Überraschende Funde in Garrey bei Niemegk

Gräber unter der Kirche

von Annett Pratsch

Schmuckstück. Die Kirche von Garrey wird seit diesem Jahr saniert.
Foto: A. Pratsch

Garrey - Gräber, Münzen, Keramik – bei der Sanierung der mittelalterlichen Feldsteinkirche in Garrey bei Niemegk (Dorfkirche des Monats Juni 2014) haben die Archäologen überraschende Funde gemacht. Das aus dem 14. Jahrhundert stammende Gotteshaus wird seit diesem Jahr saniert, der Landkreis Potsdam-Mittelmark unterstützt die Maßnahme mit Mitteln aus dem Denkmalpflegetopf.

Unter dem Fußboden der Empore entdeckten die Archäologen sieben Gräber mit Holzsärgen. Ein Grab wird durch die Kirchenfundamente gestört, was zeigt, dass sich der Friedhof im Mittelalter bis unter die heutige Kirche erstreckte. Damals gab es auf dem Friedhof nur eine Holzkirche, die Gräber reichten bis an die Wände der Holzkirche heran. Nach deren Abbruch baute man über den Gräbern die neue Feldsteinkirche. Nachweise von hölzernen Vorgängerkirchen in der Region gibt es nur selten, etwa für Haseloff und Rottstock.

Eine weitere Überraschung brachte ein zweites Fußbodenpflaster vor der Kanzel. Hier steckten zwischen den Ziegelsteinen zwei neuzeitliche Kupfermünzen. Es kommt in Kirchen häufig vor, dass Knöpfe, Schmuck oder Münzen zwischen den Kirchenbänken unter der Holzdielung oder in Fugen des Fußbodenpflasters „verschwinden“. In Garrey fanden sich lediglich zwei Kupfermünzen. Ein Pfennig von 1794 wurde in Anhalt-Bernburg geprägt, die zweite kleinere Münze ist stark abgenutzt und bisher nicht bestimmt. Wahrscheinlich wurden beim Umbau der Kirche um 1900 bereits großflächig Erdmassen ausgetauscht, sodass die Münzen die letzten erhaltenen Kleinfunde aus der Zeit vor der Neugestaltung sind. Sie lassen Beziehungen zur Nachbarregion und Handelskontakte erahnen.

Gefunden wurden zudem Glasstücke der spätmittelalterlichen Bleiverglasung der Kirche und Keramikscherben, die eine Nutzung des Kirchhofareals bereits weit vor der Ersterwähnung Garreys im 14. Jahrhundert belegen.

Die Gräber sollen unangetastet im Untergrund bleiben, die Funde kommen ins Landesamt für Denkmalpflege und ins Archäologische Landesmuseum. Im Kirchenschiff wurde ein neuer Fußboden eingebracht und die Bänke wieder aufgestellt, um die Kirche in der Weihnachtszeit zu nutzen. Im kommenden Jahr geht die Sanierung weiter. Annett Pratsch

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 14. Dezember 2015

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