Noch keine Retter in Sicht

Mansfelder Kirche soll erhalten werden, doch für die Sanierung fehlt das Geld / Hoffen auf Fördermittel

MANSFELD - Um die denkmalgeschützte Kirche im Putlitzer Ortsteil Mansfeld steht es nicht besonders gut. Nach letztmaligen größeren Reparaturen im Jahre 1931 sind erneute Instandsetzungsmaßnahmen dringend notwendig.

Schon vor ein paar Jahren musste der freistehende hölzerne Glockstuhl notgesichert werden, da er wegen verfaulter Schwellenbalken umzufallen drohte. Zunehmend machen Witterungseinflüsse der Kirche zu schaffen: Dass Feuchtigkeit durch das kaputte Dach nach innen dringt, ist an der Holzdecke im Kirchenschiff gut erkennbar. Balken des Fachwerkbaus, der in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts nach dem 30-jährigen Krieg errichtet wurde, sind durch aufsteigende Nässe und Insekten geschädigt. Am Westgiebel lösen sich die Stirnbretter, die Verbretterung, die an der Wetterseite das alte Fachwerk schützen soll, fault weg. Seit kurzem bemüht sich auch noch ein Specht, die morschen Bretter zu durchlöchern.

Der Zustand ist seit langem bekannt und beklagt. Jüngst kamen nun aber Menschen in Mansfeld zusammen, um einen Weg zur Rettung der Kirche zu finden. Das Treffen angeregt hatte Wolf-Dietrich Meyer-Rath vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Außer ihm nahmen Pfarrer Volkhart Spitzner sowie Vertreter der Kreis- und der Landesdenkmalbehörde und vom Mansfelder Gottfried-Benn-Förderkreis teil. Einen Scheck hatte keiner in der Tasche. Aber es war ein Einstieg in die Lösungssuche. Hilfe will der Förderkreis Alte Kirchen leisten, doch zunächst müssen, so hieß es, Hausaufgaben vor Ort gemacht werden.

Dazu gehöre, wie Ortrud Effenberger, Leiterin der Kreisdenkmalschutzbehörde vorgestern am Telefon erläuterte, von Sachverständigen ein genaues Schadensbild und ein Sanierungskonzept fertigen zu lassen. Dann wäre, nachdem mögliche Kosten ermittelt sind, ein Finanzierungskonzept nötig. Mit dem könne man sich auf die Suche nach Geldgebern machen. In der Regel sei so eine Sanierung nicht von der Kirchgemeinde allein zu stemmen, weshalb sich auch im Ort Engagement entwickeln müsse.

Pfarrer Volkhart Spitzner rechnet auf Grundlage veralteter Kostenschätzungen mit Gesamtkosten von rund 180 000 Euro für die Sanierung von Kirche und Glockenstuhl. "Selbst bei Ausschöpfung von Fördermöglichkeiten ist damit zu rechnen, dass der Eigenanteil der Kirche aufgrund der geringen Anzahl von Gemeindemitgliedern in Mansfeld immer zu hoch ist", meinte er gegenüber der MAZ. Die Kirchengemeinde Mertensdorf, zu der Mansfeld gehöre, "weiß sich besonders für das Geläut verantwortlich", doch könne die Sanierung des Glockenstuhls nur Teil eines Gesamtprojektes sein. Die Gemeinde wolle nun als nächstes die Kostenschätzung aktualisieren lassen, um dann weitere Schritte zu überdenken. Über ein Engagement des Mansfelder Gottfried-Benn-Förderkreises zur Kirchenrettung würde er sich sehr freuen, so Pfarrer Spitzner.

Der Verein nutzt die Kirche seit einigen Jahren für seine Benn-Dauerausstellung und Veranstaltungen. Wie Eike Tanneberger vom Vereinsvorstand erläuterte, wolle man gern helfen, Sponsoren oder Fördermittelgeber zum Erhalt des ortsbildprägenden Gebäudes zu finden. "Der Verein sieht sich aber nicht in der Lage, bei dem Projekt voran zu gehen weder finanziell noch organisatorisch", sagte sie und verwies auf die erwartete neue Kostenschätzung. Eike Tanneberger: "Dann müssen die Kirchenältesten über das Schicksal der Mansfelder Kirche entscheiden." (Von Ulrich Fischer)

Märkische Allgemeine vom 16. November 2012

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