Was uns bewegt — der Vorstand berichtet

Der Streichung von "Dach und Fach" noch mehr Engagement entgegensetzen

Gegenwärtig erhält der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg von zahlreichen Fördervereinen und Kirchengemeinden Anfragen, die die Ratlosigkeit nach der Streichung des Notsicherungsprogramms "Dach und Fach" durch die Bundesregierung widerspiegeln.

Der Wegfall der damit verbundenen Mittel, die erheblich zur Rettung gefährdeter historischer Bausubstanz in den neuen Bundesländern beigetragen hatten und zunächst vom Bundesministerium des Inneren und zuletzt vom Kulturstaatsministerium verwaltet wurden, bedeutet einen gravierenden Einschnitt im Bereich der Denkmalpflege in den neuen Bundesländern.

Durch das Programm "Dach und Fach" konnten in den vergangenen acht Jahren viele wichtige Denkmale, darunter auch zahlreiche Dorfkirchen, gerettet werden. Besonders hilfreich war die Form der Mischfinanzierung: je ein Drittel kamen vom Bund und vom Land, ein Drittel hatte der Eigentümer aufzubringen. In vielen Fällen hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz geholfen, fehlende Eigenmittel zu ergänzen.

Das abrupte, nicht angekündigte Ende des Programms im publizistischen "Sommerloch" des letzten Jahres bedeutet für viele bereits geplante Sicherungs- und Renovierungsarbeiten, die bereits in der Planung für 2004 verankert schienen, zunächst einmal das Aus – ein schwerer Schlag für zahlreiche Kirchengemeinden und andere Denkmaleigentümer, für Fördervereine, Architekten und Bauhandwerker in ihrem Bemühen, Kulturerbe zu erhalten.

Proteste der Landesregierungen, der Landesämter für Denkmalpflege, der kirchlichen Bauämter und zahlreicher Institutionen und Vereine (wir berichteten darüber) haben leider nicht zu einem Umdenken der Staatsministerin für Kultur und Medien, Frau Weiss, geführt. Im Vergleich zu anderen Investitionen waren die Ausgaben im Rahmen von "Dach und Fach" gering. Es wurden jedoch andere Prioritäten gesetzt, der Erhalt von drei Opernhäusern ist wichtiger als die flächendeckende Versorgung mit Kultur in den neuen Bundesländern...

Inzwischen hat auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz angekündigt, ihr Engagement im Osten Deutschlands zu reduzieren. Gründe sind rückläufige Spenden, die (berechtigte) Hinwendung zu Denkmälern im lange vernachlässigten Westen der Republik und – der Hinweis auf die nicht mehr mögliche Kofinanzierung der gestrichenen Bundesmittel.

Bei den Betroffenen herrscht zur Zeit Ratlosigkeit. Den Ländern und den Kirchen fehlen die Finanzen, um das entstandene Loch zu stopfen. Im Land Brandenburg scheint Ersatz vorerst nicht in Sicht – in Sachsen setzt die dortige Landesregierung Mittel aus anderen Programmen, zum Beispiel Förderung des Städtebaus, zur Kompensierung ein.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hat sich auch für die kommende Zeit große Ziele gesetzt. Wir wollen weiterhin Notsicherungen finanziell unterstützen, das Projekt "Startkapital" zur Gründung und Unterstützung lokaler Fördervereine weiterführen und wir müssen entsprechend den gewachsenen Aufgaben unsere Geschäftsstelle betreiben.

Wir rufen unsere Mitglieder, Freunde und Leser dieses Blattes auf, uns auch weiterhin durch Engagement und Spenden zur Rettung gefährdeter Kirchen zu unterstützen, und bitten Sie, auch weitere Interessenten auf unsere Arbeit hinzuweisen. Gemeinsame Anstrengungen müssen erreichen, dass es auch weiterhin möglich ist, vom Verlust bedrohtes wertvolles Kulturerbe zu erhalten.

Angus Fowler

 
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Projektanträge für "Kulturland 2005" sind bald einzureichen

Im Jahr 2005 wird die alljährliche Kulturland-Kampagne unter dem Motto "1000 Jahre Christentum in Brandenburg" stehen. Mittelpunkt der vielfältigen Aktivitäten wird die Eröffnung eines Museums, das die Christianisierung des Landes dokumentiert, in der ehemaligen Bischofsburg von Ziesar sein. Aber auch zahlreiche weitere Aktivitäten werden sich mit der Thematik Christentum in Brandenburg beschäftigen.

Zum Redaktionsschluss dieses Blattes lag der Wortlaut der Ausschreibung des Vereins "Kulturland Brandenburg e.V." noch nicht vor, er soll jedoch Anfang März veröffentlicht werden.

Einsendeschluss für Projektanträge ist dann bereits der 19. April!

Den Ausschreibungstext erfragen Sie bei: Kulturland Brandenburg e.V.; Tel.: (03 31) 2 31 13 36; www.kulturland-brandenburg.de.

Über das Projekt, mit dem sich der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg in die Aktivitäten des kommenden Jahres einbringen möchte, informieren wir Sie ausführlich in der nächsten Ausgabe unseres Mitteilungsblattes Alte Kirchen.

 
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Mit der Maus durch die Kirchentür

Spazieren im Internet

Warum soll man das Mitteilungsblatt "Alte Kirchen" von einem Computer lesen anstatt gemütlich im Sessel zu sitzen? Das Wort "anstatt" in der Frage ist falsch. Ein interessanter Artikel treibt uns zum Lexikon, man sucht, findet, findet nicht; die Gemütlichkeit ist dahin. Derselbe Artikel auf unserer Homepage www.altekirchen.de hat Verweise (Links). Ein Klick und man geht auf "Reise" ins Netz.

Natürlich gibt es noch mehr Gründe, regelmäßig unsere Homepage aufzusuchen: Sie wird laufend überarbeitet und enthält deshalb aktuelle Berichte und zahlreiche Veranstaltungstipps. Die "Dorfkirche des Monats" wird vorgestellt. Man erfährt mehr über "Offene Kirchen". Unsere Satzung, Interviews, wichtige Dokumente können nicht nur gelesen, sondern auch heruntergeladen werden.

Das Adressverzeichnis nennt 135 Fördervereine und Dorfkirchen-Initiativen in Brandenburg. Klingt nicht spannend? Ein Irrtum. Auch hier geben die Links die Würze. Man sieht Bilder, liest Artikel - und ist beeindruckt von dem Fleiß und der Phantasie, mit der sich viele Fördervereine im Internet darstellen.

