Willkommene Anschubfinanzierung für ehrgeizige Vorhaben

Förderkreis Alte Kirchen zeichnete zehn beispielhafte Initiativen aus

Mit einer Festveranstaltung in der Klosterkirche von Chorin fand die erste Etappe des Förderkreis-Projektes "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" einen Höhepunkt: Zehn Preisträger konnten ihr Startkapital von je 2500,- Euro in Empfang nehmen als willkommene Anschubfinanzierung für ihre ehrgeizigen Ziele bei der Bewahrung kirchlicher und anderer sakraler Bauten. Grußansprachen hielten Landesbischof Dr. Wolfgang Huber und Staatssekretär Dr. Christoph Helm, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.

 Heilandskapelle Frankfurt/Oder
Das Projekt, das von der Robert Bosch Stiftung unterstützt wird, sieht auch für das nächste Jahr eine Ausschreibung vor. (Ausführliche Berichterstattung in den folgenden Beiträgen)
 Zu den Preisträgern gehört auch der Förderverein für die Heilandskapelle in Frankfurt/Oder
 
   Zum Seitenanfang

 

Damit die Kirche in der Dorfmitte wieder zur Mitte des Dorfes wird

Festveranstaltung des Förderkreises in Chorin / Erste Preise im Projekt "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" vergeben

Die schlichten Brandenburger Dorfkirchen können mit dem imposanten gotischen Bauwerk des Choriner Klosters sicher nicht konkurrieren, und doch standen sie an jenem Nachmittag in der hoch aufragenden Klosterkirche im Mittelpunkt des Geschehens: In einer Feierstunde des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Bran-denburg konnten zehn erst kürzlich gegründete Initiativen zum Erhalt kirchlicher und anderer sakraler Gebäude Startkapital und Urkunden als Gewinner unserer Ausschreibung entgegennehmen.

Landesbischof Dr. Wolfgang Huber würdigte in seiner Grußansprache die Tatsache, dass dank des gemeinsamen Engagements von Christen und Nichtchristen in den vergangenen Jahren manche vom Verfall bedrohte Kirche gerettet wurde und wieder ihren zentralen Platz als öffentlicher Raum gefunden hat. Er begrüßte die Vernetzung derer, die sich einerseits um den Erhalt des Kirchenbaus bemühen und andererseits eine angemessene erweiterte Nutzung anstreben. "Unsere Kirchen sind auch Zeugnisse von Kultur– und Kunstgeschichte, aber sie waren und sind kein Museum", sagte er. "Die vielfache Nutzung ist kein Kind unserer Zeit." Bischof Huber fand anerkennende Worte für die Leistungen der freien Initiativen innerhalb und außerhalb der Kirche, für die Unterstützung durch das Land und dankte für das Wirken des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, der schon sehr früh die Notwendigkeit des bürgerschaftlichen Engagements erkannt habe. "Die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg ist dankbar und froh über jedes Bündnis, das in diesem Sinne geschmiedet wird."

Die Kirche wird in einer gesonderten Veranstaltung im Brandenburger Dom am 31. August die Arbeit der Fördervereine ausdrücklich würdigen.

Die Grüße der Landesregierung und der Schirmherrin des Projektes, der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur Prof. Johanna Wanka, überbrachte Staatssekretär Dr. Christoph Helm. Ausdruck des zielstrebigen Wirkens zahlreicher Initiativen im Lande sei die Tatsache, dass dieses Ministerium seit 1990 mehr als tausend Förderanträge bearbeitet hat; rund 120 Kirchen wurden bisher saniert. Mittel dafür seien auch vom Land, Bund und von der EU zur Verfügung gestellt worden. Wichtig sei eine Bündelung aller Kräfte. Der Förderkreis Alte Kirchen leiste in diesem Sinne eine wertvolle Arbeit, auf die nicht verzichtet werden könne. Der Staatssekretär sagte dafür auch künftig die volle Unterstützung zu (und der Förderkreis hofft, dass sich diese Zusage auch auf die Unterstützung des Projektes "Startkapital" im nächsten Jahr beziehen möge).

Im Namen aller Preisträger (Vorstellung aller Preisträger im folgenden Beitrag) dankte Martina Thiele vom Förderverein Kolonistenkirche Großderschau e.V. für das willkommene Startkapital und den "Vertrauensvorschuss". Denn wie viel Kleinarbeit zuvor zu leisten ist, wie viele Hindernisse, Vorurteile und Verzagtheit überwunden, Gespräche geführt, Anträge gestellt, Gutachten beschafft werden müssen, bevor der erste Ziegel aufs Dach kommt — davon wusste sie anschaulich zu berichten. Und viele in den Stuhlreihen nickten bestätigend...

Bedauerlicherweise konnten die Vertreter der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart, die das Projekt "Startkapital" großzügig unterstützt, wegen einer gestörten Flugverbindung nicht an der Veranstaltung teilnehmen. FAK-Vorsitzender Angus Fowler hatte in seinen einleitenden Begrüßungsworten der Stiftung den herzlichsten Dank ausgesprochen.

Mit ungewöhnlichen, aber eindrucksvollen Klängen umrahmten die beiden jungen Musiker Hildebrand und Brody die Veranstaltung und ernteten viel Beifall.

Dank gebührt nicht zuletzt Frau Dr. Gisela Gooß von der Klosterverwaltung beim Amt Chorin als Hausherrin, die den Förderkreis mit seiner Veranstaltung so freundlich aufgenommen hat.

Eva Gonda

 

Herzlicher Dank an Robert Bosch Stiftung

Das Projekt "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" wird wie schon vorher andere Ausschreibungen des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg großzügig von der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart, unterstützt. Der Förderkreis sagt der Stiftung dafür nachdrücklich Dank, insbesondere dem ausscheidenden Geschäftsführer Dr. Ulrich Bopp, und richtet zugleich einen Gruß an seinen Kollegen und Nachfolger Dr. Berg. Wir hoffen auch weiterhin auf gute Zusammenarbeit.

Die Mitglieder der Jury

In die Jury waren berufen worden: Frau Schiemann als Vertreterin des brandenburgischen Kulturministeriums, Matthias Hoffmann-Tauschwitz als vertreter der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Viola Seeger von der Robert Bosch Stiftung, Angus Fowler und Günter Schöne als Vertreter des FAK und Franz Wede, Vorsitzender des Vereins Bunte Wiese Langnow und des Fördervereins für die Kirche in Bölzke. Er war zum Jury-Vorsitzenden gewählt worden.

 
   Zum Seitenanfang

 

Wir gratulieren den Preisträgern

Wenn hier den zehn Gewinnern unserer Ausschreibung "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" gratuliert werden kann, dann muss auch gesagt werden, dass der Jury die Auswahl unter den mehr als 40 Bewerbungen sehr schwer fiel, denn sie alle zeugen von imponierendem bürgerschaftlichen Engagement. Entsprechend den Vorgaben stellten sich Vereine vor, die bereits eine beeindruckende Arbeitsbilanz bei der Instandsetzung von Kirchengebäuden aufweisen können; andererseits erst vor kurzem gegründete Initiativen, die sich zum Teil gegen Widerstände für ein vernachlässigtes, "nicht mehr benötigtes Bauwerk" einsetzen und noch keine Förderung erfuhren. Sie alle verdienen große Anerkennung.


Ein seltenes Juwel ist die Fergitzer Backsteinkirche

Die Dorfkirche in Fergitz stammt aus dem 14. Jahrhundert. Das Backsteinmaterial macht sie zu einem seltenen Juwel in der Uckermark. Nur wenige Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts reichten aus, die wunderbare Identifikationskraft des Gotteshauses zu mindern und das wertvolle Bauwerk dem Verfall auszuliefern. Die Kirche stand darauf materiell und ideell am Rande.

Als sich im Jahr 2000 Fergitzer Bürger zusammenfanden, wagten sie mit der Gründung des Freundeskreises ein Abenteuer. Inzwischen hat dieser Kreis unter den 63 Seelen des Dorfes bereits 37 Mitglieder. Eigeninitiativen zur Beräumung des Umfeldes und zu ersten Sicherungsmaßnahmen tragen bereits Früchte.

  Freundeskreis Kirchenhus Fergitz e.V.
 
Die Heilandskapelle Frankfurt/Oder ist ein idealer Raum für anspruchsvolle kuturelle Programme

Wenig bekannt ist die Errichtung einer großen Holzkirche für russische Kriegsgefangene in einem großen Lager bei Frankfurt/Oder in den Jahren 1915/16. Nach 1920 wurde sie gottesdienstlich für "Heimkehrer" aus den polnisch gewordenen Gebieten genutzt. In den letzten Jahren verfiel das Gebäude zusehends. Neben der kirchlichen Nutzung hat der Förderverein innerhalb kurzer Zeit ein anspruchsvolles – teils grenzüberschreitendes – kulturelles Programm initiiert, das der Erhaltung und Renovierung der Heilandskapelle zugute kommen soll.

  Förderverein Heilandskapelle Frankfurt/Oder e.V.
 
Erinnerungsstätte an jüdisches Leben in Brandenburg: der jüdische Friedhof von Oranienburg

In der Ausschreibung zum "Startkapital" wurde ausdrücklich auch die Pflege von Erinnerungsstätten an jüdisches Leben im Land Brandenburg erwähnt. Zu würdigen sind hier die Bemühungen der Jüdischen Gemeinde zur Instandsetzung und Pflege des jüdischen Friedhofes in Oranienburg. In der Pogromnacht von 1938 wurde die Synagoge geschändet und ist heute nicht mehr vorhanden. Um so wichtiger ist das Zeugnis des erhaltenen Friedhofes mit der Trauerhalle und den zahlreichen Grabanlagen.

  Jüdische Gemeinde Wiedergeburt e.V. Oranienburg
 
Die Gortzer Kirche soll wieder als öffentlicher Raum wahrgenommen werden

Ziel des Vereins ist es, dass die Dorfkirche von Gortz wieder als öffentlicher Raum von den Einwohnern wahrgenommen wird. Die Zusammenarbeit mit der Kommune ist gut; mit der Kirchengemeinde wurde ein Vertrag über Instandsetzung und Nutzung vereinbart. Das Konzept des Vereins sieht neben der religiösen und kulturellen Nutzung eine Einbeziehung des Gotteshauses in Tourismusplanungen der Region um den Beetzsee nahe der Stadt Brandenburg/Havel vor.

  Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Gortz e.V.
 
Kolonitenkirche Großderschau: Ähnlichkeit mit der Potsdamer Garnisonskirche

Unter Einbeziehung einer Vergabe-ABM wird die Instandsetzung der Großderschauer Kolonistenkirche (erbaut 1785 in Anlehnung an die Potsdamer Garnisonkirche errichtet) in Kürze beginnen. Im Förderverein bringen sich engagierte Bürger ebenso ein wie die Kommune und der sehr aktive Heimatverein. Bemerkenswert ist hier der Zusammenhalt von Menschen, die sich für Kirche interessieren und zwar nicht nur aus Geschichtsbewusstsein oder Ortsverbundenheit, sondern auch Christen zu erleben, die ihr Gotteshaus wieder seiner angestammten Bestimmung zuführen wollen.

  Förderverein Kolonistenkirche Großderschau
 

Der 2001 gegründete Förderverein ist nicht nur an der baulichen Instandsetzung der Kirche interessiert, die sehr wohl Not tut. Auch liegt ihm, der sich aus Gliedern der Kirchengemeinde und der Ortsgemeinschaft zusammensetzt, nicht allein an einer multifunktionalen Kirchennutzung. Zusätzlich macht er sich nämlich die zukunftsweisenden, ehrgeizigen Pläne der Kirchengemeinde zu Eigen, die ihr Pfarrhaus aus der gewidmeten Nutzung entlassen und die kirchengemeindlichen Aufgaben sämtlich in die Kirche verlegen will. Die bauliche Gestalt und die Umsetzung der Integration vieler neuer Funktionen in das Kirchengebäude bedürfen noch der Beratung und Abstimmung, doch der eingeschlagene Weg ist richtig.

  Förderverein Dorf und Kirche Hermersdorf e.V.
 
Die Fachwerkkirche von Roddahn war schon aufgegeben worden

Nach mehreren erfolglosen Versuchen, die 1798 entstandene bescheidene Fachwerkkirche gemeinnützigen Zwecken zuzuführen, fanden sich im vergangen Jahr interessierte Einwohner zusammen, um sich in einem zunächst offenen Arbeitskreis der dringend notwendigen Instandsetzung und der Nutzung des Gebäudes anzunehmen. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde und der Kommune konnten erste Mittel für Sanierungsarbeiten eingeworben werden. Dem Verein gelang es durch bürgerschaftliches Engagement, ein bereits aufgegebenes Bauwerk instand zu setzen und für die Öffentlichkeit zurückzugewinnen.

  Arbeitskreis Offene Kirche Roddahn e.V.
 

Aus Sorge um den baulichen Zustand der aus spätromanischer Zeit stammenden Feldsteinkirche gründeten Einwohner des Dorfes im Süden Brandenburgs den Verein im März 2001. Innerhalb kurzer Zeit wurden große Teile der Bevölkerung sowie die Kommune in die Arbeit einbezogen, erfolgreiche Veranstaltungen durchgeführt und Spenden für die Reparatur der Kirchturmuhr sowie für erste wichtige Instandsetzungsmaßnahmen eingeworben.

  Förderkreis Evangeliche Kirche Hohenleipisch e.V.
 
Die Feldsteinkirche von Dahmsdorf prägt das Bild des Dorfes

Der schlechte bauliche Zustand der Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert rief 2001 die Bürgerschaft Dahmsdorfs auf den Plan. Das gemeinsame Ziel: zusammen mit der Kirchengemeinde will die weltliche Gemeinde nicht nur die Sorge um die Erhaltung des Bauwerks übernehmen, sondern auch die künftige Nutzung der Kirche als dem ortsbildprägenden Kern des Dorfes und dem einzigen gemeinschaftlich nutzbaren Raum und Forum definieren. Eigenleistungen und erste bewilligte Förderungen ermutigen die Initiative. Der baulich-sichernde Handlungsbedarf ist unübersehbar. Den ersten entschiedenen Schritt hat der Verein getan.

  Förderverein Dahmsdorfer Kirche e.V.
 
Die Kirche von Küstrinchen schien schon vergessen worden zu sein

Noch vor einem guten Jahr schien die Dorfkirche von Küstrinchen – einem Ort mit nur 49 Einwohnern, mitten im Walde – in Vergessenheit geraten zu sein. Erst im Sommer 2001 wurde das akut vom Einsturz bedrohte Kirchengebäude in die Denkmalliste eingetragen. Im November gründete sich ein Förderverein, der das Umfeld beräumte und Reste des Inventars auslagerte. Das Engagement des Vereins fügt sich ein in das erfolgreiche Wirken zahlreicher ehrenamtlicher Initiativen im Landkreis Uckermark. Sicherungsarbeiten haben begonnen.

  Förderverein Dorfkirche Küstrinchen e.V.
 
   Zum Seitenanfang

 

Vor neuen Dimensionen: Aufgaben und Erwartungen sind gestiegen

Mitgliederversammlung 2002 des Förderkreises Alte Kirchen

Die Mitgliederversammlung 2002 bewies einmal mehr, dass der Förderkreis Alte Kirchen gerade in jüngster Zeit eine sehr erfolgreiche Entwicklung genommen hat. Er "konnte seine Tätigkeit zur Erhaltung, Instandsetzung und angemessenen Nutzung gefährdeter Kirchen erfolgreich fortsetzen und seine Präsenz in der Öffentlichkeit erheblich ausbauen", hieß es im Bericht des Vorstandes. Wertvolle Anregungen für die Bewältigung der künftig noch höheren Anforderungen brachte die Aussprache mit zahlreichen fundierten Vorschlägen, aber es wurde auch kritisch hinterfragt.

Mit dem Blick auf die Zukunft hatte der Vorstand einen Antrag auf eine Satzungsänderung eingebracht, die dem Vorstand die Möglichkeit einräumt, einen Geschäftsführer zu bestellen. Die Änderung wurde mit einer Stimmenthaltung beschlossen. (Siehe nächster Beitrag)

Die gewachsenen Aufgaben des Vereins spiegelten sich auch wider im Finanzbericht 2001 und Haushaltsplan 2002, die ein solides Fundament des Vereins belegten. Für die Kassenprüfer konnte Edmund Köhn erklären, dass eine Prüfung der Finanzen keine Beanstandungen ergeben hatte. Nach dem Bericht und der Aussprache bestätigte die Mitgliederversammlung die Jahresabrechnung und den Haushaltsplan und beschloss die Entlastung des Vorstandes.

Für die Wahl des neuen Vorstandes kandidierten die bisherigen Vorstandsmitglieder Angus Fowler, Eva Gonda, Bernd Janowski, Rainer Marx, Thomas Raschke, Günter Schöne und Dr. Joachim Tost; Arnulf Kraft, der in der vergangenen Wahlperiode in den Vorstand kooptiert worden war, kandidierte nicht, erklärte sich jedoch zu weiterer aktiver Unterstützung des Vereins bereit. Neu vorgeschlagen wurden Alexander Möbius und Jürgen Vetter. Alle Kandidaten wurden für die kommenden zwei Jahre als Vorstandsmitglieder gewählt. Der Vorstand wählte anschließend erneut Angus Fowler zum Vorsitzenden. Als Kassenprüfer erhielten wiederum Edmund Köhn und Skip Pahler das Vertrauen. (Siehe übernächster Beitrag)

Besonderer Dank gebührt dem Förderverein Alte Neuendorfer Kirche und Neuendorfer Anger e. V. als aufmerksamem Gastgeber für die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Jahreshauptversammlung.

 

Wo man heute noch sein Wunder erleben kann

Im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Potsdam-Babelsberg, wo die Mitgliederversammlung tagte, erzählt eine kleine Ausstellung die bewegende Geschichte der Alten Neuendorfer Kirche. Und die konnten die Tagungsteilnehmer dann auch auf dem Neuendorfer Anger gleich um die Ecke in natura besichtigen.

Zu sehen ist dort zur Zeit eine Baustelle, die einzig erhaltenen Außenmauern der achteckigen Kirche sind eingerüstet. Aber dass dies so ist, bezeichnet Gisela Opitz, die Vorsitzende des Ende der Neunzigerjahre gegründeten Fördervereins, zu Recht als ein kleines Wunder. Dem 1850/52 erbauten Kirchlein drohte schon seit Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach das Aus, es diente als Lagerhalle, sollte zu DDR-Zeiten einer Straße weichen, schien auch nach der Wende ohne Zukunft. Der Antrag der Stadtverordneten Opitz auf Wiederherstellung von Kirche und Anger wurde abgewiesen. Das aber rief entschlossene Einwohner, Baufirmen, Architekten auf den Plan. (Über die Initiativen berichtete das Mitteilungsblatt vom Dezember 2001.)

Inzwischen ist im ersten Bauabschnitt - Wiederherstellung der Gebäudehülle - viel geschehen, haben die Fensterhöhlen ihr Maßwerk zurückerhalten, das Mauerwerk wird saniert, fehlende Steine werden nachgebrannt. Bauleiter Roland Schulze, auch Mitglied des Vereins, ist unermüdlich in der Gewinnung weiterer Mitstreiter. Immerhin: bis auf Dach und Dachstuhl, die 100-prozentig gefördert werden, wird alles über Sponsoren finanziert. Und das ist schon ein großes Wunder...

Eva Gonda

 
   Zum Seitenanfang

 

Vorbereitungen auf die künftige Arbeit

Ein Wort zu einem neuen Paragraphen in unserer Satzung

 

Satzungsänderung beschlossen

Der Mitgliederversammlung 2002 lag ein Antrag des Vorstandes auf Satzungsänderung vor. Der Wortlaut des Antrages war mit der Einladung zur Jahreshauptversammlung, also fristgerecht, zugeschickt worden:

"Zur Führung der laufenden Geschäfte des Vereins kann der Vorstand einen Geschäftsführer bestellen. Der Geschäftsführer nimmt an Vorstandssitzungen teil, besitzt jedoch kein Stimmrecht. Aufgaben und Rechte regelt der Vorstand."

Die Satzungsänderung wurde entsprechend dem Antrag mit 25 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung beschlossen.

Die von der Mitgliederversammlung beschlossene Satzungserweiterung, die dem Vorstand die Bestellung eines Geschäftsführers ermöglicht, könnte schon sehr bald ein notwendiges und wichtiges Werkzeug werden, um die Arbeit des Förderkreises auch für die nächsten Jahre zu sichern und noch weiter auszubauen.

