Die Dorfkirche von Niebendorf (Teltow-Fläming)

 
Fotos: Wolfram FriedrichGroßbildansicht
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"Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Ein Spruchband mit der Weihnachtsbotschaft aus dem 2. Kapitel des Lukas-Evangeliums, gehalten von barock gewandeten Engelsfiguren in einer bewegten Wolkenlandschaft, ziert die tonnengewölbte Decke der Dorfkirche in Niebendorf. In den letzten Wochen hatte das Restauratoren-Ehepaar Christl und Thoralf Herrschel täglich viele Stunden auf einem Gerüst in der Kirche verbracht, um Wasserflecken und andere Schäden an der Deckenmalerei zu beseitigen, sie von Jahrzehnte alten Verschmutzungen zu reinigen und abblätternde Farbstellen sorgsam wieder zu festigen. Dabei waren sie erstaunt, dass die um 1750 von Joseph Gerlach geschaffenen Bilder nahezu vollständig im Originalzustand erhalten blieben. Vom erfolgreichen Abschluss der Restaurierung des barocken Innenraumes konnten sich am ersten Advents-Sonntag, dem 27. November, zahlreiche Besucher eines gut besuchten Konzertes mit dem Frauenchor der Gemeinde Niebendorf-Heinsdorf staunend überraschen lassen.

 
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Erstmals urkundlich erwähnt wird das damals noch zum Herzogtum Sachsen-Wittenberg gehörende Niebendorf, nordwestlich der Stadt Dahme gelegen, in einer Urkunde aus dem Jahr 1405. Dass der Ort älteren Ursprungs ist, beweist sein Kirchengebäude: Der kleine turmlose Feldsteinbau mit eingezogenem Chor und halbrunder Apsis entstand vermutlich bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Schlicht und bescheiden steht die Kirche neben einem einfachen hölzernen Glockenturm inmitten des Friedhofes. Umso überraschter ist der Besucher, wenn er durch das erst in späteren Jahrhunderten eingebrochene Westportal den Innenraum betritt und von einer unerwarteten barocken Vielfalt schier überwältigt wird. Der mit reichem Akanthus-Schnitzwerk geschmückte Altaraufsatz zeigt gemalte Szenen der Passionsgeschichte: Das Abendmahl in der Predella wird links von einer Darstellung Jesu mit Maria Magdalena, rechts vom Gebet am Ölberg flankiert. In der mittleren Ebene stehen neben der großformatigen Kreuzigung Abbildungen der Geißelung und des Ecce Homo. Darüber wiederum finden sich eine Auferstehungsszene und zwei Engelsfiguren, die ein Kreuz bzw. eine Geißelsäule tragen. Bekrönt wird das Retabel von einer Strahlengloriole mit dem jüdischen Gottesnamen.

Am Triumphbogen befindet sich die zur selben Zeit wie der Altar entstandene Kanzel mit Gemälden von Jesus und den vier Evangelisten in den Feldern des Kanzelkorbes. Eine Sanduhr erinnerte in vergangenen Zeiten den Pfarrer daran, die Gemeinde nicht mit allzu langen Predigten zu überfordern. Den Schalldeckel ziert ein Pelikan als Christussymbol. Eine schöne Taufe, die bemalte und mit gedrehten Säulen geschmückte Patronatsloge unter der Orgelempore sowie das ursprüngliche Pfarrgestühl vervollständigen die Ausstattung.

Noch vor wenigen Jahren war das gesamte Inventar der Niebendorfer Kirche vom Verfall bedroht. Farbschichten hatten sich gelockert, Zierelemente waren abgebrochen und an vielen Stellen wiesen stets neu auftauchende Häufchen von Sägemehl auf äußerst aktive Heerscharen von Holzwürmern hin. Durch das Engagement der Kirchengemeinde und des ganzen Dorfes war es möglich, nach und nach das Inventar instand zu setzen und zu restaurieren. Eingeworbene Fördermittel wurden immer wieder durch Spendensammlungen im Ort komplettiert. Auch der Förderkreis Alte Kirchen beteiligte sich mehrfach an der Finanzierung.

Im Zuge der Sanierungsarbeiten erlebten die Niebendorfer auch unerwartete Überraschungen. Bei einer Aktion der Einwohner zur Entrümpelung des Dachbodens wurden die Fragmente zweier Taufengel gefunden, von denen einer wohl aus der Kirche im benachbarten Heinsdorf stammte und der andere seinen ursprünglichen Platz in Niebendorf hatte. Obwohl die Holzsubstanz in einem äußerst fragilen Zustand war, hatte sich die originale Farbigkeit der Entstehungszeit erhalten, so dass die Wiederherstellung einer der beiden Figuren im Rahmen der Aktion "Menschen helfen Engeln" in Angriff genommen wurde. Frisch restauriert ist der Taufengel inzwischen in seine Heimatkirche zurückgekehrt und wird noch in diesem Jahr seine Aufhängung im Kirchenraum bekommen. Der Engel wird dem wunderschönen barocken Innenraum der Niebendorfer Kirche weiteren Glanz verleihen, so dass die bereits jetzt regelmäßig erscheinenden Kirchentouristen in Zukunft wohl noch häufiger den Fläming-Ort besuchen werden.

Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Am Golmberg; Pfarrer Dr. Joachim Boekels; Hauptstr. 1; 14913 Baruth/Mark, OT Petkus; Tel.: (03 37 45) 5 02 12


Pressespiegel:
Lausitzer Rundschau vom 05. Mai 2009: Der Wurm in Niebendorfs Kirche
Märkische Allgemeine vom 01. August 2009: Niebendorfer sammeln für die Restaurierung des großen Altars
Märkische Allgemeine vom 15. April 2010: Dirk Jacob bringt alte Schätze wieder zum Funkeln
Lausitzer Rundschau vom 08. Mai 2010: Niebendorfer Altar hat wieder barocken Glanz
Märkische Allgemeine vom 01. September 2010: Niebendorfer Kircheninneres wird weiter restauriert
Lausitzer Rundschau vom 10. Dezember 2010: Kanzel muss als Nächste in den Jungbrunnen
Lausitzer Rundschau vom 20. August 2011: Gotteshaus erhält barocken Glanz zurück
Märkische Allgemeine vom 11. Oktober 2011: Bis zum Advent soll die Niebendorfer Kirchendecke restauriert sein
Lausitzer Rundschau vom 28. November 2011: Deckengemälde in Niebendorfer Kirche strahlt wieder
Märkische Oderzeitung vom 13. Dezember 2011: Verschollener Taufengel ziert wieder Niebendorfer Kirche
Märkische Allgemeine vom 03. August 2012: Das schmeckt keinem Holzwurm
Lausitzer Rundschau vom 09. August 2012: Restauratoren machen die Empore in der Niebendorfer Kirche wieder schön und haltbar
Lausitzer Rundschau vom 12. September 2012: Einhundertjähriges Nickerchen auf dem Dachboden
Märkische Allgemeine vom 27. Dezember 2012: Säulen gerettet
Mitteilungsblatt September 2015: Ein Schatzkästlein lüftet sein Geheimnis
Märkische Allgemeine vom 24. Dezember 2015: Schwebende Engel über dem Altar
Märkische Allgemeine vom 17. November 2016: Barocke Kirche in alter Pracht
Märkische Allgemeine vom 10. Dezember 2016: Glocke mit Pilgerzeichen


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