Ihre Devise: Unser Dorf hat Zukunft

Festliche Vergabe des Startkapitals 2014 im gastfreundlichen Garrey

Die Garreyer lassen ihre Kirche nicht im Regen stehen, auch wenn es auf diesem Bild so aussieht. 2013 gehörte der Freundeskreis der Garreyer Kirche (Potsdam-Mittelmark) zu den Gewinnern unseres Startkapitals. Jetzt hatte er die Preisträger dieses Jahres eingeladen - und sie alle überrascht mit dem, was inzwischen im Dorf geschehen ist. Das Gerüst am Kirchturm ist nur ein Zeichen dafür...

 
SCHECKS für die Gewinner des Startkapitals - hier für den Förderverein Sabinenkirche Prenzlau (Uckermark). Weitere Preisträger waren der Förderverein Dorfkirche Falkenthal (Oberhavel), der Förderverein Schinkelkirche Joachimsthal (Barnim), der Förderkreis Kirchensanierung Reichenwalde (Oder-Spree) und der Förderverein Feldsteinkirche zu Wollenberg (Märkisch-Oderland).
Fotos: Dominik Busch

In Garrey gilt unbeirrt: "Unser Dorf hat Zukunft". Mit diesem Optimismus haben sich dort alle ans Werk gemacht, haben schon viel geschafft. So auch ein kleines, aber feines und für Vorbeikommende interessantes Museum im alten Wasserwerk, das Vereinsvorsitzender Dr. Wolfgang Lubitzsch den Gästen zeigte. Jetzt aber gehe es an die Sanierung der denkmalgeschützten Dorfkirche, und das werde Jahre dauern, brauche Beharrlichkeit und die schon bewährte Mitarbeit aller im Ort. Eben den Optimismus: Unser Dorf hat Zukunft.

Dieser Optimismus strahlte deutlich aus auf die Gäste, die aus allen Himmelsrichtungen kamen: die Auszuzeichnenden mit ihren Aktiven natürlich, dazu Mitglieder anderer Kirchen-Fördervereine. Mehr Gäste als erwartet drängelten sich fröhlich in der Garreyer Festscheune, rückten zusammen und kamen zusammen ins Gespräch über das gemeinsame Anliegen, unsere alten Kirchen als Zeugen der Geschichte und des gelebten Glaubens unserer Vorfahren zu bewahren.

Die Festredner fanden viele anerkennende Worte für dieses Engagement. Superintendent Thomas Wisch nannte Zahlen: Seit der Wende sind in Brandenburg weit mehr Kirchen restauriert worden als in siebzig Jahren zuvor. "Ihre Bewahrung ist auch künftig nicht nur eine Frage des Geldes, viel gewichtiger noch ist der Wille, dieses Erbe unserer Vorfahren den Enkeln zu bewahren, die es einst zu schätzen wissen werden", sagte er. Dass ein solches Großprojekt eine ganze Dorfgemeinschaft zusammenschweißt, würdigte Eveline Vogel von der Kreisverwaltung als ein nachahmenswertes Beispiel. Umso wichtiger sei es, betonte der Niemegker Amtsdirektor Thomas Hemmerling, dass die fruchtbare Zusammenarbeit von Kirchengemeinden und kommunalen Einrichtungen weiter wachse. Die reichen Erfahrungen, die der Förderkreis Alte Kirchen gerade auch auf diesem wichtigen Gebiet zu vermitteln habe, seien hochwillkommen, erklärte Bürgermeister Ralf Rafelt.

Nach den so wohlwollenden Reden kamen dann auch die üblichen Sonnenblumen und die noch wichtigeren Schecks über je 2.500 Euro. Theda von Wedel, die als zuständige Regionalbetreuerin im Namen des FAK die Preise überreichte und die ganze gelungene Veranstaltung mit den Garreyern vorbereitet hatte, überreichte die Preise an die Startkapital-Gewinner. Die werden nun auch mit dieser Anschubfinanzierung viel Kraft und Ausdauer aufbringen müssen, um mit ihren guten Konzepten erfolgreich ans Werk zu gehen. Die Prenzlauer jedenfalls haben in Garrey offensichtlich Mut getankt. Jürgen Stier, Vorsitzender des Fördervereins Sabinenkirche, hat schon mal alle zur Startgeld-Verleihung 2015 eingeladen, und sicher will man dann auch Ergebnisse präsentieren. Pfarrer Daniel Geißler gab ihnen allen mit dem Reisesegen Wünsche für gutes Gelingen mit auf den Heimweg.

Im Namen der Teilnehmer danken wir all den Garreyern, die ihren Besuchern ein freundliches Willkommen bereitet, den regennassen Gästen warme Suppe, heißen Kaffee und dazu Selbstgebackenen bereitet hatten. Dank auch dem Streichertrio von der Kreismusikschule, das zum festlichen Rahmen der Veranstaltung beitrug.

Vor der Festveranstaltung in Garrey hatten die Teilnehmer Gelegenheit, an geführten Besichtigungen der St.-Briccius-Kirche in Bad Belzig und der Dorfkirche von Zixdorf teilzunehmen. Auch diesen Kirchenhütern sei herzlicher Dank.

Eva Gonda

 
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Wo ist unser Geld geblieben? - Wir fragten nach in Kappe (Oberhavel)

Hinterm Gerüst wächst wieder der stolze Turmhelm empor

GERÜST UND KRAN signalisieren: Die Sanierung begann. 1972 war der Turmhelm abgeknickt, bald wird ein neuer als Landmarke in die Höhe ragen.
Fotos: Christian Schulze
 

Wer sich früher dem Dorf Kappe von Süden her näherte, konnte leicht ins Grübeln geraten. Wohnen da hinten überhaupt Menschen, so fragte sich der Radfahrer nicht ganz abwegig, denn zwischen Krewelin und Kappe gleicht die Straße einer sandigen Piste, deren große Pfützen mitunter virtuose Lenk-Manöver erfordern. Seit einigen Wochen kann der Kappe-Besucher nun ganz sicher sein: Hinter den Bäumen im Norden ist tatsächlich ein Dorf, denn ein Gerüst ragt wie eine Landmarke in die Höhe. Und bald wird in dem Gerüst ein Turmhelm entstehen, wie er früher die Kirche krönte. Dies ist der erste Bau-Abschnitt einer Sanierung, für die der Förderkreis Alte Kirchen vor fast zwei Jahren eine erste Finanz-Tranche bereitstellte, um noch vor der Zusage staatlicher und kirchlicher Geldgeber seine Sympathie für dieses Projekt zu bekunden.

In Kappe mit seinen 154 Einwohnern, das in der Ära Friedrichs des Großen für reformierte Pfälzer Glaubensflüchtlinge gegründet wurde, steht die Kirche nicht im Zentrum. Sie liegt ein wenig hinter Bäumen versteckt am südlichen Ende des Straßendorfes. Es ist auch keine altehrwürdige Feldstein-Kirche, sondern ein neugotischer Saalbau aus dem Jahre 1892. Der Vorgängerbau war rund zwanzig Jahre zuvor bei einem Dorfbrand zerstört worden.

Wie in vielen Dorfkirchen Brandenburgs sind es auch in Kappe nur noch eine Handvoll Gläubige, die sich einmal im Monat zum Gottesdienst treffen. Daher liegt auch für das evangelische Pfarramt Hammelspring Kappe gewiss nicht im Zentrum des pastoralen Interesses. Pfarrer Dieter Rhode muss sich um neun Gemeinden in der dünn besiedelten Schorfheide kümmern. Da ist es fraglich, ob die Kirche sich für die Sanierung so vehement engagiert hätte.

Wenn die Kirche wieder ihren einstigen Turmhelm bekommt und demnächst vielleicht auch das Kirchenschiff saniert wird, ist das vor allem das Verdienst des Fördervereins "Kapper Cappe" und seines Vorsitzenden Christian Schulze. Er hat zusammen mit seiner Frau und etlichen Helfern aus dem Dorf aus diesem äußerlich so unscheinbaren Gotteshaus auch eine Kulturkirche gemacht. Die vier "Brunchkonzerte" im Sommer, die er seit 2010 organisiert, haben längst einen so guten Ruf, dass mitunter sämtliche 250 Plätze ausverkauft sind. Hinzu kommen Konzerte professioneller Veranstalter. Zusätzlich zum attraktiven Musikprogramm aus Klassik und Jazz hat Christian Schulze dem gastronomischen Angebot eine gesunde Note à la Pfarrer Kneipp gegeben, was auch so manchen Besucher in die Schorfheide lockt.

Trotz des überregionalen Erfolgs dieser Kultur-Kirche war das Sanierungsprojekt kein Selbstläufer, sondern eine Übung in Beharrlichkeit: Dreimal wurde der Antrag auf Landesförderung abgelehnt, die Stadt Zehdenick verweigerte fest zugesagte Gelder. Zeitweise schien das Scheitern nahe. Doch Schulze ließ nicht locker, ähnlich wie seinerzeit sein Vorläufer, Pfarrer Emil Maune. Der brauchte nach dem Brand fast zwanzig Jahre, bis er 1891 den Grundstein für den Neubau legen konnte.

Das erste vom Förderverein gesammelte Geld ging vor allem an Gutachter und Architekten. Auch der Förderkreis Alte Kirchen gab 2.500 Euro für die Begleichung von Rechnungen. Um Landesmittel locker zu machen, antichambrierte Schulze bei Abgeordneten. Denn vor Wahlen sind die besonders hellhörig. Und plötzlich war dann doch Geld da für die Turmsanierung: Von den Gesamtkosten von 191.000 Euro stammen 63 Prozent aus einem EU-Fonds für die ländliche Entwicklung und aus einem Etat des Landes Brandenburg. Den Rest finanzieren die Evangelische Kirche und der Förderverein. Für die Sanierung des Kirchenschiffes - Kosten von 200.000 Euro - wurde noch kein Landes-Geld zugesagt, doch Schulze ist zuversichtlich, dass dies gelingen könnte. War es denn nötig, zunächst so viel Geld in den Turm zu stecken? Schulze hält das für sinnvoll, nicht nur aus ästhetischen Gründen. "Mit dem Turm können wir leichter um Spenden werben." Er zitiert gern Pfarrer Maune: "Der hochragende Turm", so predigte dieser bei der Einweihung der Kirche 1892, "möge einem jeden die Weisung geben: Himmelan geht unsere Bahn!"

Der Turmhelm war 1972 abgeknickt und durch ein stumpfes und gedrungenes Satteldach ersetzt worden. Das geschah nicht etwa aus politischer Willfährigkeit, so Schulze, sondern aus technischer Hilflosigkeit: Man konnte seinerzeit nicht den verfaulten Stamm auf dem Turmdach ersetzen, weil kein so hoher Kran zur Verfügung stand. Für die Zimmerleute, die jetzt zu Werke gingen, war dies kein Problem: Sie fällten eine hohe und wohlgebaute Fichte, sägten daraus einen 15 Meter langen Stamm, den so genannten Kaiserstiel, und hoben ihn zwischen das Turm-Gerüst.

