Die Feldsteinkirche in Zernikow (Oberhavel)

 Dorfkirche Zernikow
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Dorfkirche Zernikow - Blick zum Altar
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Dorfkirche Zernikow - Detail
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Mit zwei großen Namen der brandenburgischen Geschichte ist die Historie des zwischen Rheinsberg und Gransee liegenden Dorfes Zernikow verknüpft: Michael Gabriel Fredersdorff und Achim von Arnim. Und einen Teil dieser Geschichte spiegelt auch die in ihren Ursprüngen aus dem 13. Jahrhundert stammende Feldsteinkirche wider.

Nur wenige Tage nach seiner Krönung im Jahre 1740 schenkte Friedrich II. seinem Geheimen Kämmerer, Freund und "grand factotum du roi" Gabriel Michael Fredersdorff Gut und Dorf Zernikow. Fontane schrieb über Fredersdorff: "Er fand eine vernachlässigte Sandscholle vor und hinterließ ein wohlkultiviertes Gut." Davon zeugt noch die pittoreske Maulbeerallee, die Zernikow mit dem benachbarten Burow verbindet, angelegt vor etwa 250 Jahren zur Zucht von Seidenraupen. Auch der Neubau des Herrenhauses, vermutlich von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, stammt aus dieser Zeit. Im Jahre 1753 heiratete Fredersdorff Caroline Marie Elisabeth Daum, die Tochter eines Potsdamer Bankiers. Nach langer Krankheit starb er bereits 1758. Seine Witwe heiratete später einen Freiherrn von Labes. Beider Tochter wiederum ehelichte einen von Arnim und aus dieser Verbindung ging der spätere Dichter Achim von Arnim hervor, der in seiner Kindheit jeden Sommer bei der Großmutter in Zernikow verbrachte.

1777 ließ Frau von Labes, inzwischen zum zweiten Mal Witwe, die Kirche entscheidend umgestalten. Die Fenster wurden verändert, eine Sakristei angebaut und der hölzerne Turmaufbau mit verschieferter Dachhaube aufgesetzt. Gleichzeitig wurde der Innenraum völlig neu gestaltet und ist in dieser Form bis heute fast unverändert erhalten geblieben. Es entstanden Emporen und ein hölzerner Kanzelaltar mit korinthischen Säulen und reichem Dekor.

An der Orgelempore sind noch heute die Porträts der einstigen Patrone zu bewundern: Hans Freiherr von Labes, seine Tochter Amalia Carolina, verheiratete von Arnim, Caroline Elisabeth Freifrau von Labes, verwitwete Fredersdorff und Michael Gabriel Fredersdorff.

Die Rolle der "Kirchenpatronin" hat heute Dr. Angela Hubrich übernommen. 1995 kam die gebürtige Breslauerin, die es nach dem Krieg ins Rheinland verschlagen hatte, erstmalig nach Zernikow. Im Handgepäck hatte sie Fontanes "Wanderungen" und Clara von Arnims Erinnerungsbuch "Vom grünen Baum des Lebens". Angela Hubrich verliebte sich in das Dorf und fand eine neue Heimat. Seitdem hat sie sich des maroden Kirchengebäudes angenommen. Ihrer Überredungskunst, ihrem sanften Druck, vor allem jedoch ihrem persönlichen finanziellen Engagement ist es zu verdanken, dass Fördermittel bewilligt wurden. Rechtzeitig vor dem Winter wurde so die Neueindeckung des Daches fertig.

Noch ist jedoch viel zu tun. Die gesamte Innenausstattung ist durch das Jahrzehnte lange Nagen der Holzwürmer stark gefährdet. Der Schädlingsbefall konnte durch Begasen zwar gestoppt werden, doch die meisten hölzernen Einbauten bedürfen dringend einer Restaurierung, nachdem bereits Teile der Verzierung vom Altar abgebrochen sind. Neue Fenster werden gebraucht, die Orgel soll repariert werden... Dazu ist noch viel Geld nötig und Angela Hubrich bemüht sich schon wieder eifrig um potentielle Spender und Sponsoren. Schließlich sollen auch künftige Generationen in der Zernikower Dorfkirche die Spuren der Geschichte ablesen können, die hier schon immer von klangvollen Namen geprägt wurde.


Zum Weiterlesen:
Portal der evangelischen Kirchengemeinde Zernikow
Musikalisches Kirchenporträt
Mitteilungsblatt vom März 2004: Lassen Sie sich ein Stück Empore schenken
Märkische Allgemeine vom 08. März 2003: Botschaft für die Nachwelt
Märkische Allgemeine vom 07. August 2004: Grüner Baum des Lebens
Mitteilungsblatt März 2006: Gelungenes Benefizkonzert für Zernikow
Märkische Allgemeine vom 27. Februar 2015: Holzwürmern im Gotteshaus den Garaus gemacht
Märkische Onlinezeitung vom 02. August 2016: Kirche Zernikow: Überraschung bei Restaurierung
Märkische Onlinezeitung vom 08. Februar 2017: Jahrzehnte vergessene Malereien entstehen in Zernikow neu

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