Dorfkirche in Rosenwinkel

Dem Schwamm geht’s an den Kragen

Seit Jahren schon ist die Dorfkirche in Rosenwinkel vom echten Hausschwamm befallen. Im Herbst 2017 wurde sie offiziell gesperrt. Nun soll sich aber in Sachen Schwammsanierung etwas tun, die Finanzierung dafür scheint auch zu stehen.

Pfarrer Christian Ruch kann keine Gottesdienste mehr in der Kirche abhalten.
Quelle: Christian Bark
 
Die idyllisch gelegne Kirche ist seit September 2017 gesperrt.
Quelle: Christamaria Ruch
 
Der Altar muss vor Schwammbefall bewahrt werden.
Quelle: Christian Bark
 
Auch am Fachwerk zeigt sich der Verfall.
Quelle: Christian Bark
 
Der Schwamm wächst schon wieder nach.
Quelle: Christian Bark

Rosenwinkel Wer am Wochenende bei der Kulturnacht in Rosenwinkel die Gelegenheit genutzt hat, kurz einen Blick in die Dorfkirche zu werfen, wird ihn sicher sofort gerochen haben: den modrigen Geruch. „Das ist mit eine Folge des echten Hausschwamms, der die Kirche schon vor Jahren befallen hat“, sagte Pfarrer Christian Ruch. In dem Gebäude gebe es kaum Möglichkeiten zur Belüftung. Auch, dass die Kirche seinerzeit verputzt worden war, hält der Pfarrer für einen Fehler. Weil die Feuchtigkeit so nicht über das Gestein ausweichen könne, wie er erklärte.

Gottesdienste finden in dem Fachwerkgebäude schon länger nicht mehr statt. Die Kirche ist seit September 2017 offiziell gesperrt. Zeitgleich begannen Überlegungen, wie das Problem gelöst und die Kirche vor dem Verfall gerettet werden könnte. Im Februar hatte sich ein Förderverein gegründet, der sich reger Teilnahme erfreut. „Wir sind schon über 30 Mitglieder“, berichtete die stellvertretende Vereinsvorsitzende, Christiane Hoffmann. Zuletzt hatte der Verein am Samstagabend zur Kulturnacht unter anderem in den Pfarrgarten nach Rosenwinkel geladen. Die Spenden, die er für die Veranstaltung einnahm, sollen zum Großteil dem Erhalt und der Sanierung der Kirche zugute kommen.

Zugleich hatte Christian Ruch noch eine gute Nachricht. Die Finanzierung für die Schwammsanierung ist gesichert. Laut vorläufigem Finanzierungsplan wird die Beseitigung der Pilzplage rund 60 000 Euro kosten. Etwa die Hälfte davon wird durch staatliche Förderprogramme getragen. „Ich hatte zuvor immer gedacht, in den Staatskirchenvertrag werden nur repräsentative Kirchen aufgenommen“, sagte Christian Ruch. Stark sanierungsbedürftige und vom Verfall bedrohte Kirchen könnten auch in den Genuss dieser Förderung gelangen. Das Potsdamer Kulturministerium habe dem Antrag stattgegeben und einen Zuwendungsbescheid versandt.

Demnach wird der Evangelische Kirchenkreis Prignitz mit 16 500 Euro und die Kirchengemeinde Jäglitz-Nadelbach mit 7000 Euro an der Sanierung beteiligt. Weitere 7000 Euro werden durch landeskirchliche Beihilfe fließen. „Vom zuständigen Ingenieurbüro heißt es, dass ein Beginn der Sanierung bis spätestens August realistisch ist“, so der Pfarrer. Das ist seiner Ansicht nach auch dringend notwendig, denn nachdem der Fruchtkörper des Schwamms Anfang des Jahres bereits abgesaugt worden war, wächst der Pilz an einigen Stellen schon wieder nach. Das könne man am verbliebenen Gestühl aber auch in den Furchen bereits entfernter Sitzbänke sowie der entfernten Fußbodenschicht beobachten.

Abriss wäre keine Lösung

Gemälde und besagtes Gestühl sind bereits aus der Kirche entfernt worden, auch der Altar sollte laut Christian Ruch ringend saniert und vor einem Schwammbefall bewahrt werden. „Es wird sich zeigen, was die Sanierungsarbeiten noch alles zutage fördern“, sagte Christiane Hoffmann. Womöglich sei der Schwamm im Bodenbereich nur die Spitze des Eisbergs. „Experten hatten uns sogar schon prophezeit, dass die gesamte Kirche weichen müsse“, berichtete Christian Ruch. Bei einem Abriss und Neubau sei aber zu bedenken, dass das Gebäude dann seinen Denkmalstatus verlieren würde.

Soweit wollen es Kirchgemeinde und Förderverein jedoch nicht kommen lassen. Auch wenn selbst das Fachwerk deutliche marode Stellen aufweist, machten ihnen die Worte des Geschäftsführers des Förderkreises „Alte Kirchen“, Bernd Janowski, im Februar doch Mut. „Die Kirche hat eine erhaltenswerte Substanz und gehört zum kulturellen Gedächtnis im Dorf“, hatte dieser damals gesagt. In Brandenburg gebe es 1600 Kirchen. „Bisher haben wir es immer geschafft, dass keine Kirche abgerissen werden muss“, so der Geschäftsführer weiter.

Dafür, dass die erhaltenswerte Substanz weiter besteht, will der Förderverein auch in Zukunft Spenden sammeln, wie Christiane Hoffmann ankündigte.



Dritte Fachwerkkirche an selber Stelle

1666 wurde das Gebäude als mittlerweile dritte Fachwerkkirche an dieser Stelle errichtet. Die Kabinett Fenster von 1657 stammen noch aus dem Vorgängerbau.
Die Innenausstattung ist weit über 200 Jahre alt. Bis 1987 verfügte die Kirche auch über einen Turm. Dieser wurde abgerissen.
2013 wurde erstmals echter Hausschwamm in der Kirche festgestellt. Seit September 2017 ist das Gotteshaus gesperrt. Anfang 2018 gegründete sich ein Förderverein zum Erhalt der Kirche. Zu dieser Zeit fand ein erstes Absaugen des Schwamms statt.


Von Christian Bark

Märkische Allgemeine vom 31. Mai 2018

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