Konrad Mrusek

 
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Erinnerungen in Sachsendorf (Märkisch-Oderland):

Wunder und bewundernswerter Mut

Kirchenrettung mit alten Ziegeln, Holzspenden und Nägeln aus dem Westen

  
Metamorphose einer Dorfkirche
Drei Abbildungen dokumentieren ihr Schicksal: das intakte Gotteshaus 1930; eine rettungslos scheinende Ruine 1948; 1957 schon wieder aufgebaut.
Fotos: Archiv Norbert Trebeß(l.), Ephoralarchiv Seelow


Das Hauptquartier, vom dem aus General Shukow vom 16. bis zum 19. April 1945 die Schlacht bei Seelow befehligte, lag auf dem Reitweiner Sporn, einem Höhenzug des Oderbruchs. Alle Dörfer auf dem Weg nach Berlin wurden zerstört. Fährt man heute durch das sechs Kilometer von Reitwein entfernte Sachsendorf, glaubt man, die 1519 in Backstein errichtete Kirche sei unversehrt geblieben. Ein Wunder?

Die wenigen Bewohner, die im Mai 1945 in das verlassene Dorf zurückkamen, fanden 20 Prozent der Gebäude bewohnbar, was trotzdem hieß: keine Fensterscheiben, keine Türen, Wände und Dach voller Löcher, die Möbel zumeist verbrannt. Die Straßen mussten von Schutt, Panzern, Munition und Tierkadavern befreit, Granattrichter zugeschüttet werden. Die Felder waren verwüstet, die Bäume abgeholzt.

Anfang April hatten Wehrmachtssoldaten den Kirchturm gesprengt, die Trümmer fielen ins Schiff, die Kirche brannte aus. Gottesdienste fanden im Esszimmer des Gutshauses statt; der Pfarrer amtierte im Soldatenmantel, aber er konnte den Kelch aus dem 17. Jahrhundert benutzen; den hatte er rechtzeitig im Pfarrgarten vergraben.

Ab 1948: Die Bodenreform war abgeschlossen, die Zerstörungen durch das Oderhochwasser von 1947 beseitigt. Die kirchliche Versorgung war durch das wieder aufgebaute Pfarrhaus gewährleistet. Aber Karl Liesert, der 1947 als Pfarrer nach Sachsendorf gekommen war und der ein charismatischer und durchsetzungsstarker Mann gewesen sein muss, wollte sich damit nicht abfinden. Schon ab Mai 1949 organisierte er das Aufräumen und Enttrümmern und ab 1950 den Wiederaufbau der Kirche. Im Pfarrarchiv sind die Aufrufe abgeheftet: "Bereitschaft zur Holzspende" (die Bauern besaßen Wald), "Wer hat Sand?", "Hilfskräfte beim Lattenschneiden benötigt". Kurze Sätze, darunter viele Namen. Zeitzeugen berichten: Wer Zeit hatte, kam zur Kirche, manche mit dem Fuhrwerk direkt vom Feld.

Etwa 800 Einwohner hatte das Dorf Anfang der Fünfzigerjahre. Nur wenige waren "alte" Sachsendorfer; Vertriebene aus den Gebieten jenseits der Oder hatten hier eine neue Bleibe gefunden. Vielleicht halfen deshalb so viele Einwohner: Weil sie ihre alte Heimat nicht erhalten konnten, wollten sie sich eine neue schaffen. Nicht alle waren evangelischen Glaubens, so wurden Gottesdienste beider Konfessionen gehalten. Für die Gläubigen im Ort war das unkompliziert; im Pfarrarchiv allerdings kann man nachlesen, wie wortreich zwischen dem Konsistorium und dem katholischen Bischof um das Mariengebet in einer evangelischen Kirche disputiert wurde.

Mit den aus den Trümmern geborgenen Ziegeln wurden zuerst die Wände aufgemauert und der Turm ausgebessert. Aber schon in dieser Zeit: Das Kirchliche Bauamt forderte Pläne, wies an, maß nach, trieb Schulden ein. Eine heftige Auseinandersetzung gab es über die Höhe des Turmes. Weil die benötigten 14 000 Ziegel im Klosterformat nicht beschafft werden konnten, ist er nur ein Stumpf geblieben. Widerstrebend hatte das Institut für Denkmalpflege das Provisorium genehmigt (es besteht noch heute). Die Höhe des Dachfirstes war vom Ostgiebel vorgegeben, der mit einer dreigeschossigen Blendengliederung geschmückt ist. Für seine Ausbesserung konnten 1 000 Ziegel beschafft werden.

Woher kam das Geld? Die Kirche hatte zusätzliche Einnahmen aus der Verpachtung von Kirchenland. Ansonsten wie heute noch: Spenden sammeln und Anträge schreiben. 1951/52 wurden 2.840 DM gespendet, das war damals viel Geld. 5.000 DM kamen aus dem Fonds "zur Sicherung und Erhaltung denkmalwerter kirchlicher Bauwerke", über den der stellvertretende Ministerpräsident Otto Nuschke verfügte. Das Landesdenkmalamt gab 1.000 DM, die Superintendentur 2.200 DM aus ihrem Baufonds. Ein umfangreicher Schriftsatz sicherte, dass 30 kg Nägel, gespendet vom Konsistorium in Berlin-Charlottenburg, durch die DDR nach Sachsendorf transportiert werden durften. Im September 1953 konnte die Spendenliste für das Richtfest ausgelegt werden (500 g Fleischmarken, 15 kg Kartoffeln, 1 Apfelkuchen,…).

Der Kunstdienst der Evangelischen Kirche half bei der Gestaltung des Innenraums, die sparsam sein musste.

Die wieder aufgebaute Kirche wurde am 1. Advent 1954 feierlich eingeweiht. Drei Glocken kamen 1957, eine Orgel fehlt bis heute.

Rainer Marx

 
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WITTSTOCK (Ostprignitz-Ruppin)

Atmosphäre der Würde kehrte zurück

Die Friedhofskapelle und ihr Umfeld wurden behutsam saniert

 
VOR DER NEUGESTALTUNG - der qualitätsvolle Raumeindruck des 19. Jahrhunderts war verloren gegangen.DIE RESTAURIERUNG lässt die ursprüngliche Konstruktion im Raum wieder erfahrbar werden.

Der am nördlichen Wittstocker Stadteingang gelegene Friedhof St. Marien wurde Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt und 1868 am Eingang durch eine Kapelle im neogotischen Stil ergänzt. Hier findet noch heute der Großteil der Trauerfeiern in Wittstock statt.

Seit längerer Zeit hatten Friedhofsbesucher Unbehagen über den unwirtlichen Ort geäußert. Eine Ortsbesichtigung Anfang 2012 machte deutlich, dass die Gründe dafür nicht nur in der Kapelle selbst lagen. Auch das Kapellenumfeld war durch jahrzehntelange Vernachlässigung des Ortes unwürdig. Die verschiedenen Teilbereiche wurden untersucht und ein Sanierungskonzept entwickelt.

Dach und Fassade der neogotischen Kapelle waren bei einer baulichen Erweiterung um 1959 weitestgehend unberührt geblieben. Der Innenraum hatte sich jedoch durch den Einbau einer geraden Decke stark verändert. Das bauzeitliche Sprengwerk mit Schrägdecke und in den Giebeln befindliche Maßwerke befanden sich seither nicht mehr im sichtbaren Bereich. Der qualitätvolle Raumeindruck des 19. Jahrhunderts war verloren gegangen. Lose herumstehende Stühle, Elektrokanäle und Wohnungsheizkörper auf den Wänden, eine veraltete Sargaufzugsanlage und schlecht verlegte Terrazzoplatten im Altarbereich verstärkten noch die Wahrnehmung einer ungeordneten Beliebigkeit. Die Schieferdacheindeckung war undicht, und es zeigten sich erste Schäden an der bemalten Holzschalung der bauzeitlichen Schrägdecke. Es bestand dringender Handlungsbedarf. Schnell entwickelte sich der Wunsch, die ursprüngliche Konstruktion im Raum wieder erfahrbar werden zu lassen. Das bedeutete die Entfernung der geraden Decke und die Restaurierung von Schrägdecke und Wandfries, die sich über 50 Jahre im Verborgenen befunden hatten.

DER VORPLATZ wurde ebenfalls neu gestaltet und ist durch eine Zaunanlage aus wetterfestem Baustahl gefasst.

Auch die unmittelbare Umgebung sollte so gestaltet werden, dass sie einen würdevollen Auszug der Trauergemeinde aus der Kapelle gewähren kann. Die Größe des Andachtsraumes fordert bei vielen Trauerfeiern die Einbeziehung des Vorplatzes. Der Hauptzugang zum Friedhof querte diesen Bereich, so dass die Trauerfeier durch unbeteiligte Passanten und Schaulustige zwangsläufig gestört wurde. Der ungehinderte Blick der Trauergemeinde zur Gärtnerei führte unwillkürlich zur Ablenkung durch banale Geschäftigkeit.

Mit der Neugestaltung des Kapellenumfeldes und des Hauptzuganges zum St.-Marien-Friedhof sind die Wege und die Aufenthaltsräume wieder qualitätvoll geordnet.

Der Vorplatz von Kapelle und neu organisiertem Verwalterhaus ist durch die Cortenstahl-Zaunanlage gefasst. Die im Raster angeordneten Dachplatanen schaffen eine ruhige Abstandszone für den Kapellen-Vorbereich, der in Zukunft noch durch eine offene Außenkapelle ergänzt werden wird.

An den durch den langen Sanierungsstau nicht unerheblichen Baukosten haben sich der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien mit dem Denkmalschutz-Sonderprogramm, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und die Stadt Wittstock beteiligt. Damit war eine qualitätvolle Durchführung ermöglicht worden. Den Hauptanteil haben die evangelische Kirchengemeinde und der Kirchenkreis Wittstock-Ruppin getragen.

Text und Fotos: Bärbel und Christian Kannenberg

 
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HALBE (Dahme-Spreewald)

Ein Ort des Weinens und Flehens

Die Dankeskirche feierte ihr 100jähriges Jubiläum

  
 DIE FRIEDENSKIRCHE wurde 1914 eingeweiht, was mit einem Fest und einer Festansprache von Bischof Dröge (l.) gewürdigt wurde
Fotos: Hans Krag


Auf dem Weg in den Spreewald weist ein Schild an der Autobahn auf den "Waldfriedhof Halbe" hin - 50 km hinter dem turbulenten Berlin und 40 km vor der Kahnfahrt. Genau dazwischen liegt das Dorf Halbe: ein Spielverderber. Obwohl heute ein lebendiges Dorf, wird der Name "Halbe" immer mit etwas Scheu genannt, steht er doch für mindestens 60.000 Opfer der letzten Schlacht des Zweiten Weltkrieges, für den "Kessel von Halbe".

Dass bei diesen Kämpfen nicht auch die Kirche zerstört worden ist, sondern "nur" stark beschädigt, grenzt schon an ein Wunder, ist aber keines, denn die Kirche ist von Anfang an eine "Kriegskirche" gewesen, zäh genug zum Überleben.

