Kirchenruine mit neuem Gesicht

Carzig (moz) Die Carziger Kirchenruine hat ein neues Gesicht bekommen. Die große Holz- und Glasfront in der Giebelwand dient der Sicherung. Doch die Arbeiten, die Kirchengemeinde und Förderverein gemeinsam finanziert haben, bringen auch neue Nutzungsmöglichkeiten mit sich.

 
Das muss noch gesichert werden: Pfarrer Martin Müller mit Renate und Karl-Heinz Labes vom Kirchenförderverein (v.r.) in der Carziger Kirchenuine.
© Johann Müller

Von den sechs Kirchenruinen im Pfarrsprengel Mallnow ist die Carziger die einzige, die bislang ungesichert ist. Doch das soll sich ändern. "Wir hatten im vorigen Jahr gemeinsam mit dem Förderverein für die Carziger Dorfkirche ein Konzept für die Sicherung in Auftrag gegeben. Das Frankfurter Architekturbüro Albeshausen und Hensel hat es erarbeitet und rund 50 000 Euro für alle Arbeiten veranschlagt. Mehr, als wir bislang aufbringen können", sagt Pfarrer Martin Müller.

Doch es sei "an der Zeit gewesen, ein Zeichen zu setzen, etwas Vorzeigbares zu haben", ergänzt Renate Labes. Die Carzigerin ist die Vorsitzende des 2004 gegründeten Fördervereins für die Dorfkirche. Verein und Kirchengemeinde entschlossen sich zu einem ersten Bauabschnitt: Anfang Juni begannen Bauhandwerker, eine große Öffnung in die nach dem Krieg erbaute Giebelwand der Kirche zu schneiden. Sie wurde im unteren Teil durch eine mannshohe Fensterfront und darüber durch eine hölzerne Giebelverblendung gefüllt. Die kleine Tür darin ist der einzige Zugang zum Dachgeschoss.

Doch das war noch nicht alles. Auch die Elektroanlage der Kirchenruine ist erneuert und um eine Ringleitung sowie Außensteckdosen im Bereich des Kirchenschiffs erweitert worden, von dem nur noch Mauerreste stehen. "Das macht Nutzungen, wie einen Adventsbasar oder andere Veranstaltungen in der Kirchenruine möglich", sagt Martin Müller. Die in dem Zuge in den Kirchenraum eingebaute Elektroheizung erweitert zudem die potenzielle Nutzungszeit.

Beim Herausreißen des nun überflüssigen alten Kanonenofens erlebten die Bauherren dann eine Überraschung: "Der alte Holzfußboden darunter war durchgefault", berichtet der Pfarrer. Da der Fußboden auch an anderen Stellen noch erhebliche Schäden aufwies, habe man sich entschieden, ihn herauszureißen und neue Dielen samt Isolierung auf den alten Ziegelfußboden aufzubringen.

Doch diese Arbeiten waren, ebenso wie die malermäßige Instandsetzung des Kirchenraumes, nicht Bestandteil des Auftrages, dessen Kosten in Höhe von rund 15 000 Euro sich die Kirchengemeinde und der Förderverein geteilt haben. Folglich "müssen wir das in Eigenleistung stemmen. Die vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg gespendeten 3000 Euro reichen gerade für den Kauf der Dielen", sagt Renate Labes. Ihr Mann Karl-Heinz ist eines der aktivsten und engagiertesten Mitglieder des Fördervereins.

Zu seinem 70. Geburtstag hatte der Carziger unlängst um Spenden für die Kirche statt Geschenke gebeten. Die 800 Euro, die zusammen kamen, sollen in neue Deckenleuchten und einen Lamellenvorhang für den Kirchenraum fließen. Außerdem will Karl-Heinz Labes, der von Beruf Grafiker ist, die Bemalung über der Verbindungstür in den Kirchturm übernehmen.

Doch das Gros der Sicherungsarbeiten an der Carziger Kirchenruine steht damit immer noch aus. Es geht vor allem um die Sicherung der Mauerreste des Kirchenschiffs und der Mauern des Turmgiebels. "Dafür haben wir einfach kein Geld", sagt Martin Müller.

Märkische Oderzeitung vom 17. August 2011

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