Was im Mai 1990 mit der spontanen Gründung eines kleinen Vereins aus einigen wenigen engagierten Brandenburgern und Berlinern als zusätzliche Initiative zur Rettung von akut gefährdeten Dorfkirchen begann, das ist heute, zwölf Jahre später, ein Name und ein Begriff und eine Institution: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.

Viele Orts- und Kirchengemeinden haben inzwischen den Förderkreis um Beratung und konkrete Hilfe gebeten und sind damit kaum je enttäuscht worden. Manche abrissbedrohte Kirche konnte mit unserer Hilfe erhalten, saniert und neuer Nutzung zugeführt werden. Oft sind diese Kirchlein inzwischen gern besuchte Schmuckstücke ihrer Orte geworden, nicht selten auch kulturelle und sogar soziale Zentren. Staatliche wie kirchliche Stellen arbeiten nunmehr ebenso selbstverständlich mit dem Förderkreis zusammen wie private Stiftungen im Bereich des Denkmalschutzes. Zwar tritt der Förderkreis Alte Kirchen inzwischen nicht mehr als Bauherr oder Auftraggeber auf, aber wir konnten in vielen Fällen vorhandene Gelder multiplizieren helfen, bei lokalen Notfällen für weiterreichende Aufmerksamkeit und Aktionen sorgen, konnten örtliche Vereine unterstützen, Verbindungen zu Institutionen vermitteln.

Das hat dem Förderkreis Alte Kirchen viel Zustimmung und Anerkennung eingebracht, nicht nur verbale übrigens: Die Robert Bosch Stiftung hat einen guten Teil unserer Projekte unterstützt, das Arbeitsamt und Berliner Förderprogramme haben es überhaupt erst möglich gemacht, dass über eine SAM-Stelle intensiv für den FAK gearbeitet werden kann.

Nun aber kommt das kleine Team, das mit dem Vorstand für die Ziele des Förderkreises arbeitet, spürbar an seine Grenzen: Die Anfragen und Anforderungen an die Geschäftstelle des FAK nehmen ständig zu und sind – auch bei viel ehrenamtlichem Einsatz – kaum mehr zu bewältigen. Die Beratungstätigkeit, die Vorbereitung und Durchführung der Exkursionen, die Zusammenstellung und der Vertrieb unsere Materialien fordern professionelles Know-how. Unser Postversand ist immens angewachsen. Wir brauchen sehr bald jemanden, der als Geschäftsführer diese Arbeit laufend koordiniert.

Aber die Fördermittel des Arbeitsamtes und der Stadt sind befristet. Vom Herbst 2003 an werden wir alle unsere Honorar- und Personalmittel möglicherweise selbst finanzieren müssen.

Was bedeutet das?

Entweder gelingt es dem FAK, ab 2003 die Mittel für eine bezahlte Kraft in unserer Geschäftsstelle anteilig oder sogar in voller Höhe selbst aufzubringen, oder wir müssen den Umfang unserer Beratungen und wohl auch unserer Veröffentlichungen erheblich reduzieren.

Der Vorstand ist davon überzeugt, dass der Förderkreis diese Herausforderung bestehen kann und wird. Eben darum hat er bereits jene Satzungserweiterung vorbereitet, die am 1. Juni 2002 von der Mitgliederversammlung beschlossen wurde.

Was ändert sich nun für unsere Mitglieder?

Zunächst nichts! Wie bisher werden wir alle zweckgebundenen Spenden direkt unseren sanierungsbedürftigen Dorfkirchen zukommen lassen. Und wie bisher wollen wir alle Personalausgaben des FAK möglichst aus zweckgebundenen Zuwendungen Dritter bestreiten.

Wir beginnen aber schon in diesem Jahr damit, eine "Personalrücklage" zu schaffen, um ab 2003 auf den Notfall vorbereitet zu sein. Und wir bitten unsere Mitglieder und Freunde herzlich, bereits jetzt die Bildung einer solchen Rücklage nach Möglichkeit zu unterstützen.

Dann sollte der weiteren zielgerichteten und erfolgreichen Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen auch in den nächsten zehn Jahren eigentlich nichts entgegenstehen.

Arnulf Kraft

 
   Zum Seitenanfang

 

Sie erhielten Ihr Vertrauen: der neu gewählte Vorstand

In der Mitgliederversammlung am 1. Juni 2002 in Potsdam-Babelsberg wurde der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg gewählt. Neben langjährigen Vorstandsmitgliedern erhielten weitere Mitglieder das Vertrauen. Sie alle seien hier kurz vorgestellt.

Angus Fowler

ist Historiker, seit 1974 Mitglied des Förderkreises Alte Kirchen Marburg/Lahn, seit 1976 als Vorstandsmitglied. Er kam zum Denkmalschutz in Deutschland zunächst über die Teilnahme an Ausgrabungen. Nach 1990 half er bei der Gründung von Förderkreisen Alte Kirchen im Osten Deutschlands, besonders des Förderkreises Berlin-Brandenburg, dessen Vorsitzender er seit 1996 ist. Er befasst sich mit der Baugeschichte von Kirchen, mit Fachwerk– und Holzkirchen, pflegt Kontakte in osteuropäischen Ländern und trägt Verantwortung u. a. im Denkmalschutzverband Europa Nostra und im Verband für den ländlichen Raum ECOVAST. Seine Arbeit wurde mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse gewürdigt.

Eva Gonda

ist von Beruf Journalistin, setzt sich zu Hause gern an den Computer und unterwegs in jede offene Kirche. Als sie Anfang der Neunzigerjahre dem Förderkreis beitrat, dachte sie mehr ans Grobe, ans Steineputzen in Kirchenruinen. Es war dann doch effektiver, das Erlernte in den Dienst der guten Sache zu stellen. So gestaltete sie 1995 das erste Mitteilungsblatt, das sich inzwischen vom schlichten kopierten Mini-Faltblatt zum gedruckten vielseitigen Informationsmaterial gemausert hat. Sie wünscht sich: Die Leser sollten nicht nur lesen, sondern auch viel mehr schreiben.

Bernd Janowski

nahm 1990 als Fotograf und an regionaler Geschichte Interessierter an der Gründung des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg teil und hat seitdem alle Höhen und Tiefen des Vereins mitgemacht. Auf seinen zahlreichen Fahrten durchs Land genießt er es, ständig Neues zu entdecken und immer wieder Menschen kennen zu lernen, die Altes bewahren wollen. Manchmal wünscht er sich, neben der aufreibenden täglichen Arbeit des Vereins ab und an auch wieder zwei Stunden allein mit Kamera und Stativ in einer märkischen Dorfkirche verbringen zu dürfen.

Wolf-Rainer Marx

hat nie vom Häuschen im Grünen, aber oft von einer Wohnung an einem Kirchplatz geträumt. Sein Beruf bindet ihn an die Großstadt, an den Wochenenden fährt er ins Land und da möchte er Dörfer mit Kirchen und nicht nur Ansammlungen von Häusern sehen. Er ist Informatiker: Also gestaltet er seit zwei Jahren unsere Homepage. Sie ist inzwischen eine gute Fundgrube geworden, aber er hat nicht genug Zeit, sie noch besser zu machen. Jeder, der Vorschläge hat oder mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen.

Alexander Möbius

ist ein junger Architekt. Nach anfänglichem Willen, Neues zu schaffen, kam jedoch bereits während des Studiums die Einsicht, dass die Wurzeln alles Neuen in der gebauten Geschichte liegen. Schon in seiner Ausbildungszeit wirkte er an Projekten zur Erhaltung und Umnutzung von Kirchen mit. Nach jahrelanger geistiger Nähe zum FAK ist er seit 2002 Mitglied des Vereins. Er hofft, viele frische und unverbrauchte Ideen in den Vorstand und den Verein einbringen zu können.

Thomas Raschke

Historiker, seit einigen Jahren im Vorstand und an den Ausstellungen des Förderkreises Alte Kirchen sowie am Projekt "Offene Kirchen" beteiligt. Sein größter Wunsch für die märkischen Dorfkirchen ist mit den notwendigen Baumaßnahmen nicht immer leicht zu vereinbaren: Dass sie bleiben, wie sie sind - mit den Zeichen ihres ehrwürdigen Alters, mit ihren kunstvollen und den dorfhandwerklichen Elementen und dem Rauschen im Blattwerk alter Bäume über ihnen.

Günter Schöne

ist seit 1962 Pfarrer in der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg und war bis zu seiner Emeritierung 1997 Pfarrer von Landgemeinden. Bei der letzten Kirchensanierung 1993 bekam er Kontakt mit den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, was sein schon vorhandenes Interesse an Dorfkirchen verstärkte. Seitdem ist er im Förderkreis tätig, seit 1998 Mitglied und freut sich, im Ruhestand aktiv etwas für den Erhalt von brandenburgischen Dorfkirchen beitragen zu können.

Dr. Joachim Tost

absolvierte ein Studium der Technologie der Bauproduktion im Hochbau an der Ingenieur-Hochschule Cottbus (1969 - 73), danach Zusatzstudium an der Hochschule für Bauwesen Charkow/Ukraine; 1975-78 Forschungsstudium in Cottbus mit Promotion, danach Tätigkeit in Forschung und Lehre in Cottbus. Ab 1991 Bauleiter in mittelständischen Unternehmen in Berlin und Brandenburg, Sanierung von Kirchen und Gemeindehäusern. Seit 1994 eigenes Ingenieurbüro Bauleitung und Planung in Altbausanierung und Denkmalpflege mit Schwerpunkt Kirchenbau.

Juergen Vetter

ist durch seine Öffentlichkeitsarbeit für die STATTBAU-Projektarbeit Stadt.Raum.Kirche mit der Institution und dem Bauwerk Kirche recht gut vertraut. Einige Stationen des Journalisten: redaktionelle Betreuung des Berlin-Magazins, heute ZITTY; Ende der Siebzigerjahre Gründung von Verlag und Galerie ROTATION; Mitte der Achtzigerjahre Mitinitiator von Radio 100, in den Neunzigerjahren Tätigkeit für die Berliner Aids-Hilfe. Mit seiner Arbeit für den Förderkreis verbindet er die Aussicht, immer wieder andere Schönheiten Brandenburgs zu entdecken.