Im März 1914 wurde sie eingeweiht, fünf Monate später begann der Erste Weltkrieg, und sicher wurde in den ersten Jahren in der Kirche mehr gebetet, gefleht und geweint als gefeiert. Daran wird man immer erinnert, wenn man in diesem Jahre das hundertjährige Jubiläum dieser Kirche begeht. Nähert man sich heute der Kirche, so fällt als Erstes das breite Netz auf, das die Besucher im Turmbereich vor herab fallenden Putzbrocken schützen soll. Der Turm wurde im letzten Krieg getroffen und musste anschließend gekürzt werden. Der "neue" Schaft wurde mit den damals vorhandenen Mitteln nur notdürftig verputzt. Es ist Zeit, hier Abhilfe zu schaffen. Auch das Kirchenschiff wurde 1953 nur mit mangelhaften Materialien instand gesetzt und bedarf dringend einer umfassenden Sanierung.

Kirchengemeinde und Förderverein Dankeskirche Halbe e.V. hatten lange gehofft, die Kirche zum Jubiläum wieder in alter Schönheit, d.h. wie vor siebzig (!) Jahren, präsentieren zu können. Das nötige Geld konnte nicht beschafft werden, und so lag auch etwas Enttäuschung über der Festgemeinde.

Dennoch, es waren hochrangige Gäste zur Feier erschienen: Pfarrer Behnken konnte Landesbischof Dröge und Superintendentin Furian, den Landrat, den Bürgermeister und den Geschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. begrüßen. Alle lobten das gelebte Engagement von Gemeinde und Verein für diese geschundene Kirche, aber von finanzieller Hilfe war nicht die Rede. Dabei ist die Kirche die einzige kirchliche Gedenkstätte für die Opfer dieser Schlacht und wirkt überregional, denn die gefallenen Soldaten kamen ja aus allen Gegenden des damaligen Deutschland. Posaunenchor, Jugendorchester, Kaffee und Kuchen umrahmten und beschlossen die gesellige Veranstaltung - nun geht es wieder ans Geldsammeln…

Dr. Hans Krag

 
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Studienfahrt zu "kriegsversehrten" Kirchen in der Oderregion

Auferstanden aus Ruinen

Die HEILANDSKAPELLE wurde 1915 von Russen erbaut.
Foto: E. Gonda

Deutschland gedenkt 2014 zweier trauriger Jahrestage: Des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs vor 100 und des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Auch Kirchen haben damals viele Wunden davongetragen. Grund genug für den Förderkreis Alte Kirchen, einmal auf den Spuren von Gotteshäusern zu wandeln, deren Schicksal eng mit den Kriegen verbunden ist.

Erste Station der Busexkursion ist Lossow, ein 500-Seelen-Dorf südlich von Frankfurt (Oder). Bis 1945 gab es hier eine wunderschöne barocke Kirche, die in den letzten Kriegstagen russischem Beschuss zum Opfer fiel.

Das Gotteshaus ist immer noch eine Ruine, aber eine, die lebt. Daran haben auch der FAK und seine Freunde Anteil, die sich unlängst an der Sanierung der Mauerkrone finanziell beteiligten. "Jetzt träumen wir davon, auch noch Fenster in das Kirchenschiff einzubauen", sagt Wilfried Mann, Vorsitzender des Fördervereins Kirche Lossow, "denn bei Gottesdiensten zu besonderen Festtagen, Konzerten, Osterfeuer, Sommerfest oder beim Weihnachtsmarkt, die in schöner Regelmäßigkeit in der Kirchenruine begangen werden, kann es manchmal ganz schön zugig werden…"

Die Bänke der Heilandskapelle in Frankfurt/Oder haben keine Rückenlehnen. Das ist ebenso unbequem wie praktisch, denn: Das 1915 von russischen Kriegsgefangenen erbaute Gotteshaus wurde von Anfang an multifunktional genutzt. Im Osten stand der Altar, dort fand der Gottesdienst statt. Im Westen aber gab es eine Bühne für Kulturveranstaltungen. Die Zuschauer setzten sich bei Theateraufführungen und Konzerten einfach andersherum auf die Bänke, so entfiel ein aufwändiges "Stühlerücken".

An Besuchern dürfte es der Kirche damals nicht gemangelt haben, denn im anliegenden Kriegsgefangenenlager waren während des Ersten Weltkriegs bis zu 23 000 Soldaten aus ganz Europa interniert. Wie sie lebten, darüber gibt eine interessante kleine Ausstellung im Obergeschoss der Kirche Auskunft. Die Kirche wird bis heute im Volksmund "Russenkirche" genannt. Dass ihre Erbauer Russen waren, ist ihr deutlich anzusehen: Sie ist in sibirischer Holzbauweise errichtet, Kronleuchter, Altar und Kanzel sind mit originellen Schnitzereien verziert.

Der Bestand der Kirche war nach dem Abzug der Internierten bedroht. Aber sie hatte Glück: Das Lager wurde ab 1921 Auffangort für Deutsche aus den nach dem Ersten Weltkrieg abzutretenden Gebieten. Die Menschen kamen, weil sie ihre Staatsbürgerschaft nicht verlieren wollten. Sie nutzten nun die Kirche, sorgten für ihre Instandsetzung, einige von ihnen bauten sich Häuser auf dem Lagergelände.

2001 gründeten Bewohner der Heimkehrsiedlung einen Verein zur Förderung der Heilandskapelle, der schon viel für das Gotteshaus getan hat. So konnte 2013/14 das gesamte Kirchenschiff denkmalgerecht saniert werden und empfängt heute die Besucher wieder in neuer, alter Schönheit.

Unseren nächsten Stopp machen wir im Ökodorf Wulkow, berühmt für sein "UFO", das wir allerdings links liegenlassen. Stattdessen steuern wir auf die Wulkower Fachwerkkirche zu. Sie hat im Krieg nicht gelitten und bildet deshalb in unserem Besuchsreigen die Ausnahme von der Regel, aber sie ist mit ihrem gut erhaltenen barocken Interieur einfach zu schön, um achtlos daran vorüberzugehen. Zudem birgt sie einen mit Fördergeldern des FAK restaurierten Taufengel, den es in Augenschein zu nehmen gilt.

Die Kleinstadt Lebus, unser nächstes Ziel, war einst Bischofssitz, ein Rang, den sie relativ schnell an das nahe gelegene Frankfurt (Oder) verlor. Lebus befand sich 1945 im Zentrum der Schlacht um die Seelower Höhen und ist schwer "kriegsversehrt". Von diesem Schicksal blieb auch die Stadtpfarrkirche St. Marien nicht verschont. Sie verlor Altar und alle Bänke, weil diese zum Bau von Schützengräben verwendet wurden, war aber noch benutzbar, da sie nur drei kleinere Treffer abbekommen hatte. Das änderte sich schnell, weil die verbliebenen Einwohner ihre kaputten Häuser mit den Dachsteinen des Gotteshauses deckten, woraufhin der Dachstuhl später einbrach. Seitdem ist St. Marien eine Ruine, aber eine mit neuer Kirche in der alten und zwar einer 1955 eröffneten Sommer- und einer 2005 fertig gestellten Winterkirche.

Letzte Station ist die Dorfkirche von Falkenhagen, ein riesiger Feldsteinbau, der zu den größten Dorfkirchen Brandenburgs gehört. Das Gotteshaus erscheint für den kleinen Ort völlig überdimensioniert. Das geht auf eine mittelalterliche "Fehlplanung" zurück, denn die Gemeinde besaß einst Stadtrecht, wurde aber nie zur Stadt. Der Ort hat, wie man einer kleinen Dauerausstellung in der Kirche entnehmen kann, auch in neuerer Zeit noch einmal eine Fehlplanung erlebt: In seinen stillen, abgelegenen Wäldern ließ das Hitlerregime in aller Heimlichkeit eine Produktionsstätte für das Giftgas Sarin bauen. Es sollte an der Front zum Erreichen des "Endsiegs" eingesetzt werden. Zum Glück kam es nicht dazu, Entwicklung und Einsatzerprobung konnten bis Mai 1945 nicht mehr abgeschlossen werden. Auch missglückte Planungen haben eben zuweilen ihr Gutes!

Elke Kreischer

 

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Wie machen´s die Nachbarn? - Erkundungen in Zerbst (Anhalt) und Umgebung

Spuren und ent-schlossene Kirchen

KRIEGSSPUREN in der Stadt Zerbst, ganz oben am Kirchenschiff von St. Bartholomäi.
In der "Gesangbuchkirche" von Luso kann man stundenlang schmökern. Hunderte Lieder- und Gebetsbücher liegen aus, und es wird weiter gesammelt. Jedes Buch ist willkommen.

Einst prägten die hohen Dächer und Türme mittelalterlicher Kirchen die Silhouette von Zerbst. Heute schaut der Himmel durch hohle Spitzbogenfenster, weht in leeren Kirchenschiffen der Wind...

Auch die Exkursion unseres Förderkreises nach Zerbst und Umgebung weckte Erinnerungen an das Drama des Zweiten Weltkriegs. Noch im April 1945 war Zerbst zu 80 Prozent zerstört worden, berichtete Stadtführerin Viola Teppelmann. Die historische Altstadt sank in Schutt und Asche, bedeutende Bauwerke wurden zu Ruinen, neben dem Schloss auch die großen Kirchen St. Nikolai und St. Bartholomäi; die barocke Trinitatiskirche brannte samt wertvoller Innenausstattung aus.

Fast 70 Jahre nach Kriegsende präsentiert sich die Trinitatiskirche wieder in alter Schönheit, ist Treffpunkt für Gottesdienste, für Konzerte und andere Veranstaltungen. 1951 bis 1967 war sie wieder aufgebaut und nach der Wende aufwändig für ihre erweiterte Nutzung ausgestattet worden. An den Krieg aber wird man auch hier erinnert: Die Innenausstattung besteht heute zu einem großen Teil aus geborgenen Kunstschätzen anderer, kriegszerstörter Kirchen.

Die Stadtkirche St. Nicolai ist noch immer eine Ruine - wenn auch eine sehr eindrucksvolle. Ihre hohen gesicherten Außenmauern umschließen einen offenen Raum, der heute für vielfältige künstlerische Aktivitäten genutzt wird. An eine Gesamtrestaurierung ist wohl kaum zu denken, aber St. Nicolai lässt regelmäßig von sich hören: Aus einem der beiden übrig gebliebenen Türme erklingt wieder das volle Geläut restaurierter und neuer Glocken.

An der Teilruine der Stiftskirche St. Bartholomäi kamen uns viele junge Leute entgegen. Ein Taufgottesdienst war gerade zu Ende gegangen. Im wieder aufgebauten Chor und Querschiff hat sich die Gemeinde gut eingerichtet, hält ihre Pforten auch offen für kulturelle Begegnungen. Und wenn Pfarrer Albrecht Lindemann erzählte, dass die am besten besuchten Gottesdienste immer die für Schulanfänger sind, dann muss man sich um die Zukunft der Zerbster Kirchen nicht sorgen.

