Endlich wird saniert

Märkisch Wilmersdorfer Kirchengemeinde und Freunde des Gotteshauses atmen auf

MÄRKISCH WILMERSDORF - Das Äußere der Kirche offenbart einen Hilferuf für den, der nicht nur auf der Dorfstraße vorbeifährt, -radelt oder -wandert. Der Putz bröckelt, die Dachsteine sind in Unordnung und unter ihnen sieht es schlimm aus. Das weiß Pfarrer Stephan Michalsky nur zu gut. Seit 2005 steht er einem Förderverein vor, der sich dem Erhalt des Hauses widmet.

Die Unterstützung des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen war dringend nötig und erfolgreich in einer aussichtslos erscheinenden Situation: Im Kirchenkreis schien das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert trotz offensichtlichen Sanierungsbedarfs kaum finanzieller Förderung würdig. "Dabei kommen im Sommer viele Ausflügler vorbei. Der Förderkreis hat erfolgreich Kultur in das Haus geholt, Spenden empfangen. "Es ist Leben in dieser Kirche", sagt der Pfarrer. Nun ist auch der Kirchenkreis mit im Boot, verschiedene Finanziers, Kirchengemeinde und Förderkreis, so dass demnächst Bauleute für das Dach anrücken werden. Es besteht Hoffnung, dass es der erste Bauabschnitt von mehreren wird. Die Dorfkirche im früheren "Wendisch Wilmersdorf" war lange eine Patronatskirche. Das bezeugt ein Allianzwappen der Familien von Kanitz und von Schwerin am Giebel.

1684 erwarb Henning Bernd von Schwerin den Ort, seine Familie behielt die Hoheit über Dorf und Kirche bis 1933. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließ sein Sohn Friedrich Bogislaw auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus aus dem Mittelalter eine neue Kirche errichten, die 1746 um einen Gruftanbau für die Familie erweitert wurde. "Um ihn dem Kirchenvolk schmackhaft zu machen, wurde die Gruft mit einem Glockenturm und einer langen Spitzhaube versehen", vermutet Stephan Michalsky. Die Aktion hatte Geburtsfehler: Der Patron wünschte einen modernen klassizistischen Anbau, dessen Stil und Dachneigung nicht zu dem des barocken Langschiffs passte.

Der Turm war nie standfest und wurde in der 1950er Jahren verkürzt. Seit 2005 sichert ihn ein stählerner Ringanker. Die Eisenglocke und eine bronzene tun wieder ihren Dienst mit elektrischem Läutewerk. Innen wirkt die Kirche überraschend klein, sauber und fast gemütlich, was von textilen Bodenbelägen rühren mag. Hölzerne Einbauten wie die dreiseitige Empore, auf der zunächst nur ein Harmonium und seit 1963 eine kleine Schuke-Orgel steht, Pfeiler, der markante Kanzelaltar und das Gestühl sind in einem guten Zustand. Das aufgearbeitete Taufbecken mit Deckel aus dem 17. Jahrhundert ist eine Augenweide. Zu DDR-Zeiten verstrichene Dispersionsfarbe blättert an Wänden und Fensterlaibungen. Die separate Gruft der von Schwerins einst mit 17 Särgen bestellt ist heute Trauerhalle für kommunale und kirchliche Bestattungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Familiensärge anonym in die Erde des daneben liegenden Kirchhofs, eine Art "modern-sozialistische" Nacht- und Nebelaktion, weiß Sylvia Zimmermann. Zurzeit gibt es 51 Christen in Märkisch Wilmersdorf, die wie die Gadsdorfer und Lüdersdorfer zur Kirchengemeinde Christinendorf mit einem gemeinsamen Rat Kirchenältester gehören. Hier hat Sylvia Zimmermann den Hut auf. Die Ortsvorsteherin sorgt für wechselnde Ausstellungen über die Historie des Hauses an den Wänden ihrer Geburtskirche. Sie organisiert auch unzählige Aktionen: "Wenn ich Freiwillige brauche, gibt es bei den Kameraden der Feuerwehr und vielen Einwohnern immer ein offenes Ohr", sagt sie.

Pfarrer Michalsky hebt den glücklichen Umstand, aktive Kirchengemeindeglieder und mit dem neuen Schlosseigentümer einen Mäzen im Ort zu haben, hervor. Die bevorstehende Sanierung ist für alle, die sich seit Jahren mit Muskelkraft, Ideen und Spenden einbringen, Anerkennung und Freude. Dass die Kirche ein offenes Haus für Gläubige, Dorfbewohner und Besucher bleibt, versteht sich fast von selbst. (Von Andrea von Fournier)

Märkische Allgemeine vom 19. April 2012

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