Niebendorf

Barocke Kirche in alter Pracht

Dass ihr Gotteshaus eines Tages wieder so strahlen würde, hätten sich die Niebendorfer vor acht Jahren selber kaum träumen lassen. Dank fleißiger Helfer und vieler Sponsoren ist es nun geschafft. Demnächst findet ein Festgottesdienst zur Wiedereinweihung statt.

Joachim Boekels (r.) schaut zusammen mit Almut und Gerhard Niklowitz, wo bis zum Festgottesdienst noch Hand angelegt werden muss.
Quelle: Uwe Klemens
 
Orgel und Deckenmalereien wurden restauriert.
Quelle: Uwe Klemens
 
Der Taufengel schwebt wieder in alter Pracht über den Besuchern.
Quelle: Uwe Klemens

Niebendorf. Die Niebendorfer Kirche (Dorfkirche des Monats Dezember 2011) wirkt nur von außen wie ein unscheinbarer Feldsteinbau – erst wenn man sie betritt, offenbart sich ihre ganze Pracht. Leuchtende Wand- und Deckenmalerei, sowie prachtvolle Schnitzkunst an Altar, Empore und Patronatsloge geben einen tiefen Eindruck von der Kunstfertigkeit früherer Kirchenbaumeister.

Verfall in der DDR-Zeit

Wie viele ihrer Schwestern litt auch die Niebendorfer Kirche bis zum Mauerfall unter mangelnder Fürsorge, sodass der Glanz der barocken Innenausstattung nach und nach verloren ging. Als Joachim Boekels 2006 zuständiger Pfarrer wurde, lag ihm zunächst die Beschaffung einer zweiten Kirchenglocke am Herzen. Als die Fachleute anrückten, um die Machbarkeit des Projekts auszuloten, gerieten Denkmalpfleger und Restauratoren ins Schwärmen, sodass plötzlich die Idee einer Gesamtsanierung im Raum stand. 2008 machten sich die Niebendorfer ans Aufräumen, wobei nach und nach weitere Kostbarkeiten – beispielsweise zwei lange vergessene und auf dem Dachboden eingestaubte Taufengel – entdeckt wurden.

Dank zahlreicher Sponsoren konnte 2010 mit der Restaurierung des Altars begonnen werden. „Etwa im Jahresabstand folgten die Orgel, die Empore, die Kanzel und die Deckenmalerei“, erinnert sich Almut Niklowitz, die sich zusammen mit ihrem Mann Gerhard um die Sponsorengewinnung kümmerte. Als Motor hinter alledem gilt Gerd Queißer, dem es gelang, das ganze Dorf für den Kirchenerhalt zu begeistern und mit einzubeziehen. „Und unser Pfarrer“, ergänzt Almut Niklowitz, „so viel wie er, hat sich zuvor noch keiner seiner Vorgänger für unsere Kirche eingesetzt.“

Spenden über Konzerte und Kuchenverkauf gesammelt

Nicht nur als Helfer beim Aufstellen der Gerüste und als Putzkräfte haben sich Niebendorfer Christen wie Nicht-Christen in die Kirchensanierung eingebracht. Auch Benefizkonzerte, zum Teil mit hochrangigen Künstlern, mussten organisiert und vorbereitet werden. Dass beim Kaffeekränzchen vor der Kirche die Besucher dann nicht nur vom Kuchen und vom Konzert, sondern auch von der barocken Kirche schwärmten, war vielen Einwohnern Ansporn zum Weitermachen.

Mit der Sanierung der Patronatsloge und dem in dieser Woche erfolgten Einbau einer Sitzheizung ist die Innensanierung des Gotteshauses nun abgeschlossen. „Und es ist gut gelungen“, zeigt sich nicht nur Joachim Boekels beeindruckt. „Es ist schon ein kleines Wunder, dass das alles dank vieler Förderer gelungen ist und das ganze Dorf wie ein Förderverein zusammenstand, obwohl es keinen Förderverein gibt.“ Insgesamt 250 000 Euro wurden verbaut. Die größte private Einzelspende kam von einem Ehepaar aus Riesa im Anschluss an ein Benefizkonzert und betrug 5000 Euro.

Einweihung am 26. November

Am 26. November, genau einen Tag vor dem 1. Advent, wird die Barockkirche nun mit einem Festgottesdienst wieder eingeweiht. Um 14 Uhr wird Superintendentin Katharina Furian in einer Predigt das acht Jahre währende Engagement der vielen Helfer würdigen. Im Anschluss daran lädt der Niebendorf-Heinsdorfer Frauenchor zu einem kleinen Konzert.

Von Uwe Klemens

Märkische Allgemeine vom 17. November 2016

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