Von den ganz großen Kirchen der Stadt ging es zu den ganz kleinen in den Dörfern. Davon gibt es 61 im Kirchenkreis Zerbst, viele schon im 12. und 13. Jahrhundert erbaut. Kaum eine ist in ihrem Bestand ernsthaft gefährdet, aber sie wollen erhalten und genutzt werden, und die Kirchengemeinden sind sehr klein. Wie geht man in Anhalt mit diesem Problem um, das uns in Brandenburg ja nicht fremd ist?

Unterstützung finden die Gemeinden dort in der Stiftung "Entschlossene Kirchen" und dem gleichnamigen Förderkreis. "Wir wollen die Dorfkirchen ent-schließen, das heißt sie öffnen. Und wir sind entschlossen, diese wunderbaren Bauten langfristig zu erhalten", erläuterte die Kunsthistorikerin Sonja Hahn, Vorstandsvorsitzende der Stiftung. Sie und Pfarrer Thomas Meyer machten uns auch gleich mit einem ihrer Projekte bekannt: Themenkirchen.

Gemeinsam mit den Bewohnern der jeweiligen Dörfer wurden Dorfkirchen unter ein Thema gestellt und entsprechend ausgestaltet. In Polensko mit der größten Kirche im Umkreis trafen sich von jeher alle aus der Nachbarschaft zur Feier des Heiligen Abends. Sie ist nun "Weihnachtskirche" mit Krippe und Herrnhutstern und lädt das ganze Jahr über dazu ein, in Andachten über das wunderbare Geschehen in jener Nacht nachzusinnen. Die "Osterkirche" in Trüben macht schon mit der Gestaltung ihres Umfeldes auf ihr Thema aufmerksam und neugierig. Ganz originell ist die "Gesangbuchkirche" in Luso. In den Bankreihen liegen Hunderte Gesang- und Gebetsbücher, alte und ganz alte, gesammelt aus vielen Gemeinden und Haushalten. Spannend, darin zu blättern.

Alle diese Kirchen stehen Tag und Nacht offen, ohne dass bisher etwas gestohlen oder beschädigt wurde. Wir wollten erkunden, wie´s andere machen - haben wir in Brandenburg auch den Mut zu solcher Offenheit?

Text und Fotos: Eva Gonda

 

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Aus der Prignitz nach Berlin - Leser-Zuschrift über eine Ausstellung

Zwei hilfsbedürftige Engel auf Werbetour für ihre rettende Restaurierung

Vor einem Jahr hatten wir in Alte Kirchen von zwei Engelfiguren berichtet, die neben Gerümpel im Schuppen des Pfarrhauses Sadenbeck (Prignitz) lagerten und dort endlich entdeckt und geborgen wurden. Die arg ramponierten Engel warten nun auf ihre Restaurierung. Jetzt aber stellten sie sich erst einmal in Berlin vor. Unser Leser Markus Rheinfurth schrieb uns über die Ausstellung der Skulpturen in Prenzlauer Berg:

 
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Sechs Monate waren der in Sadenbeck gefundene Taufengel und eine weitere Figur, wahrscheinlich von einem Kanzelaltar, in der Paul-Gerhardt-Kirche im Berliner Prenzlauer Berg ausgestellt. Beide Figuren lassen sich stilistisch der Werkstatt von Heinrich Joachim Schultz aus Havelberg zuordnen und sind in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschaffen worden.

Die evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord hatte ihren jährlich wechselnden Themenschwerpunkt in diesem Jahr Engeln gewidmet. Konzerte, Lesungen, Predigten, Kinderveranstaltungen rund um die Engelfiguren aus Sadenbeck beschäftigten sich mit der Bedeutung von Engeln in verschiedenen Religionen.

Die ca. 300 Jahre alten Engel aus Sadenbeck führten uns im Prenzlauer Berg auf eine kulturelle Zeitreise. Sie wurden zu einer Zeit gefertigt, als sich über den Prenzlauer Berg noch Äcker und Felder erstreckten und Schafe gehütet wurden. Die heutige Torstraße folgt dem Verlauf der ehemaligen Stadtmauer, hier endete die Stadt Berlin, und durch das Schönhauser Tor führte ein vermutlich gepflasterter Weg nach Pankow.

Ebenso eindrücklich wie die Ausstellung der Skulpturen war ein Orgelkonzert des Kantors Oliver Vogt mit Werken über Engel aus verschiedenen Epochen, zu dem die beiden Engelfiguren aus Sadenbeck in den Mittelpunkt gestellt wurden. Ein Präludium und eine Fuge aus dem Orgelwerk des jungen Johann Sebastian Bach ließen den kulturellen Kontext erahnen, in der diese Figuren entstanden sind. Im Zusammenwirken mit dem Taufengel aus Sadenbeck, der wie viele seiner "Kollegen" zu späterer Zeit als Ausdruck einfacher Volksfrömmigkeit abgetan und aus den Kirchen entfernt wurde, konnte ein Gespür entwickelt werden, wie selbst der große Bach mit manchen späten Werken bei Zeitgenossen auf Unverständnis traf und seine Werke als zu kompliziert und mathematisch empfunden wurden.

Die Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord konnte in ihren Veranstaltungen 900 Euro an Spenden für die beiden Engelfiguren aus Sadenbeck sammeln. Wir sind dankbar, dass wir zusammen mit dem Förderkreis Alte Kirchen und dem Landesamt für Denkmalpflege Brandenburg einen Anstoß zu der dringend notwendigen Sicherung und Restaurierung dieser beiden Engelfiguren geben konnten.

 

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Lokale Fördervereine melden sich zu Wort

Bricciuskirche sucht Förderverein - und wird fündig!

Foto: Gerd Pohl

Obwohl die Bricciuskirche ein prägendes Bauwerk im Gebäudeensemble der Burg Eisenhardt zu Bad Belzig ist, wurde sie in den vergangenen Jahrzehnten restauratorisch stark vernachlässigt.

Zwar war seit den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts vom Kirchlichen Bauamt auf die Schäden an Dach, Türen, Fenstern und Außenfassade hingewiesen worden, aber nur sehr wenig ist geschehen; und das noch nicht einmal fachgerecht. Die Konsequenzen daraus sind in einem Aktenvermerk des Kirchlichen Bauamtes von 1974 nachzulesen, in dem es auszugsweise heißt: "...hierbei sind so gut wie alle Fehler aufgetreten." Die ausführende Firma konnte damals nicht mehr in Regress genommen werden, und die Sache geriet in Vergessenheit.

Durch die ständig wachsenden Schäden an der Außenfassade ist jetzt auch das sehr schöne Innere der Kirche in Mitleidenschaft gezogen worden.

Den untrennbaren Bezug der Bricciuskirche zur Burg Eisenhardt zeigt ein Blick in die Geschichte. Bewusst wurde sie durch die Erbauer im 14. Jahrhundert in die Silhouette der bedeutenden Befestigungsanlage gestellt, die den Höhenzug noch heute nachhaltig prägt. Der vermutliche Vorgängerbau liegt auf dem Gelände der Burg und wurde von den Belziger Grafen errichtet. In dieser Tradition bauten deren Nachfolger, die Herzöge von Sachsen-Wittenberg, eine Kirche vor der Burg. Das vermutlich an den Vorgängerbau im Inneren der Burgmauer gebundene Bricciuspatrozinium wurde auf die nun vor der Burg errichtete neue Kirche übertragen. Bei dem heiligen Briccius (Brixius, Brictius) handelt es sich um den damaligen Bischof von Tours (397 bis 444), dem Nachfolger des heiligen St. Martin.

Nun gilt es, dieses wertvolle Kulturerbe zu wahren. Dringende Hilfe ist geboten.

Der im August 2013 gegründete Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V. möchte die Sanierung und Restaurierung der Bricciuskirche als erstes Projekt in Angriff nehmen. Der Verein ist dankbar dafür, dass ihm von der Kirchengemeinde St. Marien Hoher Fläming Bad Belzig die Nutzung sowie die Organisation und Begleitung der Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten an der Kirche übertragen worden sind.

Ein Sanierungskonzept wurde bereits erarbeitet, das unter anderem als vordringliche Arbeit die Entsorgung von toxischen Holzschutzmitteln des gesamten Dachbodens und Teilen des Erdgeschosses vorsieht. Um ein denkmalgerechtes und behutsames Vorgehen der baulichen Arbeiten zu sichern, werden als nächstes die Erstellung einer restauratorischen Befundserhebung und eine bauhistorische Bestandserfassung einschließlich Messbildern in Auftrag gegeben. Es wird also noch ein langer Weg zurückzulegen sein, insbesondere auch, was die Finanzierung der Sanierungskosten betrifft.

Der Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow setzt sich aus erfahrenen Angehörigen des ehemaligen Freundeskreises der Nikolaus-Kirche Lübnitz sowie aus neu gewonnenen und in vielerlei Hinsicht qualifizierten Mitgliedern zusammen.

Neben der Stadt Bad Belzig sind auch viele Belziger hoch erfreut darüber, dass ihre beliebte Bricciuskirche endlich wieder die Wertschätzung erhält, die sie verdient. Das motiviert unseren Verein zusätzlich.

Der Vorstand des Fördervereins Bonte-Friedheim-Lochow e.V.

Schritt für Schritt mit dem Ziel vor Augen

Unser Förderverein zur Erhaltung der Kirche in Ferchesar wurde schon vor acht Jahren gegründet und hat trotz mancher damals nicht vorhersehbaren Schwierigkeiten das Ziel nie aus den Augen verloren: die Sanierung der alten Fachwerkkirche aus dem 18. Jahrhundert als Stätte kirchlichen Lebens und als Begegnungsstätte der Dorfbewohner.

Willkommener Anschub war 2007 das Startgeld des Förderkreises Alte Kirchen. Wir nutzten die 2.500 Euro als Zuschuss für einen ganz profanen Zweck: den Einbau einer Toilette. Handwerker leisteten die Arbeiten ehrenamtlich; natürlich hatten wir die Genehmigung des Denkmalschutzes eingeholt. Sicher schien dieses erste Projekt nicht gerade spektakulär, war aber die Voraussetzung für die vielen Angebote, zu denen die Kirche heute einladen kann: Gottesdienste für verschiedene Altersklassen, Chorkonzerte und Kinderkirchentage, Feste in der Kirche und rund um das Gotteshaus, Lesungen und Diavorträge. Zum Tag des offenen Denkmals wurde die Kirche mit den liturgischen Farben geschmückt und eine Führung angeboten. Zur BUGA 2015 soll die Kirche sonntags allen Besuchern offen stehen. Gleichzeitig wird immer zu Spenden aufgerufen.

Jetzt haben wir mit viel ehrenamtlichem Engagement mit der Erneuerung der Elektroanlage begonnen und freuen uns, dass der Förderkreis Alte Kirchen auch dieses Projekt finanziell unterstützt. Nächstes Ziel: die Sanierung des Turmes - wir haben es nicht aus den Augen verloren.

Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Ferchesar

 

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BRÜCK (Potsdam-Mittelmark)

Die neue Stifelglocke und der "Weltuntergang" von 1533

Feierliche Weihe nach langer Reise aus Cremlingen (Wolfenbüttel)

Foto: Helmut Kautz

Am 25. Februar 2014 war es soweit. Helmut Kautz, Pfarrer der St.-Lambertus-Kirche zu Brück, einer kleinen Stadt mit ca. 3 700 Einwohnern, gelegen zwischen dem Hohen Fläming und dem Havelland, machte sich auf nach Cremlingen. Er hatte sich Verstärkung mitgenommen, denn man wollte die Glocke aus der Kirche Hl. Theresia vom Kinde Jesu in Cremlingen (Landkreis Wolfenbüttel) in Empfang nehmen. Die kleine katholische Kirche zu Cremlingen war Mitte Februar 2014 profaniert und das Gebäude verkauft worden. Es dient jetzt einem Bildhauer als Wohn- und Ausstellungsraum. Nach einer technischen Umrüstung und Renovierung der kleinen Glocke, die das Datum 1953 trägt, wurde sie am 13. September in Brück feierlich ihrer neuen Bestimmung übergeben. Diese Glocke trägt nun den Namen Stifelglocke zu Ehren des Brücker Pfarrers Michael Stifel (geboren 1487 in Esslingen am Neckar, verstorben 1567 in Jena).

Michael Stifel, ein Zeitgenosse Martin Luthers und Philipp Melanchthons, war Theologe, Reformator und auch Mathematiker. Sein Hauptwerk ist die "Arithmetica integra" (Nürnberg 1544). Bereits 1533 befasste er sich mit der "Wortrechnung". Damit versuchte er, Texte und Buchstaben der Bibel mathematisch zu deuten, und kam damit in seiner Schrift "Vom End der Welt" 1532 zu dem Ergebnis, dass die Welt am 19. Oktober 1533 morgens um 8 Uhr untergehen werde.

Seine Gemeinde im sächsischen Lochau wurde entsprechend eingestimmt, auf dass sie ihre Besitztümer verschenkten und die Arbeit auf den Feldern einstellten. Fremde Menschen aus Schlesien und aus dem Brandenburgischen pilgerten zu ihm und ließen sich von ihm die Beichte abnehmen. Es sollen sich auch zu dem Zeitpunkt dramatische Szenen abgespielt haben: Ein Bauer tötete aus Angst vor dem göttlichen Strafgericht zuerst seine Familie und dann sich selbst. Eine Frau grub mit bloßen Händen ihren Mann aus seinem Grab, um ihm bei der Auferstehung zu helfen. Als aber der Weltuntergang nicht eintraf, wurde Michael Stifel festgenommen und inhaftiert. Die Redewendung "einen Stiefel rechnen" oder auch "einen Stiefel reden" geht auf diese Affäre zurück.

An dem Gottesdienst in Brück mit Glockenübergabe nahmen rund 50 Besucher teil. Die geschmückte Glocke war in der Kirche auf dem alten Taufstein platziert. Noch während des Gottesdienstes wurde sie in den Kirchturm gebracht und läutete das erste Mal zum Vaterunser - ein bewegender Moment.

Interessante Hintergrund-Informationen gab es anschließend bei einer Tagung unter dem Titel "Reformation + Mathematik ? Apokalypse".

Joachim Killus

 

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BUTZOW (Potsdam-Mittelmark)

Der höchste Turm trägt wieder das Kreuz

BOTSCHAFTEN für die Nachfahren werden im Knauf des Kreuzes untergebracht.

Nach jahrelang beharrlichem Mühen ist der Kirchengemeinde und dem Förderverein Dorfkern Butzow e.V. nun ein erster großer Erfolg gelungen: die Sanierung des überaus maroden Turmes. In einer Feierstunde erhielt der höchste Kirchturm im Sprengel Päwesin ein neues Turmkreuz. Im Knauf darunter wurden Nachrichten und Münzen aus diesen Tagen sowie Briefe mit Grüßen etlicher Bewohner an ihre Nachfahren eingeschlossen.

Das große Projekt von Butzow war vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg nachhaltig unterstützt worden, unter anderem auch mit Mitteln aus seiner Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen.

Nun wendet man sich in Butzow der weiteren Sanierung der Kirche zu. Zunächst sollen Dach und Fundamente instand gesetzt werden. Der FAK wird im Rahmen seiner Möglichkeiten versuchen, auch dabei weiter behilflich zu sein.

Text und Foto: A. Kraft

 

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Renaissance-Prospekt soll wieder sichtbar werden

 
IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende
für die Restaurierung kostbarer

Schnitzfiguren

aus dem Prospekt der Hans-Scherer-Orgel
in der Bernauer Marienkirche
 
VIELE WUNDEN sind zu heilen
Fotos: Janowski

In der Bernauer Marienkirche hat sich eine überaus reiche Ausstattung aus Zeitepochen vom Mittelalter bis zur Neuzeit erhalten. Sie ist in dieser Vielfalt und Dichte in kaum einer anderen Pfarrkirche des Landes Brandenburg zu finden. Weithin bekannt sind das imposante doppelflüglige Retabel des Hauptaltars, dessen Bildtafeln dem Umkreis der Wittenberger Cranach-Werkstatt zugeordnet werden, und der bedeutende Zyklus von Emporenbildern. Zu den weniger beachteten Kunstwerken gehören auch überaus wertvolle Fragmente des Prospektes einer Orgel von Hans Scherer.

Im Zuge des Reformationsjubiläums 2017 soll das erhaltene Inventar der Bernauer Marienkirche wissenschaftlich aufgearbeitet und seiner kirchen-, kunst- und kulturgeschichtlichen Bedeutung nach neu präsentiert werden. Im Zusammenhang damit ist auch vorgesehen, den historischen Orgelprospekt zu rekonstruieren.

Die von dem Hamburger Orgelbauer Hans Scherer 1572/73 erbaute große und überregional gerühmte Orgel war mit vielen Schnitzfiguren, reichem Schmuckwerk und einem Wappen der Stadt Bernau geschmückt. 1708 erfuhr das Instrument eine besondere Würdigung in Form eines Gutachtens, ausgestellt von dem ebenfalls berühmten norddeutschen Orgelbauer Arp Schnitger: "Ein herrliches Werk, so von einem rechtschaffenen Künstler der Zeit verfertigt."

Die Scherer-Orgel musste bereits 1864 im Zuge des romantischen Zeitgeschmacks einem Neubau von Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder) mit einem neugotischen Prospekt weichen. Teile des prächtigen, künstlerisch bedeutenden Orgelprospektes aus der Renaissance-Zeit, an dem mehrere Zimmerer, Tischler, Drechsler, Schnitzer, Maler, Vergolder und Schlosser beteiligt waren, sind jedoch erhalten: 14 geschnitzte Figuren, zwei ungewöhnlich geschmückte hölzerne Prospektpfeifen, das Bernauer Stadtwappen und eine Reihe von Ornamentteilen. Einige dieser Stücke befinden sich heute als Leihgaben im Potsdamer Haus für Brandenburgisch-Preußische Geschichte. Wichtige Teile sind jedoch bis heute in der Kirche verblieben und werden seit Jahrzehnten auf dem Schülerchor aufbewahrt. Die meisten von ihnen sind in einem konservatorisch äußerst bedrohten Zustand. Geplant ist es, die versprengten Teile wieder zusammenzuführen und für den Kirchenraum neu zu erschließen und sichtbar zu machen. Die Leihgaben werden aus Potsdam zurückgeholt, die noch in der St.-Marien-Kirche befindlichen unbearbeiteten Figuren und Ornamente sollen restauriert werden.

Ein Orgelfachmann erforscht das reiche Quellenmaterial, eine Restauratorin mit Scherer-Erfahrung die ikonographischen Zusammenhänge der Skulpturen. In Zusammenarbeit mit diesen Experten soll ein Prospektmodell entwickelt werden, in das sich die Schnitzfiguren und die Prospektpfeifen einstellen lassen. Es ist vorgesehen, dieses Modell auf der südlichen Orgelempore, direkt neben dem ursprünglichen Ort der historischen Scherer-Orgel, aufzustellen.

Die Bernauer Marienkirche hat das Potential wie kaum ein anderer Kirchenbau im Land Brandenburg, Lebens- und Glaubensvollzüge der vorreformatorischen Zeit und zugleich der lutherischen Frömmigkeit über die Schwelle der Reformation hinweg anschaulich zu machen. Das Gesamtprojekt fügt sich bewusst in das Themenjahr 2015 "Reformation - Bild und Bibel" ein.

Ein wichtiger Bestandteil des Projektes soll die Restaurierung und Neupräsentation der ältesten erhaltenen Teile eines - überdies kunst- und musikgeschichtlich äußerst wertvollen - Orgelprospektes in der Mark sein.

Bernd Janowski

Spendenkonto: Fördererkreis Alte Kirchen, Kto. 3911390, BLZ 520 604 10, IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90; Ev. Bank, Kennwort: Orgelprospekt Bernau

 

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Neues von unserer Stiftung

In Sichtweite: Zinserträge aus 400.000 Euro Stiftungskapital

Die deutschen Kleinanleger mögen mit der Entwicklung ihrer Spareinlagen in letzter Zeit nicht sonderlich zufrieden sein - in der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen sind wir es durchaus:

Erstens haben verschiedene Zustiftungen (Beträge von 10 bis zu 1.000 Euro) unseren Kapitalstand erfreulich wachsen lassen. Zweitens hat der Vorstand aus den Zinserträgen des Jahres 2013 bereits 6.000 Euro an Zuschüssen für die Kirchensanierungen in Joachimsthal (Barnim) und Rogäsen (Potsdam-Mittelmark) beschließen können.

Darüber hinaus gab es noch eine Zuführung von 3.000 Euro an den eigenen Kapitalstock als so genannten "Inflationsausgleich". Im Januar werden wir zudem die vereinbarte jährliche Einlage des Förderkreises Alte Kirchen von ebenfalls 3.000 Euro in seine Stiftung buchen können. Damit beträgt dann unser Stiftungskapital bereits über 400.000 Euro.

Im Blick darauf hat der Stiftungsvorstand auch schon beschließen können, dass wir ab 2015 aus unseren Zinserträgen jährlich bereits drei (statt bislang zwei) FAK-Projekte mitfinanzieren werden, jeweils mit etwa 3.000 Euro. Über 30.000 Euro wird dann die Stiftung seit ihrer Gründung 2008 schon zur Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen beigesteuert haben.

Nun, nach dem so erfreulichen Anfang der Stiftung im Jahr 2008, liegt ein zweifellos steileres Wegstück vor uns: die Erhöhung des Stiftungsvermögens von 400.000 auf 500.000 Euro. Es wird einige Zeit, etliche Jahre vielleicht, brauchen, dieses ehrgeizige Vorhaben zu erreichen. Aber es ist ein realistisches Ziel: Wenn die vielen Unterstützer des Förderkreises Alte Kirchen dann und wann (etwa nach einer Steuerrückzahlung) auch der Stiftung des FAK eine finanzielle Hilfestellung zukommen lassen könnten, müsste das zu stemmen sein. Und die Zinsen auf dieses Kapital würden von da an jährlich bis zu 15.000 Euro zusätzlich für die Förderprojekte des FAK einbringen.

