Matthias Henke

Kirche Zernikow: Überraschung bei Restaurierung

Zernikow (GZ) Nicht schlecht gestaunt haben die Restauratoren unter Leitung von Jochen Hochsieder am Freitag in der Zernikower Kirche. Eigentlich sollten sie in der Patronatsloge Schichten alten Anstrichs entfernen, um diesen anschließend erneuern zu können. Doch sie fanden alte Wandmalerei.

Wiederentdeckt nach mehr als hundert Jahren: die Darstellung einer Urne mit dem Porträt von Amalie Caroline von Arnim, der Mutter von Achim von Arnim.
© MZV

"So etwas kommt für einen Restaurator höchstens alle zehn bis 15 Jahre vor", so Hochsieder. "Das ist schon sensationell." Schmutz war darauf sowie mehrere Schichten Kalk, die mechanisch mit Hilfe von Skalpellen entfernt werden. Die Arbeiten dauern an.

Besonders von Bedeutung ist ein Porträt von Amalie Caroline von Arnim, geborene Labes, Mutter des berühmte Schriftstellers Achim von Arnim, die drei Wochen nach dessen Geburt verstorben war. Es befindet sich über dem Kamin und wurde wohl kurz nach ihrem Tod 1781 aufgebracht. Wie auch einige Girlanden, die die Restauratoren ebenfalls fanden, ist es in der sogenannten Grisaille-Technik, sprich ausschließlich in Grau, Weiß und Schwarz ausgeführt. "Noch können wir nicht einschätzen, wie viel fehlt", so Hochsieder. Das Ziel sei der Erhalt und die komplette Freilegung der Malerei.

Auch für den Pfarrer im Ruhestand Reinhard Dalchow war die freigelegte Malerei eine Überraschung - eine positive, auch wenn dies einigen Mehraufwand bedeutet. Nun müsse er sich auf die Suche nach Geldgebern begeben, die helfen, den Mehraufwand zu finanzieren. Den Verantwortlichen schwebe vor, die Malerei als Gesamtbild zu vervollständigen. Er gibt sich jedoch optimistisch. "Jeder wird einsehen, das man so etwas nicht planen kann", sagt er. Ging man ursprünglich von Kosten in Höhe von rund 4000 Euro aus, werden sich diese nun auf zirka 10000 Euro belaufen, schätzt Dalchow.

Die Arbeiten sollen im Oktober beendet werden. In der kalten Jahreszeit seien Arbeiten sowieso schwierig bis unmöglich.

Mit Malerei verziert ist im Übrigen auch das Kirchenschiff einst gewesen. Mittlerweile findet sich davon jedoch fast nichts mehr. "Auch die Kirche wurde immer von der Mode beeinflusst, und irgendwann entsprach es nicht mehr dem Zeitgeschmack", sagt Jochen Hochsieder. Reste an der Decke rechts neben der Orgel vermitteln einen kleinen Eindruck.

Überrascht wurden die Restauratoren von dem Fund auch, weil zwar 1914 ein Denkmalinventar angelegt wurde, die Malerei darin aber nicht auftaucht. So sei davon auszugehen, dass gleich zu Beginn des 20. beziehungsweise Ende des 19 Jahrhunderts die Kalkschicht aufgetragen wurde.

Insgesamt sei bei der Restaurierung der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten gut eine halbe Million Euro verbaut worden, so Dalchow. "Und schon vor sieben, acht Jahren haben wir geglaubt, wir seien bald fertig", so Dalchow. Zuletzt sei neue, indirekte LED-Beleuchtung installiert worden. Nötig sei die Technik zweifellos gewesen, auch wenn es lange gedauert habe, bis die Denkmalbehörden ihren Segen gaben. "Die Kirche ist kein Museum, sondern regelmäßig im Gebrauch für Konzerte und Gottesdienste", so Dalchow.

Anlässlich des Maulbeerfestes am Sonnabend werde die Kirche zwischen 14 und 16 Uhr geöffnet sein, kündigte Reinhard Dalchow an. Dann haben Interessierte die Möglichkeit, einen Blick auf die jüngst freigelegte Malerei zu werfen.

Märkische Onlinezeitung vom 02. August 2016

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