 

Hilfreiche Unterstützung

Zusätzliche willkommene Unterstützung seiner Arbeit erhält der Vorstand seit einiger Zeit durch zwei Mitglieder, die sich einzelner wichtiger Gebiete angenommen haben:

Pfarrer i. R. Arnulf Kraft konnte für die Führung und Betreuung der Mitglieder-, Versand– und Spenderdateien gewonnen werden. Er wurde auch bei zahlreichen weiteren Aufgaben des Vereins hilfreich tätig.

Als erfahrener Finanz– und Wirtschaftsfachmann will sich Dr. Hans Krag u. a. um eine gezielte Mitglieder– und Spendeneinwerbung sowie eine noch fundiertere Öffentlichkeitsarbeit bemühen.

Beiden gebührt Dank für die bereits geleistete Arbeit.

 
   Zum Seitenanfang

 

Hilfsbereitschaft, die Freude bereitet

Benefizkonzert für uckermärkische Dorfkirchen

Es war schon ein gewaltiger Klang, als zum Schluss 130 Sänger Felix Mendelssohn-Bartholdys Motette "Denn er hat seinen Engeln befohlen" anstimmten. In der Gethsemanekirche in Berlin-Prenz-lauer Berg (immerhin trägt der Stadtbezirk seinen Namen nach der Hauptstadt der Uckermark) fand ein Benefizkonzert für uckermärkische Dorfkirchen statt, veranstaltet vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg.

Zu hören waren mit der Kantorei der Auenkirche Berlin-Wilmersdorf unter Jörg Strodthoff sowie der Templiner Kantorei unter der Leitung von Dr. Klaus-Jürgen Gundlach zwei großartige Chöre. Der Programmteil der Templiner orientierte sich an der Musik des Barock mit Telemann, Schütz und Johann Philipp Krieger, der von Gundlach in den letzten Jahren für die breite Öffentlichkeit wieder entdeckt wurde. Mit Meyerbeer, Mendelssohn-Bartholdy und zwei seit Jahrzehnten ungespielten Psalmmotetten von Otto Nicolai war der Beitrag der Auen-Kantorei dann im 19. Jahrhundert angesiedelt. So unterschiedlich die beiden Teile waren – sie fügten sich zu einem erstaunlich harmonischen Gesamteindruck.

Der Erlös der Veranstaltung kommt der Notsicherung der Dorfkirche von Küstrinchen und der Restaurierung der Migendt-Orgel in Ringenwalde zugute. Diese Orgel ist das einzige erhaltene Instrument von Johann Peter Migendt, einem Schüler des berühmten Orgelbauers Joachim Wagner. Im kommenden Jahr wäre der 300. Geburtstag von Migendt – ein Grund mehr, die Bemühungen um eine Wiederherstellung der Orgel zu verstärken.

Nach dem Konzert waren sich die Besucher einig: Die Unterstützung denkmalpflegerischer Maßnahmen kann auch viel Freude bereiten.

Bernd Janowski

 
   Zum Seitenanfang

 

Küstrinchen: Sicherungsarbeiten begannen

Dorfkirche Küstrinchen
Einsatz in Küstrinchen

Keine Ausgabe unseres Mitteilungsblattes ohne die neuesten Nachrichten aus Küstrinchen: Am 1. Juli hat die Sicherung der akut vom Einsturz bedrohten Dorfkirche begonnen. Die Arbeiten am Dachstuhl und am Dach werden unter Einbeziehung einer Vergabe-ABM durch die Denkmalpflege GmbH Prenzlau ausgeführt. Leitender Architekt ist Stephan Broniecki (Oderberg / Berlin).

Geplant sind Sicherungsarbeiten am Gesims und eine umfassende Sanierung der Dachkonstruktion. Ob zum Abschluss des Bauabschnitts, der für Ende diesen Jahres vorgesehen ist, eine Neudeckung oder nur eine vorläufige Bauplane zu sehen sein wird, ist beim gegenwärtigen Stand der finanziellen Mittel noch unsicher.

Der Förderkreis Alte Kirchen unterstützte die Instandsetzung der Dorfkirche von Küstrinchen bisher mit 6.000,- Euro sowie zusätzlich durch die Vergabe eines Förderpreises im Rahmen des FAK-Projektes "Startkapital" in Höhe von 2.500, - Euro.

Wir werden Sie auch weiterhin auf dem Laufenden halten.

 
   Zum Seitenanfang

 

Viel guter Wille und wenig Geld

Landrat Schmitz auf Informations-Rundreise

Die Kirchen von Gollmitz, Klaushagen, Küstrinchen und Sternhagen waren Stationen einer Rundreise des neuen uckermärkischen Landrates Klemens Schmitz (SPD). Begleitet wurde er u. a. von Landeskonservator Professor Dr. Detlef Karg, Dr. Peter Schabe (Deutsche Stiftung Denkmalschutz), Axel Kempert (Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises), Gerlinde Peper (Amt für Flurneuordnung ländliche Entwicklung) sowie von Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen.

Der Bauzustand der Dorfkirchen und die Situation der jeweiligen Gemeinden sind durchaus unterschiedlich, doch in den Gesprächen mit Pastoren, Kommunalvertretern, Fördervereinen und Bauausführenden wurden auch Gemeinsamkeiten deutlich: Überall gibt es engagierte Bürger, die ihre Kirche im Dorf lassen wollen, und – überall mangelt es an den nötigen Finanzen. Für die Gollmitzer Kirche, für deren Sanierung der örtliche Verein bereits viel geleistet hat, stehen Mittel des Amtes für Flurneuordnung bereit; aus Mangel an Eigenkapital können sie derzeit nicht abgerufen werden.

In Klaushagen stehen umfangreiche Sicherungsarbeiten an Dach und Turm an, außerdem sollen die Reste eines mittelalterlichen Putzfrieses gesichert werden. Hier überreichte Landrat Schmitz einen Scheck der Kreisverwaltung über 1.000 Euro; die eher symbolische Summe soll die Mittel der DSD und der Dr.-Oetker-Stiftung komplettieren. Die Bitte nach umfangreicherer Förderung musste sich die Reisegruppe auch vom Förderverein in Küstrinchen anhören, ist doch die Finanzierung der Sicherungsarbeiten noch nicht endgültig gesichert.

Auf der letzten Station, in Sternhagen, konnte man endlich auch eine positive Bilanz ziehen: Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts (Instandsetzung des Turmes und angrenzender Bereiche) griff Dr. Peter Schabe zum Schraubenzieher, um eine Tafel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz anzubringen. Der zweite Bauabschnitt hat begonnen – bleibt die Hoffnung, dass vielleicht irgendwann auch genügend Geld vorhanden ist, um die historische Wagner-Orgel wieder spielbar zu machen. -ki

 
   Zum Seitenanfang

 

Statt Punkt Doppelpunkt gesetzt

Die Grundsanierung der Dorfkirche Frankenfelde ist abgeschlossen, aber längst hat die Kirchengemeinde neue Pläne geschmiedet

 Dorfkirche Frankenfelde 1999
 1999: Gottverlassen scheint die alte Kirche auf ihrem Hügel hoch über dem Dorf
 
 Dorfkirche Frankenfelde 2002
 2002: Wiedererstanden nicht nur äußerlich: Mit der Restaurierung des Kirchengebäudes fand auch die Gemeinde zu einem neuen Anfang
 

Es macht den besonderen Charme der kleinen Frankenfelder Kirchengemeinde aus, dass sie sich an Erreichtem freuen kann, ohne sich damit zufrieden zu geben. Und so hat die Gemeinde mit ihrer Feier zum Abschluss der Grundsanierung ihrer Kirche und zur Indienstnahme der neu gegossenen Glocke im Mai keinen Punkt gesetzt, sondern einen Doppelpunkt. Längst sind neue Pläne geschmiedet: Im Kirchturm soll ein Raum für Gesprächsgruppen ausgebaut, die dritte Glocke gegossen, Altar und Kanzel restauriert, das letzte fehlende Orgelregister eingebaut werden...

Zunächst aber wurde gefeiert.

Am Vorabend des Festgottesdienstes wurde allen in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche bei einem Vortrag zur Geschichte des Dorfes und der Kirche von Friedhelm Zapf mit Dias vor Augen geführt, wie das Gebäude vor dreieinhalb Jahren aussah. Den Gesichtern seiner Zuhörer war anzusehen, wie schnell man sich an Schönes gewöhnen und Bilder des Verfalls vergessen kann.

Schritt für Schritt führte Friedhelm Zapf, der die Kirchensanierung von der Vorbereitungsphase 1998 bis zum Abschluss der Arbeiten in diesem Jahr ehrenamtlich geleitet und verantwortet hat, seine Zuhörer durch die Jahrhunderte. Bis zum Guss der neuen Glocke am 5. März 2002 in Passau. Und mit der feierlichen Indienstnahme der neuen Glocke begannen dann auch der Festgottesdienst und das Gemeindefest am folgenden Tag.

Als erstmals wieder Glockenklang über die Dächer des kleinen Dorfes am Rande des Oderbruchs wehte, mögen viele an die Mühsal der vergangenen Monate gedacht haben, auch mit Recht voller Stolz auf das Erreichte: Das da auf dem Hügel über unserem Dorf, das ist unser aller Werk.

Und mancher Gedanke mag weitergeführt worden sein: Was passiert eigentlich, wenn der Klöppel gegen die Glocke schlägt? Naturwissenschaftlich betrachtet nichts anderes, als wenn man mit einem Löffel gegen eine Coladose klopft. Es entstehen Schwingungen, die man hören kann.

Und? Ist das alles? Ist der Klang einer Rathausglocke wirklich dasselbe wie der Glockenklang der Heimatkirche?

Im Frankenfelder Festgottesdienst jedenfalls kam bei vielen mehr ins Schwingen als nur die Bronzemasse der Glocke. Die Seele kam ins Schwingen. Sehnsucht schwang mit. Von dieser Sehnsucht und dem, was neben Terminen und zu erbringenden Leistungen durch Gott an erfülltem Leben sichtbar wird, lebt Gottesdienst.

Viele im Dorf haben das für sich entdeckt oder neu entdeckt, während sie sich in den vergangenen Jahren engagiert an den Sanierungsarbeiten beteiligt haben.