Optimal wäre es zum Beispiel, wenn aus Anlass von besonderen Familienanlässen und Jubiläen zu einer Spende für unsere Stiftung eingeladen werden könnte. Genau für diesen Zweck werden wir demnächst das Stiftungs-Faltblatt neu überarbeiten und können es dann gern zur Verfügung stellen. Hier jedenfalls nochmals das IBAN-Konto der Stiftung: DE88 5206 0410 0300 0055 50.

Und wussten Sie, dass Zuwendungen (Zustiftungen) an die Stiftung auch unter steuerlichen Aspekten durchaus vorteilhafter sein können als die gewohnte Form der Spenden? Wir informieren Sie gern.

Arnulf Kraft und Dr. Hans Krag

 

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Regionalbetreuer unseres Förderkreises berichten aus ihren Bereichen

Theda von Wedel aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark:

Elektronik für Fresdorfs Glocken

 
SEIT 25 JAHREN Glöckner von Fresdorf: Rainer Lehmann. - Spendensammmlung für die neuen Glockenantrieb (rechts)
Fotos:Autorin

Eingebettet in eine Landschaft aus Seen, Hügeln und ausgedehnten Wäldern liegt Fresdorf, kleinster Ortsteil der Gemeinde Michendorf, eine Stunde südlich von Berlin im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Und mittendrin auf halber Höhe, vom Friedhof umgeben, die schlichte Dorfkirche. Sie wurde 1755 gegenüber vom Dorfanger auf den Grundmauern einer ehemaligen Feldsteinkirche errichtet. Hier läuten immer um 18 Uhr die Glocken, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Im Dorf kennt man es gar nicht anders und möchte es auch nicht anders haben. Rainer Lehmann ist der "Glöckner von Fresdorf". Seit mehr als 25 Jahren läutet er, ganz herkömmlich noch im Handbetrieb, die beiden Glocken, eine aus Bronze und eine 1952 in der Glockengießerei Apolda hergestellte Stahlglocke.

Das soll nun anders werden: Ein elektronischer Antrieb wird demnächst das Läuten vereinfachen und Rainer Lehmann entlasten. Aber das kostet! 7.500 Euro muss die kleine Kirchengemeinde zusammenbringen, im wesentlichen aus eigener Kraft. Pfarrerin Koschny-Lemke und der Gemeindekirchenrat haben das ganze Dorf zur Hilfe eingeladen.

Mit einem großen Gemeindefest wurde die Spendenaktion eröffnet. Posaunengruppe, der "grüne" Chor von Fresdorf, Theateraufführung, leckerer selbstgebackener Kuchen, Grill, Festandacht - die Stimmung war einfach toll. Und das Ergebnis der ersten Veranstaltung kann sich sehen lassen. 4.100 Euro haben die Fresdorfer an einem einzigen Nachmittag zusammengebracht. Eine namhafte Spende der Sparkasse ist zugesagt. So ist das Ziel hoffentlich bald erreicht.

Sanierungsbedarf in Lühnsdorf und Buchholz

Für zwei gefährdete Dorfkirchen im Einzugsbereich von Bad Belzig ist jetzt eine breit angelegte Rettungsaktion gestartet worden.

In Lühnsdorf droht die Turmhaube herabzustürzen, die Standfestigkeit des Ostgiebels ist nicht mehr gewährleistet.

In den vergangenen Jahren wurden immer nur Notsicherungen vorgenommen. "So verwendete man in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts Stahl-Winkel, die die Last auf die intakten Balken umleiten sollten", berichtet der zuständige Pfarrer Matthias Stephan. Bei einer provisorischen Sicherung im Jahr 2010 wurden die Lasten der Dachkonstruktion direkt ins Turmmauerwerk und auf andere Holzbauteile umgeleitet, was zu ungünstigeren Auflagebedingungen führte, so zum Beispiel bei der Aufnahme und Weiterleitung der Windlasten. Nun sind konstruktive Arbeiten erforderlich, um den Bestand auch langfristig in einem guten Zustand zu sichern.

Der allgemeine Gesamtzustand der Dorfkirche in Buchholz ist ebenfalls relativ schlecht. Ein akuter Sanierungsbedarf besteht im Bereich der Dacheindeckung und der Dach- und Deckenbalkenkonstruktion.

Wir werden in Alte Kirchen über den Verlauf der vorgesehenen Sanierungsarbeiten berichten.

Arnulf Kraft aus dem Havelland:

Die Buckower Kirche sucht freundliche Helfer zur Gästebetreuung

Während der Bundesgartenschau 2015 in der Havelregion will auch die mehr als 800 Jahre alte Kirche in Buckow bei Nennhausen ihre Türen für die anreisenden Besucher offen halten. Es ist damit zu rechnen, dass die ehrwürdige Pilgerkirche, eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler des Havellandes, viel Aufmerksamkeit finden wird. Aber der kleine Ort und der Kirchen-Förderverein können eine durchgehende Betreuung aus eigenen Kräften nicht leisten.

Wer ist in der Lage, in der Zeit vom 18. Mai bis 11. Oktober an einem oder mehreren Tagen von ca. 10 bis 17 Uhr in Buckow zu helfen?

Auskunft dazu gibt gern Arnulf Kraft, Telefon 030 3752244.

Der stattliche Backsteinbau mit einer Firsthöhe von 17 Metern und einer Länge von 24 Metern erinnert an die große Bedeutung, die diese Kirche in der Pilgerzeit hatte. Unlängst konnte der zweite Bauabschnitt der äußerst umfangreichen Außensanierung abgeschlossen werden.

Uwe Donath aus dem Landkreis Märkisch-Oderland:

Wuschewier und die Tugend der Sparsamkeit

Das Schul- und Bethaus in Wuschewier ist eines der wenigen noch erhaltenen Gebäude dieser Art im Oderland. Der eingeschossige rohrgedeckte Fachwerkbau beherbergt im südlichen Gebäudeteil einen schlichten Betraum, dessen Holzemporen bis ins Dach reichen.

Kirchengemeinde und Förderverein hatten sich für die 250-Jahr-Feier viel Mühe gemacht: Eine ganze Festwoche lud ein zum Gottesdienst mit anschließendem Beisammensein im Pfarrgarten, zu einem Bildvortrag und einer Fotoausstellung. Pfarrer Arno Leye dankte im Gottesdienst dafür, dass dieses Haus über die Jahrzehnte allen Feuersbrünsten, Überflutungen und dem Verfall getrotzt hat. Sponsoren und Förderprogramme ermöglichten 1996 bis 1998 eine grundlegende Sanierung. Dorf- und Kirchengeschichte wurden lebendig im Bildvortrag von Dr. Schmook, Direktor des Oderlandmuseums Bad Freienwalde. Man hätte ihm mehr Teilnehmer gewünscht.

Wuschewier war auf Anordnung eines Johanniters, des Markgrafen Carl von Brandenburg-Sonnenburg, im Jahr 1757 gegründet worden. Der Ortsname leitet sich von dem Flüsschen Wuschewiere im Südwesten des Ortes her.

Anders als in königlichen Kolonistendörfern mussten die Wuschewierer größere Lasten beim Bau ihrer Häuser auf sich nehmen. So wurden ihnen statt 15 nur acht Freijahre von Zins und allen Landeslasten gewährt. Wuschewier war fast ausschließlich ein Büdnerdorf, Sparsamkeit war oberstes Prinzip.

Lesenswert ist die Festschrift. Sie informiert über das Schilderhäuschen und die Pumpe vor dem Schul- und Bethaus, über die Glaubensauseinandersetzungen im Ort und die Auswanderung eines Teils der Alt-Lutheraner in die USA, über den Schulraum, der im Jahr 1835 für 130 Schulkinder ausreichen musste, über die Kirchenchronik und viele weitere geschichtliche Details.

Aber bilden Sie sich selbst einen Eindruck über die Region, das Besondere an diesem Dorf mit seinem Schul- und Bethaus. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit, und in Wuschewier ist man sehr gastfreundlich.

Vor 225 Jahren: Der "Schwarzbau" von Altwustrow

DER ALTAR - liebevoll restauriert

Den Erntedankgottesdienst des Pfarrsprengels Neulietzegöricke feierte man diesmal in der weitgehend restaurierten Fachwerkkirche Altwustrow. Anlass war das 225-jährige Bestehen dieses Gotteshauses, das die Fischerfamilien seinerzeit ohne Genehmigung des Rentamtes aus eigenen Mitteln errichtet hatten. Der deshalb drohende Abriss fand glücklicherweise nicht statt. Pfarrerin Nanna-Maria Luttenberger gestaltete den Gottesdienst gemeinsam mit dem Chor und dem "Fahrrad-Organisten" Martin Schulze zu einem festlichen Erlebnis.

Die Kirche lädt als "Offene Kirche" zum Verweilen ein, ein Taufengel und eine dekorative Deckentapete verdienen besondere Beachtung. Der FAK hatte sich mit finanziellen Zuschüssen an den Sanierungsarbeiten beteiligt.

Carsten Lange aus dem Barnim:

Hundert Jahre Büttner-Kirche in Sophienstädt

Foto: Autor

Im vergangenen Jahr war die Dorfkirche von Sophienstädt ein Ziel der FAK-Exkursion, die das Werk des Baumeisters Georg Büttner zum Thema hatte. Die Sophienstädter Kirche war das letzte Bauwerk, das er errichtet hatte. Jetzt feierte die Kirche ihr hundertjähriges Bestehen.

Auf den Tag genau ein Jahrhundert nach der Kirchweihe kam man am 30. August zu einem Festgottesdienst zusammen, in dem Pfarrerin Karina Nippe Leben und Werk Georg Büttners würdigte. Von 1902 bis 1907 war Büttner brandenburgischer Provinzialkonservator und ab 1906 Leiter des kirchlichen Bauamts des Königlichen Konsistoriums der Provinz Brandenburg. Bereits kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges fiel er auf den Schlachtfeldern Flanderns.

Zu Ehren Büttners wurde auf dem Kirchhof ein Gedenkstein eingeweiht, geschaffen von der Bildhauerin Anne Schulz aus Biesenthal und dem in Sophienstädt lebenden Architekten Lothar Gericke.

Die Gemeinde hat eine sehr ansprechende Festschrift gestaltet, die bei der Evangelischen Kirchengemeinde Sophienstädt, Tel.: 033395 420, bestellt werden kann.

 

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Zweite internationale Konferenz zur Bewahrung des religiösen Erbes

Europas Dorfkirchen brauchen Hüter über alle Grenzen hinweg

Der Europäische Verbund "Future for Religious Heritage" (FRH) konnte mit großer inhaltlicher und organisatorischer Unterstützung seiner Gründungsmitglieder, der Förderkreise Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. und Marburg e.V., seine zweite internationale Konferenz vom 29. Oktober bis 1. November 2014 in den Franckeschen Stiftungen zu Halle (Saale) durchführen. Thema war die Bewahrung und Nutzung des religiösen Erbes im ländlichen Raum Europas.

