Die Dorfkirche Rosenwinkel (Landkreis Ostprignitz-Ruppin)

Dorfkirche Rosenwinkel 
Dorfkirche Rosenwinkel
Fotos: Bernd Janowski

Das Dorf Rosenwinkel liegt etwa auf halbem Wege zwischen Kyritz und Pritzwalk und verdankt seinen schönen Namen vermutlich dem Wunsch der mittelalterlichen Ortsgründer, den erwarteten Siedlern "blühende Landschaften" zu versprechen. Heute blühen Rosenstöcke am Bahnhof der Prignitzer Privatbahn, der nach zeitweiliger Schließung und anschließenden kräftigen Bürgerprotesten im Jahre 2001 wieder in Betrieb genommen wurde.

Rosenwinkel ist noch immer ein schönes Dorf, doch hat es in den letzten Jahren auch Verluste hinnehmen müssen: Noch in den späten 80er Jahren wurde das Gutshaus wegen Baufälligkeit abgetragen. Die Kirche verlor aus dem gleichen Grunde ihren markanten barocken Dachturm.

Trotzdem prägt das Kirchengebäude, ein rechteckiger Fachwerkbau des 17. Jahrhunderts, durch seine malerische Lage auf einem kleinen Hügel das Bild des Dorfes. Der Westgiebel wurde nach Abriß des Turmes neu verputzt; die Glocke, gegossen 1760 in Apolda, hängt in einem Stahlgerüst vor der Kirche.

Sehenswert im Inneren sind vor allen die Kabinettscheiben in den rundbogigen Fenstern, die aus dem Jahre 1657 stammen. Neben biblischen Motiven ist auf jeder Scheibe der Name des Stifters festgehalten. Geprägt wird der Raum durch den barocken Kanzelaltar mit geschnitzten Rocaillewangen und Altarschranken. Den Hintergrund des Kanzelkorbes bildet eine gemalte Kreuzigungsszene. Auf die wechselnden Besitzer des Rittergutes verweisen die Wappen der Familien von Karstedt, von Pauli und von Freier am Kanzelkorb.

Bei näherer Betrachtung des Altars stößt man auch auf das Hauptproblem der Rosenwinkeler Kirche. Frisches Holzmehl verweist auf aktiven Insektenbefall. Ein holzschutztechnisches Gutachten benennt den "Gewöhnlichen Nagekäfer" sowie den "Hausbockkäfer". Die Schnitzwerke aus Lindenholz weisen eine massive Schädigung auf, einzelne Ornamente sind bereits auseinander gebrochen. Ebenfalls betroffen sind die Dachkostruktion, das Gestühl und der Fußboden. Als sofortige Maßnahme ist eine Begasung des Innenraumes erforderlich, um den Insektenfraß zu stoppen. Doch dies kostet Geld, das die kleine Kirchengemeinde nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung hat.

Eine ehemalige Rosenwinklerin, seit Jahrzehnten in Berlin lebend, hat sich intensiv mit der Geschichte des Dorfes und der Kirche beschäftigt. Elke Krebs-Köppe kann ausführlich über Geschichte und Geschichten ihres Heimatortes erzählen. Ihre Forschungsergebnisse sollen demnächst als Buch vorliegen. Vorerst hat sie sich der Rettung des Kirchengebäudes verschrieben und die Gründung eines Vereins angeregt. Am 7. Mai 2003 wurde der Förderverein Rosenwinkel e.V. gegründet, der die Geschichte des kleinen Ortes in der Prignitz erforschen, sich aber auch an der Dorfentwicklung beteiligen möchte. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Kirchengebäude und seiner Ausstattung.


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 30. September 2006: Halbzeit an der Kirche
Märkische Allgemeine vom 07. August 2007: Vorstand des Fördervereins rechnet mit dem Dorf Rosenwinkel ab
Märkische Allgemeine vom 14. Mai 2008: Rosenwinkler Gotteshaus bekommt restaurierte Fenster
Märkische Allgemeine vom 28. Mai 2009: Zur letzten Jahresversammlung des Fördervereins Rosenwinkel waren nur noch wenige Mitglieder anwesend

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