Die Dorfkirche von Märkisch Wilmersdorf (Teltow-Fläming)

 
 Großbildansicht
 Großbildansicht
 Großbildansicht

Erstmals im Jahr 1346 wird der südlich von Berlin zwischen den Kleinstädten Zossen und Trebbin gelegene Ort "Wilmerßdorff" urkundlich erwähnt. Um ihn von dem namensgleichen Wilmersdorf bei Berlin zu unterscheiden, erhielt er um 1650 den Zusatz Wendisch Wilmersdorf. Dieser Name wiederum passte in der Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr in den deutsch gesinnten Zeitgeist, woraufhin 1937 die Umbenennung in Märkisch Wilmersdorf erfolgte. Ursprünglich im Besitz der Edlen von Torgow zu Zossen wechselt das Dorf zwischen dem späten 15. und dem 17. Jahrhundert mehrfach den Eigentümer, bevor es 1684 Henning Bernd von Schwerin, der Kämmerer des Großen Kurfürsten, erwarb. Bis 1933 blieb die Familie von Schwerin im Besitz von Dorf und Rittergut Wendisch Wilmersdorf.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließ sich der Sohn Henning Bernds von Schwerin, Friedrich Bogislaw ein barockes Herrenhaus als Dreiflügelanlage errichten, von dem allerdings – nach mehrmaligen Um- und Ausbauten – nichts mehr zu erkennen ist. Nach einer letzten Umgestaltung im Jahr 1901 und einer erfolgreichen Sanierung zwischen 2000 und 2004 präsentiert sich das Gutshaus heute als imposanter neugotischer Bau im Tudorstil mit Türmen und Zinnenkranz.

Zeitgleich mit dem Ursprungsbau, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ließ Friedrich Bogislaw von Schwerin auf dem Fundament eines mittelalterlichen Vorgängerbaus auch eine neue Kirche bauen. Bereits 1746/47 wurde sie um einen östlich vorgesetzten quadratischen Gruftanbau und einen aufgesetzten Glockenturm mit Spitzhaube erweitert. Bis 1945 befanden sich in der als Begräbnisstätte der Schwerins dienenden Gruft siebzehn Särge dieser Adelsfamilie. Im Dreieckgiebel des Anbaus blieben das Allianzwappen der Familien von Schwerin und von Kanitz sowie eine Stifterinschrift erhalten.

Der schlichte Innenraum des Gotteshauses wird unter einer flachen Decke von einer Hufeisenempore bestimmt. Der einfache Kanzelaltar hat seitliche Durchgänge, was auf die Tradition verweist, das Abendmahl in beiderlei Gestalt mit einem Gang um den Altar zu verbinden. Auf der linken, der "Brotseite" empfingen die Kommunikanten kniend das Brot; auf der rechten, der "Weinseite", wurde ihnen der Kelch mit dem Wein gereicht.

Man sieht der Dorfkirche von Märkisch Wilmersdorf an, dass die letzte große Renovierung bereits lange zurückliegt; sie fand im Jahr 1928 statt. Großflächig blättert der Putz von der Fassade. Die Folgen eines größeren Wassereinbruchs 1997 konnten damals nur notdürftig beseitigt werden. Faulende Balken im Dachstuhl verweisen darauf, dass Feuchtigkeit schon immer ein Problem für das Kirchengebäude darstellte. Besonders die Verbindung zwischen Turm und Kirchendach ist anfällig für den Eintritt von Regen und Schnee. Der Kirchturm gilt mittlerweile als einsturzgefährdet, so dass das Läuten der Glocken eingestellt werden müsste. Die Fundamente müssen dringend trockengelegt werden. Und selbst im Innenraum blättert die gelbe Farbe von den Wänden.

Der Handlungsbedarf ist also immens. Bereits vor etlichen Jahren hatte sich der Förderverein Dorfkirche Märkisch Wilmersdorf gegründet, um die Kirchengemeinde bei ihren Bemühungen zum Erhalt der Kirche zu unterstützen. Seitdem konnten beträchtliche Spenden eingeworben werden, die jedoch allein bei weitem nicht ausreichen, um die notwendigen umfangreichen Sanierungsmaßnahmen zu finanzieren. Die eifrige Suche nach Fördermittelgebern gestaltete sich über die Jahre hinweg als äußerst schwierig, wurde jetzt jedoch mit einem ersten Erfolg gekrönt. Vermutlich noch im Frühjahr dieses Jahres kann mit der Instandsetzung des Daches vom Kirchenschiff begonnen werden. Gelder dafür kommen von der Landeskirche, der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, dem örtlichen Förderverein, der Kirchengemeinde, dem Lions Club in Seeheim a.d.B. und der Stadt Trebbin, zu der Märkisch Wilmersdorf seit einigen Jahren verwaltungstechnisch gehört. Der Förderkreis Alte Kirchen hat eine Unterstützung aus den Erträgen seiner Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen ebenfalls bereits zugesagt. Ein Anfang wäre damit gemacht. Weitere Bauabschnitte warten jedoch auf ihre dringend notwendige Realisierung und auch dafür wird wieder viel Geld gebraucht…

Weitere Informationen: Förderverein Dorfkirche Märkisch Wilmersdorf e.V.; Pfarrer Stephan Michalsky; Tel.: (03 37 01) 1 54 30; E-Mail: stephan.michalsky@kirch-line.de


Pressespiegel:
Märkische Allgemeine vom 19. April 2012: Endlich wird saniert
Märkische Allgemeine vom 21. August 2012: Gotteshaus in Schwarz-Rot-Gold
Kirche des Monats Oktober 2013 der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland
Gießener Allgemeine Zeitung vom 28. Februar 2015: Eine ganz besondere Art von Aufbau Ost


  zurück