Andreas Trunschke

"Kirche im Dorf gelassen"

Garrey (MZV) "Das Wunder von Garrey", so Pfarrer Daniel Geißler, zieht so viele Garreyer und Gäste an, dass die 70 Sitzplätze der Kirche beim Festgottesdienst nicht ausreichen. Über 150 Menschen sind am letzten Wochenende an den Rand des Landes Brandenburgs gekommen, um die Rettung der Kirche aus dem 14. Jahrhundert zu feiern. Pfarrer Geißler ist begeistert von der sanierten und restaurierten Kirche auf dem Garreyer Dorfanger und greift auf einen Spruch aus DDR-Zeiten zurück: "Von Dr. Lubitzsch lernen, heißt siegen lernen!" Wolfgang Lubitzsch aus Garrey war es natürlich nicht allein, aber alle beim Festakt Anwesenden sind sich darin einig, dass er der entscheidende Motor für die Kirchenrettung war. Superintendent Siegfried-Thomas Wisch charakterisiert den Garreyer so: "Er hat wundervolle Ideen, kann Netzwerke schaffen, ist kommunikativ und lässt nicht locker." Lubitzsch sagt von sich selbst, dass er in seiner früheren Tätigkeit als Ingenieur gelernt hat, dass man solche komplexen Projekte "mit elender Verbissenheit" umsetzen muss. Seine Motivation kommt auch aus seiner Familiengeschichte. Sein Großvater Franz Benke, dessen Grabstein noch auf dem Garrey Friedhof steht, war führend an der letzten Kirchensanierung von 1900 beteiligt.

Pfarrer Daniel Geißler sprach vor der Gemeinde und den geladenen Gästen vom „Wunder von Garrey“.
© MZV
Das Gotteshaus erstrahlt in neuem Glanz.
© MZV

Ortsvorsteher Andreas Grünthal betont das Zusammenwirken von Kirchen- und Dorfgemeinde: "Die Rettung der Kirche war ein gemeinsames Anliegen vieler. Wir mussten etwas tun." Ausgangspunkt war die Frage, was man im Ort machen muss, damit in zwanzig Jahren noch genauso viele Einwohner in Garrey leben oder mehr?

Die Rettung des Kirchengebäudes war tatsächlich kein Selbstläufer. Als Theda von Wedel-Schunk vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. im Jahr 2011 anreiste, um auch hier ein Schild "Offene Kirche" anzubringen, konnte die Kirche nicht einmal betreten werden. Im Dach waren fünfundvierzig Prozent der Hölzer verloren. Der Turm stand vor dem Einsturz. Der Westgiebel wölbte sich nach außen. Was die Empore samt Orgel noch oben hielt, war nicht nur Jorinde Bugenhagen von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises ein Rätzel.

Die Garreyer gründeten einen "Freundeskreis der Kirche Garrey" und erarbeiteten mit Unterstützung der Unteren Denkmalschutzbehörde ein Konzept. Schnell einigte man sich darauf, den Zustand von 1900 wieder herzustellen. Aus dieser Zeit gab es wegen der damaligen Restaurierung ausreichend Materialien.

Zahlreiche Förderanträge wurden gestellt, zweiundzwanzig davon wurden bewilligte. Letztlich konnten 510.000 Euro in Hülle, Dach, Turm, Inneneinrichtung und Außenbereich investierte werden. Das Dach erstrahlt jetzt in "ungewohnter Lebhaftigkeit", wie Architekt Klaus Schmidt stolz berichtet. Man hatte alte Kirchenbiber im Dachstuhl gefunden und nach deren Vorbild neue modelliert und gebrannt. Mit diesen neuen Bibern ersetzte man die alten grauen Betondachstein. Bereits im September 2015 wurde die Garreyer Kirche von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) zur Kirche des Monats gekürt. Der Leitspruch der Stiftung passt gut zum Garreyer Engagement: "Die Kirchen eines Ortes sind Gottes-Häuser für die Christen, Kultur-Häuser für Touristen und Heimat-Zeichen für die Einwohner."

Garrey hat, wie es Amtsdirektor Thomas Hemmerling in seinem Grußwort ausdrückte, "die Kirche im Dorf gelassen." Jetzt hofft man darauf, junge Menschen im Ort halten oder gar neu für den Ort gewinnen zu können. Nicht nur deshalb soll das Kirchengebäude künftig nicht nur für Gottesdienste genutzt werden. Für 2017 sind noch vier Veranstaltungen geplant. Am 11. Juni kommt beispielsweise der Bad Belziger Schauspieler Frank Grünert mit seinem Stück über den "Sagenhaften Luther" in die Garreyer Kirche. Am 2. Juli liest Pfarrer Geißler bei Wein und Fladenbrot über die Tischreden von Martin Luther.

Märkische Onlinezeitung vom 19. Mai 2017

   Zur Artikelübersicht