Mandy Oys

Jahrzehnte vergessene Malereien entstehen in Zernikow neu

Zernikow (GZ) Ende des 18. Jahrhunderts saß Carolina von Labes in der Patronatsloge der Zernikower Kirche nahe dem Bildnis ihrer Tochter. Die Wandgestaltung im klassizistischen Stil war schon rund ein Jahrhundert später überstrichen und so vergessen worden.

Klemens Rechner vom Gemeindekirchenrat lässt den Blick schweifen: Noch in diesem Jahr soll die Bordüre im oberen Teil der Wände des Kirchenschiffes restauriert werden.
© MZV

Die Malereien an den Wänden waren übertüncht, das Holz des Logen-Schrankes morsch, weil es auf feuchtem Untergrund stand. Die Sitzbank war Jahrzehnte auf dem Dachboden untergebracht. Jetzt, da die Patronatsloge der Zernikower Kirche restauriert ist, stehen Besucher wieder inmitten eines Raumes wie ihn Frau von Labes erlebt haben muss.

Die Wände sind bemalt, als ob sie mit Marmor geschmückt wären. Eine Gestaltung, die sich durch die gesamte Kirche zieht, sagt Pfarrer im Ruhestand, Reinhard Dalchow. In verschiedenen Farben finden sich die Marmormalereien im Gotteshaus. Dalchow weist auf die Emporenbrüstung und in Richtung des Altars.

Geglückt ist laut Restaurator Jochen Hochsieder auch das Lichtkonzept. Sparsame LEDs sind verbaut worden, die dimmbar sind. Die Beleuchtung sei für Gottesdienste, aber auch Konzerte geeignet. Und sie sei nicht zu sehen, so lange sie ausgeschaltet bleibt. Das Innere der Zernikower Kirche ist zum großen Teil restauriert. Altar, Orgel, Bleiverglasung - all das ist längst wiederhergestellt. Ein weiterer großer Schritt war die Patronatsloge, darin waren sich Restaurator Hochsieder und Pfarrer Dalchow am Mittwoch einig.

Und die nächsten Arbeiten sind geplant. Noch in diesem Jahr soll die Bordüre, die einst das gesamte Kirchenschiff umrahmte, wiederhergestellt sein.

Die Wandbordüre ist ebenfalls ein Zufallsfund, allerdings einer, der schon vor mehr als einem Jahrzehnt gemacht worden war. Dalchow zufolge habe man sich damals geeinigt, diesen Teil der Sanierung erst einmal zurückzustellen. Es gab wichtigeres.

Ein kleiner Teil der Bordüre - des gemalten Gesims unterm Dach wie Jochen Hochsieder sagt - ist freigelegt. Wie viel noch erhalten ist und wie viel ergänzt werden muss, werden die Restauratoren im Sommer wissen. Im Mai soll mit den Arbeiten begonnen werden - "sobald es warm ist", sagt Hochsieder.

Das Besondere - das zu betonen liegt Renate Breetzmann vom Gemeindekirchenrat und Reinhard Dalchow am Herzen - ist die finanzielle Förderung für Zernikow. Andere Gotteshäuser bekämen ebenfalls finanzielle Mittel, aber nur für die Außenfassade. Mit Bankier Koebler hatte Reinhard Dalchow aber vor vielen Jahren einen Mann durch die Zernikower Kirche geführt, der sein Vermögen später einer Treuhandstiftung zugunsten des Gotteshauses überließ. So stehen für die Sanierung der Kirche in den kommenden zwei Jahren noch einmal 12 000 Euro zur Verfügung, sagt Dalchow.

Die Sakristei, der bröckelnde Putz am Erbbegräbnis und am Eingangsportal sind dank Koebler die nächsten Projekte.

Märkische Onlinezeitung vom 08. Februar 2017

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