Startkapital-Preises 2005" zeugt ein Brief vom Förderkreis Altes Pfarrhaus Groß Döbbern (Landkreis Spree-Neiße):

"...es ist eine tolle Anerkennung für diejenigen, die von der ersten Stunde dabei waren: Pfarrer Johann-Jakob Werdin und die ABM-Frau Brigitte Schneider, aber auch für alle anderen Aktiven, die uns jetzt begleiten. Natürlich kann man vor Ort vieles wünschen. Es braucht jedoch auch professionelle Beratung. Aus der Anfrage erwuchsen gute Kontakte zum Förderkreis Alte Kirchen. Dass Sie Ihrem Auftrag alle Ehre machen, erfüllt uns mit großem Dank." In dem Brief wird zugleich berichtet, welche nächsten Ziele sich der junge Verein gestellt hat und wie man daran geht, andere Vereine, Gewerbetreibende und alle Geschichtsinteressierten zur Mitarbeit zu gewinnen.

 
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