Die Dorfkirche von Garrey (Potsdam-Mittelmark)

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Südlich von Niemegk - direkt an der Grenze zu Sachsen-Anhalt und nur zwanzig Kilometer von der Lutherstadt Wittenberg entfernt - liegt der kleine Flämingort Garrey. Der Besucher findet ein hübsches und gepflegtes Angerdorf mit einem Dorfteich in der Mitte. Etwas erhöht, inmitten des noch benutzten Friedhofs, liegen die kleine Saalkirche aus unregelmäßig bearbeiteten, zum Teil erstaunlich großen Feldsteinen, das ehemalige Schulhaus sowie die alte Schmiede.

Der ursprünglich sehr kleine Kirchenbau entstand am Beginn des 14. Jahrhunderts, wurde jedoch bereits etwa 100 Jahre später um einige Meter nach Osten verlängert. In der Ostwand hat sich die ursprüngliche gotische Dreifenstergruppe erhalten. Über dem Westgiebel sitzt ein Dachreiter aus Fachwerk, dessen Westseite mit einer Ziegelmauer verblendet wurde. Nachdem im 30-jährigen Krieg das Dorf vorübergehend wüst fiel und die Kirche vermutlich stark beschädigt wurde, kam es um 1681 zum Wiederaufbau des Gotteshauses. In diesem Jahr wurde die noch heute erhaltene Glocke in Wittenberg gegossen, und auch der liegende Dachstuhl mit den barocken Abbundzeichen an den verarbeiteten Balken stammt wohl aus dieser Zeit.

Der Innenraum wurde um 1900 letztmalig renoviert und umgestaltet. Die damals entstandene Raumgestaltung und die Farbfassung der Wandflächen sind erstaunlich gut erhalten, harren jedoch einer umfassenden Restaurierung. Der hölzerne Kanzelkorb mit Darstellungen der Evangelisten in den Feldern entstand, ebenso wie der Pfarrstuhl in der Nordostecke und das reich verzierte Chorgestühl, bereits am Ende des 16. Jahrhunderts. Vom barocken Altaraufsatz blieb lediglich die Predella mit einer Darstellung des Abendmahls von Johann Amberger erhalten, bekrönt wird sie von einem kleinen hölzernen Kruzifix. Die Orgel mit seitlichem Spieltisch schuf 1883 der Instrumentenbauer Wilhelm Lobbes aus dem benachbarten Niemegk. Insgesamt bietet sich dem Betrachter ein harmonischer Raumeindruck. Mehr als ein Jahrhundert nach der letzten Restaurierung wäre eine umfassende Restaurierung wünschenswert.

Bevor jedoch der Innenraum instandgesetzt werden kann, sind größere Instandsetzungsarbeiten an der Hülle des Kirchengebäudes vordringlich. Der Westgiebel muss dringend saniert werden, die Fachwerkkonstruktion des Turmes und große Teile der Deckenbalken sind marode. Da die kleine Kirchengemeinde (44 Gemeindeglieder bei lediglich 86 Einwohnern) allein mit dieser Aufgabe überfordert wäre, gründete sich im November 2011 der "Freundeskreis der Garreyer Kirche". Die Sanierung des Kirchengebäudes sieht der rührige Verein als Teil eines Gesamtkonzeptes zur Zukunftssicherung im ländlichen Raum unter dem Titel "Unser Dorf hat Zukunft". Bei einem gleichnamigen landesweiten Wettbewerb belegte Garrey im Jahr 2011 den dritten Platz. Für die Dorfbewohner soll das Dorf als Lebensraum attraktiver gemacht, neue Einwohner sollen angelockt und Touristen neugierig gemacht werden. Drei überregionale Radwanderwege treffen sich in Garrey; ihren Benutzern soll die Kirche in Zukunft zur Andacht und Besinnung offen stehen.

Im vergangenen Jahr fanden bereits mehrere gut besuchte Konzerte in der Kirche statt. Wöchentlich erteilt eine pensionierte Kantorin aus Belzig mehreren Garreyern Orgelunterricht und auch ein kleiner Dorfchor hat sich zusammengefunden. Im Gegensatz zu zahlreichen düsteren Prognosen für den ländlichen Raum ist Garrey ein lebendiges Dorf. Ein erster Bauabschnitt zur Sanierung des Turmfachwerks und des Westgiebels ist in Arbeit. Gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen an der Finanzierung der laufenden Arbeiten. Im kommenden Jahr hofft man, einen weiteren, größeren Bauabschnitt finanzieren zu können.

Die Aktivitäten des Garreyer Freundeskreises haben neben anderen Fördermittelgebern auch den Förderkreis Alte Kirchen überzeugt. Der Verein gehörte 2013 zu den Preisträgern unseres "Startkapitals für Kirchen-Fördervereine". In diesem Jahr hat er sich bereiterklärt, für die aktuelle Preisverleihung am 19. September als Gastgeber aufzutreten. Da der Kirchenraum wegen der laufenden Sanierungsarbeiten nicht nutzbar ist, wird die Festveranstaltung in der ausgebauten Scheune des benachbarten Dorfgasthofes stattfinden. Eine Besichtigung der Kirche wird jedoch möglich sein. Außerdem freut sich der Vorsitzende des Freundeskreises, Dr. Wolfgang Lubitzsch, bereits darauf, auch weitere "Sehenswürdigkeiten" des Dorfes zu zeigen - zum Beispiel den restaurierten Wasserturm mit einem kleinen Museum im Erdgeschoss und einer Aussichtsplattform, von der aus man einen zauberhaften Blick über die herrliche Landschaft des Hohen Fläming genießen kann. Ein Besuch in Garrey lohnt sich!

Weitere Informationen: Freundeskreis der Garreyer Kirche; Dr. Wolfgang Lubitzsch; Dorfstr. 14; 14832 Garrey; Tel.: 033843-51246; Mail: wolfgang-lubitzsch@t-online.de



Zum Weiterlesen:
Mitteilungsblatt Dezember 2014: Festliche Vergabe des Startkapitals 2014 im gastfreundlichen Garrey
KiBa-Kirche des Monats September 2015
Potsdamer Neueste Nachrichten vom 14. Dezember 2015: Gräber unter der Kirche
Märkische Onlinezeitung vom 03. Januar 2016: Kleine Dinge mit großer Wirkung
Märkische Allgemeine vom 12. Januar 2016: Garrey: Gräber unter Fundamenten entdeckt
Niemegk bloggt vom 19. April 2017: Orgel in Garrey glänzt wieder
Märkische Allgemeine vom 15. Mai 2017: Festakt für das gerettete Gotteshaus
Niemegk bloggt vom 15. Mai 2017: Das „Wunder von Garrey“ im Lutherjahr
Märkische Onlinezeitung vom 19. Mai 2017: "Kirche im Dorf gelassen"
YouTube vom 24. August 2017: Garrey - Ein Dorf rettet seine Kirche


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