Ist es ein Wunder? Manchmal schon, wenn so viel unter Alltagskram, Sorgen, Enttäuschungen, Verletzungen und Nichtwissen verschüttet ist. Und doch waren alle im Dorf, mit Ausnahme einer einzigen Familie, bei der Kirchensanierung dabei. Das war ein Wunder, nachdem 1996 der Pfarrer zusammen mit einem Kirchenältesten beschlossen hatte, in vierzehn Tagen den vorläufig letzten Gottesdienst in Frankenfelde zu feiern. Manchmal waren sie zu dritt im Gottesdienst, meist waren nur sie beide da. So war es seit Jahren. Zum "letzten" Gottesdienst kamen acht Gemeindeglieder, dann nach weiteren vierzehn Tagen zehn und so ging es weiter, bis die Initiative zur Grundsanierung der Kirche entstand. Seitdem haben die Frankenfelder einige sehr gut besuchte Gottesdienste auf ihrer Kirchenbaustelle gefeiert, so dass sie jetzt die Hoffnung haben, dass die Sanierung der Kirche nicht nur für das Gebäude, sondern auch für die Dorf- und Kirchengemeinde zu einem Doppelpunkt wird. Zu einem Neubeginn, der Lust macht auf das, was noch kommt.

Die Kugel der vergoldeten Turmbekrönung enthält eine Botschaft an die Frankenfelder der nächsten Generationen: "Im Vertrauen darauf, dass unser Herr seine Kirche trägt und durch die Zeiten begleitet, wollen wir diese Kirche für euch erhalten. Wir wollen an euch weitergeben, was wir empfangen haben..."

Text und Fotos: Christian Kohler

 
   Zum Seitenanfang

 

Unerwarteter Reichtum und die Trümmer eines früheren problematischen Experiments

Entdeckungen auf der diesjährigen Frühjahrsexkursion

Wiederum sehr gut besucht, bot die Kirchenfahrt Anfang Mai eine reiches Programm mit starken Eindrücken. Die fünf besuchten Kirchen liegen im engen Radius um die Stadt Luckau. Auf den stillen Landwegen dieser geschichtsträchtigen und reichen Agrarlandschaft wand sich, was schon komisch anzusehen war, unsere Autokolonne von bald zwanzig Fahrzeugen.

Berichten lässt sich unmöglich alles; konzentrieren wir uns also auf den "Förderkreis-Aspekt: Erhalt und Nutzung der Kirchen". Eindrücklich in diesem Sinne der Auftakt in Zieckau, störten wir doch den Frühjahrsputz, den Gemeinde und örtlicher Förderverein dem Gotteshaus angedeihen ließen.- Im gepflegten Paserin berichtete uns der Pfarrer, wie über viele Jahre hin der heutige ansehnliche Zustand erreicht wurde. - In Waltersdorf mit einer herrlichen Feldsteinkirche zeigte uns das "Pfarrer-Ehepaar" Gehrmann ein Beispiel für eine in den letzten Jahren mit umfangreichen Eigenleistungen wiederbelebte Kirche.- In Goßmar, der letzten Dorfkirchen-Station, geschieht einiges, bleibt auch noch viel zu tun.- Zuvor waren wir in Riedebeck und standen erschüttert um die Einzelteile des spätgotischen Schnitzaltars, die hier, in Folie gewickelt, auf dem Fußboden stehen. Die Kirche wird von der Gemeinde genutzt, bietet jedoch im Inneren ein problematisches Bild. Der bedeutende Raum wurde um 1960 "romanisiert", die jüngere Ausstattung in andere Kirchen gegeben. Das war gewiss ein ehrgeiziges Vorhaben, der Betrachter spürt durchaus die beabsichtigte "kubisch-strenge Klarheit", er genießt die freigelegten mittelalterlichen Wandmalereien, die hier so prachtvoll wie in kaum einer märkischen Kirche zu bewundern sind. Nur befindet er sich nicht in einem halb-musealen Andachtsraum, sondern in der Pfarrkirche eines kleinen Dorfes! Der Umbau geschah, wie uns berichtet wird, "an der Gemeinde vorbei", die dann mit dem neuen Raum und seinen Pflegeanforderungen nicht zurecht kam. Wasserflecken etc. lassen die gewollte Kargheit weniger erhaben denn lieblos wirken. Für alle heutigen Umbauplanungen ist die Riedebecker Kirche ein bedenkenswertes Exempel.

Abschließend kann, wieder einmal - wie eben bei fast jeder unserer Exkursionen –, der unerwartete Reichtum konstatiert werden. Wer von den Teilnehmenden hätte am Morgen des Tages schon erwartet, einen hervorragend erhaltenen ornamentierten mittelalterlichen Putz (Goßmar), Wandmalereien wie in Riedebeck und romanische Bauqualitäten, wie sie eher einer Klosterkirche anstehen (Waltersdorf), sehen zu können?

Der besondere Dank für diesen eindrücklichen Tag gilt dem Ehepaar Gehrmann und unserem Mitglied Lothar Treder-Schmidt für die gelungene Organisation.

Thomas Raschke

 
   Zum Seitenanfang

 

Gebündelte Chancen

Regionalverein für die Niederlausitz gegründet

Angesichts der Situation der Dorfkirchen, wie sie sich auf der Frühjahrsexkursion darstellte, ist es zu begrüßen, dass sich inzwischen ein Regionalverein "Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz" gegründet hat. Der Verein will Aktivitäten zur Erhaltung und Nutzung von 38 Kirchen zunächst im Bereich des alten Kirchenkreises (jetzt mit Lübben und Calau fusioniert) bündeln, um so besser Finanzmittel einwerben, Sponsoren gewinnen, Veranstaltungen koordinieren zu können. Zum Vorsitzenden wurde Lothar Treder-Schmidt, zu seiner Stellvertreterin Annegret Gehrmann gewählt.

Erstes bereits laufendes Vorhaben zur erweiterten Nutzung von Kirchen ist die Konzertreihe "Kirchenmusiken 2002 in Luckau und den Dörfern der Region". Eines der Konzerte ging der Gründungsversammlung voraus.

Konkretes Vorhaben des Vereins ist die Wiederaufstellung des spätmittelalterlichen Altars in der spätromanischen Feldsteinkirche in Riedebeck.

Bei der Exkursion des Förderkreises waren 300 Euro für die Arbeit des geplanten Vereins, insbesondere für den Riedebecker Altar gesammelt worden; der FAK wird dieses Startkapital noch aufrunden.

Interessenten an der Arbeit des neuen Vereins wenden sich an: Familie Gehrmann, Tel. (03 54 54) 3 93

 
   Zum Seitenanfang

 

Dorfkirche Großderschau
ÄHNLICHKEIT mit der Potsdamer Garnisonskirche ist durchaus auszumachen
IN AKUTER NOT
 
Unter dieser Rubrik bitten wir diesmal um
 
Ihre Spende für Großderschau
 
Sanierung ist dringend angesagt
 
Eine Dorfkirche schmückt sich mit berühmtem Vorbild
Einst als sakraler Raum für Kolonistensiedlungen gebaut
Dorfkirche von Großderschau - Grundriss

Während sich in Potsdam die Gemüter immer noch am Thema Wiederaufbau der Garnisonkirche erhitzen, hat der Interessierte die Möglichkeit, sich etwa 60 Kilometer nordwestlich der Landeshauptstadt einen zumindest "typologisch verwandten" Kirchenbau anzuschauen – und zwar in Großderschau im Ländchen Rhinow. So heißt das Dorf jedoch erst seit 1951. Gegründet wurde der Ort gemeinsam mit anderen Kolonien 1749, als das Rhin- und Dossebruch entwässert wurde: damals erhielt er nach dem König und Landesherren den stolzen Namen Friedrichsdorf. Wenige Jahrzehnte später entstand die Kirche als spätbarocker Quersaal, das heißt: der Altar steht nicht, wie sonst üblich im Osten, sondern zusammen mit der Kanzel an der nördlichen Querwand und der quadratische Turm mit Spitzhelm ist dem Schiff auf der Südseite vorgebaut.

Der schmucklose Innenraum wird, ebenso wie beim (noch) verschwundenen Potsdamer Vorbildbau, bestimmt durch eine gewaltige zweigeschossige Empore, die hufeisenförmig drei Seiten des Kirchenraumes umläuft. Dadurch bot das Gotteshaus einst Platz für 700 Gläubige, war es doch der einzige Kirchenbau für insgesamt zehn Kolonistensiedlungen, in den ersten Jahrzehnten "simultan" genutzt von Lutheranern und Reformierten. Da die Zahl der sonntäglichen Kirchgänger in späteren Zeiten sehr viel geringer war, wurde in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter der westlichen Empore ein Gemeinderaum abgetrennt

Heute hat die Großderschauer Dorfkirche massive bauliche Probleme. Besonders die Holzkonstruktion des Turmes ist durch Feuchtigkeit und Schädlingsbefall stark geschädigt.

Um dem abzuhelfen, gründete sich im vergangenen Jahr der Förderverein Kolonistenkirche Großderschau e.V. Gemeinsam mit der Kommune und dem inzwischen etablierten Heimathaus im Ort (ein Besuch des historischen Zinnfigurenkabinetts lohnt allemal!) organisierte man in der Kirche Konzerte, Lesungen und Ausstellungen. Parallel zu den kulturellen Aktivitäten begann die aufreibende Vorbereitung der notwendigen Sanierungsarbeiten. Vereinsvorsitzender Jakob Weitzel zählt auf: Förderanträge, Holzschutzgutachten, Bauplanung, Spendensammeln im Ort... Der eine Architekt warf das Handtuch, ein neuer musste gefunden werden. Trotz aller Schwierigkeiten werden die Bauarbeiten voraussichtlich im August beginnen. Das Arbeitsamt hat einer Vergabe-ABM zugestimmt und auch die notwendigen Eigenmittel stehen bereit.

Längerfristig soll der Innenraum renoviert werden, historische Farbproben wurden bereits entnommen; auch die Lütkemüller-Orgel von 1859 wünscht man sich wieder bespielbar. Erste Etappe wird jedoch die umfassende Sanierung des Turmes sein. Kugel und Spitze stehen bereits fertig überarbeitet im Kirchenraum. Streit um die Turmbekrönung wie in Potsdam wird es unter den Großderschauern wohl nicht geben. In der historischen Wetterfahne steht lediglich 1785 als Hinweis auf das Jahr der Erbauung.

 

Der Förderkreis Alte Kirchen bittet um Spenden für die weitere Instandsetzung der Dorfkirche Großderschau.