Die bekannten Kirchen und Klöster in Brandenburg, Chorin, Heiligengrabe, Neuhardenberg, Prenzlau usw. sucht und findet man natürlich. Doch es gibt Überraschungen zu entdecken und ein paar Hinweise sollen zum Suchen anregen:

Etliche Homepages sind einfacher und trotzdem informativ. Sie zeigen ein Bild, einen Text, den Veranstaltungsplan, die Satzung zum Herunterladen. Beispiele: Groß Lüben (www.foerderverein.kirche.gl.ms) und Jakobshagen (www.foerderverein-jakobshagen.de). Leider sind diese Seiten nicht immer aktuell, im Gegensatz z. B. zur Dorfkirche Zechlin (www.zechlin-dorfkirche.de) mit dem Veranstaltungsplan von 2004 und einem originellen Lexikon.

Darüber hinaus sind Dokumentationen zu finden: z. B zu Dorfkirchen im Teltow (www.fortunecity.de/lindenpark/tannen/100/index.html) oder über die Hugenotten in der Uckermark (www.hugenotten-uckermark.de) mit Bildern und sachkundigen Informationen zu 52 Dorfkirchen.

Diese Auswahl der Internet-Auftritte ist subjektiv und zufällig. Viel mehr Verweise zeigt unsere Homepage.

Etwas übersehen? Bitte schreiben Sie uns, jeder Hinweis wird aufgenommen. Auch Kritik wäre gut. Ein paar Vorschläge zum Kritisieren: Wann gibt es endlich eine Suchfunktion? Wann gibt es eine Pinnwand? Die Antwort: Unsere Homepage wird zu hundert Prozent ehrenamtlich und nebenberuflich erstellt. Angebote zur Mitarbeit sind also besonders willkommen. Dann können die Wünsche früher erfüllt werden.

Wolf-Rainer Marx

 
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Totenkronen, Orgeln und Kirchenmäuse

"Offene Kirchen 2004" wieder mit vielen interessanten Beiträgen

Offene Kirchen

Am Freitag, dem 2. April, eine Woche vor dem Osterfest, erscheint in einer Auflage von 11.000 Stück die diesjährige Ausgabe der Broschüre "Offene Kirchen 2004". Die Leser werden darin wieder eine Vielzahl interessanter Beiträge finden.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck schrieb diesmal das Geleitwort. In einem Interview mit Wolfgang Huber als Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz geht es um die heutige und künftige Situation der Kirche im ländlichen Bereich und die Chancen zur Rettung, Erhaltung und angemessenen Nutzung der Dorfkirchen. Wolfgang Huber spricht darin den vielen Fördervereinen seinen besonderen Dank dafür aus, dass es mit ihrer Hilfe "in einem sehr bemerkenswerten Umfang gelungen ist, Kirchen funktionsfähig zu erhalten, so dass Gottesdienst darin stattfinden kann".

Siedler aus Brandenburg, Ostsachsen, dem Rheinland, Ost- und Westfalen gestalteten einst das Land der Ukranen, die heutige Uckermark, um. Die Widerspiegelung dieser Vielfalt in den Kirchenbauten schildert ein Beitrag über Dorfkirchen zwischen den Regionen Brandenburg und Pommern. Zu einer "Backsteininsel" geht es im Fläming: zu den weithin einzigen Backstein-Dorfkirchen aus dem 13. Jahrhundert. In Lindenau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz bilden das Schloss, der Park, die Kirche und das Dorf eine beispielhafte Einheit.

Eigenartige Herzensbilder in drei uckermärkischen Kirchen gilt es zu enträtseln und Totenkronen erzählen von einem alten märkischen Brauch. Ein Besuch gilt der Orgelwerkstatt Christian Scheffler in Sieversdorf vor den Toren von Frankfurt (Oder). Und schließlich wird auch allerlei Getier vorgestellt, das sich in und um die Kirchen eingemietet hat und - nicht immer zur Freude der Gebäude-Eigentümer - teilweise unter Schutz gestellt ist.

Wesentlich erweitert und übersichtlicher gestaltet ist der Mittelteil der Broschüre, der die Besonderheiten und die Öffnungszeiten von nunmehr über 450 Brandenburger Kirchen auflistet, diesmal zur besseren Übersicht in alphabetischer Reihenfolge. Er enthält auch wieder die farbigen Landkarten, auf denen jeder in der Liste der Kirchen genannte Ort deutlich hervorgehoben ist.

Eva Gonda

Weitere Hilfe beim Vertrieb ist willkommen

Schon wenige Tage nach dem Erscheinen des Heftes können es unsere Mitglieder aus dem Briefkasten nehmen. Und sobald die Broschüren vorliegen, werden sich einige von uns damit ihre Autos voll laden und diese Fracht bis in die Uckermark, das Havelland und den Spreewald ausliefern – eine kleine logistische Herausforderung! Wir danken jedenfalls schon vorab denen, die sich dafür mit ihren Autos zur Mithilfe gemeldet haben. Und sollte noch jemand helfen wollen – einfach anrufen: (0 30) 3 75 22 44.

Doch auch ohne PKW kann man uns bei der Auslieferung unterstützen:

Arnulf Kraft

 
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FAK-Ausstellung auf großer Reise

Die Ausstellung des Förderkreises "Gefährdete Schönheit. Dorfkirchen in der Uckermark" geht demnächst auf große Reise. Sie wird in westdeutschen Städten vom Wirken des Förderkreises berichten. Auf über 20 Tafeln werden bereits sanierte Gotteshäuser, aber auch "Problemfälle" vorgestellt. Die Präsentation soll auf die erstaunliche Vielfalt der Kirchen und ihrer Ausstattung in der Uckermark, in dieser an Denkmalen so reichen Region, aufmerksam machen und zugleich um Unterstützung für die Rettung vieler noch immer gefährdeter Dorfkirchen, ihrer barocken Orgeln oder ihrer gotischen Schnitzaltäre werben.

In Wuppertal-Elberfeld wird die Ausstellung in der Kirche in der City / Alte reformierte Kirche, Kirchplatz 2, vom 6. Mai bis 2. Juni zu sehen sein. Begleitende Veranstaltungen:

6. Mai, 19.30 Uhr: Diavortrag von Bernd Janowski zum Thema der Ausstellung

13. Mai, 19.30 Uhr: Diavortrag von Dr. Peter Schmidt: Rheinisch - fränkisch - brandenburgisch. Frühe Dorfkirchen in der Mark

28. Mai, 19.30 Uhr: Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland - Literarisch-musikalisches Programm.

Im Juni/Juli wird die Ausstellung in der Marktkirche Göttingen, im August in der Martinikirche Braunschweig zu sehen sein. Genaue Termine und begleitende Veranstaltungen in den nächsten AK.