Die historisch bedeutsamen Franckeschen Stiftungen zu Halle, die gotischen Kirchen St. Moritz und St. Marien, das Stadthaus und vier romanische Dorfkirchen im Umland von Halle boten den wunderbaren Rahmen für eine Konferenz, die sich des Schicksals der von Vergessen und Verfall bedrohten Dorfkirchen annahm. Über hundert Teilnehmer/innen aus Kirche, Wissenschaft, Denkmalpflege, Kirchbau- und Fördervereinen aus ganz Europa trafen sich in der Händel-Stadt. Sie suchten gemeinsam nach Wegen, wie das überaus reiche und zunehmend bedrohte religiös-kulturelle Erbe Europas im 21. Jahrhundert bewahrt, genutzt und an die kommenden Generationen weitergegeben und - darüber hinaus - auch als Kulturkanon begriffen, erfahren und wertgeschätzt werden kann.

In der abendlich-dämmrigen St.-Moritz-Kirche erklangen zum Auftakt von der Orgel Variationen zu Georg Neumarks Choral "Wer nur den lieben Gott lässt walten". Ein guter Anfang. Der katholische Propst von Halle, Reinhard Hentschel, eröffnete den Festabend mit der Auslegung des 1. Petrusbriefes 2,5, aus dem er für die Konferenz den ductus setzte: "In und mit Kirchen können Menschen ausdrücken, dass sie auch Gott in ihrer Lebenswelt Raum geben." Die offizielle Eröffnung fand dann am Morgen darauf im historischen großen Bet- und Lesesaal der Franckeschen Stiftungen statt und wurde mit der Lehrerfahrung des Theologen und großen Pädagogen August Hermann Francke beschlossen. Der Kuratoriumsvorsitzende Prof. Dr. Obst wünschte für die Förderarbeit von FRH und der vielen anwesenden Fördervereine, doch Sorge dafür zu tragen, dass nicht nur die äußere Schale von Gotteshäusern, sondern auch ihre Wesenskerne bewahrt werden mögen. Nach Grußworten der Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters und des Kultusministers von Sachsen-Anhalt, Stephan Dorgerloh, ging es dann in ein zweitägiges, prall gefülltes und sehr intensives Konferenzprogramm mit interessanten Plenums- und Parallelsitzungen über, zu denen auch Angus Fowler und Bernd Janowski vom FAK beitrugen.

Impulsvorträge von bedeutenden europäischen Kulturwissenschaftlern eröffneten eine breite Diskussion über grundlegende Fragen, wie z. B.: "Wie kann die Erhaltung des religiösen Erbes auf die politische Tagesordnung in Europa gelangen?" oder "Wie kann die Überführung von Werten des religiösen Erbes an die kommenden Generationen gelingen?" oder "Wie kann das ländliche religiöse Erbe in größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen begriffen werden?"

Zwei grobe Richtungen nahm die Meinungsbildung ein: Die eine Seite betonte die Erhaltung der jeweiligen religiösen Fundamente des kulturellen Erbes als Voraussetzung für seinen baulichen Fortbestand. Dies kam deutlich in allen Grußworten sowie besonders in den Beiträgen aus Griechenland, Italien, Spanien, Polen, Estland und Deutschland zum Ausdruck. Die andere Seite hob die Nutzungserweiterung als Voraussetzung für eine nachhaltige Sicherung und breite soziale Wertschätzung des kulturellen Erbes hervor. Hierzu zählten insbesondere die Beiträge aus England, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Am Ende der Konferenz wurde der Entwurf für eine Deklaration zur Diskussion gestellt. Sie soll von Halle ausgehend europaweit verbreitet werden.

Vier Schwerpunkte wird sie enthalten: 1. Bewusstmachung des unschätzbaren europäischen religiösen Erbes, 2. Eindämmung der Gefahren und der Bedrohung für dieses Erbe, 3. Verdeutlichung des ideellen und sozio-ökonomischen Wertes der Erhaltung des religiösen Erbes, 4. Formierung einer gesamtgesellschaftlichen Allianz der Mitverantwortung für den Erhalt des religiösen Erbes. Die endgültige Fassung der Deklaration werden wir im nächsten Mitteilungsblatt veröffentlichen.

Die abschließende Exkursion, die vom ehemaligen Landeskonservator von Sachsen-Anhalt, Gotthard Voß, geleitet wurde, führte die Teilnehmer in die Kirche St. Petrus, St. Paulus und St. Ursula in Naundorf, einen romanischen Gründungsbau aus dem 13. Jahrhundert. Hier begrüßte uns der Organist des Leipziger Gewandhausorchesters, Michael Schönheit, mit Variationen zum Choral "Jesu, meine Freude" von Johann Gottfried Walter. Weiter ging es nach Osmünde in die Kirche St. Petrus, die von einer beeindruckenden Wiederaufbauleistung durch örtlichen Förderverein und Kirche zeugt.

In der Kirche St. Anna und Katharina in Landsberg-Gütz galt der Restaurierung von Chorfenstern mit Vervollständigungen der Fehlstellen durch neuzeitliche Ergänzungen nach Entwürfen von Markus Lüpertz besondere Aufmerksamkeit. Schließlich wurden wir vom Gemeindepfarrer, von Vertretern der Kirchengemeinde und des Fördervereins der evangelischen Kirche St. Michael in Brachstedt mit Glockengeläut empfangen. Der rechteckige Bruchstein-Westturm, im Kern aus dem 12. Jahrhundert, ragte in den strahlend blauen Himmel eines wunderschönen warmen Herbsttages.

Mit Worten aus dem 84. Psalm und einem Reisesegen wurden die Konferenzteilnehmer schließlich herzlich verabschiedet und machten sich alsbald wieder auf die langen Heimwege in alle Enden Europas.

Eine große, eine sicherlich nachwirkende, eine gelungene Konferenz.

Dr. Uwe Otzen/Angus Fowler

 

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COTTBUS

Die Schlosskirche wird erste Synagoge Brandenburgs nach dem Holocaust

Foto: Gonda

Über die Pläne, aus der Cottbuser Schlosskirche eine Synagoge werden zu lassen, wurde jahrelang heftig diskutiert. Viele Bedenken sind indessen ausgeräumt. Inzwischen ist die evangelische Kirche im Rahmen eines Gottesdienstes entwidmet, der Kirchenschlüssel symbolisch an die Cottbuser jüdische Gemeinde übergeben worden, die das Gebäude mit Hilfe des Landes Brandenburg gekauft hat. Am 27. Januar 2015, dem Holocaust-Gedenktag, soll das Haus offiziell als Synagoge eingeweiht werden.

Während in Potsdam seit Jahren über einen Synagogen-Neubau gestritten wird, entsteht hier die erste Synagoge im Land Brandenburg nach dem Holocaust. Der vorherige, Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Bau für die jüdische Gemeinde war 1938 den Novemberpogromen zum Opfer gefallen. Die Ruine wurde später abgetragen und auf dem Gelände in den Sechzigerjahren ein Kaufhaus errichtet.

Die Schlosskirche hatten sich Anfang des 18. Jahrhunderts Hugenotten gebaut, die als Glaubensflüchtlinge nach Cottbus gekommen waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebäude für kurze Zeit die einzige benutzbare Kirche für alle Cottbuser Gemeinden. Später wurde sie von der Stadtmission als ökumenisches Gemeindezentrum genutzt. Nach der Wende öffnete sie ihre Pforten für Obdachlose, und auch nach der Sanierung der Kirche 2003 wurde die Arbeit für Obdachlose in der Kirche fortgesetzt. In den letzten Jahren gelang es jedoch immer weniger, das Haus regelmäßig mit Leben zu erfüllen. Die Kirchengemeinden hatten sich inzwischen mit dem Ausbau ihrer Räume viele eigene Möglichkeiten geschaffen. Weder für deren Aufgaben noch für die Arbeit der Diakonie wurde der Kirchenraum weiterhin benötigt. Um die Schlosskirche wurde es immer stiller.

Nun wird das Gebäude also eine neue Nutzung erfahren - aber sie bleibt ein sakraler Raum, in dem Gottesdienste gefeiert werden. Es müssen übrigens kaum einschneidende Umbauten erfolgen, und auch die Denkmalpflege hat keine Bedenken geäußert.

Auch die Befürchtungen mancher Einwohner von Cottbus, dass hier ein Stück Stadtgeschichte verloren gehen würde, konnten entkräftet werden: Zu den Vereinbarungen der Übernahme gehört, dass die Ausstellung über die Geschichte des Gebäudes weiterhin besucht werden kann und das Haus auch künftig öffentlich zugänglich bleibt.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, hatte bei der Feier anlässlich der Entwidmung darauf hingewiesen, dass die Kirche nicht entweiht, säkularisiert oder kommerzialisiert werde. Die Umwandlung der Cottbuser Schlosskirche in eine Synagoge sei für die Kirchenleitung vielmehr "Ausdruck der Nähe zwischen jüdischem und christlichem Glauben". Zugleich sei es ein "Hoffnungszeichen nach der Unheilsgeschichte der Nazizeit, in der die christlichen Kirchen viel zu wenig Widerstand geleistet hatten", sagte Markus Dröge.

Eva Gonda

 

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Neu ab Jahresbeginn

Unsere Adressen-Datenbank wechselt in andere Hände

Zum Jahreswechsel steht im Förderkreis Alte Kirchen eine interne Umstellung bevor: Die Verwaltung und Pflege unserer Mitglieder- und Spender-Datenbank geht in die Hände unserer Schatzmeisterin Sigrid Riesberg über. Bisher hatte Arnulf Kraft diese verantwortungsvolle Aufgabe über Jahre zuverlässig ausgefüllt, die Datenbank stetig erweitert und immer wieder auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Hier sein Blick zurück - und auch nach vorn.

Vor vielen Jahren hatte ich diese Aufgabe übernommen. Ich erinnere mich an ein Treffen mit Eva Gonda im November 2001. Sie hatte im Vorstand des FAK von Anfang an die Adressen und Telefonnummern des Mitglieder- und Interessentenkreises notiert und verfügbar gehalten und hatte nun den Wunsch, von dieser Aufgabe entlastet zu werden. Umgekehrt wollte ich - noch neu im Förderkreis - dessen Arbeit mit eigenen Erfahrungen unterstützen. Mit gemeindlicher Adressen- und Spenden-Verwaltung kannte ich mich aus. So waren wir uns bald einig.

Auf einem Atari-Rechner entstand eine erste kleine PHÖNIX-Datenbank mit den von Eva Gonda gesammelten etwa 300 Adressen, erstmals frei sortierbar unter anderem nach Namen, Orten und Postleitzahlen. Bald folgte die notwendige Erweiterung für die Einträge von Beiträgen und Spenden, um damit nun auch die Spendenbescheinigungen erstellen zu können.

