Die Dorfkirche in Carzig (Landkreis Märkisch Oderland)

Dorfkirche Carzig  
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Dorfkirche Carzig - Modell
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Im Frühjahr 1945, während der verzweifelten Kämpfe um die Seelower Höhen und den Übergang der sowjetischen Truppen über die Oder, wurde auch das Dorf Carzig fast vollständig zerstört. Nach Kriegsende wurde die beschädigte Kirche des Ortes zur Gewinnung von Baumaterial freigegeben und ist noch heute – über sechzig Jahre später – eine Ruine.

Von den Kriegszerstörungen an Kirchengebäuden war der ehemalige Kirchenkreis Seelow der am schwersten betroffene in Deutschland: Von 50 Kirchen waren 28 zerstört, 12 davon wurden in der Nachkriegszeit durch Abriss vernichtet. Der Pfarrsprengel Mallnow, zu dem auch Carzig gehört, verfügte noch nach 1990 über keine intakte Kirche. In allen fünf Dörfern standen Kriegsruinen. Mitte der 90er Jahre beschlossen die Gemeindekirchenräte den Wiederaufbau der Kirche von Niederjesar mit teilweise modernen Materialien, was durch die Unterstützung eines Fördervereins und der Kommune ermöglicht wurde. Andernorts, z. B. in Schönfließ, konnten Sicherungsarbeiten durchgeführt werden, um weitere Substanzverluste zu vermeiden.

In Carzig gründete sich im vergangenen Jahr ein Förderverein, der laut Satzung das ehrgeizige Ziel des „äußerlich möglichst originalgetreuen Wiederaufbaus der Dorfkirche“ verfolgt.

Von dem auf Veranlassung des damaligen Patronatsherren, Carl Albert Leopold von Burgsdorff, errichteten neugotischen Backsteinbau sind der mit einem Notdach versehene, stark verkürzte Turm sowie Teile des Ostgiebels und der Umfassungsmauern erhalten. Nach dem Kriege errichtete sich die Gemeinde im Inneren der Ruine eine provisorische Notkirche, die äußerlich eher einem Schuppen gleicht und noch heute für Gottesdienste genutzt wird. 1957 konnte sogar wieder eine Glocke im Turm aufgehängt werden – die einzige nach 1945 gegossene Bronzeglocke des Kirchenkreises.

 Carzig

Der neugegründete Verein will sich mit dem Anblick der Ruine und dem Provisorium der Notkirche nicht länger abfinden. Als erste Maßnahme erhielt die Kirchturmspitze eine neue vergoldete Bekrönung mit Kugel und Kreuz. Nach einem Sturmschaden wurde das Turmdach neu eingedeckt. Bei verschiedenen Veranstaltungen konnten erste Spenden eingeworben werden. Ein im Maßstab 1 : 50 gebautes Architekturmodell der alten (und erhofften neuen) Kirche zeigt, wie weit der Weg zur Wiederherstellung des Gotteshauses noch ist. Aber auch an anderen Orten hat man scheinbar Unmögliches geschafft...

Für sein bürgerschaftliches Engagement wurde der Verein als einer von sechs Preisträgern mit einem „Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2005“ gewürdigt. Die vom Förderkreis Alte Kirchen ausgeschriebenen Preise wurden am 23. September im Rahmen eines Festgottesdienstes in Templin überreicht.

Weitere Informationen: Evang. Pfarramt Mallnow, Pfr. Martin Müller, Tel.: (03 36 02) 4 37


Zum Weiterlesen:
Märkische Oderzeitung vom 20. März 2010: Einmal im Jahr Gottesdienst und kultureller Rahmen
Märkische Oderzeitung vom 12. Juli 2011: Spektakel unterm Glockenturm
Märkische Oderzeitung vom 17. August 2011: Kirchenruine mit neuem Gesicht
Mitteilungsblatt September 2012: Eine Ruine erwacht zu neuem Leben
Mitteilungsblatt Mai 2013: Sommerfest vor einer (Noch)-Ruine
Märkische Onlinezeitung vom 08. Juli 2014: 17 500 Euro in zehn Jahren gesammelt

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