 
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Barocke Schätze neu entdeckt

Dorfkirche Bornsdorf 

Wenn man sich, von Luckau kommend, dem kleinen Ort Bornsdorf (Landkreis Dahme-Spreewald) nähert, fällt zuerst ein mächtiger mittelalterlicher Rundturm auf. Er ist der letzte Rest einer ehemaligen Burganlage, die 1734 von Caspar Sigismund von Langen, dem damaligen Besitzer, zu einer barocken Schlossanlage ausgebaut wurde. Das weitgehend intakte Schloss wurde 1970 abgebrochen. Neben dem Burgturm blieb – als Mittelpunkt des Dorfes – die alte Kirche erhalten und in ihr erinnert vieles an den ehemaligen Patron.

Annegret Gehrmann, Pfarrfrau und Initiatorin des Förderkreises Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz, berichtet, dass der im Kern mittelalterliche Feldsteinbau im März 1993 durch das Kirchliche Bauamt gesperrt werden musste. Das Dachtragwerk war vom Schwamm befallen und die im 18. Jahrhundert angebaute Südloge vom Einsturz bedroht. Ursache für letzteres waren vermutlich auch Grundwasserabsenkungen im Zusammenhang mit dem nahe gelegenen Braunkohlen-Tagebau Schlabendorf. Die Gemeinde schaffte es, dass die LAUBAG die statischen Untersuchungen finanzierte und sich auch an der Instandsetzung beteiligte. Kirchliche Gelder und Landesmittel machten umfassende Reparaturen möglich. Seit drei Jahren können in der Bornsdorfer Kirche wieder Gottesdienste gefeiert werden.

  Dorfkirche Bornsdorf - Ausstattung
Großbild:Großbildansicht
Altar:Großbildansicht

Nach dem Abschluss der Außensanierung möchten Kirchengemeinde und Förderkreis jetzt mit der Restaurierung des Inventars beginnen. Die Bornsdorfer Kirche verfügt über eine bemerkenswerte Ausstattung: Die reich verzierte und ursprünglich von einem Pelikan bekrönte Kanzel stammt aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts. Der Altaraufsatz und die kelchförmige Taufe aus Sandstein zeigen die Formen des frühen Barock und wurden, laut Inschrift, im Jahre 1730 überarbeitet. Seitlich vor dem Altar knien zwei lebensgroße Sandsteinfiguren in der Tracht des frühen 17. Jahrhunderts, angeblich ein Herr von Wolffersdorf und seine Frau. Hinter dem Altar finden sich, gerahmt von ionischen Säulen, die Stifterbildnisse des Caspar Sigismund von Langen und seiner Gemahlin Anna Emilia. Herr von Langen ließ, zeitgleich mit dem Schlossneubau, die Ausstattung der Bornsdorfer Kirche entscheidend erneuern. Auf den ersten Blick scheint sich seitdem nicht viel verändert zu haben – und genau dies ist das Problem.

Annegret Gehrmann möchte ein Gesamtkonzept für die Restaurierung des Kirchenraumes erarbeiten lassen. Für die studierte Stadtplanerin, die ehrenamtlich dem Bauausschuss der Kirchengemeinde Luckau vorsteht, ist Kirchenbau auch Gemeindearbeit. Die Kirchengemeinde in Bornsdorf ist klein und der Ort gehört wohl zu den etwas schwierigeren unter den zwölf Dörfern, die ihr Mann inzwischen als Pfarrer betreut. Im vergangenen Jahr fand ein erstes Benefizkonzert in der Kirche statt. Der Erlös reicht sicher nicht aus, um die notwendigen Restaurierungsarbeiten bezahlen zu können, doch viele Besucher entdeckten bei dieser Gelegenheit die Schönheit ihres Kirchenraumes neu. Am 15 Mai wird das Gotteshaus zu den Zielen der Frühjahrsexkursion des Förderkreises Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz gehören. In einer Region, die von hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen betroffen ist, will der Verein Zeichen der Hoffnung setzen.

Informationen über: Annegret Gehrmann; Tel.: (03 54 54) 3 93

 
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Bald schneller und unbürokratischer?

Entwurf des neuen Denkmalschutzgesetzes steht zur Diskussion

Die Novelle des Brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes, seit 2002 in der internen Diskussion, wurde inzwischen vom Landtag in erster Lesung verhandelt. Bis zur Beschlussfassung vor der Sommerpause kann nun darüber gestritten werden, sind Stellungnahmen erwünscht.

Die Neufassung, die schon kritische Stimmen laut werden ließ, ermöglicht nach Ansicht der Gesetzgeber, das kulturelle Erbe Brandenburgs dauerhaft zu bewahren, die Belange des Denkmalschutzes mit den berechtigten Interessen von Eigentümern in Einklang zu bringen sowie zu einem investitionsfreundlichen Klima beizutragen und damit auch den Mittelstand und das Handwerk zu fördern. Hierfür sollen Verfahren vereinfacht, Fristen verkürzt und Bürokratie abgebaut werden. Außerdem soll eine konzertierte Denkmalhilfe in Höhe von bis zu vier Millionen Euro jährlich eingerichtet werden.

Neu geregelt werden soll zum Beispiel das Verfahren, nach dem Denkmale eingetragen werden. Mit der Einführung des sogenannten nachrichtlichen Eintragungsverfahrens wird bei den Unteren Denkmalschutzbehörden erheblicher Verwaltungsaufwand reduziert, da für die Eintragung künftig die Denkmalfachbehörde verantwortlich sein soll. Damit werden die Voraussetzungen für die beschleunigte Erfassung des vorhandenen Denkmalbestandes und schnellere Klarheit für die Eigentümer von Denkmalen geschaffen. Dieses Verfahren wird bereits in der Mehrzahl der anderen Bundesländer praktiziert und hat sich dort bewährt.

Außerdem soll die Beteiligungsfrist zwischen Unterer Denkmalschutzbehörde und Denkmalfachbehörde von drei Monaten auf einen Monat reduziert werden, auch im bauaufsichtlichen Genehmigungsverfahren. Die Unteren Denkmalschutzbehörden entscheiden künftig über erlaubnispflichtige Maßnahmen im Benehmen mit der Denkmalfachbehörde, ein Einvernehmen muss nicht hergestellt werden.

