Kleine Dinge mit großer Wirkung

Annett Pratsch

Garrey (MZV) Seit vergangenem Jahr wird in und an der Kirche von Garrey gebaut. Die Sanierung der mittelalterlichen Feldsteinkirche war dringend notwendig und wurde durch Denkmalpflegemittel des Landkreises Potsdam-Mittelmark finanziell unterstützt.

Die Münze wurde im Boden gefunden.
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Das Garreyer Gotteshaus.
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Im Rahmen der Baumaßnahmen konnten die Archäologen einen Blick unter den Kirchenfußboden werfen, was einige Überraschungen erbrachte. Archäologe vor Ort war Dr. Bernd Müller-Stückrad vom Büro für Archäologie und Bauforschung aus Schlieben.

So kamen unter dem Fußboden der Empore sieben Gräber zum Vorschein, die in Holzsärgen niedergelegt waren. Ein Grab wird durch die Kirchenfundamente gestört, was zeigt, dass sich im Mittelalter der Friedhof bis unter die heutige Kirche erstreckte. Auf einem Friedhof gab es im Mittelalter immer eine Kirche, sodass es hier vor der heutigen Feldsteinkirche eine kleinere, ältere, hölzerne Kirche gab. Die Toten bestattete man bis an die Wände der Holzkirche heran. Nach deren Abbruch baute man über den Gräbern die neue Feldsteinkirche auf größerer Fläche. Nachweise von hölzernen Vorgängerkirchen in unserer Region gibt es nur selten zum Beispiel für Haseloff und Rottstock.

Eine weitere Überraschung brachte ein zweites Fußbodenpflaster vor der Kanzel. Hier steckten zwischen den Ziegelsteinen zwei neuzeitliche Kupfermünzen. Es kommt in Kirchen häufig vor, dass Knöpfe, Schmuck oder Münzen zwischen den Kirchenbänken unter der Holzdielung oder in Fugen des Fußbodenpflasters "verschwinden". Um auch diese kleinen Funde zu bergen, wird bei Erdarbeiten innerhalb von Kirchen die gesamte Erde durch den Archäologen gesiebt. Doch in Garrey war alles anders, es fanden sich lediglich zwei Kupfermünzen. Ein Pfennig von 1794 wurde in Anhalt-Bernburg geprägt, die zweite kleinere Münze ist stark abgenutzt und bisher nicht bestimmt. Wahrscheinlich wurden bei Umbaumaßnahmen in der Kirche um 1900 bereits großflächig Erdmassen ausgetauscht, sodass die gefundenen Münzen die letzten erhaltenen Kleinfunde aus der Zeit vor der Neugestaltung sind. Sie lassen Beziehungen zur Nachbarregion und Handelskontakte erahnen.

Es gibt noch weitere kleine Details, die wichtige Erkenntnisse zur Kirchen- und Ortsgeschichte liefern. Einige Glasstücke gehören zur spätmittelalterlichen Bleiverglasung der Kirche, während besondere Keramikscherben eine Nutzung des Kirchhofareals bereits weit vor der Ersterwähnung Garreys im 14. Jahrhundert belegen.

Die Bestattungen bleiben unangetastet im Untergrund erhalten, die Funde kommen ins Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum. Im Kirchenschiff wurde ein neuer Fußboden eingebracht und die Kirchenbänke wieder aufgestellt, um die Kirche in der Weihnachtszeit zu nutzen. Jetzt ist erst mal Winterpause für die Baumaßnahmen, ehe es in diesem Jahr weitergeht.

Märkische Onlinezeitung vom 03. Januar 2016

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