Und so ist - über Jahre und nach nötiger Umstellung auf ein Microsoft-ACCESS-Datenbanksystem - die heutige FAK-Datenbank mit weit mehr als 5000 Einträgen entstanden. Sie wird fast täglich genutzt, und täglich wird auch an ihr gearbeitet: Alle Spenden und Beiträge, die uns erreichen, werden hier eingetragen und sind auf diese Weise für Nachfragen und Bescheinigungen rasch verfügbar. Erst recht ist das System unentbehrlich, wenn wir uns bei den Förderern unserer Arbeit für ihre Unterstützung bedanken wollen, sei es schriftlich oder - wie ich das vorziehe - telefonisch. Möglichst rasch nach dem Eingang einer Spende habe ich in den vergangenen Jahren zum Telefon gegriffen und mich im Namen des FAK für jeden Beitrag bedankt.

Ich gebe nun diese schöne, aber auch aufwändige Aufgabe zum Jahreswechsel ab. Und hoffe dabei sehr, dass der Wechsel, dem Sigrid Riesberg und ich uns in den nächsten Wochen widmen werden, problemlos gelingt. Und auch, dass es möglich sein wird, unseren Unterstützern weiterhin auf persönliche Weise für ihre Beiträge zu unserer Arbeit zu danken.

Mein Arbeitsschwerpunkt im Förderkreis Alte Kirchen bleibt weiterhin die Zuständigkeit für die Projekte im Landkreis Havelland sowie die Betreuung unserer Stiftung Brandenburgische Kirchen.

Arnulf Kraft

Der Vorstand des Förderkreises sagt Arnulf Kraft für seine jahrelange zuverlässige Verwaltung der Datenbank herzlichen Dank und wünscht ihm für die Aufgaben, die er weiterhin im Interesse unseres Vereins fortsetzen will, Freude und Erfolg.
Wir danken auch Sigrid Riesberg für ihre Bereitschaft, die Datenbank künftig zu verwalten

 

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Wir freuen uns über neue Mitglieder

Seit November 2013 konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg als neue Mitglieder begrüßen:

21 persönliche Mitglieder: Helga Arnoldt (Berlin), Hans-Joachim Böhme (Berlin), Sabine Bolz (Cottbus), Renate Drews (Berlin), Jutta Griewisch (Berlin), Pfr. Michael Jurk (Paulinenaue), Elke Kreischer (Berlin), Dr. Wolfgang Lubitzsch (Rabenstein-Garrey), Pfr. Dr. Karl-Heinrich Lütcke (Berlin), Josef Menke (Uckerland), Klaus Möller (Berlin), Dr. Fritz Monke (Jameln), Dr. Hans-Michael Pohl (Berlin), Thomas Port (Berlin), Gisela Reinhardt (Freiamt), Michael Schetelich (Wittstock-Dossow), Norbert Schwarz (Havelsee-Hohenferchesar), Ingrid Stahlmann (Berlin), Marie-Luise von Stockhausen (Warthe), Heidi Vogel (Berlin), Alihaydar Yildiz (Berlin);

vier Vereine: Jakobusgesellschaft Brandenburg-Oderregion e.V., Förderverein Sabinenkirche Prenzlau e.V., Förderverein Kapper Cappe e.V. und den Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V.;

sechs Kirchengemeinden: die Evangelische Gemeinde Alt-Schmargendorf (Berlin), die Evangelische Gemeinde Falkensee-Neufinkenkrug, die Evangelische Gemeinde Falkensee-Falkenhagen, die Evangelische Gemeinde Joachimsthal, die Evangelische J.-S.-Bach-Gemeinde (Berlin) und die Evangelische Gemeinde Hohennauen.

Damit zählt der Förderkreis Alte Kirchen derzeit 587 eingetragene Mitglieder (Dezember 2013: 560), davon 424 (410) persönliche, 129 (122)Vereine, 25 (19) Kirchengemeinden bzw. Kirchenkreise sowie acht (neun) Mitgliedsfirmen.

 

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Aus unserer Postmappe

Auf den Spuren Ihrer guten Tipps - danke!

Sehr geehrter Herr Krag!
Ihr Aufsatz über die Entdeckungen im Landkreis Elbe-Elster im diesjährigen Heft Offene Kirchen kam uns gerade recht, als wir unsere Fahrt zur Landesausstellung nach Doberlug planten. Wir verbanden die Fahrt mit diesen Entdeckungen. So waren wir nach einem Besuch der Herzberger Marienkirche - wir kannten ihre beeindruckenden Gewölbemalereien von früher - nach Telefonaten mit den angegebenen Kontaktpersonen in Langennaundorf, Saxdorf, Martinskirchen und Mühlberg. Die von Ihnen gelobten Kirchen waren in der Tat ein optischer Genuss. Martinskirchen bietet ja zusätzlich das Brühlsche Schloss, das uns von dem Kirchenführer Herrn Findeisen auch gezeigt wurde. Leider ist es im Inneren in einem beklagenswerten Zustand. In Mühlberg hatten wir in der Pfarrerin Miech eine vorzügliche Klosterkirchen- und Stadtführerin.

Nehmen Sie einen herzlichen Dank von den FAK-Mitgliedern

Wolfgang und Gudrun Staude

Eine Rathausfassade stand Modell

Im Septemberheft Alte Kirchen beschreiben Sie eine Studienfahrt in die Altmarkt mit einem Besuch in Tangermünde. Sicher ist Ihnen bekannt, dass sich die Fassade des Tangermünder Rathauses (1430) in der Frontseite der Königin-Luise-Kirche in Berlin-Waid-mannslust wiederfindet. Erbaut wurde sie 1913 von Robert Leibnitz im Auftrag der letzten deutschen Kaiserin Auguste Viktoria, die diese Fassade gewünscht hatte.

Marlies Stiller, Berlin

 

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BÜCHER

Die Berliner "Wohnzimmer Gottes"

Repro: Kreischer

Kara Huber strahlte. Aus gutem Grund: Der Dietrich-Bonhoeffer-Saal in der Staatsbibliothek, in dem sie unlängst ihr neues Buch "Dorfkirchen in Berlin und ihre Hüter" vorstellte, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass die Bücher dieser Reihe (es ist das vierte seit 2008) ebenso lesens- wie ansehenswert sind.

Ersteres verdanken sie natürlich vor allem den Autoren der einzelnen Beiträge, zu denen so bekannte gehören wie Dr. Christine Bergmann, Bundesfamilienministerin a.. D., der französische Botschafter in Deutschland, Maurice Gourdault-Montague, und Dr. Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Dass das Buch auch ein Genuss für das Auge ist, liegt an den beiden namhaften Fotografen Wolfgang Reiher und Leo Seidel, die für eine wunderschöne, adäquate Bebilderung sorgten.

Herausgeberin Kara Huber hatte die Qual der Wahl: Sie musste von den 50 noch vorhandenen Berliner Dorfkirchen 21 auswählen, mehr hätten den Rahmen des Buches gesprengt.

Auf jeden Fall erfährt der Leser viel Wissenswertes. Zum Beispiel, dass die älteste Berliner Dorfkirche in Marienfelde, die größte in Tempelhof und die kleinste in Schmargendorf steht.

Sie hatten oft aufregende Schicksale, die Berliner "Wohnzimmer Gottes". So verlor die Dorfkirche von Bohnsdorf 1956 ihren Turmhelm, weil ein sowjetischer Pilot ihn mit seinem Militärflugzeug rammte. Die Hüter der Kirche ruhten nicht, bis er wieder aufgebaut war.

Die Dorfkirche von Staaken birgt das von dem italienischen Maler Gabriele Mucchi geschaffene Wandbild "Versöhnte Einheit", das ausdrückt, was diese Kirche erlebt und durchlitten hat: Durch ihre exponierte Lage an der Grenze war sie bis 1989 ein Symbol der Teilung. Seit 1990 gehören das alte Dorf Staaken und seine Kirche wieder wie früher zum benachbarten Berlin-Spandau.

Interessant auch, was Autorin Dagmar Reim über die Kirche am Stölpchensee zu berichten weiß. Dort wurden die vom Sebaldusgrab in Nürnberg als Kopien übernommenen sechs Apostelfiguren "evangelisch umgestaltet". So hält der Apostel Paulus ein Buch in den Händen statt des Schwertes, mit dem er zu Tode kam. Auch die heutigen Hüter dort haben sich etwas Originelles ausgedacht: Sie legten nach dem Vorbild eines mittelalterlichen Bildes im Umfeld der Kirche einen Paradiesgarten an, der im Sommer zum Besuch einlädt.

Diese und viele weitere Geschichten sind in dem von Kara Huber herausgegebenen Buch nachzulesen. Es macht Lust, sich die beschriebenen Kirchen einmal aus der Nähe anzusehen, und erfüllt damit wohl auch voll den Sinn und Zweck dieses Buches.

Elke Kreischer

Kara Huber (Hrsg.), Dorfkirchen in Berlin und ihre Hüter, Edition Braus 2014, 175 Seiten, zahlreiche Abb., 39,95 Euro; ISBN 978-3-86228-099-5

Auf den Spuren der Geschichte Perlebergs

Unter der Leitung der drei ausgewiesenen Experten Peter Knüvener, Sylvia Pieper und Gordon Thalmann entstand in diesem Jahr zum 775-jährigen Jubiläum Perlebergs ein empfehlenswertes, schön bebildertes Stadtlesebuch mit vielfältigen Kurzbeiträgen zu unterschiedlichen Aspekten der Stadtgeschichte, basierend auf dem neuesten Forschungsstand.

Perleberg wurde Ende des 12. Jahrhunderts durch die Edlen Herren Gans auf einer Tal-sandinsel der Stepenitz neben einer slawischen Siedlung gegründet und erhielt im Jahr 1239 das Stadtrecht. Es verdankte seinen Wohlstand im Mittelalter vor allem dem Fernhandel; eine Mitgliedschaft bei der Hanse ist seit 1358 belegt. Perlebergs mittelalterliche Stadtgestalt ist weitgehend unzerstört geblieben. Die alte Straßenstruktur ist erhalten und mit ihr die Jakobikirche, der Markt mit Rathaus und Roland, Bürgerhäuser, Stadtmauer und Judenhof. Lediglich die Nikolaikirche, das St.-Annen-Kloster und Hospitäler wurden baufällig und mussten abgerissen werden.

Umso erfreulicher ist es, dass viele der noch vorhandenen mittelalterlichen Bauten in den letzten Jahren instand gesetzt wurden. Durch Archäologie und Bauforschung sind hierbei zahlreiche neue Erkenntnisse gewonnen worden, die in dieser auch für interessierte Laien gut lesbaren Publikation von zahlreichen Fachautoren veröffentlicht werden

Wolf-Dietrich Meyer-Rath

Stadt Perleberg (Hrsg.): Auf den Spuren des mittelalterlichen Perleberg, 1. Auflage 2014, 232 Seiten, mit zahlreichen Abb. und Karten, Hardcover, hendrik Bäsler verlag Berlin, 19,95 Euro; ISBN 978-3-930388-88-2;

 

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