Mit der Novelle soll das Instrument des denkmalpflegerischen Sammelgutachtens eingeführt werden: Liegen für bestimmte Bereiche derartige Gutachten vor, erübrigt sich für erlaubnispflichtige Vorhaben dort die Beteiligung der Denkmalfachbehörde. Es ist geplant, zunächst mindestens 20 Prozent der Erlaubnisverfahren über denkmalpflegerische Sammelgutachten beteiligungsfrei zu stellen. Dies würde rund 1.600 Verwaltungsverfahren pro Jahr überflüssig machen. Die Anwendung denkmalpflegerischer Sammelgutachten soll schrittweise ausgebaut werden.

In bauaufsichtlichen Verfahren - so sieht es der Entwurf weiter vor - sind die Denkmalschutzbehörden nur noch zu beteiligen, wenn in der Denkmalliste eingetragene Denkmale oder ihre Umgebung betroffen sind. Zudem sollen die Zuständigkeiten der Denkmalbehörden so geordnet werden, dass die Unteren Denkmalschutzbehörden grundsätzlich für den Vollzug des Gesetzes zuständig sind. Sie erhalten damit auch die Zuständigkeit für die Entscheidung über die Zerstörung von Denkmalen und die Verlängerung der Frist bei Zufallsfunden.

In Anlehnung an die ursprüngliche Idee eines Denkmalfonds wird nun eine konzertierte Denkmalhilfe durch das Zusammenwirken mehrerer Ressorts geschaffen. Hierzu werden aus vier Ressorts entsprechende finanzielle Ressourcen in einer Höhe von bis zu vier Millionen Euro jährlich bereit gestellt, die zweckgebunden projektbezogene Denkmalförderung ermöglichen. Die Gelder sollen insbesondere der Finanzierung der vom Land zu leistenden Ausgleichs- oder Entschädigungszahlungen an Eigentümer von Denkmalen dienen, wenn diese mit der Erhaltung des Denkmals überfordert sind.

Über Denkmale, die der Religionsausübung dienen, sagt der Entwurf im § 22: Bei Entscheidungen über Denkmale, die der Religionsausübung dienen, haben die Denkmalschutz- und Denkmalfachbehörden die von den Kirchen und Religionsgemeinschaften festgestellten Belange der Religionsausübung zu beachten. In Streitfällen entscheidet die oberste Denkmalschutzbehörde im Benehmen mit der zuständigen kirchlichen Oberbehörde oder der zuständigen Stelle der betroffenen Religionsgemeinschaft.

Den Wortlaut des Gesetzentwurfes finden Sie im Internet u. a. unter www.mdje.brandenburg.de/landrecht/gesetzblatt/texte/K55/557-01.htm.

 
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Weil jeder Ziegelstein seinen eigenen Charakter hat

Die GOLEM GmbH ist auch auf ausgefallene Anforderungen der Denkmalpflege eingestellt

 die Ziegelmasse wird in Holzformen geschlagen mit einem Draht sauber abgezogen
 
schließlich vorsichtig aus der Form gehobenschließlich vorsichtig aus der Form gehoben
In Handarbeit entstehen maßgefertigte Formsteine: die Ziegelmasse wird in Holzformen geschlagen, dann mit einem Draht sauber abgezogen und schließlich vorsichtig aus der Form gehoben.
Fotos: GOLEM GmbH

Die Stüler-Kirche von Hohensaaten am östlichsten Rand der Uckermark war wie viele ihresgleichen in den letzten Kriegstagen stark beschädigt worden, vom stolzen Glockenturm war kaum etwas geblieben. Vergleicht man das stattliche Gebäude heute mit alten Vorkriegsfotos, entdeckt man keine Abweichungen. Auch den Turm krönen wie einst die zierlichen Fialen mit ihren Kreuzblumen und Krabben.

In der Tat hatten die alten Fotos den Spezialisten der Firma für Kunst– und Baukeramik GOLEM als Vorlage für die detailgetreue Rekonstruktion der unzähligen kleinen und großen Bauelemente gedient. Die GmbH mit ihren Betriebsteilen in Sieversdorf und Altglietzen im Landkreis Oder-Spree ist darauf eingestellt, für die Restauratoren der Denkmalpflege auch die kompliziertesten Einzelstücke entsprechend dem historischen Bestand originalgetreu nachzufertigen. Vom einfachen Handstrichziegel über maschinell produzierte Verblender, Steinzeugfliesen mit Relief oder Intarsien bis zu farbenfrohen Jugendstil-Fliesen reicht die Produktpalette.

Was die Firma von anderen unterscheidet sind die Vielfalt und Flexibilität. Hier fließt auch das Wissen erfahrener Keramiker mit ein, die wie Geschäftsführer Tomas Grzimek und der Modelleur Heiko Gomille aus der Werkstatt Hedwig Bollhagen kommen. Vieles in diesem Betrieb mit seinen zum Teil zentnerschweren Produkten ist diffizilste Handarbeit. Ob große Stückzahl oder Einzelfabrikate, sie alle verlangen eine aufwändige Vorarbeit.

Das ist selbst bei einem schlichten Ziegelstein so. Da einst fast jedes Dorf seine eigene Ziegelei hatte, gab es keine genormten Maße, keine einheitlichen Materialmischungen und Brennverfahren. So sind für jeden zu restaurierenden alten Backsteinbau Ziegel "maßzuschneidern": Nach alter Tradition werden Lehm oder Ton mit genau bemessenen Zusätzen per Hand in Holzformen geschlagen; Wasser oder Sand - je nach der Oberflächenstruktur des Originals - verhindern das Ankleben der weichen Ziegelmasse in der Form; das Brennverfahren ist jeweils so zu wählen, dass schließlich Farbe und Rohdichte exakt dem Sanierungsobjekt angepasst sind. Was hier schon mühsam genug ist, wird bei den vielgestaltigen glasierten und unglasierten Formziegeln, bei den Teilen für Ziergiebel, Maßwerk oder Gesims zum Kunsthandwerk. Für jedes Detail ist eine Form herzustellen, und das geht nicht einfach über einen Abguss des Originals, denn auch das Schrumpfen während des Brennens muss einkalkuliert werden. Die Kunst der Modelleure ist gefragt, und mitunter muss auch ein Bildhauer beauftragt werden. Oft sind es Einzelstücke oder Formsteine in ganz geringer Zahl – der vorangehende Aufwand ist der gleiche wie für eine Massenproduktion, doch die gibt es in diesem Spezialbetrieb so gut wie nie. Wenn also diese Unikate ihren Preis haben, so darf man sicher sein, dass dahinter auch die entsprechende Leistung steht.

Die Mitarbeiter der GOLEM GmbH nehmen ihre Verantwortung in der Denkmalpflege sehr ernst. Wie in Hohensaaten ist ihre Kunstfertigkeit in etlichen brandenburgischen Dorfkirchen wie z. B. in Groß Lindow, Reitwein und Brodowin zu bewundern, aber auch in Sakral- und Profanbauten in ganz Deutschland und im Ausland. Selbst in Japan gibt es Fußbodenplatten mit dem GOLEM-Stempel.