Spenden-Konto: 51 99 76 70 05 bei der Berliner Volksbank;

BLZ 100 900 00; Kennwort: Großderschau

Sie erhalten selbstverständlich eine Spendenquittung; bitte geben Sie dafür auf dem Überweisungsträger Ihre Anschrift an.

 
   Zum Seitenanfang

 

Jung geblieben im jahrelangen Wirken für die Bewahrung alter Kostbarkeiten

Ilse Hannsz feiert im Juli ihren 80. Geburtstag

Ilse Hannsz

Es ist kaum zu glauben angesichts ihrer Vitalität: Am 15. Juli feiert Ilse Hannsz in Marburg den 80. Geburtstag. Demnach ist sie im Jahre 1922 geboren, in Hennigsdorf bei Berlin, eine echte Märkerin.

Sie hat ein wechselvolles Leben hinter sich, lebte mit ihrer Familie 15 Jahre in den Niederlanden, später dann in Brandenburg, Mecklenburg, Vor- und Hinterpommern. Nach ihrer Heirat und dem Zweiten Weltkrieg hat es sie in die traditionsreiche Universitätsstadt Marburg verschlagen. Ihr Anwesen lag in direkter Nachbarschaft zu dem des Künstlers Prof. Adolf Schröter aus Frankfurt/Oder, so dass sich für beide beinahe zwangsläufig eine langwährende Lebenspartnerschaft ergeben hat (beide waren inzwischen verwitwet und hatten zusammen elf Kinder). Nunmehr besteht auch eine weitergehende Freundschaft in die nächste Generation.

Mit wachsender Sorge und wachem kunstverständigen Blick haben beide das Schicksal der hessischen Dorfkirchen, ihren vielfachen Verfall infolge modernistischer Bestrebungen zum Bau von Gemeindehäusern auf der grünen Wiese verfolgt und dem offensichtlichen Notstand der dadurch vernachlässigten alten, schönen, gediegenen Fachwerkkirchen entgegengewirkt. Von Anfang an mit dem Förderkreis Alte Kirchen Marburg verbunden, ja Gründungsmitglied, lange Zeit Vorstandsmitglied, noch heute Kassenprüferin, gelang es Ilse Hannsz zusammen mit anderen tatkräftigen Frauen und Männern, ideenreich den anfänglichen und noch immer andauernden Finanzproblemen beizukommen durch Trödel- und Kräutermärkte, Dorf- und Marktfeste, durch Vorträge bei verschiedenen Institutionen etc.. Hilfreich war auch der Erlös aus dem Verkauf von Zeichnungen und Grafiken von Adolf Schröter.

Mit großem Engagement und Beharrlichkeit nahmen Ilse Hannsz und Adolf Schröter Anteil am Verbleib der einzigartigen Glasfenster von St. Marien Frankfurt/Oder, die jahrzehntelang als verschollen galten. Adolf Schröter hatte die Fenster bereits 1927-1930 teilweise abgezeichnet und künstlerisch umgesetzt. 1981/1982, dann wieder 1987/88 reiste das Team Schröter/Hannsz in die DDR, knüpfte im Institut für Denkmalpflege Kontakt zu Frau Dr. Sachs und Herrn Dr. Drachenberg und besuchte die Evangelische St.-Marien-Kirchengemeinde in Frankfurt/Oder, um jeweils Dia-Sätze der Glasfenster zu übergeben.

Erst kürzlich nahm Ilse Hannsz als Delegierte der Förderkreise aktiv an der Hauptversammlung des Fördervereins St.-Marien-Kirche Frankfurt/Oder teil, zusammen mit Rainer Lachmann, der ebenfalls recht rege in verschiedenen Fördervereinen tätig ist. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die jahrzehntelangen Bemühungen um die Rückführung der Fenster aus der Eremitage in St. Petersburg, wo sie seit 1946 eingelagert waren. Teilnehmerin war auch Petra Larass, eine Enkeltochter Adolf Schröters, die dieses Thema zum Inhalt ihrer Magisterarbeit in Kunstgeschichte genommen hatte.

Ilse Hannsz hat viel von ihrer Kraft und ihren Erfahrungen hilfreich zur Rettung gefährdeter Kirchen eingesetzt. Wir danken für ihr ehrenamtliches Engagement für die Förderkreise Alte Kirchen und wünschen ihr Glück und Segen für ihren Lebensabend.

Rainer Lachmann

 
   Zum Seitenanfang

 

Neue Zukunft für die Wendische Kirche

Erhebliche Mittel für Ausbau zum soziokulturellen Zentrum

Stadtkirche von  Senftenberg Stadtkirche von  Senftenberg

Der Ausbau der Wendischen Kirche in Senftenberg zu einem soziokulturellen Zentrum wird vom Land Brandenburg gefördert. Für die rund 400.000 Euro teure Innen-Sanierung der denkmalgeschützten evangelischen Kirche im südbrandenburgischen Braunkohlerevier werden 90.500 Euro zur Verfügung gestellt. Weitere Mittel von 185.000 Euro sollen von der Bundesanstalt für Arbeit und vom Landkreis kommen. 147.000 Euro sind von Gemeinde und Kirchenkreis aufzubringen.

Die erste wendische Kirche wurde in Senftenberg nach der Reformation im Jahr 1540 errichtet. Mehrfach musste das Bauwerk nach Bränden erneuert werden. Die derzeitige Wendische Kirche in direkter Nachbarschaft zur Deutschen Kirche entstand 1749 in nur acht Monaten. 1993 war der Abriss vorgesehen, das Bauwerk wurde jedoch unter Denkmalschutz gestellt. Seit mehreren Monaten bemüht sich ein Förderverein um den Ausbau zum soziokulturellen Zentrum.

 
   Zum Seitenanfang

 

Mit der Rettung einer Kirche sind längst nicht alle Probleme gelöst

Glambecker Erfahrungen, die vielerorts zu bedenken sind

Es wird nicht einfacher, wenn eine Kirche gerettet ist — eine Erfahrung nicht nur aus Glambeck (bei Joachimsthal). Die kleine Fachwerkkirche des Ortes zählt zu den 120 Gotteshäusern in Berlin und Brandenburg, die in den letzten Jahren gerettet werden konnten. Initiator war ein Denkmalverein, der für seine Arbeit vor drei Jahren mit dem Förderpreis "Initiativen für Brandenburgische Dorfkirchen" des Förderkreis Alte Kirchen ausgezeichnet wurde.

Inzwischen wurden weitere Denkmale saniert: der alte Eiskeller, Feldsteinmauern und ein Wahrzeichen der Region, der architektonisch reizvolle kleine Taubenturm. Und in die restaurierte Kirche zog Leben ein, wie 1998 von Kirchengemeinde und Denkmalverein im Nutzungskonzept vorgesehen. Im April hatte Landesbischof Huber den Verein wissen lassen, dass er sich gern der Einweihung der Kirche erinnert und sich freut, dass der Verein und die Ortsgemeinde zu einer so gedeihlichen Zusammenarbeit gefunden und eine Nutzungskonzeption für die Kirche erarbeitet haben, die sowohl der historischen als auch der geistlichen Bedeutung der Kirche gerecht wird.

Bereits vor Sanierungsbeginn hatten Pfarrer Ralf Schwieger und der Denkmalverein die Rettung der Kirche — sie war eine Ruine — und künftige angemessene Nutzung verknüpft. Eine Dreifachnutzung wurde angestrebt und wird bis heute praktiziert: eine sakrale, eine kulturelle und eine touristische. Gottesdienste finden statt, Gläubige werden von der Taufe bis zur Beisetzung begleitet. Ausstellungen laden ein, Künstler präsentieren ihre Werke, die "Glambecker Konzerte" haben einen Ruf weit über den Kreis hinaus. Als Ort der Stille inmitten der Natur bietet die "offene Kirche" Touristen Möglichkeit zur Einkehr.

Ein stattliches Programm, die Kraft des Ehrenamtes, Engagement und Spenden sind nach wie vor gefragt. Die Illusion, es werde einfacher, wenn die Kirche gerettet ist, war trügerisch. Der Kreis der Engagierten aus dem Dorf wird kleiner. Die Kirche offen zu halten, Konzerte und Ausstellungen vorzubereiten, kostet Kraft und Zeit. Und Geld! Da sind Kirche und Umfeld sauber zu halten, Reparaturen fallen an, ebenso Kosten für Energie, Wasser und Abwasser (die GEMA fordert 15 Prozent der Einnahmen).

Wer eine Kirche nutzen will, sollte rechtzeitig bedenken: Auch eine Mehrfachnutzung kostet Geld. Der Verein Denkmale Glambeck e.V. fragt sich heute: Wie können gemeinsam mit der Kirchengemeinde Wege zur Finanzierung gefunden werden? Man setzt auch eine Hoffnung darauf, dass die Tagung "Bürger fördern Gotteshäuser — die Kirche dankt" am 31. August im Brandenburger Dom Wege weist.

Heimtraud Eichhorn

Glambecker Daten

Öffnungszeiten:

Sommerhalbjahr:

Mi.-Fr. 10—17 Uhr
Sa, So, feiertags: 11—18 Uhr

Winterhalbjahr:

Sa, So, feiertags
10—17 Uhr

Führungen und Sonderkonzerte jederzeit auf Voranmeldung. Tel. (01 60) 92 98 20 72

Spenden erbeten: Denkmale Glambeck e.V., Sparkasse Barnim, BLZ 170 520 001Kto.: 3310009326

Nächste Konzerte

 
   Zum Seitenanfang

 

Fenster vom Blick ins Weltall inspiriert

Eine unkonventionelle Entscheidung für die Gollmitzer Wehrkirche

Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Wehrkirche von Gollmitz gilt wegen ihres Alters als eine Besonderheit. Wenn jetzt als Abschluss einer wichtigen Etappe der Kirchensanierung ganz modern gestaltete Fenster feierlich eingeweiht wurden, dann war das eine vom Freundeskreis Gollmitzer Wehrkirche lange diskutierte, schließlich gewollte Lösung.

Der Künstler Werner Kothe, Annenwalde, ging bei der Gestaltung der Fenster an der Altarseite unkonventionelle, nicht vordergründige Wege. Er ließ sich von Erscheinungen aus dem Weltall inspirieren: von Fotos durch Satellitenkameras, Sternennebel, Blick aus dem All auf die Erde, im Hintergrund der Mond.

