BAUEN: Neue Hoffnung auf Rettung

Stadt Ziesar setzt sich für Sanierung der Bücknitzer Dorfkirche ein und will Fördermittel akquirieren

BÜCKNITZ - Die junge Kirchenälteste Katrin Zacher, Ortsbürgermeister Karl-Heinz Guhl und Mitstreiter vom Bücknitzer Kulturförderverein hoffen eins: "Dass endlich Bewegung in die Sache kommt."

Daher können sie den kürzlich gefassten Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Ziesar, "die Dorfkirche im Ortsteil Bücknitz in den nächsten Jahren zu sanieren", nur begrüßen. Das Investitionsprogramm ist entsprechend zu präzisieren, heißt es. Denn aufgrund der Schädigung an dem denkmalgeschützten und ortsprägenden Gebäude, das auch außerkirchlich genutzt wird, besteht dringender Handlungsbedarf. Amtschef Norbert Bartels nennt eine Gesamtsumme für die Sanierung von Turm und Schiff von rund 180 000 Euro. Wie beim Schul- und Bethaus Dretzen wird eine Finanzierung aus dem Fördertopf ländliche integrierte Entwicklung (ILE), Mitteln der Kirchengemeinde, Kommune und des Denkmalschutzes des Kreises angestrebt. Voraussetzung ist eine Vereinbarung über eine öffentlich-rechtliche Nutzung. "Unser Antrag von 2007 wird jetzt präzisiert und auf den Weg gebracht", sagte Bartels gestern auf Nachfrage.

Der aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Westturm hat es am allernötigsten. Um Besucher der Gottesdienste und der 1998 etablierten und inzwischen überregional bekannten Sommerkonzerte vor abbröckelndem Putz zu bewahren, mussten am Eingang Holzbohlen als schützendes "Dach" aufgestellt werden.

"Es wurde schon viel geredet, immer wieder waren Gutachter da, mehrere Konzepte wurden abgegeben, doch bislang herrscht Stillstand", berichten Katrin Zacher, deren einjährige Tochter zuletzt im Bücknitzer Gotteshaus getauft wurde, und Karl-Heinz Guhl, für den dieses Ereignis 61 Jahren zurückliegt. Abgesehen von der Mitte der 90er- Jahre eingerichteten Winterkirche, blieben Sanierungsbemühungen bisher erfolglos. Dabei haben die Bücknitzer zur Rettung des aus dem 13. Jahrhundert stammenden Feldsteinbaus, dessen wertvollstes Stück der romanische Taufstein ist, einiges auf die Beine gestellt. So wurden 2003 vom Kulturförderverein unter Vorsitz des Berliners Thomas Böhm-Christl und 2006 von der Kirchengemeinde Sammelaktionen gestartet, bei denen einige tausend Euro zusammenkamen. Handgemalte Bilder der Kirche wurden versteigert, zu ihrem Gunsten selbst gebackener Kuchen verkauft, freiwillig die Mietzahlung des Vereins für Sommerkonzerte verdoppelt. "Es haben auch viele im Dorf gespendet, die nicht zu Gottesdiensten gehen", betont Katrin Zacher. "Die Leute sind enttäuscht, wenn sie von ihrem Geld keine Ergebnisse sehen." Auch Kirchspiel-Vorsitzende Siglinde Wendt setzte sich ein. Ein 2002 beim Amt für Flurneuordnung in Brieselang gestellter Förderantrag wurde indes abgelehnt, weil andere Maßnahmen dringender waren.

Nun hofft man auf ILE-Mittel. "Wir sind dafür prädestiniert, weil unter Einbeziehung des benachbarten Dorfgemeinschaftshauses allerhand Aktivitäten stattfinden." So gibt es jährlich sechs viel beachtete Sommermusiken und ein Weihnachtskonzert, die der Kulturförderverein organisiert. Frauen- und Kinderkreis der evangelischen Gemeinde stehen auch anderen offen. "Es wäre schön, wenn im nächsten Jahr endlich mit dem Turm begonnen werden könnte", so Zacher und Guhl.

Dieses Ziel hat offenbar auch Bürgermeister Dieter Sehm: "Mit dem Grundsatzbeschluss verpflichtet sich die Stadt und wird alles tun, um Fördermittel zu akquirieren." (Von Claudia Nack)

Märkische Allgemeine vom 17. Oktober 2008

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