Die Dorfkirche von Mansfeld (Landkreis Prignitz)

Dorfkirche Mansfeld 
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Dorfkirche Mansfeld
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Das kleine Prignitz-Dorf Mansfeld, nordwestlich von Pritzwalk, hat auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches zu bieten. Trotzdem taucht der Name des Ortes in jeder besseren Literaturgeschichte auf als Geburtsort des Dichters Gottfried Benn, der zu den größten deutschsprachigen Lyrikern des 20. Jahrhunderts zählt. Gottfried Benn kam am 2. Mai 1886 als Sohn von Caroline Jequier, einer Erzieherin aus der romanischen Schweiz, und des protestantischen Pfarrers Gustav Benn in Mansfeld zur Welt. Bereits ein halbes Jahr später zog die Familie nach Sellin in der Neumark, wo der Vater eine neue Pfarrstelle erhielt. Am ehemaligen Pfarrhaus, in dem bereits der Großvater Gottfried Benns wirkte, erinnert seit 2003 eine Gedenktafel an den nicht unumstrittenen Dichter.

Die Mansfelder Kirche ist ein schlichter Fachwerksaal ohne Turm, die 1651 entstand, nachdem ein Vorgängerbau vermutlich im dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Beeindruckend in ihrer Geschlossenheit ist die schlichte Ausstattung der Bauzeit: Die Felder des Kanzelkorbes zeigen die vier Evangelisten mit ihren Attributen. Gegenüber dem Eingang befindet sich die Patronatsloge der Familie von Putlitz mit ornamental durchbrochener Schranke. Zwei Wappenfelder, die ursprünglich an der Empore befestigt waren, sind heute in der Kapelle des Schlosses im nahe gelegenen Wolfshagen zu besichtigen. Ein Inschriftgrabstein für Joachim von Putlitz aus dem Jahr 1658 ist an der Wand neben dem Patronatsgestühl befestigt.

Für Gottesdienste wird die Mansfelder Kirche nicht mehr genutzt. Der 2002 gegründete "Gottfried Benn Förderkreis Mansfeld" hat im Kirchenraum eine sehenswerte Ausstellung zum Leben des Dichters eingerichtet und bemüht sich, den Raum mit kulturellen Veranstaltungen zu neuem Leben zu erwecken. Ein Höhepunkt war im vergangenen Jahr die Ausstellung "Poetische Wanderungen" mit Bildern der polnischen Künstlerin Joanna Wieruszewska zu Gedichten von Ursula Kramm-Konowalow, die im Rahmen der Vernissage zweisprachig vorgetragen wurden. Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Projektes "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen" wesentlich vom Förderkreis Alte Kirchen und von der Kultuerstiftung des Bundes unterstützt.

Neben der Pflege der Erinnerung an das Leben von Gottfried Benn und der Nutzung des Kirchengebäudes als kulturellen Veranstaltungsraum fühlt sich der Mansfelder Förderkreis auch dem Denkmalschutz verpflichtet. Nachdem 1931 letztmalig Reparaturarbeiten an der Kirche stattfanden, sind erneute Instandsetzungsmaßnahmen dringend nötig.

Bei einem Ortstermin vor wenigen Tagen mit Vertretern des Förderkreises Alte Kirchen und der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises wurde festgestellt, dass der freistehende hölzerne Glockenstuhl vor dem Westgiebel der Kirche akut im Bestand gefährdet ist, da seine Schwellenbalken fast vollständig verfault sind. Bis zu einer erfolgten Notsicherung darf die mittelalterliche Bronzeglocke, die inschriftlich "Maria und der heiligen Anna Selbdritt geweiht" ist, nicht mehr geläutet werden. Dringende Hilfe ist notwendig, an der sich auch der Förderkreis Alte Kirchen beteiligen wird.

Weitere Informationen: Gottfried Benn Förderkreis Mansfeld e.V.; Christian Tanneberger; Tel.: (03 39 81) 8 05 99; E-Mail: GBennMansfeld@t-online.de



Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 09. September 2009: Vereinbarung könnte Mansfelder Kirche retten
Märkische Allgemeine vom 11. Juli 2011: Benn-Förderkreis will Spenden sammeln
Märkische Allgemeine vom 16. November 2012: Noch keine Retter in Sicht
Mitteilungsblatt Mai 2015: Wo der Dichter Gottfried Benn einst zu Hause war
Der Prignitzer vom 25. Juli 2016: Gottfried Benn im Heute
Märkische Allgemeine vom 21. Oktober 2016: Gottfried-Benn-Kirche in schlechtem Zustand

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