Die Dorfkirche Bücknitz (Landkreis Potsdam-Mittelmark)

Dorfkirche Bücknitz 
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Dorfkirche Bücknitz innen
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Wer sich dem Dorf Bücknitz nähert, ob er auf der "Chaussee" oder den Ackerwegen aus dem Fiener Bruch herankommt, hat den Turm der Bücknitzer Kirche als Fluchtpunkt vor Augen. Auch in Bücknitz selbst, einem Dorf mit "100 Feuerstellen" in der südwestlichen Ecke Brandenburgs, ist die Kirche nicht zu übersehen, denn sie steht immer noch mitten im Dorf. Sie ist natürlich das älteste Gebäude im Dorf, und wer sie erblickt, bewundert immer wieder die Dauerhaftigkeit der Feldsteinbauweise und die Schlichtheit, Zweckmäßigkeit und Wohlproportioniertheit des Baus. Und vor allem: Das Gebäude hat Kriege und verschiedenartige Regime überdauert und ist in seiner Dauerhaftigkeit den Dorfbewohnern ein Sinnbild für Beständigkeit und Verlässlichkeit.

Die Kirche beeindruckt durch ihre klare Form: ein Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert mit eingezogenem Chor und einer großen Apsis. Der Westturm stammt aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Innern des Baus fällt die Ausmalung auf, die aus der Restaurierung von 1887 stammt und insbesondere den Triumphbogen farbig ausgeschmückt hat. Die Zeit hat die Farben merkwürdig hell eingefärbt und ihnen so eine etwas frappierende Modernität mitgegeben. Der spätromanische Taufstein zieht sofort die Blicke auf sich, ein Würfelkapitell auf einem achteckigen Fuß aus späterer Zeit, dessen Seitenflächen mit Rankengeflecht aus Sandstein überzogen sind. An den Ecken hocken breitbeinig vier löwenartige Dämonen in seltsam verrenkter Stellung: unten wenden sie dem Beschauer ihre Rückseite mit dem Schwanz zu, oben aber ihre Vorderseite mit langen, bartartigen Mähnen, emporgereckten Ohren und menschenähnlichen Gesichtern. Ihre Vordertatzen strecken sie durch das Laubwerk hindurch nach oben zum Tragen der Platte. Das Reich der Mythen und der fremden Götter scheint im Schmuck gebändigt.

Außer dem barocken Altaraufbau und dem Patronatssitz findet sich wenig, was die Augen auf sich zieht, will man nicht das altersschwache Harmonium erwähnen, das laut Aufschrift aus Woodstock (!) stammt. Die Wände zeigen Feuchtigkeitsschäden. Von der Decke im Altarraum hängt eine nackte Schnur, an der vor Zeiten ein sechsarmiger Messingleuchter hing aber eben nur noch die Schnur. Auf der Empore zeichnet sich der Umriss einer Orgel ab, die nicht mehr vorhanden ist. Dies sind die Spuren der Plünderung durch die Rote Armee in den letzten Kriegswochen 1945. Die Dorfbewohner erzählen, wie noch zuvor der Taufstein von einem Bauern in Verwahrung genommen wurde, wie der Kronleuchter verschwand, wie Pferde in die Kirche getrieben wurden und einen Teil der Kirchenbänke zerstört haben, dass wertvolle Altardecken und Teppiche, mit denen die Kirche ausgelegt war, als Pferdeunterlagen verwandt wurden usw. Dieser Bruch lebt in der Erinnerung der Menschen fort, und die Kirche ist nie wieder ganz in den früheren Stand versetzt worden. Das Altarbild von Christus und dem ungläubigen Thomas von 1896 weist noch immer lange Messerschnitte auf. Die Kirchenbänke jedoch wurden bei Kriegsende ausgelagert und wieder instandgesetzt, und noch immer auffällig sind die vielen auf den Bänken aufgedruckten Namen, mit denen die Stammplätze der Familien festgelegt wurden. Der Zugang zur Kirche ist seit einigen Grundstücksstreitigkeiten aus der DDR-Zeit verdeckt, und schon mancher Besucher der Sommerkonzerte fand keinen Weg zum Kircheneingang.

Modell 
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In den letzten Jahrzehnten fanden die Gottesdienste im Winter in einer Privatwohnung und nur im Sommer in der Kirche statt. Mitte der 90er Jahre wurde unter Beteiligung des Denkmalschutzes unter der Empore von dem in Bücknitz ansässigen Stellmacher Erich Heine eine "Winterkirche" errichtet, die elektrisch beheizbar ist. Nun ist diese kleine Kirche in der Kirche auch im Winter für Gottesdienste nutzbar. Eine neue Nutzung für die Kirche ergab sich, als einige Neu-Bücknitzer im Jahr 1998 auf die Idee kamen, in der Kirche eine Sommerkonzertreihe zu etablieren. Diese wurde von den Besuchern gut angenommen, und so gründete sich im November 1999 der Kulturförderverein Bücknitz e. V. mit 16 Mitgliedern, der seitdem regelmäßig sechs Sommerkonzerte und ein Weihnachtskonzert in der Kirche veranstaltet und hierzu einen Nutzungsvertrag mit der Kirchengemeinde abgeschlossen hat.

Der Verein will sich nun auch um die Sanierung der Bücknitzer Kirche bemühen. Der Gemeindekirchenrat des Kirchspiels Ziesar hat einen Antrag zunächst auf Sanierung der Außenhaut der Kirche gestellt, womit unter anderem starke Putzschäden am Turm und Schäden in der Balkenkonstruktion des Turms behoben werden sollen. Der Innenraum nun die Außensituation der Kirchen sollen später angegangen werden. Damit die Gemeinde Zuschüsse erhält, muss ein Eigenanteil bei der Finanzierung erbracht werden. Diesem Eigenanteil dient die Sammlung von Spenden durch den Kulturförderverein. Er hat im Jahr 2003 als ersten Schritt seine Mietzahlung für die sieben Konzerte pro Jahr freiwillig verdoppelt. In einem zweiten Schritt hat er von einer Architekturstudentin ein eindrucksvolles Modell der Bücknitzer Kirche anfertigen lassen, das als "Sparbüchse" benutzt werden kann. Mit diesem Modell hat der Verein bei den Sommerkonzerten 2003 beständig Spenden für die Kirche gesammelt.

Spendenkonto des Kulturfördervereins Bücknitz e. V.: Mittelbrandenburgische Sparkasse BLZ 16050000, Nr. 3625002417; Vermerk: Spende für Kirchensanierung

Webseite: www.buecknitzer-sommerkonzerte.de (mit Satzung des Vereins und Terminen)

E-Mail: boehm-christl@freenet.de

Tel. des Vereins: 033830/60095


Nachträge:
Mitteilungsblatt März 2006: Barocker Leuchter auf großer Fahrt
Märkische Allgemeine vom 17. Oktober 2008: Stadt Ziesar setzt sich für Sanierung der Bücknitzer Dorfkirche ein
Märkische Allgemeine vom 28. August 2009: Frischzellenkur für Bücknitzer Kirche
Märkische Allgemeine vom 03. Juni 2010: Der Turm der Bücknitzer Kirche hat seine aufgearbeitete Spitze wieder


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