BAUEN: Neue Haube schwebt ein

Der Turm der Bücknitzer Kirche hat seine aufgearbeitete Spitze wieder

BÜCKNITZ - Genau um 9.28 Uhr hebt sich die restaurierte Schieferhaube, die bis gestern früh noch neben der Bücknitzer Kirche stand, langsam in die Luft. Ein Kran hievt die sieben Tonnen schwere Haube, die von der Dachdeckerfirma Blank aus Caputh aufgearbeitet worden war, wieder an ihren angestammten Platz auf dem Turm.

Ein halbes Dutzend Bücknitzer will dieses Schauspiel nicht verpassen. Ein Kran der Firma Höbi aus Beelitz macht die Aktion möglich. "Jetzt geht es los", so Jutta Paul, die die Kirchturmspitze in den letzten Monaten vor ihrem Badfenster zu stehen hatte.

Kranfahrer Norbert Wurthe, der die Haube bereits im Herbst abgenommen hatte, bleibt ruhig und reagiert auf die Handzeichen der Zimmerer. Langsam steigt die an langen Seilen hängende Last Meter für Meter in die Höhe. Erst schwebt sie neben dem Turm, dann darüber. Nun muss alles genau passen. "Der Hebearm des Kranes musste 36 Meter ausgefahren werden, um die Haube etwa 15 Meter über den Boden zu heben", erklärte er. Die Männer der Oehnaland GmbH um Meister Rüdiger Bülow leisten Präzisionsarbeit. Nach 45 Minuten ist die Haube auf dem äußeren Schaft aufgesetzt und befestigt.

"Zu einer Kirche gehört auch ein Turm", finden die Zuschauer. "Das ist unsere Kulturgeschichte", sagt Ruth Guhl, die sich mit vielen anderen Bücknitzern seit Jahren im Kulturförderverein für den Erhalt des aus dem 13. Jahrhundert stammenden Gotteshauses einsetzte. Dienstag war die aufgearbeitete Kugel der Turmzier im Beisein von Bürgermeister Dieter Sehm gefüllt worden. "Wir haben Tageszeitung, das Jahresprogramm der Bücknitzer Sommerkonzerte, das Amtsblatt vom Juni und die in der alten Kugel gefundenen Münzen in die Hülse gesteckt", sagt Kirchenälteste Petra Busse. An der Wetterfahne ist nun die Jahreszahl 2010 zu sehen.

"Damit ist der erste Bauabschnitt abgeschlossen", so Sebastian Stedfeldt vom Planungsbüro IBS. "Möglich wurde das Projekt nur, weil der Kirchenkreis Elbe-Fläming und das evangelische Kirchenspiel Ziesar seit Jahren Förderanträge stellten", betont Heidrun Krüger vom Kirchenkreis. Bauherr ist das Amt Ziesar. Nach der Sanierung des Turmfachwerks soll das Dach des Kirchenschiffes noch 2010 mit Hilfe der Integrierten ländlichen Entwicklung gedeckt werden. (Von Silvia Zimmermann)

Märkische Allgemeine vom 03. Juni 2010

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