17 500 Euro in zehn Jahren gesammelt

Marco Marschall

Carzig (MOZ) Die Dorfkirche des Fichtenhöher Ortsteils soll Zentrum für Christen und Nicht-Christen sein. Am Sonntag lud ihr Förderverein zur Ausstellungseröffnung mit musikalischem Rahmenprogramm und feierte damit sein zehnjähriges Bestehen.

Schwein gehabt: Mitglieder des Fördervereins "Initiative Dorfkirche Carzig" mit der Vereinsvorsitzenden Renate Labes (hinten rechts), Pfarrer Martin Müller (hinten) und dem Sparschwein der Initiative
© Johann Müller

Ein schattenspendendes Dach über den Köpfen fehlt den Gästen der Carziger Kirche am Sonntag nicht. Sie sitzen unter einem Pavillon und lauschen den Klängen von Didgeridoo, Cajon und dazu verlesenen lyrischen Texten. Zuvor hatten Bläser aus verschiedenen Posaunenchören ein Ständchen gebracht. In den kühlen Mauern eines richtigen Kirchenschiffs wäre das angesichts der heißen Temperaturen sicher noch etwas angenehmer. Doch das Gotteshaus des Fichtenhöher Ortsteils gilt als eines der im Zweiten Weltkrieg am schwersten zerstörten im Kirchenkreis Oderbruch. Vom einstigen Kirchenschiff blieb 1945 nur ein Teil der Grundmauern stehen. Der Turm hielt in seinem unteren Teil stand. 1960 wurde das Mauerwerk ergänzt und erhielt ein Zeltdach als notdürftige Abdeckung, das 2002 noch einmal erneuert wurde. Bereits 1964 wurde eine Notkirche in die Ruine hineingebaut

Im 2011 daraus errichteten Gemeinderaum findet zwar nicht das ganze Dorf Platz. Dafür kann er im Sommer wie im Winter genutzt werden. Am Sonntag hingen die Gemälde von Gisela und Delia Adler - Mutter und Tochter - dort aus. Zudem wurde der Raum mit der riesigen Fensterfront wie schon häufig zuvor als Bühne für Musiker und Live-Künstler genutzt.

Die Sanierung des Gebäudeteils war die bisher größte Baumaßnahme, die durch den Förderverein "Initiative Dorfkirche Carzig" angepackt wurde, der mit der Ausstellungseröffnung sein zehnjähriges Bestehen feierte. "Außerdem wurden damals der Fußboden und die elektrischen Anlagen sowie die Heizung erneuert", erinnert sich Renate Labes, die Vorsitzende des Vereins. Die Frau, die seit 2001 in Carzig lebt, stammt eigentlich aus Mecklenburg-Vorpommern und ist selbst nicht religiös. Dass sie den Förderverein im April 2004 mitgründete liegt daran, dass sie das Haus als Kultur- und Gemeindezentrum versteht - ein Mittelpunkt für Christen und Nicht-Christen. Die Idee zur Gründung eines Fördervereins habe damals die Familie Dobbermann aus dem Ort gehabt. Mittlerweile ist die Mitgliederzahl von acht auf 25 angewachsen.

17500 Euro hat der Verein seit seinem Bestehen zum Großteil durch Spenden eingenommen, resümiert Renate Labes am Sonntagnachmittag. 3500 Euro davon seien Mitgliederbeiträge. Die Baumaßnahmen an der Kirche hatte sich der Verein jeweils zur Hälfte mit der Kirchgemeinde geteilt. Zwischen 18000 und 20000Euro seien 2011 insgesamt in die Erneuerung des Ostgiebels geflossen. Als erste Maßnahme nach der Vereinsgründung hatten die Carziger 2005 bereits ein Kreuz auf das Dach des Turmes aufgebracht.

Und es sind weitere geplant. Seit Jahren dient das von Karl-Heinz Labes gestaltete Riesen-Sparschwein dazu, bei Veranstaltungen Spenden zu sammeln. Die braucht der Verein. Das nächste Vorhaben ist die Befestigung der Mauerkrone. Alles was lose ist, soll neu gesetzt und so vor der Witterung geschützt werden. Etwa 4000Euro sind dafür nötig.

Pfarrer Martin Müller lobte am Sonntag in einem Gottesdienst das Engagement des Fördervereins. Die nächste Veranstaltung in der Carziger Dorfkirche findet am 24. August statt. Dann spielt die Pianistin Elena Welker ein Konzert mit Stücken von Rachmaninow und Tschaikowski. Zu diesem Anlass ist auch eine neue Ausstellungseröffnung in der Kirche geplant.

Märkische Onlinezeitung vom 08. Juli 2014

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