Jürgen von Chamier vom Freundeskreis: Diese moderne Gestaltung gibt unserer Kirche ein würdiges Gesicht. Matthias Hoffmann-Tauschwitz, Kirchliches Bauamt: Diese Fenster wirken auch weit außerhalb der Gottesdienste. "Sie stehen für ein leider noch zu seltenes Nebeneinander von einem weltlichen Impuls und dem kirchlichen Anspruch an diesen Impuls."

 
   Zum Seitenanfang

 

Reise in die Geschichte der Neumark

Jenseits der Oder: Sonnenburg/Słonsk und seine interessante Kirche

 Kirche von Sonnenburg/Słonsk
 UNGEWÖHNLICH in der Mark: als Vorbild für den spitzenbekrönten Turm diente Schinkel die Londoner Westminste Abbey
 

Wer von unserem Nachbarland Polen mehr erleben möchte als bunte, von Menschen überquellende Märkte, der sollte sich nicht scheuen, das grenznahe Umland zu erkunden. Nur 15 km vom Grenzübergang Küstrin/Kostrzyn entfernt, liegt am Rande des Warthebruchs der Ort Sonnenburg/Słonsk mit seinen z.T. erhaltenen Bürgerhäusern. Mittelpunkt des Ortes, der von 1341–1945 Stadtrecht besaß, aber ist die vor einigen Jahren teilrestaurierte Kirche, die 1508 geweiht wurde. So manchem Besucher mag der Bau mit seinem von vier Spitzen bekrönten Turm bekannt vorkommen. Nach dem großen Stadtbrand vom 14. April 1814, bei dem Turm und Kirchendach abbrannten, wurde der spätgotische Bau von 1814–1817 unter Federführung von Karl Friedrich Schinkel wieder neu aufgebaut. Schinkel ließ den Kirchturm nach dem Vorbild der Londoner Westminster Abbey errichten.

Die Kirche ist heute katholisch. Im Kircheninneren beeindrucken vor allem der renovierte Spätrenaissancealtar aus der Kapelle des Berliner Stadtschlosses und das prachtvolle Sterngewölbe mit den 25 Schlusssteinen (wahrscheinlich um 1522 von dem Bildhauer Meckelburger ausgeführt). Die aufwendige Deckenausmalung – im Jahr 1925 wiederentdeckt – wurde von Prof. Sandforth im selben Jahr neu übermalt. Allerdings geht man heute davon aus, dass die mittelalterliche Ausmalung eine andere war und die heutige eine recht freie Adaption dieser darstellt.

Von großer Bedeutung sind die Fenster der Kirche aus dem Jahr 1925, die die Wappen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Johanniterritter der Ballei Brandenburg zeigen. Angefertigt wurden die Fenster von der Berliner Glasmacherei Peschel, die auch heute noch existiert. Die Fenster sollen demnächst nicht zuletzt mit Hilfe der Johanniter gesichert und restauriert werden.

Wer im Innern der Kirche genau hinschaut, wird die Malteserkreuze des Johanniterordens überall entdecken können. Im Jahre 1426/27 erwarb der Orden Schloss und Stadt Sonnenburg sowie zehn umliegende Dörfer. Sonnenburg wurde Sitz des Herrenmeisters und der Ordensregierung der Ballei Brandenburg. Die Urbarmachung des Warthebruchs war eine herausragende Siedlungsleistung der Johanniter und mehrte deren Einkünfte. Im Jahre 1792 umfasste das Ordensamt 10 Dörfer, 37 Kolonien und Etablissements, 6 Vorwerke, 6 Wasser- und 2 Windmühlen.

Von 1550–1933 fanden in der Sonnenburger Kirche jeweils am Johannistag die Ritterschläge der Johanniter statt.

Das Schloss aus dem 16. Jahrhundert ist heute nur noch Ruine. 1968, während der Renovierungsarbeiten, sorgte Unachtsamkeit für ein Großfeuer, bei dem wertvolle Gemälde, der holzgetäfelte Festsaal und vieles mehr in Flammen aufgingen.

Wer nach einem Ortsrundgang noch etwas Zeit hat, sollte von Sonnenburg/Słonsk aus weiter in östlicher Richtung nach Alt Limmritz/Lemierzyce fahren, dort links abbiegen und geradewegs durch das Naturschutzgebiet des Warthebruchs nach Vietz/Witnica und von dort wieder zurück nach Küstrin/Kostrzyn fahren. Schöne Aussichten und Tierbeobachtungen locken.

Hendrik Bäßler

Empfohlene Rundreise:

Über den Grenzübergang Küstrin/Kostrzyn in südöstlicher Richtung auf der Hauptstraße Nr. 133 nach Sonnenburg/Słonsk (15 km), weiter auf der Hauptstaße Nr. 133 nach Alt Limmritz/Lemierzyce, links abbiegen nach Vietz/Witnica und von dort wieder zurück nach Küstrin/Kostrzyn.

Gesamtstrecke knapp 60 km.

 
   Zum Seitenanfang

 

Auftakt mit Musik und Baugerüst

In Wernsdorf begann die dringend notwendige Instandsetzung

Gut besucht war ein Benefizkonzert in der Dorfkirche von Wernsdorf, gelegen zwischen Erkner und Königs Wusterhausen. Der Förderkreis Alte Kirchen hatte das Kammerquartett "flauto e corde", bestehend aus Musikern des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und der Komischen Oper unter der Leitung von Markus Strauch, vermitteln können. Der Zeitpunkt für das begeistert aufgenommene Konzert war denkbar günstig gewählt. Am Tage zuvor waren die Außenrüstungen für die beginnenden Instandsetzungsarbeiten gestellt worden.

Der bescheidene Saalbau entstand 1801/03 unter königlichem Patronat. Nach starken Kriegsschäden wurden 1952 Instandsetzungsarbeiten am Turm und am Kirchendach ausgeführt. 1961 erfolgte der Abriss wurmstichig gewordener Holzteile des Kanzelaltares, der Sakristei und der Seitenbänke, ein steinerner Altarblock wurde aufgemauert – seitdem bietet der Innenraum einen eher kargen, trotzdem sympathischen Anblick.

Seit etwa zehn Jahren ist der Turm gesperrt, das Läuten der zwei Glocken ist baupolizeilich untersagt. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde setzt sich ein Förderverein für die dringend notwendige Instandsetzung ein.

Der erste Bauabschnitt hat mit finanzieller Beteiligung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Stiftung KIBA gerade begonnen. Das Benefizkonzert war ein gelungener Auftakt dazu und die Musiker versicherten, dass die Akustik des bescheidenen Kirchenraumes hervorragend sei.

Kontakt: Kirchbauverein Wernsdorf e.V.; c./o. Volker Schramm, Am Werder 5, 15 537 Wernsdorf, Tel.: (0 33 62) 82 01 83

 
   Zum Seitenanfang

 

Gefährdetes Horno - es lohnt, über Alternativen nachzudenken

Das Dorf Horno in der Lausitz, dessen Bewohner nun schon seit Jahren einen beharrlichen Kampf gegen das geplante Abbaggern des Ortes führen, erregt immer wieder die Öffentlichkeit. Zu diesem vieldiskutierten Thema erreichte uns folgende Zuschrift:

Horno ist zum Zündfunken und mittlerweile zum Brennpunkt einer Auseinandersetzung über die Zukunft der strukturschwachen Lausitzregion geworden, die inzwischen internationale Kreise zieht.

Im Stillen sollen sie gehen, die Bewohner von Horno, ihre Heimat, angestammt seit altersher, verlassen; Ruhe sollen sie geben, endlich schweigen und die nicht einzusehende Entscheidung einsehen. Seit nunmehr zehn Jahren kämpfen die Hornoer dagegen an. Sie kämpfen einen Davidkampf gegen die Stromwirtschaft, Politik und Justiz.

Bereits in zweiter Instanz wurden die Klagen abgelehnt. Doch wenn energiepolitische Entscheidungen, die von politischen Instanzen in Absprache mit der Energiewirtschaft getroffen werden, nicht gerichtlich anfechtbar sind, steht mit dem Prinzip der Gewaltenteilung ein demokratisches Grundprinzip unserer Gesellschaft auf dem Spiel.

Noch nie hat sich in der nahezu hundertjährigen Geschichte der umweltvernichtenden Braunkohleverstromung eine Dorfgemeinschaft so lange gegen den Druck von außen behaupten können. Ihr Dorf, ihre Heimat, ihre Erinnerungen, ihr ganzes bisheriges Leben soll dem Bagger zum Opfer fallen, um das nahegelegene Kraftwerk Jänschwalde, mit 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid der größte Einzelemittent in Deutschland, mit Braunkohle füttern zu können. Dabei ist das kleine Braunkohleflöz 80 Meter unter dem Dorf nahezu lächerlich; ist Braunkohle schon heute ein kaum noch tragbarer Energielieferant; gibt es keine Not zu diesem Schritt und vor allem – es gibt Alternativen! Es ist in unseren Tagen nicht mehr nötig, Strom zu erzeugen mit der immensen Umweltbelastung, die die Verarbeitung von fossilen Brennstoffen und insbesondere Tagebau-Braunkohle mit ihrem hohen Anteil an Verschmutzungen (es sei nur an den großen Schwefelanteil erinnert) mit sich bringt. Die bedrohlichen Folgen des Klimawandels durch die hier verursachten Treibhausgase stehen jedermann vor Augen. Warum also nicht auf die blinde Durchsetzung unvernünftiger Entscheidungen verzichten und den Blick auf zukunftsträchtige, umwelterhaltende und nachhaltige Lösungen richten?

So hat z. B. die halo energy London, ein auf erneuerbare Energien spezialisiertes Expertenteam, einen Energiegarten vorgeschlagen. Unter Verwendung neuester Technologie auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien, der Heranziehung internationalen Kapitals und der Einbindung aller beteiligten Interessengruppen entstünde ein Projekt, das richtungsweisend für die Region und für ganz Europa werden könnte. Durch die Unterstützung eines solchen Vorhabens würden die involvierten Energieunternehmen nicht nur ihrer sozialen Verantwortung gerecht, sie würden sich darüber hinaus eine Tür in die "Nach-Kohle-Ära" öffnen.