Eva Gonda

Kontaktadressen: GOLEM GmbH Kunst– und Baukeramik; Frankfurter Str. 2 a; 15236 Sieversdorf; Tel.: (03 36 08) 8 99 10; Fax: (03 36 08) 8 99 12;
E-Mail: golem.gmbh@t-online.de, Internet: www.golem-baukeramik.de
Zweigstelle: Chausseestr. 60; 16259 Altglietzen; Tel.: (03 33 69) 7 52 43; Fax: (03 33 69) 7 52 44

 
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Im Einsatz für Europas kulturelles Erbe

Vor zwanzig Jahren wurde ECOVAST gegründet

Vor zwanzig Jahren, am 30. März 1984, wurde im kleinen 120-Seelen-Dorf Bellnhausen bei Gladenbach (Kreis Marburg-Bellnhausen) auf Betreiben des Förderkreises Alte Kirchen Marburg der europäische Verband für den ländlichen Raum ECOVAST (European Counsil for the Village and Small Town) gegründet. 1978 hatte der Marburger Förderkreis die kleine Fachwerkkapelle in Bellnhausen aus dem 16./17. Jahrhundert in sein Eigentum übernommen, damit vor dem Abbruch bewahrt und in den folgenden Jahren instand gesetzt. Wie der FAK Berlin-Brandenburg 2003 erhielt der Marburger FAK 1981 ein Diplom von Europa Nostra.

Damals wurden im ländlichen Raum zahlreiche Gebäude - auch Kirchen, darunter viele aus Fachwerk - abgerissen. Der FAK Marburg suchte Gleichgesinnte im Kampf um die Erhaltung des kulturellen Erbes - auch im Ausland. Die Bemühungen gingen von einem ersten Treffen anlässlich der Europa-Nostra-Tagung 1978 in Hamburg aus und dauerten noch sechs Jahre bis zur endgültigen Gründung des Verbandes. Teilnehmer bzw. Gründungsmitglieder kamen u. a. aus Deutschland, Frankreich, Italien, Dänemark, Großbritannien, Österreich und Jugoslawien.

Die erste große Tagung mit rund hundert Teilnehmern fand 1986 in Straßburg im Europapalast beim Europarat und Europäischen Parlament statt. Der neue Verband nahm maßgeblich an der vom Europarat ausgerufenen Kampagne für den ländlichen Raum 1987/88 mit eigenen Tagungen in Portugal und in Lübeck-Travemünde an der deutsch-deutschen Grenze teil. Bereits 1988 wurde in Celle die (west-)deutsche Sektion gegründet; Mitglied aus der DDR war der Schriftsteller Raimer Gilsenbach. Noch am 17. Juni 1990 gründete sich eine eigene DDR-Sektion, die sich im November 1990 bei der Internationalen Jahreshauptversammlung als gleichberechtigte mit der westdeutschen Sektion zusammenschloss.

Mit dem politischen Wandel 1989/90 in Mittel– und Osteuropa wurden dort mehrere Sektionen ins Leben gerufen, wie in der DDR so in Polen, Ungarn, in der Tschechischen Republik (leider ohne dauerhaften Bestand), Rumänien, Kroatien, Russland, Mazedonien, Estland und auch in Schweden, Italien und Großbritannien.

Mit anderen Organisationen protestierte ECOVAST gegen die Zerstörung von Dörfern und Landschaft durch den Braunkohlenabbau in der Niederlausitz und in Sachsen, setzte sich während des Kriegs in Jugoslawien 1992 für die Erhaltung des ländlichen Raums, der Bevölkerung und des kulturellen Erbes ein. Mit der Tagung in Otocec half ECOVAST 1997 Kulturpfade vor allem in Slowenien und Kroatien zu errichten. Mehrere Arbeitsgruppen leisteten differenzierte Arbeit. Auf der Jahreshauptversammlung 1990 legte der Verband eine "Strategie für den ländlichen Raum in Europa" vor, der u. a. als Grundlage für die Charta für den ländlichen Raum des Europarates diente. ECOVAST hat beratenden Status beim Europarat und ist Mitglied im Ausschuss für ländliche Entwicklung bei der Europäischen Kommission in Brüssel.

Die Deutsche Sektion veranstaltete mehrere Fachtagungen vor allem in den ostdeutschen Ländern, half bei der Gründung der Arbeitsgemeinschaften Urlaub und Freizeit auf dem Lande sowie zur Erhaltung und Nutzung von Gutsanlagen in Mecklenburg und Vorpommern. Sie ist - wie auch der FAK Berlin-Brandenburg - Mitglied der Märkischen Akademie für den ländlichen Raum.

Im Jubiläumsjahr findet die Jahreshauptversammlung der Deutschen Sektion Ende März in Franken, Anfang April die Sitzung des Internationalen Vorstandes in Marburg und Bellnhausen statt. Anlässlich des Beitritts der mitteleuropäischen Länder zur EU werden Grenzgänge mit den Deutschen und Polnischen bzw. Österreichischen, Slowakischen, Ungarischen und Kroatischen Sektionen organisiert. Eine Fachtagung zur Landschaft wird im Juni in Rumänien stattfinden, die Internationale Jahreshauptversammlung im November in Ungarn.

Angus Fowler

Auskünfte über: Andrea Weigert, General-Sekretärin,ECOVAST, c/o Akademie für die ländlichen Räume Schleswig-Holsteins; Mühlenberg 10 in 24340 Eckernförde; Tel. (0 43 51) 8 66 66, Fax: (0 43 51) 75 25 75; E-Mail: andrea.weigert@alr-sh.de

 

Europa Nostra tagt in München

Die diesjährige Jahreshauptversammlung des europäischen Denkmalschutzverbandes Europa Nostra wird Anfang Juni in München stattfinden. Neben der Europäischen Preisverleihung am 4. Juni - im vorigen Jahr hatte auch der FAK Berlin-Brandenburg ein Diplom erhalten - stehen auf dem Programm u. a. ein internationales Forum zum Thema "Erhaltung und Nutzung von Sakralbauten, insbesondere Kirchen" (3. Juni), eine Benefizveranstaltung zur Finanzierung des kulturellen Austauschs von Studenten und jungen Berufstätigen im Bereich der Denkmalpflege von Mittel– und Osteuropa (2. Juni) sowie eine Exkursion zu verschiedenen Kirchen und Klöstern in Bayern.

Europa Nostra feierte im vergangenen Jahr sein vierzigjähriges Bestehen. Dem europäischen Denkmalschutzverband, der dem Europarat eng verbunden ist, gehört der Förderkreis Alte Kirchen Marburg seit 1978 an. Angus Fowler, Vorstandsmitglied des Marburger FAK und Vorsitzender des FAK Berlin-Brandenburg, ist seit 1984 im Vorstand von Europa Nostra. Zur Zeit führt Europa Nostra die europäische Kampagne für die Ermäßigung der Mehrwert-Steuer auf denkmalpflegerische Arbeiten.

Auskünfte über Sekretariat für Europa Nostra; 35 Lange Voorhout, NL 2514 EC Den Haag; Tel.: 0031-70-302 4050; Fax: 0031-70-361 7865; E-Mail: www.europanostra.org

 
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Lassen Sie sich ein Stück Empore schenken

 Dorfkirche Zernikow - Blick zum Altar
 Großbildansicht

Eine Bitte um Spenden erreicht uns von der Evangelischen Kirchengemeinde Zernikow bei Rheinsberg:

Die Kirche von Zernikow gehört mit dem ehemaligen Rittergut und dem sogenannten Fredersdorff´schen Erbbegräbnis zu einem kulturhistorischen und den Ort prägenden Denkmalensemble. Dieses Kleinod aus dem 13. Jahrhundert ist noch immer teilweise bedroht. Durch Spenden und Fördermittel konnten die Außenhülle saniert und die durch Holzwurmbefall gefährdete kostbare Innenausstattung stabilisiert werden. Seit Anbeginn unterstützte der FAK die Arbeiten finanziell und beratend. Durch seine Vermittlung kam auch eine Stiftung des FAK-Mitgliedes Knut Köbler aus Frankfurt am Main zustande.

Mit der nun anstehenden Innenrestaurierung ist die kleine Kirchengemeinde überfordert. Es geht u. a. um die fachmännische Sanierung der 19 Felder an den Emporen, deren Einzigartigkeit darin besteht, dass noch die Originalbemalung aus dem Jahr 1770 vorhanden ist.

Die Restaurierung eines Feldes kostet 1.750,- EUR. Gesucht werden nun Spender.

Wollen Sie sich auch an dieser dringenden Rettungsaktion beteiligen und vielleicht mit Gleichgesinnten die Kosten für die Erhaltung eines Feldes übernehmen oder sich ein Feld zu einem besonderen Anlass schenken lassen? Ganz sicher ein nachhaltiges Geschenk! Sie bekommen die Originalrechnung der Restauratorin und eine Spendenbescheinigung. Die Namen der Spender sollen auf einer Ehrentafel in der Kirche eingetragen werden.

Ansprechpartner:

Pfarrer Reinhard Dalchow, Burow, Tel. (03 30 82) 5 03 41 oder (0 30) 41 72 42 28

Dr. Angela Hubrich, Zernikow, Tel. (03 30 82) 7 03 74

Erwin Häusler, Zernikow, Tel. (03 30 82) 5 12 01

Knut Köbler, Frankfurt / M.; Tel. (0 69) 62 34 28

Auch der Förderkreis Alte Kirchen möchte bei der Restaurierung der kostbaren Innenausstattung helfen und schließt sich der Bitte um Spenden an:

Spendenkonto: 5199 767 005; Berliner Volksbank e.G., BLZ 100 900 00; Kennwort: Zernikow

 
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DOKUMENTATIONEN

Aus Sicht der Wissenschaftler

Dorfkirchen. Beiträge zur Architektur, Ausstattung und Denkmalpflege. - Im Juni 2003 veranstaltete der FAK eine gut besuchte Fachtagung in Prenzlau. Der Dokumentationsband zu dieser Veranstaltung erscheint im März 2004 unter der Herausgeberschaft des FAK im Lukas Verlag Berlin. Die um weitere interessante Beiträge ergänzte Aufsatzsammlung verbindet die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema "Dorfkirche" und das Engagement um die Bewahrung der ländlichen Sakralbauten. Nach langer – auch wissenschaftlicher – Vernachlässigung beschäftigen sich zahlreiche Wissenschaftler mit den Baudenkmalen.

Archäologen, Architekten, Denkmalpfleger, Historiker, Kunsthistoriker und Restauratoren gehen mit ihrer speziellen Sichtweise an das Thema und lassen in der Summe erkennen, um welch zentrales Kulturgut es sich in den überkommenen Ensembles aus Bauwerk und Ausstattung handelt. So zeigte sich nicht selten, dass wir es mit architektonischen und künstlerischen Ausstattungen ersten Ranges zu tun haben. Deutlich wird auch der siedlungs- und kulturgeschichtliche Quellencharakter der Dorfkirchen. Letztlich handelt es sich dabei um ein Wissen, das auch den Bemühungen zur Erhaltung und Instandsetzung der gefährdeten Bauwerke und ihres Inventars zugute kommt.

Die Präsentation findet am 1. April im Berliner Dom statt.

Bernd Janowski, Dirk Schumann (Hrsg. im Auftrag des Förderkreises Alte Kirchen Bln.-Brdbg.): Dorfkirchen. Berichte zur Architektur, Ausstattung und Denkmalpflege (Band 3 der Reihe "Kirchen im ländlichen Raum")
Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin 2004, ca. 500 S. mit zahlreichen Abb., Preis: 36, - EUR

 

Arbeitsförderung und Denkmalpflege

Denkmalpflege und Arbeitsförderungsmaßnahmen — verträgt sich das? Antworten zu diesem immer wieder umstrittenen Thema bietet die Landesagentur für Struktur und Arbeit (LASA) Brandenburg GmbH jetzt in der LASA-Dokumenta-tion Nr. 16 an. Neben grundsätzlichen Aussagen dazu wie u. a. im Interview mit Landeskonservator Prof. Dr. Detlef Karg gibt die Broschüre anhand vieler praktischer Beispiele Einblick in die Planung, Organisation und Ausführung der Arbeiten bei der Rettung und Bewahrung historischer und kultureller Wahrzeichen im Land Brandenburg. Viele Arbeiten waren und sind nur durch die Bereitstellung zusätzlicher Mittel über die Arbeitsämter möglich. Dargestellt wird, wie Fördermöglichkeiten am effektivsten genutzt und dabei unterschiedliche Finanzierungen kombiniert werden können. Die Dokumentation will Bauherren in den Kommunen Mut machen, Arbeitsförderprojekte in der Denkmalpflege anzugehen.