Dabei könnten das bedrohte Dorf, seine Kirche, seine Gehöfte und Stallungen, seine Wiesen und Weiden mit all ihrem Charme weiter bestehen. Die Menschen von Horno behielten ihre Wurzeln, ihre Geschichte, ihre Identität. Nicht zuletzt wäre der Umwelt durch die Gewinnung von Elektroenergie aus erneuerbaren Quellen, ohne Treibhauseffekt, ohne radioaktive Risiken und ohne Abfallproblematik sehr gedient. Hier existiert eine Lösung, die alle zufrieden stellen sollte. David und Goliath Arm in Arm - eine Vision des 21. Jahrhunderts.

Maiko Klosch

Erinnerungsstätte an Horno geplant

Die Bewohner von Horno wollen bei einer Umsiedlung des Dorfes mit einem neuen Bauwerk an ihre alte Kirche erinnern. Das Feldsteingebäude aus dem 15. Jahrhundert sei in dem vom Braunkohletagebau bedrohten denkmalgeschützten Lausitzdorf zu einem Symbol von Heimat, Trauer und Hoffnung geworden, sagte Reinhard Richter vom Kirchenkreis Cottbus. Eine Umsetzung der Hornoer Kirche sei jedoch nicht vorgesehen. Das neue Bauwerk soll in Forst entstehen.

In der brandenburgischen Grenzstadt wollen die Hornoer die Folgen des Braunkohletagebaus in den vergangenen 100 Jahren und den Verlust mehrerer Dörfer und Kirchen der Region dokumentieren. Konzepte für die kirchliche Erinnerungsstätte, die auch für Gottesdienste genutzt werden soll, werden derzeit erarbeitet.

Bis zum Jahr 2009 wird den Dorfbewohnern ein so genanntes soziales Netzwerk unter Leitung der Hornoer Pfarrerin Dagmar Wellenbrink-Dudat zur Beratung und Seelsorge zur Verfügung stehen, kündigte Richter weiter an. Die Kosten übernehme der Stromerzeuger LAUBAG als Verursacher der möglichen Umsiedlung. Ziel des soziales Netzwerkes sei neben der Begleitung der Hornoer durch eine Vertrauensperson auch die Betreuung in Krisensituationen. Derzeit leben rund 320 Menschen in Horno, darunter 170 evangelische Christen. Die Hälfte der Einwohner ist jünger als 40 Jahre. epd

 
   Zum Seitenanfang

 

Aus der Sicht von Wissenschaftlern

Drei interessante Arbeiten zum Thema Denkmalpflege

Alexander Möbius, Dipl.-Ing. Architektur (* 19. 11. 1972, Berlin)

Nutzungserweiterung sakraler Gebäude durch offene Nutzung, bezogen auf den (Alt-)Kreis Templin in der Uckermark

Die Grenzen der historischen drei Altkreise (Angermünde, Prenzlau und Templin) entsprechen den heutigen Kirchengrenzen. Im Altkreis Templin werden ca. 65 Kirchen, Kapellen und kirchliche Gebäude untersucht auf Zustand und gegenwärtige Nutzung. Daraus sollen Aussagen abgeleitet werden für die künftige Arbeit der Gemeinden, Nutzer und Denkmalpfleger.

Möbius kommt von der Altbausanierung und Denkmalpflege her, hat an der Dokumentation des Neuen Museums auf der Museumsinsel mitgewirkt und seit 1995 die Thematik der Förderkreise Alte Kirche aufmerksam verfolgt. Mitarbeit im Architektenbüro Dr. Tost u. Partner.

Alexander Möbius bezieht sich auf die Unterlagen der Kirchengemeinden und der Unteren Denkmalschutzbehörde, erhofft sich noch mehr Informationen. Es ergeben sich Berührungspunkte zur Arbeit von Matthias Ludwig, der die offenen Nutzungsmöglichkeiten anhand von (hessischen) Beispielen aufgezeigt hat.

Die Arbeit von Alexander Möbius ist zur Hälfte zu Papier gebracht und wird begleitet von Prof. Cramer vom Fachbereich Baugeschichte der TU Berlin.

Postadresse: Wallstrasse 90, 10179 Berlin, Tel.: 0173-2 33 04 85.

Petra Larass, Kunsthistorikerin, Kustodin der Franckeschen Stiftungen Halle/Saale (* 20. 06. 1968, München)

Die Glasfenster der St.-Marien-Kirche in Frankfurt a. d. Oder. Eine Betrachtung der drei spätmittelalterlichen Glasfenster aus dem Chorumgang. Magisterarbeit (1995) an der Ludwig-Maximilian-Universität München

Die kunsthistorische Bedeutung der Marienfenster ist eigentlich erst erkannt worden, als die Ausglasung 1943 und Sicherstellung in der Orangerie in Potsdam staatlicherseits angeordnet wurde.

Die von Schinkel 1830 restaurierten drei Fenster waren wissenschaftlich noch unbearbeitet und bis auf einige wenige Erwähnungen in der Fachliteratur ungenügend publiziert.

Petra Larass konnte auf der fotografischen Bestandsaufnahme von 1943 und den zeichnerischen Arbeiten ihres Großvaters Adolf Schröter von 1927 - 1930 aufbauen und hat eine alle Fakten zusammenfassende Monografie zusammengestellt.

Die Arbeit beinhaltet die Ikonografie, die seit der russischen Revolution in Vergessenheit geraten ist, eine umfassende bildliche Dokumentation und gründliche Beschreibung sowie Hinweise für die Rekonstruktion des Fensteraufbaus infolge des unterschiedlichen handwerklichen Entstehungsprozesses.

Zusammen mit den von der CVMA erfassten neuzeitlichen Erkenntnissen der Glasbehandlung mittelalterlicher Scherben dürfte diese Arbeit für Restauratoren sicherlich hilfreich sein.

York Stuhlemmer, Architekt Dipl.-Ing. (* 22. ll. l966, Berlin)

Kommandantur Berlin. Vom preußischen Profanbau zur Firmenrepräsentanz. Untersuchungen zur Baugeschichte des Kommandaturgebäudes als Grundlagenforschung für die Wiedergewinnung der Fassadenarchitektur.

Die Architektengemeinschaft Stuhlemmer (Vater und Sohn) hat die Wiederherstellung der Dorfkirchen Marxdorf, Wulkow/Neuhardenberg und Hermersdorf betrieben. Neben verschiedenen photogrammetrischen Arbeiten für die Stadtmitte Berlins steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung zu Fragen der Rekonstruktion im städtebaulichen Kontext. Die Berliner Kommandatur liegt gegenüber dem Deutschen Historischen Museum.

Die Arbeit (vorgesehen für 2003) dient zur Komplettierung des städtebaulichen Ensembles Friedrichswerdersche Kirche und künftige Bau-Akademie und wird begleitet von Prof. Dr. Manfred Klinkkott, TU Karlsruhe, und Prof. Dr.-Ing. Ludwig Deiters.

Adresse: Vogelsang 15, 14195 Berlin, Tel.: ( 0 30) 8 31 48 61, Fax: (0 30)-8 31 58 19. e-mail: York@Stuhlemmer.net

Rainer Lachmann

 
   Zum Seitenanfang

 

Informationen

Gute Wünsche für Hartmut Dorgerloh

Zum neuen Generaldirektor der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wurde der bisherige Referatsleiter für Denkmalpflege im brandenburgischen Kulturministerium Dr. Hartmut Dorgerloh gewählt.

Der Förderkreis Alte Kirchen wünscht Hartmut Dorgerloh in seinem neuen hohen Amt viel Erfolg und dankt für die bisherige gute Zusammenarbeit.

Schon jetzt ein erster Blick in die gläserne "Bilder-Bibel"

Die nach 1945 als Beutekunst in die Sowjetunion verbrachten Bleiglasfenster der Marienkirche Frankfurt/Oder sind vor wenigen Tagen zurückgekehrt. Bevor sie allerdings wieder in die Kirchenfenster eingebaut werden können, werden sie in dem als Restaurierungswerkstatt umfunktionierten "Märtyrerchor" eingelagert. Die Gesamtkosten der Restaurierung haben Fachleute auf eine Million Euro veranschlagt, die über ein Förderprogramm finanziert werden sollen. Als Anschubfinanzierung stellt die Oderstadt 150.000 Euro zur Verfügung.

15 der insgesamt 111 einzigartigen Kunstwerke aus dem 14. Jahrhundert waren zuvor in der Eremitage St. Petersburg ausgestellt worden. Bereits für September ist nun eine Ausstellung eines Teils der Glasmalereien in Frankfurt/Oder vorgesehen. Gezeigt werden dann sowohl restaurierte als auch unterschiedlich gut erhaltene Facetten aus einem mehr als zehn Meter hohen Gesamtbild.

Wer schon vorher einen Blick in die "gläserne Bilder-Bibel" werfen möchte, kann das jederzeit im Internet tun:

www.hermitagemuseum.org/html_En/index.html (quick search: Marienkirche) oder: www.hermitagemuseum.org/html_En/11/h11_1_73_0.html

Text: www.hermitagemuseum.org/html_En/04/hm4_1_18.html

Im Internet:

Kirchen laden ein

Seit kurzem sind auch die Kirchengemeinden des Pfarrsprengels Rühstädt im Internet präsent. Die Homepage informiert über Erbauungszeit und kunsthistorisch bedeutsame Ausstattung der zehn zum Sprengel am Ufer der Elbe gehörenden Kirchengebäude und nennt auch die Kontaktadressen.

Links informieren zudem über weitere Attraktionen der Gegend: das Storchendorf Rühstädt und sein neu eröffnetes Schlosshotel, ebenso über die Geschichte der Prignitz.

http://Uwe.Czubatynski.bei.t-online.de/Kirche.html

Orgelgeschichte

Ein sehr spezielles Gebiet der brandenburgischen Landesgeschichte dokumentiert eine Bibliographie zur Orgelgeschichte Berlin-Brandenburg. Erfasst ist nicht nur einschlägige Literatur, sondern sind auch Choralbücher und Tonträger.

http://Uwe.Czubatynski.bei.t-online.de/Orgel.htm

Glocken aus Lauchhammer

Für die rund 900 Jahre alte Wigbertikirche in Riestedt bei Sangerhausen sind im brandenburgischen Lauchhammer drei neue Glocken gegossen worden. Wegen Rostschäden konnten die bisherigen Glocken seit zwei Jahren nicht mehr geläutet werden. Die Kosten von rund 36.000 Euro sind durch Spenden aufgebracht worden.

 
   Zum Seitenanfang