Neben der Erhaltung denkmalgeschützter öffentlicher Bauten, denkmalgerechtem Stadtumbau, neben Bodendenkmalpflege und der Sanierung historischer Parks nimmt die Restaurierung von Sakralbauten, insbesondere von Dorfkirchen, einen großen Raum ein. Auch hier wird der Beweis angetreten, dass sich selbst bei sehr diffizilen Arbeiten eine Vergabe-ABM bewähren kann, wenn eine präzise Anleitung, Begleitung und Kontrolle durch den zuständigen Vergabe-Betrieb gesichert ist.

Schließlich wird am Beispiel Denkmalpflege im Kloster Stift zum Heiligengrabe ein Projekt besonderer Art vorgestellt: die Arbeit einer Jugendbauhütte. Bei solchen Einrichtungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz haben junge Menschen Gelegenheit, sich in einem "Freiwilligen Jahr der Denkmalpflege" mit dieser Thematik theoretisch und praktisch vertraut zu machen.

Bestellungen: LASA Brandenburg GmbH; Postfach 900 354; 14439 Potsdam; Telefon: (03 31) 60 02-2 00 ;Fax: (03 31) 60 02-4 00; Internet: www.lasa-brandenburg.de; E-Mail: office@lasa-brandenburg.de; Schutzgebühr 8 EUR plus Porto

 

Verzeichnis der Fördervereine erschienen

Erstmals liegt jetzt ein Verzeichnis der Fördervereine und Initiativen zur Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung von Kirchen und sakralen Bauwerken im Land Brandenburg vor, herausgegeben vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg .

Mit dieser Veröffentlichung erhalten die Initiativen eine praktische Handreichung, um untereinander in Erfahrungsaustausch zu treten. Zugleich ist sie ein Nachschlagewerk für Interessierte, die Kontakt zu einem Verein in ihrer Region suchen, und auch ein "Mutmacher" zur Gründung weiterer Initiativen. Verzeichnet sind 118 lokale Fördervereine und sieben überregional tätige Initiativen.

Das Verzeichnis erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist vielmehr der erste Versuch einer schon längst geforderten Bestandsaufnahme, die möglichst in regelmäßigen Abständen aktualisiert und erweitert werden soll. Der Förderkreis Alte Kirchen ist deshalb an Ihrer Meinung zu dieser Sammlung und an Anregungen für eine eventuelle Neuauflage interessiert.

Zur Aktualisierung von Adressen oder Angaben ist der Broschüre ein Fragebogen beigefügt, der auch an sich neu gründende Vereine oder bisher nicht erfasste Initiativen weitergegeben werden kann.

Bestellungen: Geschäftsstelle des FAK; Schutzgebühr 5 EUR inklusive Porto

 
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DIE BÜCHERSEITE

Klingendes Lokalkolorit

Karl Richter: Der Freienwalder Orgelbauer Georg Mickley Ein Beitrag zur Geschichte des märkischen Landorgelbaus

Es sind nicht nur die großen Namen, sondern auch die kaum bekannten Kleinmeister, denen wir Kulturgeschichte verdanken. Das gilt besonders für den Orgelbau, der ja zwangsläufig stets ortsgebunden ist.

Karl Richter hat sich liebevoll dem Leben und Schaffen des Orgelbauers Georg Mickley (1816-1889) zugewendet, der sich einst wie der Autor selbst das Oderstädtchen (Bad) Freienwalde zur Wahlheimat erkoren hatte, nur eben mehr als hundert Jahre früher. Von hier aus deckte er hauptsächlich den Orgelbedarf der näheren Region und schuf damit ein Stück klangliches Lokalkolorit.

Weil gerade der zweite Weltkrieg eine erhebliche Dezimierung des Originalbestandes mit sich gebracht hat, trägt Richters Arbeit auch maßgeblich dazu bei, diesen wertvollen regionalgeschichtlichen Mosaikstein zunehmender Vergessenheit zu entreißen. Dass es dafür gute Gründe gibt, zeigen die bisher gewonnenen Erkenntnisse. Daraus ergibt sich u. a., dass Mickley als ein orgelbauliches Bindeglied zwischen dem berühmten Breslauer Meister Johann Christian Benjamin Müller (1771-1847) und dem nicht minder bedeutenden Gottlieb Heise (1785-1847) in Potsdam anzusehen ist, wofür auch die äußeren und inneren Baumerkmale der von Richter in Wort und Bild dargestellten Instrumente sprechen. Es wird spürbar, dass wir es nicht nur mit einer Lokalgröße, sondern mit einem wirklichen Meister zu tun haben, der seine Kunst beherrschte und im Rahmen seiner Auftragsmöglichkeiten nichts zu wünschen übrig ließ. Somit ist das Büchlein als wichtiger Beitrag zur regionalgeschichtlichen Aufarbeitung des märkischen Landorgelbaus zu begrüßen und jedem Orgelfreund zu empfehlen.

Die Publikation ist in einem Berliner Kleinverlag erschienen, der sein Verhältnis zu Autoren eher als Solidargemeinschaft begreift. An einem solchen Ort gibt es zwar keine Bestsellerträume, dafür aber zuweilen unkonventionelle Produktionswege, Bücher, die nie vergriffen sind, und immer ein offenes Ohr für Menschen, die etwas zu sagen haben.

Wolf Bergelt

Verlag FREIMUT & SELBST
ISBN 3-9805293-4-7
10,00 EUR

 

Mit Fontane und Feustel durch die Mark

Jan Feustel: Fontanes Lieblingskirchen in der Mark

Schon damals hätten sich beide gut ergänzt: Theodor Fontane auf Entdeckungsreisen durch Dörfer und Städtchen der Mark Brandenburg, auf den Spuren ihrer Geschichte und deren Repräsentanten, und Jan Feustel mit ebensolchen historischen Interessen und seinem zusätzlichen Fundus an kunst- und kirchengeschichtlichem Wissen. Fontane steuerte vorrangig die Herrenhäuser und Schlösser an auf seiner Suche nach "bedeutenden märkischen Köpfen". Diese haben sich auch in ihren Kirchen verewigt. Dem in der Regel einzigen verbliebenen Zeugen der Geschichte, dem Kirchengebäude, widmet sich Feustel in dem vorliegenden Band detailfreudig kompetent und füllt damit die Leerstellen, die sein Vorreisender Fontane hinterließ. Fünf Generationen später weiß man zudem etwas mehr, und das nicht nur im Hinblick auf genauere Baudaten, die uns dendrochronologische Untersuchungen beschert haben.

"Fontanes Lieblingskirchen" erscheinen hier in der Reihenfolge seiner "Wande-rungen", von den Dorfkirchen Wustrau und Karwe über St. Trinitatis Neuruppin, St. Laurentius Rheinsberg, die Klosterkirchen Lehnin und Chorin bis zu St. Moritz Mittenwalde und die Schlosskapelle Hoppenrade. 30 weitere Kirchen beschreibt Feustel und bebildert Christel Wollmann-Fiedler auf 150 Fotos. Viele Innenräume gilt es selbst zu entdecken – Fontane und Feustel laden dazu ein.

Berlin-Edition in der Quintessenz-Verlags GmbH
152 Seiten, 24,80 EUR
ISBN 3-8148-0126-1

 

Dirk Schumann (Hg.): St. Marien zu Beeskow. Archäologie-Baugeschichte-Ausstattung

Es gilt, die von Fontane als eine der schönsten Kirchen in der Mark eingestufte Liebfrauenkirche neu zu entdecken, wenn sie denn wiederhergestellt ist. Zur Einstimmung macht diese Monographie mit den jüngsten bau– und kunsthistorischen Erkenntnissen über St. Marien vertraut.

Lukas Verlag
250 Seiten, 25,- EUR
ISBN 3-931836-32-0

 

Melanie Ehler (Hg.): Der Garten als Lust– und Nutzobjekt. Schlösser und Gärten in Mecklenburg und Vorpommern

Begleitbuch zu der 2003 in Barth gezeigten Ausstellung. Neben den Residenzen Schwerin, Güstrow, Ludwigslust, Neustrelitz und Putbus werden u. a. die Schlossparkanlagen Bothmer, Griebenow und Schlemmin vorgestellt und untersucht. 100 teils farbige Abbildungen.

Lukas Verlag
130 Seiten, 16,90 EUR
ISBN 3-936872-05-8

 

Julia Schrader: Bauhistorisches Lexikon. Baustoffe, Bauweisen, Architekturdetails

In ca. 2000 Stichworten werden historische Baustoffe, Bauelemente und Bauweisen in ihrer zeitlichen Entwicklung beschrieben bis hin zu der Frage, wie heute mit dieser Bausubstanz umzugehen ist.

Edition anderweit
220 Seiten, 320 Abb.
68,- EUR

 

Alle hier genannten Bücher sind auch über die FAK-Geschäftsstelle erhältlich (Versandkosten 2 Euro):c/o Bernd Janowski, Kastanienallee 69, 10119 Berlin, Tel./Fax: (0 30) 4 49 30 51, BerJnwsk@aol.com oder BerJnwsk@aol.com

 
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AUS UNSERER POSTMAPPE

Ein goldener Stern am Gewölbe als Dankeschön für den FAK

Anlässlich des Jahreswechsels erreichten den Förderkreis Alte Kirchen neben Wünschen für weitere erfolgreiche Arbeit auch Danksagungen für die Unterstützung bei der Erhaltung und Instandsetzung örtlicher Kirchengebäude.

Für die Kirchengemeinde in Wismar (Uckermark) schreibt Pfarrer Hagen Kühne (Strasburg): "Durch viele Spenden sowie durch Ihren Einsatz ist viel bewegt worden. Dafür möchten wir im Namen der Kirchengemeinde herzlich Dank sagen." Im Rückblick auf das vergangene Jahr berichtet er u. a. von der erfolgreichen Mauerwerktrockenlegung mit Unterstützung der Agrargenossenschaft Groß-Luckow, von einem gut besuchten Benefizkonzert und der restaurierten Farbfassung des Kanzelkorbes. Damit sei das Ziel in greifbare Nähe gerückt, "der Dorfgemeinschaft das geistige Zentrum zu erhalten und den festlichen Raumeindruck, den die barocke Ausstattung vermittelt, wieder herzustellen".

"Im zurückliegenden Jahr durfte die Kirchengemeinde Jabel Ihre Hilfe erfahren", schreiben Berthold und Margitta Schirge vom Pfarramt in Papenbruch (Ostprignitz-Ruppin). "Dank Ihrer Vermittlung und finanziellen Unterstützung kann sich die Gemeinde jetzt eines schönen und würdigen Kronleuchters in ihrem Gotteshaus erfreuen." Das Meisterstück eines Berliner Schmieds vermittelte und finanzierte der Förderkreis Alte Kirchen, vermerkt das Gemeindeblatt. Im selben Blatt werden auch die großen Fortschritte bei der Wiederherstellung der Kirche in Teetz (Ostprignitz-Ruppin) gewürdigt. Der örtliche Förderverein hatte seit Jahren dafür Fördermittel beantragt und den notwendigen Eigenanteil durch Spendensammlungen erbracht. Seit Anbeginn begleitet der FAK diese Initiative.

Ein besonderes Dankeschön für unsere Unterstützung erreichte uns vom Förderverein Alte Neuendorfer Kirche (Pots-dam-Babelsberg): ein Zertifikat über eine Sternenpatenschaft. "Unser" Stern im Sternenhimmel des Kirchengewölbes trägt die Nummer D 105.

"Durch Ihr Engagement haben Sie in hohem Maße dazu beigetragen, das Baudenkmal Blindower Dorfkirche in seinem Bestand zu erhalten", schreibt Architekt Olaf Beckert (Prenzlau). Mit den Fördermitteln, Spenden und Eigenmitteln konnten nach acht Jahren intensiver Bemühungen der Dachstuhl saniert und das Dach des Kirchenschiffes in Blindow (Uckermark) gedeckt werden. "Wir möchten uns bei Ihnen für Ihre Arbeit und Mühe bedanken", heißt es in dem Brief. Im Namen des Gemeindekirchenrates von Blindow sagte auch GKR-Vorsitzende Astrid Mesecke herzlichen Dank.

 

Dringender Appell an Wahlkandidaten

Durch das Förderprogramm "Dach und Fach" konnten wertvolle Baudenkmale, darunter viele Kirchen, vor dem endgültigen Verfall bewahrt werden. Die Streichung des Programms macht deutlich, dass die Kulturstaatsministerin und das gesamte Kabinett dem Denkmalschutz nur geringen Stellenwert einräumen. Was sagen die Bundestagsabgeordneten dazu? Bei der traditionellen Informationsveranstaltung des FAK im Berliner Dom wurde festgestellt, dass die Hälfte aller brandenburgischen Kirchen noch immer vom Verfall bedroht ist.

Mit Blick auf die Europawahl am 13. Juni und die Landtagswahl in Brandenburg am 19. September sollte jede Gelegenheit genutzt werden zum Appell an alle Bundestagsabgeordneten und neu zu wählenden Volksvertreter, das Dach-und-Fach-Programm zu verlängern oder ein gleichwertiges neues Programm zu schaffen.

Rainer Lachmann, Berlin

 
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